Die Spielzeit 2026/27 der Oper Frankfurt

Spielplanpressekonferenz der Oper Frankfurt am 29. April 26 (© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de)

Heute stellte die Oper Frankfurt ihr Programm für die Spielzeit 2026/27 vor. Für den Intendanten Bernd Loebe ist es eine Jubiläumsspielzeit: Seit nunmehr 25 Jahren leitet er die Geschicke des Opernhauses in Frankfurt (länger als Ioan Holender/Wien und Peter Gelb/New York). Zur Würdigung seines großen Engagements für die Oper Frankfurt sprach bei der Programmvorstellung auch der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef.

Beide betonten die Wichtigkeit einer langfristigen und stabilen finanziellen Unterstützung der Oper und insbesondere des Orchesters. Aufgrund des anhaltenden, aber beileibe nicht selbstverständlichen Erfolgs der Oper Frankfurt, würdigte Josef die Oper Frankfurt als „FC Bayern der Opernwelt“.
Wo namhafte internationale Opernfestivals oft hinter den Erwartungen zurückbleiben, stellt das Programm der Oper Frankfurt für Loebe ein hochkarätiges Jahresfestival dar.

Spielplanpressekonferenz der Oper Frankfurt am 29. April 26
Opernintendant Bernd Loebe, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef

© Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Die Programmpräsentation wurde von Arien-Vorträgen der famosen Sopranistin Younji Yi (Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt), begleitet von Studienleiter Takeshi Moriuchi, glanzvoll umrahmt.

Spielplanpressekonferenz der Oper Frankfurt am 29. April 26
Younji Yi, Opernintendant Bernd Loebe, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef

© Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Mit der kommenden Spielzeit begeht Intendant Bernd Loebe ein Jubiläum. „25 Jahre: Das sind ein wenig Stolz, etwas mehr Verpflichtung, aber hauptsächlich die Neugier, die alle hier im Hause antreibt. Noch immer“, resümiert Loebe in seinem Vorwort zur neuen Saison. In einer Ära, die er selbst als einen steten „Wachstumsprozess über viele Jahre“ beschreibt, ist es ihm gelungen, die Oper Frankfurt als einen Ort zu etablieren, an dem „viele junge Menschen die Oper entdecken, und viele ‚alte‘ an ihrer Treue so lange wie möglich festhalten“.

Generalmusikdirektor Thomas Guggeis schreibt: „Ein Vierteljahrhundert, das ist schon keine Ära mehr – vielmehr eine Epoche mit all ihren Charakteristika: spannende Neuentdeckungen, sorgfältig ausgewählte Regieteams mit einzigartigen und so verschiedenen Handschriften, großartige Sänger-Darsteller*innen auf dem Sprungbrett zur internationalen Karriere oder von ebenjener dankbar zurück als Gast.“

Intendant Bernd Loebe berichtet darüber hinaus von den drängenden Fragen des Publikums nach dem Standort und dem Zeitpunkt für einen Opernneubau. Er betont: „Bis zur letzten Vorstellung in unserem jetzigen Haus ist es aber erforderlich, dass die finanziellen Strukturen geweitet werden, damit wir wie gewohnt gute Leistungen abrufen können“. Loebe resümiert: „Setzen wir also weiterhin auf den politischen Willen, der Frankfurter Kultur und konkret auch der Oper ein verlässliches Fundament zu bauen, auf dem wir uns weiter mit Kreativität, höchster Qualität und begeisterter Entdeckerfreude bewegen können.“


Der Spielplan der Oper Frankfurt in der Saison 2026/27 bietet mehr als 450 Veranstaltungen insgesamt, davon 175 Musiktheatervorstellungen. Auf dem Programm stehen 11 Premieren mit insgesamt 93 Aufführungen, davon finden acht Neuinszenierungen mit 67 Vorstellungen im Opernhaus sowie drei Premieren mit 26 Vorstellungen im Bockenheimer Depot statt. Darüber hinaus sind 14 Wiederaufnahmen mit 82 Vorstellungen geplant. Zudem sind acht Liederabende im Opernhaus sowie nahezu 270 Sonderveranstaltungen angesetzt.


