Ganz im Süden Bayerns, unter den Gipfeln von Zug- und Alpspitze, fand Richard Strauss einst Inspiration und Heimat. In Garmisch-Partenkirchen wird sein Werk bis heute bewahrt. Werkstattluft am Ort seines Schaffens weht durch die Richard-Strauss-Tage, die am Samstag dieser Woche (6. Juni) mit einem Konzert der Nymphenburger Streichersolisten starten.
Das Strauss’sche Werk wird beim Festival stets mit aufregenden thematischen Verknüpfungen neu beleuchtet. So gibt es vom 6. bis 14. Juni 2026 nicht nur große Sinfoniekonzerte, sondern auch Entdeckungen: Strauss als Kontrapunktiker, späte Vokalwerke – nicht nur für Sopran, sondern auch für Männerchor – und eine neue „Salome“-Fassung für Kammerorchester mit Nicole Chevalier in der Titelpartie. Zudem Werke von Vater Franz Strauss und Mentor Hans von Bülow. Dazu Kulinarik, Lesungen, öffentliche Diskussionen und Wanderungen mit Musik.
Als Zentrum einer authentischen Strausspflege bietet Garmisch-Partenkirchen eine Atmosphäre, die sich von anderen Strauss-Orten abhebt und die Werkstattluft von Strauss auf besondere Weise spüren lässt. Am Ort seines Schaffens wird das Werk des Komponisten bewahrt und bei den Richard-Strauss-Tagen seit 1989 in aufregenden thematischen Verknüpfungen stets neu beleuchtet. Die Verbundenheit mit alpiner Natur und regionaler Kultur schafft zudem eine einzigartige Atmosphäre: Klassische Musik auf höchstem Niveau unter den Gipfeln derjenigen Berge, die für Strauss Inspiration und Heimat waren – vom 6. bis 14. Juni 2026.
Eröffnung und vokale Raritäten
Zur Eröffnung (6. Juni) präsentieren die Nymphenburger Streichersolisten mit dem Pianisten Julian Riem Werke von Strauss, Ludwig Thuille und Hermann Goetz. Ein Open-Air-Matinéekonzert (7. Juni) mit Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden bringt authentischen Strauss-Klang in Form von Serenadenmusik in den Kurpark.
Am 7. Juni geben Christina Bock und Jobst Schneiderat einen Liederabend mit selten aufgeführten späten Goethe-Liedern und den Gesängen des Orients von Strauss.
Ein Gesangsabend am 8. Juni widmet sich mit Werken für Männerchor einem heute fast ausgestorbenen Repertoire. Strauss komponierte für diese Besetzung mehrere Werke. Exklusiv für das Publikum der Richard-Strauss-Tage hebt das preisgekrönte Leipziger Vokalquintett amarcord zudem Schätze aus dem Archiv des Richard-Strauss-Instituts: Neben Chorwerken für Männerchor von Gustav Mahler, Richard Strauss, Max Reger und Peter Cornelius sind erstmals zwei bislang unbekannte Männerchorwerke des Vaters von Richard Strauss zu erleben. Nachdem die Originalmanuskripte dieser beiden Stücke von Franz Strauss dem Richard-Strauss-Institut 2024 überreicht worden waren, erklingen sie nun erstmals vor Publikum.
Strauss als Kontrapunktiker
Während Johann Sebastian Bach bis heute als Großmeister des Kontrapunktes gilt, musste jeder ernsthafte Komponist die Schule dieser Kunst durchlaufen – mit wechselndem Erfolg. Die „Kontrapunktischen Studien“ des Richard-Strauss-Archivs umfassen drei Hefte mit einer großen Anzahl an Kanons und Fugen aus der Feder des jungen Strauss. Sie demonstrieren eindrucksvoll den Werdegang eines jungen, ernsthaften Komponisten, der sich den teils hochkomplexen Formen der Kanon- und Fugenkomposition widmet. Viele dieser Werke erklingen erstmals öffentlich, präsentiert vom Ensemble SineQuaNon Berlin (12. Juni). Ergänzt wird der Konzertabend mit Kammermusik von Johann Sebastian Bach und Joseph Gabriel Rheinberger.
2 programmatische Sinfoniekonzerte
Mit den Stuttgarter Philharmonikern kehrt der „Conductor-in-Residence“ Rémy Ballot ans Pult zurück. Das Sinfoniekonzert am 13. Juni bringt die künstlerischen und weltanschaulichen Einflüsse auf den jungen Strauss zum Erklingen: Strauss’ Tod und Verklärung und die selten aufgeführte Tondichtung Nirwana von Strauss’ Mentor Hans von Bülow ergründen die Rolle des Künstlers auf der Welt und seinen Kampf für ein übergeordnetes Ideal, das er im Leben nie verwirklicht. Ergänzt wird das Programm von der 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Ein Matinéekonzert am 14. Juni vertieft die Themen »Lebenskampf« und »Abschied vom Endlichen« mit den Metamorphosen für 23 Solostreicher von Strauss und Mozarts Sinfonie Nr. 40, kontrastiert durch das heiter-verklärte Duett-Concertino, einem der letzten Werke von Strauss.
