TV-Tipps 3sat:

arte und 3sat übertragen in ihrem umfangreichen Programmen regelmäßig Dokumentationen über Künstler und Kulturereignisse, dazu Konzerte (von Klassik über Pop & Rock bis Heavy Metal), Musicalfilme, Opern-, Tanz- und Theatervorstellungen.
Diese Seite informiert über bevorstehende interessante Ausstrahlungstermine auf arte aus dem Kulturbereich.


Kalenderwoche 32:

Samstag, 07.08. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Klassik in den Alpen mit Elina Garanca
Kitzbühel 2021
(aus der ORF-III-Reihe “Erlebnis Bühne”)

Mit Elina Garanca, Cellia Costea, Arsen Soghomonyan und Philipp Schöllhorn
Musikalische Leitung: Karel Mark Chichon
ORF

Positive Energie und Lebensfreude, das ist es, was die treuen Fans von der lettischen Opernsängerin Elīna Garanča im Rahmen von “Klassik in den Alpen” im Juli 2021 erwartet.

Das Programm stellte ihr Ehemann, Maestro Karel Mark Chichon, unter das Motto “Hoffnung und Zuversicht”. Als Gäste sind diesmal dabei: der rumänische Sopran Cellia Costea und der armenische Tenor Arsen Soghomonyan sowie erstmals der junge Bass Philipp Schöllhorn.

Der 23-jährige Steirer war in diesem Jahr der Sieger der Nachwuchsinitiative “ZukunftsStimmen”.

Samstag, 07.08. / 21:55 Uhr / 3satFestspielsommer: Sommernachtsgala Grafenegg 2021
Mit Rachel Willis-Sørensen und Benjamin Bruns
Orchester: Tonkünstler-Orchester
Musikalische Leitung: Yutaka Sado
Bildregie: Heidelinde Haschek
Moderation: Teresa Vogl
ORF

Eine Institution feiert ihren 15. Geburtstag: Die “Sommernachtsgala Grafenegg” läutet seit 2006 die sommerliche Festivalsaison ein und ist zum medialen Aushängeschild der Gemeinde geworden.

Intendant Rudolf Buchbinder hat für die Jubiläumsgala die US-amerikanische Sopranistin Rachel Willis-Sørensen und den deutschen Tenor Benjamin Bruns eingeladen und wird auch persönlich mit ihnen musizieren.

Begleitet wird das Konzertereignis wie immer vom Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter seinem Chefdirigenten Yutaka Sado.

Im Mittelpunkt der “Sommernachtsgala Grafenegg” stehen stets die besten Künstlerinnen und Künstler, die vor der idyllischen Kulisse des weitläufigen Schlossparks das Publikum in ihren Bann ziehen.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 14. August, um 20.15 Uhr mit einem “Konzert von den Salzburger Festspielen 2021” sowie am Sonntag, 15. August, um 11.20 Uhr mit einem Konzert von den “Klassik Open Air Nürnberg 2021” fort.

Samstag, 07.08. / 23:30 Uhr / Yves Saint Laurent
Spielfilm, Frankreich 2014
3sat

Yves Saint Laurent: Pierre Niney
Yves Saint Laurent, alt: Nikolai Kinski
Pierre Bergé: Guillaume Gallienne
Victoire Doutreleau: Charlotte Le Bon
Regie: Jalil Lespert
Länge: 102 Minuten

Als Modedesigner war Yves Saint Laurent (1936-2008) kreativ und revolutionär, als Mensch schüchtern und zerbrechlich. Ein schillerndes Porträt, elegant erzählt von Regisseur Jalil Lespert.

Pierre Niney (“It Boy”) spielt Yves Saint Laurent mit fragiler Hingabe.

Als kreativer Kopf von Dior steigt Yves Saint Laurent mit nur 21 Jahren schnell zum Liebling der Pariser Modeszene auf. Er verliebt sich in den Unternehmer Pierre Bergé. Die beiden werden ein Paar und gründen 1961 das Label YSL. Dann erleidet Yves einen Nervenzusammenbruch.

Pierre Bergé war der wichtigste Mensch im Leben des berühmten Modeschöpfers Yves Saint Laurent. Regisseur Lespert macht ihn zu einer zentralen Figur seines Künstlerporträts, das einen Zeitraum von gut 20 Jahren umfasst. In erlesenen Bildern erzählt er die Geschichte einer großen Liebe und schildert auch die kreativen Triumphe und die selbstzerstörerischen Exzesse des manisch-depressiven Avantgardisten Yves Saint Laurent.

Sonntag, 08.08. / 10:05 Uhr / Stars on Street
Film von Nina Dallos
(Erstsendung: 25.09.2017)
ORF

“Stars on Street” ist ein Kultur-Experiment mit versteckter Kamera. Was passiert, wenn Künstler ihrer gewohnten Wirkungsstätte entrissen werden und sich allein dem Publikum präsentieren?

Das multimediale Projekt liefert darauf auf unterhaltsame Weise Antworten und begleitet Aleksey Igudesman, Ildikó Raimondi, Martin Grubinger, Natalia Ushakova und Herbert Lippert bei dem Versuch, sich als Straßenkünstler in Szene zu setzen.

Sonntag, 08.08. / 10:50 Uhr / “Diesen Kuss der ganzen Welt” – Beethoven heute
Film von Lisa-Marie Schnell und Alexandra Hardorf
(Erstsendung: 01.01.2020)
3sat

Das meistgespielte, beispiellose Komponisten-Genie: Was bedeutet Ludwig van Beethoven jungen Leuten in aller Welt heute? Eine Abenteuerreise auf den Spuren Beethovens rund um den Globus.

Das Filmteam trifft biertrinkende Beethoven-Fans in Australien, singende Zehntausend in Japan, einen virtuosen Nachwuchs-Pianisten in Indien, einen jungen Geiger in Namibia und begeisterte Tänzer in Kolumbien. Was passiert da, wenn Beethovens Werke erklingen?

