Erste szenische Aufführung von Eislers „Deutscher Symphonie“ am Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel: INTERIM ~ © Sylwester Pawliczek / MACHMAMACHMA

Festival „Deutschland, Deutschland unter anderem“, 29.-31.5.

Hanns Eisler schuf mit seiner Deutschen Symphonie ein vokalsinfonisches Großwerk der antifaschistischen Emigration zwischen Oratorium und politischem Lied. Als politisches Bekenntnis gegen den rechten Terror zeichnet seine kompromisslose Komposition ein eindrückliches Bild von der Endzeit der Weimarer Republik über das Erstarken rechter Tendenzen hin zur Nachkriegszeit und der Teilung Deutschlands – immer mit Blick auf den möglichen Widerstand, der auch heute bitter nötig ist. Am Staatstheater Kassel kommt das monumentale Werk jetzt erstmals szenisch zur Aufführung.

Eingebettet ist die Premiere in das Festival „Deutschland, Deutschland unter anderem“, mit dem die Musiktheatersparte vom 29. bis 31. Mai das nationale Kulturerbe kritisch durchleuchtet.

Deutsche Symphonie

Musiktheater nach Hanns Eisler

Musikalische Leitung: Kiril Stankow, Regie: Paul-Georg Dittrich, Bühne: Pia Maria Mackert, Kostüme: Anna Rudolph, Video: Lukas Rehm, Sounddesign und Elektronik: Christopher Scheuer, Dramaturgie: Teresa Martin, Chorleitung: Marco Zeiser Celesti

Mit: Clemens Dönicke, Marta Kristín Friðriksdóttir, Stefan Hadžić, Ilseyar Khayrullova, Ian Sidden, Opernchor des Staatstheaters Kassel, Staatsorchester Kassel, Statisterie des Staatstheaters Kassel

Premiere: Samstag, 30. Mai, 19 Uhr, INTERIM (im Rahmen des Festivals „Deutschland, Deutschland unter anderem“)

Weitere Vorstellungen: 3., 13., 19. und 23. Juni

In einem eindrucksvollen Kompositionsprozess von 1935 bis 1959 reagierte Hanns Eisler mit seiner Deutschen Symphonie, in der u.a. Gedichte aus Brechts „Kriegsfibel“ vertonte, auf die deutsche Zeitgeschichte. Durchaus programmatisch aufgeladen und agitiert ruft Eisler, der sich immer zugleich als Künstler und politischer Aktivist verstand, zum linken Widerstand der Arbeiterschaft gegen den Nationalsozialismus auf.

Im INTERIM auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne, wo junge Männer aus Kassel und Umgebung gemustert wurden und 1947 ein Lager für Displaced Persons entstand, wird das Werk jetzt so sinnlich wie berührend in Szene gesetzt. Regisseur Paul Georg Diittrich, der in Kassel bereits „La muette de Portici“ und „Don Giovanni“ inszeniert hat, beschwört zusammen mit Dirigent Kiril Stankow die Geister der Vergangenheit als warnende Stimmen der Gegenwart.

Festival Deutschland, Deutschland unter anderem
Musiktheater im Präfaschismus
vom 29. bis 31. Mai

Die Musiktheatersparte erforscht u.a. im INTERIM auf den Altlasten der preußischen Jägerkaserne, zwischen Karrierezentrum der Bundeswehr, Asylunterkunft und Landesamt für Naturschutz, das nationale Kulturerbe. Eröffnet wird das Festival am 29. Mai mit einer Vorstellung der Musiktheater-Uraufführung „Zornfried“ von Philipp Krebs über Vordenker einer Neuen Rechten und den drohenden Distanzverlust investigativer Journalisten. Hinzu kommen vielfältige weitere Formate vom gemeinsamen Arbeiterlieder-Singen über einen ein Diskursprogramm und einen Liederabend bis zu einem Gastspiel von OMG Schubert.

Das komplette Programm findet sich online unter Deutschland, Deutschland unter anderem.