Salome bekommt ein neues Kleid
Das Festivalfinale der Richard-Strauss-Tage 2026 bringt eine neue „Salome“-Fassung und Begegnungen mit Stars wie mit hochqualifiziertem musikalischen Nachwuchs
Mit einem ambitionierten Projekt setzen die Richard-Strauss-Tage ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker und dem Department für Oper und Musiktheater der Universität Mozarteum Salzburg fort. Nach der erfolgreichen „Ariadne auf Naxos“ im Jahr 2024 steht zum Festivalabschluss am 14. Juni (18 Uhr) erneut ein außergewöhnliches Opernereignis auf dem Programm: Richard Strauss’ „Salome“ erklingt erstmals in einer eigens eingerichteten Kammerorchesterfassung von Klemens Vereno – die es künftig auch Opernhäusern mit kleineren Orchestern ermöglichen soll, das bahnbrechende Werk von Richard Strauss auf den Spielplan zu bringen.
Das Besondere dieser Produktion liegt im künstlerischen Konzept: Hochqualifizierter musikalischer Nachwuchs trifft auf erfahrene Spitzenkräfte. So verbindet sich auf der Bühne aufstrebendes Talent mit internationaler Erfahrung. Die Sängerinnen und Sänger des „Department für Oper und Musiktheater der Universität Mozarteum Salzburg“ zählen zu den vielversprechendsten Stimmen ihrer Generation und treten bei den Richard-Strauss-Tagen gemeinsam mit etablierten Größen der Opernwelt auf, die ihnen künstlerische Impulse geben. Als Stars sind in den Hauptpartien Pauliina Linnosaari, Christoph Strehl und Bernd Valentin zu erleben.
Die finnische Sopranistin Pauliina Linnosaari ist gerade im Strauss- und Wagner-Fach schon sehr erfolgreich – etwa am Staatstheater Karlsruhe. Hier war sie bereits als ELSA in Lohengrin, ELISABETH in Tannhäuser, MARSCHALLIN im Rosenkavalier, TATIANA in Eugen Onegin, ROSALINDE in Die Fledermaus und den Titelrollen RUSALKA, TOSCA und SALOME zu erleben. 2026/27 wird sie u.a. beim SWR-Rundfunkorchester sowie bei den Bregenzer Festspielen debütieren. Christoph Strehl, einer der profiliertesten Mozart-Tenöre seiner Generation, hat sich mit Auftritten an Häusern wie der Metropolitan Opera, der Wiener Staatsoper und den Salzburger Festspielen weltweit etabliert. Bernd Valentin zählt zu den markanten Baritonstimmen im deutschen Fach, ist für seine intensive Bühnenpräsenz an renommierten Bühnen bekannt und wirkt u.a. als Gesangspädagoge am Mozarteum Salzburg. Am Pult der „Salome“ steht Kai Röhring, ein international tätiger Dirigent, der insbesondere für seine inspirierende Zusammenarbeit mit jungen Ensembles geschätzt wird.
Die Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, seit über fünfzehn Jahren ein zentraler Baustein der Nachwuchsförderung während der Salzburger Festspiele, vermittelt in enger Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Orchesters jene Qualitäten des Zusammenspiels, die den berühmten „Wiener Klang“ prägen. Nicht zuletzt deshalb ist auch das „Salome“-Orchester an diesem Abend eine Besonderheit: Ausgewählte junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten arbeiten in Garmisch-Partenkirchen unmittelbar am Strauss’schen Opernrepertoire und werden dabei an zentralen Positionen von renommierten Stimmführern der Wiener Philharmoniker begleitet. Dieses Modell intensiver Zusammenarbeit verspricht eine besondere künstlerische Spannung.
Mit der „Salome“ in dieser besonderen Fassung gibt es zum Festivalfinale nicht nur eine neue Perspektive auf Strauss’ Werk, sondern auch ein spannendes Beispiel dafür, wie künstlerische Exzellenz und Nachwuchsförderung einander befruchten können.
Kulinarik, Theater und Natur
Die Richard-Strauss-Tage verstehen sich nicht als elitärer Rückzugsort, vielmehr suchen sie aktiv den Diskurs sowie die Verbindung zur Region und ihren Menschen. Daher wird das Programm von einer Reihe weiterer Formate bereichert. Der Open-Air Konzertabend „Strauss im Park“ mit der Musikkapelle Partenkirchen, der Sopranistin Ilme Stahnke und dem Partenkirchner Pianisten und Dirigenten Friedrich Szepansky (10. Juni) übersetzt Strauss-Repertoire in die Klangsprache der alpenländischen Blasmusiktradition. Eine „Klassikjause“ (9. Juni) verbindet Kulinarik mit einer heiteren Lesung und Musik, während am 11. Juni angehende Köch:innen und Servicefachkräfte des Beruflichen Schulzentrums unter dem Motto „Essen wie Strauss“ Genussmomente mit einem Vier-Gang-Menü nach Originalrezepten von Pauline Strauss schaffen.
Ein „Kulturfrühstück“ (13. Juni) thematisiert in einer öffentlichen Diskussion anlässlich des Gedenkens an den 90. Jahrestag der IV. Olympischen Winterspiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen Strauss’ Rolle bei der Eröffnung der Spiele und die Olympische Hymne. Mit Patrick Süskinds Einakter Der Kontrabass steht am 13. Juni eine Theaterproduktion auf dem Spielplan. Natürlich fehlen auch die beliebten Musikwanderungen (8. und 13. Juni) nicht. Mit Bergführer Alois Lösl und zwei Musikern begeben sich die Gäste auf eine Wanderung in freier Natur und erleben musikalische Einlagen inmitten der Berge, die Strauss so geliebt hat.
Mehr Infos: richard-strauss-tage.de