Welche Wirkung entfalten sie im digitalen, globalen 21. Jahrhundert? Was machen Millennials in völlig unterschiedlichen Kulturen heute aus dem Titanen der deutschen Klassik: “Lebt” Beethoven – oder bleibt er auf dem wohletablierten Sockel der Verehrung?

Dass schon der scheinbar unnahbare “Titan” mit seiner Musik die ganze Welt umarmen wollte, hört man im mächtigen Chorklang seiner 9. Sinfonie: “Diesen Kuss der ganzen Welt!” – ein Welthit der musikalischen Völkerverständigung.

Die filmische Reise beginnt in Australien, wo Beethoven gerade in einer großen Umfrage zum nationalen Lieblingskomponisten gewählt wurde. In Brisbane trifft das Filmteam Alondra de la Parra, die Chefdirigentin des Queensland Symphony Orchestra. Geboren wurde sie 1980 in New York, aufgewachsen ist sie in Mexico City. In der Männerdomäne des Dirigierens hat sie sich schon jung einen Namen gemacht. Ihr Orchester in Brisbane spielt im Film die 6. Sinfonie, die “Pastorale”. Über Beethoven sagt Alondra de la Parra, dass er in der DNA jedes Musikers sei – auch in ihrer eigenen. Musikalisch gesehen sei er so etwas wie ihr bester Freund, wenn sie auch mit seiner Persönlichkeit hadert: “Ich stehe mit diesem Mann in solch einem Konflikt, dass ich ihn nicht hätte kennenlerne wollen. Es reicht mir, ihn durch seine Musik zu treffen.”

Vom großen Meister schwärmen auch die junge Sopranistin, die alljährlich im “Chor der 10 000” im japanischen Naruto die “Ode an die Freude” schmettert oder der 13-jährige indische Starpianist Lydian Nadhaswaram, der nicht nur die “Mondscheinsonate” genial und neu interpretiert.

Eine ungeahnte Rolle spielt Beethoven bei einem Kulturprojekt mit kolumbianischen Straßenkindern oder beim jungen Orchestermusiker Ronaldo Kandume in der Namibischen Wüste: jenseits der großen Bühnen, im Alltag der Menschen und in den großen Landschaften, in denen sie leben. In Beethovens Heimat schließlich bringt der Berliner Musikproduzent Moguai Beethoven und Techno zusammen – und Zehntausende zum Jubeln und Feiern. Was verbinden die jungen Elektrofans mit Beethoven? Und was verbindet Beethoven mit Europa? Ein neuer Blick auf die “Ode an die Freude”.

Auf ihrer Weltreise in Sachen Beethoven finden die Filmemacher in jeder Zeitzone, an jedem besuchten Ort eine spannende, ungewöhnliche, anrührende, virtuose oder coole Beethoven-Story. Authentische Geschichten junger Leute, in deren Leben Beethoven und sein Werk aus verschiedenen Gründen eine entscheidende Bedeutung hat. Wie kann das deutsche Komponisten-Genie mit seiner Musik auch 250 Jahre nach seiner Geburt Menschen auf allen Kontinenten berühren, beschäftigen und nachhaltig beeinflussen?

Dienstag, 10.08. / 19:20 Uhr / Portugal lesen!
Film von Teresa Corceiro
(Erstsendung: 22.05.2021)
3sat

Portugal erleben? – Immer! Aber Portugal lesen? – Unbedingt! Denn das kleine Land am Rande Europas hat aufregende Literatur zu bieten, die es zu entdecken lohnt.

Für die 3sat-Kulturdokumentation “Portugal lesen!” trifft Teresa Corceiro Autoren portugiesischer Sprache, redet mit ihnen über ihr Land und ihre Literaturen und lässt sich von ihnen entführen in ihre Geschichte und ihre Geschichten.

Eigentlich hätte Portugal 2021 Gastland der Leipziger Buchmesse sein sollen. Die Verlage waren vorbereitet, die Autoren zu Lesungen geladen, Portugal wollte sich in seiner ganzen literarischen Fülle präsentieren. Weil die Messe nun wegen der aktuellen Corona-Lage nicht stattfinden kann, soll das Jahr bis zur nächsten Messe zu einem Lesefest portugiesischer Literatur werden.

Der international bekannteste Gegenwartsautor des Landes ist António Lobo Antunes. Sein jüngster Roman “Bis die Sterne leichter sind als Wasser” ist soeben auf Deutsch erschienen. Antunes, der auch Psychiater ist, befasst sich darin mit den Traumata des Kolonialkriegs in Angola: Ein angolanischer Waisenjunge aus einem zerstörten Dorf, dessen Bewohner alle ermordet wurden, wird von einem portugiesischen Soldaten nach Lissabon mitgenommen. Ein echtes Zuhause kann er dort nicht finden.

In Angola aufgewachsen ist die Schriftstellerin Dulce Maria Cardoso. Auch sie befasst sich in ihrem Roman “Die Rückkehr” mit den Nachwirkungen der Kolonialzeit. Aus Angola vertrieben, kehrt eine Familie nach Portugal zurück, das kurz zuvor durch die Nelkenrevolution von der Diktatur befreit wurde. Ein Roman mit stark autobiografischen Zügen.

Mit dem Frauenbild im “Macholand” Portugal befasst sich die Schriftstellerin Isabela Figueiredo in ihrem jüngsten Roman “Die Dicke”.

In Lissabon sind Trans-Menschen schon lange keine Seltenheit mehr. Der Schriftsteller Afonso Reis Cabral beschreibt in seinem Roman “Aber wir lieben Dich” die brutale Ermordung einer Transfrau. Der Roman beruht auf einem authentischen Mordfall, der ganz Portugal erschütterte.

Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller José Luís Peixoto wurde im Revolutionsjahr 1974 geboren. In seinem jüngsten Roman “Galveias” schlägt ein geheimnisvoller Himmelskörper aus dem Universum in den Ort Galveias ein und sorgt damit für so manche Turbulenzen. Peixoto beschreibt eine typische, ländliche Dorfstruktur mit Verstrickungen, Konflikten und Solidargemeinschaften.

Hélia Correia ist eine Schriftstellerin, die sich einmischt in die politischen Debatten ihres Landes. Auf Deutsch erscheint jetzt “Tänzer im Taumel”, ein Roman wie ein Poem, das sich mit der europäischen Abschottung gegen Flüchtlinge befasst. Es beschreibt eine Odyssee durch die Wüste, begleitet Menschen auf dem Weg nach Europa.
Längst hat sich in den ehemaligen Kolonien eine ganz eigene, selbstbewusste Literatur herausgebildet. Ana Paula Tavares ist eine der mächtigsten Stimmen angolanischer Literatur. Ihre erotischen Gedichte knüpfen an afrikanische Traditionen an und sind doch von großer Modernität. Der Gedichtband “Fiebertraum” vermittelt einen Eindruck ihrer Lyrik.

“Portugal lesen!” stellt Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihren jüngsten auch auf Deutsch erschienenen Romanen vor, die etwas über ihr Land zu erzählen haben. Die Zuschauer erfahren darüber viel über die Kultur und Geschichte Portugals, über seine Träume und Traumata. Darüber, wie viel Geschichte in einer Tasse starkem Espresso steckt, wieso die gepflasterten Bürgersteige voller Ornamente sind und warum sich zu einer Riege berühmter Seefahrer auf einem Denkmal ausgerechnet ein Dichter gesellt.

Mittwoch, 11.08. / 19:20 Uhr / Bedrohte Schätze im Depot ~ Die dunklen Flecken großer Museen und kleiner Sammlungen
Film von Frank Vorpahl
(Erstsendung: 28.11.2020)
3sat

Sammelwut und Sammelwahn: Jahrhundertelang gierte Europa nach exotischen Schätzen aus aller Welt. Und lässt diese nun größtenteils in Archiven vergammeln. Was ist noch zu retten? Und wie?

Millionen von Objekten gelangten im Kolonialzeitalter auch in deutsche Museumsdepots. Das Ergebnis: gigantische “Kühlkammern weißer Wißgier”. Die Kehrseite: leere Kulturbrachen in einstigen Kolonien. Eine Rückgabe an die Herstellungskulturen ist die Ausnahme.

Noch immer wird gemauert, meint die Kritikerin des Berliner Humboldt Forums, Bénédicte Savoy: “Die größte Angst ist es, Begehrlichkeiten zu wecken. Man will nicht restituieren. Also erzählt man nichts.”

Von der Öffentlichkeit abgeschottet werden die Schätze in deutschen Museums-Depots nur selten so gut aufbewahrt, wie es der Nimbus der altehrwürdigen Institution Museum vermuten lassen würde. Längst herrscht eine Art Notstandsroutine. In Berlin werden von einer halben Million Artefakte demnächst rund 10 000 im neuen Humboldt Forum öffentlich präsentiert. Der übergroße Rest, rund 98 Prozent, lagert weiter in Berlin-Dahlem im Depot, wo infolge baulicher Mängel schon mal “knöcheltief” Wasser eindrang. “Das ist zum Teil mit Schädlingsbefall, das ist schon kritisch”, räumt selbst der Präsident der zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, ein.

“Passives Entsammeln” nennen Experten den andauernden Schwund von Artefakten durch Insektenfraß oder die Konfusion in Depotschränken und Bestandsakten. Viele Museen wissen nicht einmal, wie viele Kulturzeugnisse sie überhaupt besitzen. Das Münchner Museum Fünf Kontinente hat von seinen geschätzten 160 000 Stücken gerade einmal 57 000 erfasst, im Hamburger “Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt” (MARKK), dem früheren Völkerkundemuseum, weiß man nach Dachschaden und Asbestentsorgung nicht, welche Objekte sich in welchen Kisten befinden.

An eine vollständige Digitalisierung der Artefakte aus aller Welt, wie sie schon vor Jahrzehnten in Holland oder Frankreich angepackt wurde, ist in Deutschland schon aufgrund des Budget- und Personalmangels in den nächsten Jahren nicht zu denken. Gibt es Auswege?

Wann wird das virtuelle Museum, das interessierten indigenen Gruppen in Kamerun, Tonga oder an der Hudson-Bay einen Blick auf die eigenen Kulturzeugnisse in deutschen Depots erlaubt, endlich Realität? Wie gut gerüstet sind die ethnologischen Museen hierzulande dafür, das postkoloniale Erbe der Menschheit – die vielen Objekte, die es in den Ursprungsländern oft nicht mehr gibt und die für die kulturelle Identität der Herkunftsgesellschaften von ständig wachsendem Wert sind – für die Herstellungskulturen zugänglich zu machen?

Die Kulturdokumentation “Bedrohte Schätze im Depot” nimmt anhand von Recherchen in Museumsdepots und im Gespräch mit Insidern, Museumskritikern und Vertretern der Herstellungskulturen eine Bestandsaufnahme vor und macht deutlich, dass die Gefährdung ethnologischer Sammlungen nicht das Ergebnis von Schlamperei der im Gegenteil oft sehr engagierter Museumsmitarbeiter ist, sondern ein strukturelles Problem darstellt: einer Überforderungssituation, die einen deutlichen Zuwachs an Ressourcen, Forschungsenergie und Transparenz erfordert.

Sie zeigt aber auch, wie belebend und produktiv Offenheit und Austausch auf eine angestaubte Institution wirken können.

Freitag, 13.08. / 19:20 Uhr / Think Big! – Die Künstlerin Katharina Grosse
Film von Claudia Müller
(Erstsendung: 14.03.2021)
3sat

“Think Big!” ist eine Dokumentation über die deutsche Künstlerin Katharina Grosse. Eine Malerin, die die Rolle der Frau in der abstrakten Malerei neu definiert.