Premieren:

Peter I. Tschaikowskis Oper Mazeppa feiert am 13. September 2026 Premiere im Opernhaus. Die musikalische Leitung der Frankfurter Erstaufführung übernimmt Karsten Januschke. Die Inszenierung stammt von Matthew Wild, dessen Produktion als Übernahme von den Tiroler Festspielen Erl nach Frankfurt kommt. Seine Arbeit sieht den Stoff als Parabel auf elitäre Machtkonflikte. In der Titelpartie ist Petr Sokolov zu erleben, an seiner Seite Ensemblemitglied Nombulelo Yende als Maria.

Am 30. September 2026 folgt im Bockenheimer Depot Wolfgang Amadeus Mozarts unvollendetes Singspiel Zaide. Regisseur David Hermann kombiniert das Fragment mit Auszügen aus Mozarts Schauspielmusik Thamos, König in Ägypten, um die dunklen Facetten des Stoffes zu schärfen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von George Petrou.

Mit Georg Friedrich Händels Ottone steht ab der Premiere am 11. Oktober 2026 eine weitere Entdeckung auf dem Spielplan. Zu Lebzeiten Händels war Ottone gemeinsam mit Rinaldo die am häufigsten gezeigte Oper des Komponisten. Václav Luks dirigiert die Produktion, die von Jetske Mijnssen in Szene gesetzt wird. Die Titelpartie übernimmt der Countertenor Yuriy Mynenko, der in der vergangenen Saison die Titelpartie bei Giulio Cesare in Egitto innehatte.

Ein besonderes Ereignis in der ersten Hälfte der Spielzeit 2026/27 verspricht ebenfalls die Frankfurter Erstaufführung von Ernest Chaussons Le roi Arthus am 8. November 2026 zu werden. Generalmusikdirektor Thomas Guggeis leitet dieses spätromantische Werk des französischen Wagnérisme. Die Regie führt Manuel Schmitt, während Domen Križaj in der Rolle des Arthus und Magdalena Hinterdobler als Genièvre zu sehen sind.

Ebenfalls unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors folgt am 6. Dezember 2026 Giuseppe Verdis Un ballo in maschera. Für die Inszenierung konnte abermals die renommierte Regisseurin Andrea Breth gewonnen werden, die nach ihrem Erfolg mit Turandot an das Haus zurückkehrt. Mit Matteo Lippi (Riccardo) und Guanqun Yu (Amelia) sind zwei dem Haus eng verbundene Künstler engagiert.

Kurz vor dem Jahreswechsel, am 19. Dezember 2026, feiert eine weitere Händel-Oper Premiere im Bockenheimer Depot: Flavio. Die musikalische Leitung übernimmt Karsten Januschke, die Inszenierung liegt bei Tilmann Köhler. Nach seinem Debüt 2013 mit Händels Teseo im Bockenheimer Depot führte er auch im Opernhaus bereits bei Radamisto, Xerxes und Bianca e Falliero Regie.

Weiter geht es im neuen Jahr mit Neuproduktionen am 14. Februar 2027 mit Sergei S. Prokofjews sarkastischer Märchenoper Die Liebe zu den drei Orangen. Das Werk wird von Patrick Hahn musikalisch geleitet und von Damiano Michieletto inszeniert. Die Ensemblemitglieder Kihwan Sim (König Treff), Magnus Dietrich (Prinz), Cláudia Ribas (Prinzessin Clarisse) und Liviu Holender (Leander) führen die Besetzungsliste an.

Uraufgeführt wird am dem 20. Februar 2027 Sebastian Schwabs Jugendoper Skaterherz im Bockenheimer Depot. Das Auftragswerk der Oper Frankfurt wird von Lukas Rommelspacher dirigiert; die Regie führt Max Koch.

Am 14. März 2027 folgt Ottorino Respighis La fiamma. Die musikalische Leitung dieser Frankfurter Erstaufführung liegt bei Francesco Lanzillotta und Simone Di Felice, für die Regie zeichnet Hans Walter Richter verantwortlich.