Mit Spraypistole und kräftigen Farben verwandelt sie Innen- und Außenräume in begehbare Farblandschaften. In Welten, in denen sie die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität aufhebt und die Betrachter auffordert, ihre Seh- und Denkgewohnheiten zu revidieren.

Die 1961 in Freiburg geborene Malerin ist in Bochum aufgewachsen und hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Katharina Grosse gehört nicht zu einer Generation unterschätzter Frauen, die lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Sie wurde gefördert und hat davon profitiert, was die vorherige Generation feministischer Künstlerinnen bereits geleistet hat. Dennoch hat sie einen schwierigen Weg gewählt: die Malerei. Kein anderes Feld in der bildenden Kunst ist so sehr mit dem Geniegedanken verknüpft – den “Malerfürsten”.

Katharina Grosses Werk liefert neue Ansätze und Perspektiven auf das, was Malerei sein kann: ein unbegrenztes Feld von Möglichkeiten. Sind das noch Gemälde – oder ist es Vandalismus? Wo beginnen und wo enden die Kunstwerke? Malerei kann infizieren und irritieren und unseren Blick auf die Welt infrage stellen. Genau dort setzt Grosse an.

Ihre Kunstwerke sind ein Angriff auf unsere Wahrnehmung von Begrenzungen, die wir als gegeben hinnehmen. Ihre Bilder und Installationen haben eine visuelle Kraft, die sich aus dem Zusammenspiel von greller Farbigkeit und Hindernissen speist, die von der Bewegung ihrer Spraypistole einfach verschluckt werden. In mehr als 20 Jahren schuf sie ein Œuvre, das im wahrsten Sinne des Wortes Spuren hinterlassen hat.

Die Filmemacherin Claudia Müller begleitet die Künstlerin bereits seit sechs Jahren mit der Kamera. Im Mittelpunkt ihres Films stehen der Schaffensprozess und Grosses immer neue Herangehensweise an Räume, freie Flächen im Außenraum oder die Leinwand. Die Auseinandersetzung mit der Malerei an sich. Als roter Faden zieht sich die Einrichtung von Grosses Installation im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin durch den Film, ergänzt durch Material, das bei der Entstehung von Projekten in den USA, Dänemark und Italien entstand. Arbeiten, die zum Teil zu großen Kontroversen und Anfeindungen aus der Bevölkerung geführt haben.

Die Malerei von Katharina Grosse ist ein sinnlich visualisierter Denkprozess, der dazu auffordert, keine Vergleiche zu etwas schon mal Gesehenem anzustellen, sondern eigene Denkräume zu öffnen: Think Big! Größe ist kein Maßstab, sondern ein Anspruch, der sich durch ihr ganzes Werk zieht.


Kalenderwoche 33:

Samstag, 14.08. / 11:15 Uhr / Sommernachtskonzert Schönbrunn 2021
Schlosspark Schönbrunn, Juni 2021
Mit Igor Levit (Klavier)
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Daniel Harding
3sat

Vor der Traumkulisse von Schloss Schönbrunn laden die Wiener Philharmoniker zu einem stimmungsvollen Open-Air-Konzert ein. Das Konzert steht unter dem Motto “Fernweh”.

Die Wiener Philharmoniker spielen unter der musikalischen Leitung von Daniel Harding. Als ganz besonderes Highlight ist der Auftritt des Pianisten Igor Levit geplant. Gerade in der Pandemiezeit soll dem Publikum ein unvergesslicher Abend bereitet werden.

Dazu widmet sich das Programm ausgewählten Werken von Leonard Bernstein, Giuseppe Verdi, Sergei Rachmaninov, Jean Sibelius, Edward Elgar, Claude Debussy und Gustav Holst.

Erstmalig steht Daniel Harding in Schönbrunn am Pult der Wiener Philharmoniker. Der gebürtige Brite gilt als einer der brillantesten Dirigenten der jungen Generation und erhielt in der Vergangenheit für seine Arbeit mit den großen internationalen Orchestern und Opernhäusern viel Beifall – sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern.

Igor Levit zählt nicht nur zu den besten Pianisten seiner Generation, sondern findet immer wieder Beachtung für sein politisches Engagement: Klimakrise, Flüchtlingspolitik, demokratische Grundrechte, Judenfeindlichkeit und geistige Freiheit bewegen ihn als Mensch und Künstler. Die Frage nach der politischen Verantwortung gehört für Igor Levit genauso dazu wie die Frage nach dem richtigen Instrument, nach dem perfekten Klang und nach der besten Interpretation der Meisterwerke. Und diesen musikalischen Genuss wird er zusammen mit dem berühmten Orchester garantieren.

Die Wiener Philharmoniker gelten als prominenter Exportartikel Österreichs im Kulturbereich. Das Orchester möchte in Zeiten der Corona-Epidemie nicht auf dieses beliebte Event verzichten, auch wenn nur wenig Gäste vor Ort im Park sein dürfen. Umso wichtiger ist die weltweite Fernsehübertragung des Open-Air-Ereignisses. Ein Stück Hoffnung für die Kultur und Aufmunterung für viele Menschen an den Bildschirmen.

Einen passenderen Rahmen als die prächtige Kulisse des Schönbrunner Schlosses und seiner barocken Parkanlage, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, könnte man sich wohl kaum dafür vorstellen.

Samstag, 14.08. / 19:20 Uhr / Kulturzeit extra: Salzburg feiert 101 Jahre Festspiele
Moderation: Peter Schneeberger
Erstausstrahlung
ORF/3sat

Jubel in Salzburg: Festspiele ohne Maskenpflicht und Platzbeschränkung! Moderator Peter Schneeberger trifft die neuen Stars beim “Jedermann” – Verena Altenberger und Lars Eidinger.

Salzburg war 2020 Vorreiter beim Öffnen der Spielstätten. Nun geht es wieder richtig los. Der 100. Geburtstag der “Salzburger Festspiele” wird weiter gefeiert. Mozarts “Don Giovanni” gehört zu den Höhepunkten.

“Kulturzeit extra: Festspiele in Salzburg” berichtet über die neue Mozart-Produktion in der Regie des italienischen Kultregisseurs Romeo Castellucci und unter der musikalischen Leitung von Stardirigent Teodor Currentzis. Currentzis spricht mit “Kulturzeit extra” über seine Beziehung zu Mozart.

Geplant ist auch ein Besuch bei den Proben zu Luigi Nonos “Intolleranza 1960”, avantgardistisches Musiktheater, das mit Bezug auf die heutige Flüchtlingsproblematik zeitgemäßer denn je wirkt. Festspielintendant Markus Hinterhäuser wird die Zusammenhänge erklären.

“Kulturzeit extra” begleitet außerdem den Wettbewerb um den “Herbert von Karajan Young Conductors Award”, bei dem drei junge, hochbegabte Dirigenten um die Wette dirigieren. Natürlich wird das Flair der besonderen Salzburg-Atmosphäre in der Sendung spürbar.

Und damit im Jahr nach Beginn der Pandemie die Sicherheit der Besucher in jeder Hinsicht gewährleistet ist, besucht Moderator Peter Schneeberger auch die sogenannten Bergputzer, die die Berge über Salzburg nach lockeren Steinen absuchen und diese entfernen, damit sie nicht auf die Stadt herunterfallen.

Redaktionshinweis: Im Rahmen des “3satFestspielsommers” folgt um 20.15 Uhr eine Aufführung von den diesjährigen Salzburger Festspielen: Unter der Leitung von Teodor Currentzis spielt das Ensemble MusicAeterna zwei Symphonien von Wolfgang Amedeus Mozart.

Samstag, 14.08. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Salzburger Festspiele 2021
Aus dem Großen Festspielhaus
Aufzeichnung, August 2021

Programm:
– Wolfgang Amadeus Mozart, Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 550

3sat
– Wolfgang Amadeus Mozart, Symphonie
Nr. 41 C-Dur KV 551, “Jupitersinfonie”
Orchester: musicAeterna
Musikalische Leitung: Teodor Currentzis
Erstausstrahlung

Auf dem Programm von Teodor Currentzis und dem internationalen Ensemble MusicAeterna stehen die Sinfonien in g-Moll und C-Dur, Mozarts finale Beiträge zur Königsklasse der Orchestermusik.

Die Konzerte des griechischen Dirigenten mit russischem Pass und dem von ihm selbst gegründeten Orchester sind oft mehr Performance und sakrale Handlung als die brillante Aufführung eines klassisches Werkes und gehören zu den Höhepunkten im klassischen Musikleben.

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte seine beiden letzten Sinfonien im Sommer 1788. Während die g-Moll-Sinfonie wahrscheinlich noch zu seinen Lebzeiten erstmals aufgeführt wurde, erlebte er die Uraufführung der C-Dur-Sinfonie wohl nicht mehr. Sie ist heute als “Jupitersinfonie” bekannt, eine Bezeichnung, die, wie die meisten dieser Beinamen, nicht auf den Komponisten zurückgeht, sich aber deutlich besser merken lässt als “Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551” und somit der Popularität der Sinfonie durchaus zuträglich war.

Beide Sinfonien sind schon kurz nach Mozarts Tod als idealtypische Urbilder der klassischen Sinfonie bekannt geworden. Das Hauptthema der g-Moll-Sinfonie ist eine der bekanntesten melodischen Erfindungen Mozarts, und der grandiose vierte Satz der Jupitersinfonie in der Form einer Fuge weist weit über die Sphäre der Sinfonie im ausgehenden 18. Jahrhundert hinaus.

MusicAeterna wurde 2005 von Teodor Currentzis gegründet. Die Musiker spielen ausschließlich auf historischen oder nach historischen Vorbildern gefertigten Instrumenten. Das Orchester hat sich 2019 von seinem Gründer gelöst und arbeitet seitdem als unabhängiges Ensemble. Dennoch gilt MusicAeterna nach wie vor als das Orchester Teodor Currentzis’.

Samstag, 14.08. / 21:35 Uhr / 3satFestspielsommer: Le Concert de Paris 2021
Champ des Mars

Mit Pretty Yende (Solistin), Piotr Beczala (Solist), Clementine Margaine (Mezzo-Sopran), Edwin Crossley-Mercer (Bariton), Alexandre Kantorow (Klavier), Ksenija Sidorova (Akkordeon) und Ibrahim Maalouf (Trompete)
Chor: Radio France
Orchester: Orchestre National de France
Musikalische Leitung: Simone Young

Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Das “Concert de Paris” zählt zu den größten Klassik-Events der Welt. Vor der Kulisse des Eiffelturms wirken namhafte Solist*innen mit, unter anderen die prämierte Sopranistin Pretty Yende.

Die australische Stardirigentin Simone Young leitet Kantorei und Chor von Radio France und das Orchestre National de France. Young feiert 2021 ihren 60. Geburtstag – eine erfolgreiche Wegbereiterin für Dirigentinnen in einem Beruf, der von Männern dominiert wird.

Die vielfach preisgekrönte Sopranistin Pretty Yende aus Südafrika kann mit Engagements an der Metropolitan Opera in New York und der Wiener Staatsoper aufweisen.

Außerdem ist Piotr Becza³a aus Polen dabei, der als Lyrischer Tenor weltweit für Furore sorgt, zum Beispiel als Rodolfo neben Anna Netrebko oder als Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen.

Französischer Nachwuchsstar am Klavier ist Alexandre Kantorow, Jahrgang 1997, der 2019 den Tschaikowski-Wettbewerb haushoch gewann.