Ein Highlight im Frühjahr ist Bohuslav Martinůs The Greek Passion mit der Premiere am 25. April 2027. GMD Thomas Guggeis dirigiert das Werk über Flucht und Integration, das von Matthew Wild inszeniert wird. Das letzte große Bühnenwerk Martinůs basiert auf dem Roman Der wiedergekreuzigte Christus von Nikos Kazantzakis und stellt die Frage in den Mittelpunkt: Wie ist in einer egoistischen Welt solidarisches Handeln möglich?

Die letzte Premiere der Spielzeit 2026/27 ist zugleich eine weitere Uraufführung. Lucia Ronchetti komponierte als Auftragswerk der Oper Frankfurt Battaglia – Die Frauen von Palermo. Inszeniert wird die Oper von Claus Guth, Michael Wendeberg dirigiert.


Spielplanpressekonferenz der Oper Frankfurt am 29. April 26
Opernintendant Bernd Loebe, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef

© Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Wiederaufnahmen:

Insgesamt 14 Produktionen mit insgesamt 82 Vorstellungen kehren in der kommenden Spielzeit auf die Bühne der Oper Frankfurt zurück. Den Auftakt macht bereits am 22. August 2026 Giacomo Puccinis Turandot in der Inszenierung von Andrea Breth. Auch Così fan tutte in der Lesart von Mariame Clément steht nach einer erfolgreichen Premierenserie wieder auf dem Spielplan.

Ab dem 19. September 2026 wird der vierteilige Abend Warten auf heute wiederaufgenommen. Die Produktion verbindet Werke von Arnold Schönberg und Frank Martin in der Regie von David Hermann. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht Frankfurt-Debütant Tim Anderson.

In der Vorweihnachtszeit, ab dem 11. Dezember 2026, kehrt Nikolai A. Rimski-Korsakows Die Nacht vor Weihnachten im Opernhaus zurück. Die märchenhafte Inszenierung von Christof Loy wird musikalisch von Takeshi Moriuchi geleitet. In den Hauptrollen singen unter anderem Kudaibergen Abildin als Wakula und Monika Buczkowska-Ward als Oksana.

Im Jahr 2027 werden drei bestehende Produktionen von Richard Wagner wieder ins Programm aufgenommen. Den Auftakt macht Tannhäuser in der gefeierten Inszenierung von Matthew Wild ab dem 17. Januar 2027. Ab dem 26. März 2027 wird Die Walküre in der Inszenierung von Vera Nemirova wieder im Opernhaus gespielt, am 4. April 2027 folgt Das Rheingold (die Reihenfolge ist probentechnisch bedingt, zwei Ring-Zyklen sind für den Herbst 2027 geplant). Musikalisch geleitet wird der Vorabend und der erste Teil des Ring des Nibelungen von Generalmusikdirektor Guggeis.


Liederabende

Die renommierte Liederabend-Reihe an der Oper Frankfurt wartet auch in dieser Spielzeit mit spannenden und hochkarätigen Künstlern auf, die in ihren Programmen die Vielfalt und Ausdruckskraft des Liedgesangs präsentieren.

Den Auftakt macht Louise Alder, ehemalige Ensemble-Sopranistin des Hauses, gemeinsam mit Tenor Mauro Peter (8. September 2026). Es folgen Ensemblemitglied Kelsey Lauritano (3.November 2026), die armenische Sopranistin Kristina Mkhitaryan (15. Dezember 2026) sowie Bariton Johannes Martin Kränzle mit Franz Schuberts Winterreise (12. Januar 2027).

Im Frühjahr sind die Tenöre Ismael Jordi (9. März 2027) und Xabier Anduaga (20. April 2027), die schwedische Sopranistin Christina Nilsson (18. Mai 2027) und der junge britische Bariton Huw Montague Rendall (1. Juni 2027) Gastgeber eines Rezitals.


Sonderveranstaltungen

Selbstverständlich werden auch in der Spielzeit 2026/27 wieder zahlreiche Sonderveranstaltungen zum Programm der Oper Frankfurt gehören, nahezu 270 sind es in der kommenden Saison. So hat sich das erfolgreiche Vermittlungsprogramm JETZT! für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem vergleichsweisen hohen Anteil von ca. 200 Terminen an der Gesamtzahl der Sonderveranstaltungen inzwischen fest etabliert.