Die lettische Star-Akkordeonistin Ksenija Sidorova spielt argentinischen Tango von Astor Piazzolla, und der libanesisch-französische Trompeter Ibrahim Maalouf bringt weichen Jazzklang mit auf das Marsfeld von Paris.

Außerdem sind zu Gast: die Mezzo-Sopranistin Clémentine Margaine und der Bariton Edwin Crossley-Mercer.

Sternstunden des Opern-Repertoires mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, George Bizet, Ludwig van Beethoven, Claude Debussy, Gioacchino Rossini und anderen.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Sonntag, 15. August, um 11.20 Uhr mit einem Konzert von den “Klassik Open Air Nürnberg 2021” fort.

Sonntag, 15.08. / 11:20 Uhr / 3satFestspielsommer: Klassik Open Air Nürnberg 2021
Aufzeichnung aus dem Luitpold-Hain in Nürnberg,
August 2021
Orchester: Nürnberger Symphoniker
Erstausstrahlung
ARD/BR/3sat

Sonnenuntergang, Picknick und klassische Musik in der lauen Sommernacht: Eines der größten Klassik Open Airs weltweit, das “Klassik Open Air Nürnberg”, soll 2021 wieder stattfinden.

Ein Highlight für Jung und Alt, Klassik-Fans und Neulinge, für Menschen aller Nationalitäten. Die beiden großen Orchester der Stadt, die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker, spielen für ein bunt gemischtes Publikum im Luitpoldhain.

Die traditionelle Unterstützung, Aufmerksamkeit, Friedlichkeit und Verlässlichkeit des Publikums ermutigen dazu, dieses einzigartige Ereignis unter allen Umständen möglich zu machen. Nach wie vor wird an der Planung des Festivals festgehalten.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 21. August, um 20.15 Uhr mit “Elektra” von den Salzburger Festspielen 2020 fort. Um 22.15 Uhr folgt Jan Lauwers Neuinszenierung von Luigi Nonos Bühnenwerk “Intolleranza 1960” von den diesjährigen Festspielen in Salzburg.

Sonntag, 15.08. / 13:10 Uhr / Sprungbrett in die Welt – 75 Jahre Bregenzer Festspiele
Film von Markus Barnay
(aus der ORF-Reihe “Erlebnis Österreich”)
(Erstsendung: 20.06.2021)
ORF

Die 1946 gegründeten Bregenzer Festspiele wurden nicht nur für Künstler, die hier ihre ersten Auftritte hatten, zum Sprungbrett in die Welt, sondern auch für Bregenz und die Region selbst.

Am Anfang wurden die Grenzen eigens für das Publikum geöffnet, später brachten die Künstlerinnen und Künstler sowie die wegen der Festspiele angereisten Touristinnen und Touristen internationales Flair an den Bodensee.

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus sieben Jahrzehnten berichten, welche Rolle die Bregenzer Festspiele für ihr Leben gespielt haben.

Sonntag, 15.08. / 18:25 Uhr / Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele
Film von Werner Horvath
(Erstsendung: 02.08.2020)
ORF

Der geniale Theatermacher Max Reinhardt erklärte die Stadt Salzburg zur Bühne und inszenierte 1920 am Domplatz den “Jedermann”. Das war die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele.

Ein Regisseur, ein Dichter, ein Komponist und ein gemeinsamer Traum: Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss träumten nach dem Ersten Weltkrieg von Festspielen, die Frieden stiften sollten. – Ein Abriss durch die Geschichte des Festivals.

Werner Horvath hat für die Dokumentation “Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele” historische Schätze aus dem ORF-Archiv geborgen. Entstanden ist ein facettenreicher und unterhaltsamer Querschnitt durch die Geschichte des weltberühmten Festivals und die Berichterstattung im Wandel der Zeit: vom Gründungsmythos und Reinhardts Visionen für “seine” Festspiele, dem Erfolgsschlager “Jedermann”, den Schrecken des NS-Regimes über den Bau des Festspielhauses nach den Plänen von Clemens Holzmeister bis zu den schillernden Jahren unter Herbert von Karajan.

Erfolgsproduktionen und Theaterskandale prägten Salzburg genauso wie der alljährliche Schaulauf von Prominenz und Adabeis.

Ein Wiedersehen mit eindrucksvollen Produktionen der vergangenen 100 Jahre sowie mit unzähligen liebgewonnenen Granden der Theater- und Opernwelt, die mit Salzburg verbunden sind und waren, darunter Helene Thimig, Alexander Moissi, Susi Nicoletti, Paula Wessely, Grace Bumbry, Klaus Maria Brandauer, Anna Netrebko und Christa Ludwig.

Montag, 16.08. / 06:25 Uhr / Think Big! – Die Künstlerin Katharina Grosse
Film von Claudia Müller
(Erstsendung: 14.03.2021)
3sat

“Think Big!” ist eine Dokumentation über die deutsche Künstlerin Katharina Grosse. Eine Malerin, die die Rolle der Frau in der abstrakten Malerei neu definiert.

Mit Spraypistole und kräftigen Farben verwandelt sie Innen- und Außenräume in begehbare Farblandschaften. In Welten, in denen sie die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität aufhebt und die Betrachter auffordert, ihre Seh- und Denkgewohnheiten zu revidieren.

Die 1961 in Freiburg geborene Malerin ist in Bochum aufgewachsen und hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Katharina Grosse gehört nicht zu einer Generation unterschätzter Frauen, die lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Sie wurde gefördert und hat davon profitiert, was die vorherige Generation feministischer Künstlerinnen bereits geleistet hat. Dennoch hat sie einen schwierigen Weg gewählt: die Malerei. Kein anderes Feld in der bildenden Kunst ist so sehr mit dem Geniegedanken verknüpft – den “Malerfürsten”.

Katharina Grosses Werk liefert neue Ansätze und Perspektiven auf das, was Malerei sein kann: ein unbegrenztes Feld von Möglichkeiten. Sind das noch Gemälde – oder ist es Vandalismus? Wo beginnen und wo enden die Kunstwerke? Malerei kann infizieren und irritieren und unseren Blick auf die Welt infrage stellen. Genau dort setzt Grosse an.

Ihre Kunstwerke sind ein Angriff auf unsere Wahrnehmung von Begrenzungen, die wir als gegeben hinnehmen. Ihre Bilder und Installationen haben eine visuelle Kraft, die sich aus dem Zusammenspiel von greller Farbigkeit und Hindernissen speist, die von der Bewegung ihrer Spraypistole einfach verschluckt werden. In mehr als 20 Jahren schuf sie ein Œuvre, das im wahrsten Sinne des Wortes Spuren hinterlassen hat.

Die Filmemacherin Claudia Müller begleitet die Künstlerin bereits seit sechs Jahren mit der Kamera. Im Mittelpunkt ihres Films stehen der Schaffensprozess und Grosses immer neue Herangehensweise an Räume, freie Flächen im Außenraum oder die Leinwand. Die Auseinandersetzung mit der Malerei an sich. Als roter Faden zieht sich die Einrichtung von Grosses Installation im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin durch den Film, ergänzt durch Material, das bei der Entstehung von Projekten in den USA, Dänemark und Italien entstand. Arbeiten, die zum Teil zu großen Kontroversen und Anfeindungen aus der Bevölkerung geführt haben.

Die Malerei von Katharina Grosse ist ein sinnlich visualisierter Denkprozess, der dazu auffordert, keine Vergleiche zu etwas schon mal Gesehenem anzustellen, sondern eigene Denkräume zu öffnen: Think Big! Größe ist kein Maßstab, sondern ein Anspruch, der sich durch ihr ganzes Werk zieht.

Mittwoch, 18.08. / 00:45 Uhr / Kulturplatz extra: Filmfestival Locarno 2021
Erstausstrahlung
SRF/3sat

“Kulturplatz extra” berichtet in einer Sondersendung vom Wiedererstarken Locarnos als Film-Hotspot – unter den wachen Augen des neuen Festivaldirektors Giona A. Nazzaro.

Die Moderatorin Eva Wannenmacher hat sich ein erstes Bild von ihm gemacht und verrät, welche Filme auf der Jagd nach den Leoparden der 64. Festival-Ausgabe erfolgreich waren.

Freitag, 20.08. / 05:35 Uhr / Rainald Grebe: Das Elfenbeinkonzert
3sat-Zelt Mainz, September 2016
Regie: Volker Weicker
3sat

Rainald Grebe hat viele Talente: Er ist Musiker, Kabarettist, Schauspieler, Autor, Regisseur, Federschmuckträger, Multitasker – und Berufswahnsinniger.

Mal rockt er mit 10 000 Zuschauern und einem Kamel die Berliner Wuhlheide – mal kommt er als Solist mit brandneuen Songs ins 3sat-Zelt. Ein Abend am Rande des Wahnsinns.

Rainald Grebe ist Künstler durch und durch. Die Neugier treibt ihn immer weiter, in jedem Ding steckt Poesie, ständig gilt es, Neuland zu entdecken. In Frechen bei Köln aufgewachsen, absolviert er seinen Zivildienst in einer psychiatrischen Klinik und zieht anschließend ins Ostberlin der frühen 1990er-Jahre. Die Freiräume inmitten des zusammengebrochenen Systems – strukturell, gesellschaftlich, künstlerisch – faszinieren und prägen ihn. Kurz besucht er die Freie Universität Berlin, reist dann aber lieber durch Osteuropa und beginnt eine Ausbildung an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. 1997 schließt er das Studium als diplomierter Puppenspieler ab.

Kurzauftritte auf Comedybühnen hat er immer mal wieder, sei es im Hamburger “Quatsch Comedy Club” oder im Kölner “NightWash”-Salon. Dabei findet er immer seine ganz eigene Interpretation von Kabarett, irgendwo zwischen Satire und Slapstick, Varieté und absurdem Theater. 2003 erhält er den renommierten “Prix Pantheon”, und die Jury erkennt: “Grebes Lieder (…) entdecken im Alltäglichen das Wunderbare, im Vertrauten das Absurde und die Tragik in der Spaßgesellschaft.” Zu dieser Zeit entsteht auch seine Reihe von Liedern über ostdeutsche Provinzen, die auf hinterlistige Art zugleich die Arroganz der Boheme von Berlin-Mitte entlarven. “Brandenburg” wird so zu seinem vermutlich größten “Hit”.

Zwischen Soloauftritten und Projekten mit seiner “Kapelle der Versöhnung”, zwischen Kabarett und Theater mag sich Rainald Grebe bis heute nicht entscheiden – zum Glück. Längst hat er sein eigenes Genre erfunden. Man kann sich verführen lassen von seiner absurden Komik und lyrischen Sprachgewalt, doch wenn man gerade ins Träumen gerät, holt er einen unsanft zurück in die harte Realität. Er ist ein verspielter Gesellschaftskritiker, dessen politische Spitzen geschickt vom Ohr übers Herz ins Hirn treffen. Die “ZEIT” erkennt 2010 bei ihm die Tradition von Tucholsky, Kästner und Brecht – “mit ein paar Stunden Dadaismus im Nebenfach”. Kann man alles bei ihm finden, muss man aber nicht. Rainald Grebe ist einfach Rainald Grebe – zum Glück.


Kalenderwoche 34:

Samstag, 21.08. / 19:20 Uhr / Propaganda aus Stein – Was tun mit den Bauten und Denkmälern der Nazis?
Film von Nicole Blacha
Erstausstrahlung
3sat

Das steinerne Erbe des Nationalsozialismus bröckelt. An vielen faschistischen Bauwerken und Denkmälern nagt die Zeit, Sanierungen stehen an. Diese sind teuer. Was also tun mit dem Nazi-Erbe?