Allerdings verlässt die Oper die alternative Spielstätte „Neue Kaiser“ wegen Umbauarbeiten Ende Mai 2026 und spielt ihre Sonderveranstaltungen wieder im Opernhaus. Dies macht sich bei den Aufführungszahlen bemerkbar.


In seiner vierten Spielzeit als Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt ist Thomas Guggeis auch andernorts als Dirigent gefragt: Unter anderem dirigiert er im September 2026 Wozzeck und ein Konzert an der Oper in Florenz, im Januar 2027 folgen Gastauftritte mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France in Paris und ein Konzert in Rom mit der Accademia di Santa Cecilia. Im Juni 2027 wird Guggeis Konzerte mit dem NHK Symphony Orchestra in Tokio gestalten.

Die Auslastung der Oper Frankfurt in der laufenden Saison 2025/26 liegt mit Stand April 2026 bei 81%. Die Zahlen der Abonnements belaufen sich auf 9.796. Zur kommenden Spielzeit gibt es Veränderungen im Ensemble: Der Bariton Jonas Müller wechselt aus dem Opernstudio der Oper Frankfurt in das Ensemble. Ebenso kehren die ehemaligen Opernstudio-Mitglieder Andrew Kim und Cláudia Ribas nach einem Jahr freiberuflicher Tätigkeit zurück nach Frankfurt und werden fester Teil des Ensembles. Beide waren in den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 im Opernstudio der Oper Frankfurt.

Manuel Pujol ist seit Anfang April neuer Chordirektor an der Oper Frankfurt und leitet zum Auftakt die Chöre in Turandot und Tancredi. Zuvor war er für acht Jahre Chordirektor an der Staatsoper Stuttgart. Ebenfalls von der Stuttgarter Staatsoper wechselt Giulio Ferré nach Frankfurt und wird hier zum Stellvertretenden Chordirektor und Leiter des Kinderchores. In Stuttgart hatte er die Positionen als Assistent des Chordirektors und kommissarisch als stellvertretender Chordirektor inne. Álvaro Corral Matute, der in der laufenden Spielzeit als interimistischer Chordirektor Produktionen wie Boris Godunow, Carmen und Die Passagierin einstudierte, wechselt an die Staatsoper in Oslo und wird dort Chordirektor.

Ebenfalls aus dem Ensemble scheiden Nicholas Brownlee (Bassbariton), Iain MacNeil und Domen Križaj (beide Bariton) aus. Alle drei wechseln in die freiberufliche Tätigkeit, werden aber als Gäste an die Oper Frankfurt zurückkehren.

Zur Spielzeit 2026/27 werden neben den Ticketpreisen auch die Abopreise moderat erhöht mit Ausnahme des Liederabend-Abonnements. Die siebte Preiskategorie bleibt unangetastet. Damit trägt die Oper Frankfurt gestiegenen Produktions- und Betriebskosten Rechnung und sichert weiterhin die hohe künstlerische Qualität des Programms.

Die Oper Frankfurt bedankt sich bei ihren Partnern für deren großzügige finanzielle Unterstützung: dem Patronatsverein der Städtischen Bühnen e.V. – Sektion Oper, der DZ BANK AG (Produktionspartner für die Neuproduktion von Un ballo in maschera und die Wiederaufnahme Così fan tutte), der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main (beide Hauptförderer Opernstudio) sowie der Stiftung Giersch (Förderer Opernstudio). Projektpartner sind die Commerzbank AG, die Degussa Goldhandel GmbH, die Genesis Motor Deutschland GmbH, Bloomberg, XUITS GmbH, White & Case LLP und die Europäische Zentralbank. Zu den Ensemblepartnern zählen die Stiftung Ottomar Päsel Königstein/Ts., die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung, die TMS Trademarketing Service GmbH, Martin und Stephanie Weiss sowie Josef F. Wertschulte. Der Dank der Oper Frankfurt geht auch an die vielen Privatpersonen, die sich mit Einzelspenden für die künstlerische Arbeit des Hauses engagieren. Medienpartner ist hr2-kultur, Mobilitätspartner ist die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF).

Die Saisonbroschüre 2026/27 zur Ansicht bzw. zum Download und Ausdruck findet sich unter: oper-frankfurt.de.