Die anstehenden Sanierungen haben die Debatte um den Umgang mit Denkmälern aus der NS-Zeit neu entfacht. Die Orte erweisen sich als Herausforderung und Chance zugleich – für das Erinnern in einer Zukunft ohne Zeitzeug*innenschaft.

Sollen Bauten der NS-Zeit originalgetreu konserviert werden – als seien sie “neutrales” Kulturgut? Oder wird die Nazipropaganda dadurch fortgesetzt? Strahlen die NS-Bauten heute noch die menschenverachtende Ideologie aus? Und wenn ja, reicht eine Hinweistafel aus, um die Wirkkraft zu brechen?

Stahlgerüst und weißes Planenmeer ranken sich um die ehemalige Führertribüne auf dem Berliner Olympiagelände, untermalt vom Surren der Bagger. Der Berliner Ex-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder zückt ungläubig lachend das Handy. “Mit einem Riesenaufwand wird hergestellt, was die Nazis für ihre Propaganda gebaut haben. Und das ist inakzeptabel, das ist falscher Denkmalschutz”, sagt er.

Der Grund seines Unmuts: Die Maifeldtribüne samt Glockenturm auf dem Berliner Olympiagelände wird gerade für 21,8 Millionen Euro saniert. Für Strieder wird hier Naziideologie wiederaufgebaut. Und das in Zeiten, in denen ein Bundestagsabgeordneter den Nationalsozialismus als “Vogelschiss in der deutschen Geschichte” bezeichnet. Der Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamts Berlin, Dr. Christoph Rauhut, hält dagegen: “Das ist keine Pflege von nationalsozialistischer Ideologie, sondern das sind Haltungsvorgänge, die dazugehören. Und ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Erbe auch erhalten müssen, um es zu erklären.”

Auch der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Dr. Meron Mendel, sieht es als “unsere Pflicht” an, Bauten aus der NS-Zeit als “authentische Lernorte” zu erhalten. “Wenn wir sie verfallen lassen würden, würden wir die Geschichte in Vergessenheit geraten lassen”, meint Mendel. Zentral sei die Kommentierung der Gebäude. Aber reichen Hinweistafeln an Orten wie dem Olympiagelände aus, um diese Orte kritisch einzuordnen? Oder braucht es Gegendenkmäler und Interventionen, um mit der in Stein gemeißelten Ideologie zu brechen?

Ein anonymes Nürnberger Künstler*innenkollektiv hat eine eigene, bildstarke Antwort auf diese Fragen gefunden. Über Nacht malte es ungefragt die Säulen der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in wasserlöslichen Regenbogenfarben an. Der Auslöser für die künstlerische Intervention waren rassistische Anfeindungen auf dem Gelände.

Der steinerne NS-Wahnsinn dient nicht nur Tourist*innen als Fotokulisse. Regelmäßig posieren auch Neonazis und Rechtsextreme zum Selfie auf der ehemaligen Führerkanzel, wo Hitler seine Reden in die Menge grölte. Die Nürnberger Kulturbürgermeisterin Julia Lehner fand das “Regenbogen-Präludium” zwar gut, doch aus Angst, die Intervention könnte den Stein des denkmalgeschützten Nazibaus beschädigen, ließ die Stadt nach nur zwei Tagen die Farben mit Hockdruckreinigern entfernen.

Nun soll die Tribüne für 85,1 Millionen Euro fein säuberlich saniert und um vertiefende Vermittlungskonzepte ergänzt werden. Während kritische Stimmen meinen, die Kunstaktion hätte nicht so radikal entfernt werden müssen, sehen andere das Werk als Auslotung von Fragen nach dem angemessenen Umgang mit NS-Hinterlassenschaften. Diskutiert wird auch, was besser geeignet ist, um die Bauwerke der Nazis um neue Bedeutungsschichten zu ergänzen: temporäre oder permanente Gesten? Also anmalen, kommentieren – oder komplett umbauen?

Wie umstritten der angemessene architektonische Umgang mit Gebäuden aus der NS-Zeit ist, zeigt die Debatte um das Haus der Kunst in München. 2016 wurde bekannt gegeben, dass sich der britische Star-Architekt David Chipperfield der Sanierung des Museums annehmen soll. Sein Vorschlag: Der “grüne Vorhang” vor dem ehemaligen Kunsttempel der Nazis müsse weg, die Treppe zurück. Quasi die Rückführung des Baus in seinen ursprünglichen Zustand von 1937.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Holocaust-Überlebende, Dr. Charlotte Knobloch, kritisiert den Vorschlag als “Verherrlichung der Nazivergangenheit”. Den angedachten Rückbau wertet sie als Glorifizierung von Bauten aus der NS-Zeit.

Auch in Düsseldorf regt sich Widerstand gegen ein Umbauvorhaben. Das 39er-Kriegerdenkmal – ein NS-Lobgesang auf Militarismus – sollte ursprünglich dauerhaft verändert werden. Doch nach einem Protestbrief, der sich gegen den Gewinnerentwurf wendete, steht die Realisierung nun infrage.

Ob in Berlin, Nürnberg, Düsseldorf oder München: Bei den NS-Repräsentationsbauten und Denkmälern stellt sich immer auch die Frage: Wie können wir diese Orte nutzen? Zum Feierabendbier, Inlineskaten und Drachensteigen wie auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände? Nimmt Profanisierung den Schrecken und die Ehrfurcht? Oder führt sie zu Geschichtsvergessenheit?

Welche Bedeutung haben die Bauten für nachfolgende Generationen? Können sie als “begehbare Lernorte” Geschichte besser erfahrbar machen als die Lektüre eines Geschichtsbuchs oder das Surfen im Netz? Die Generation der Zeitzeug*innen verstirbt allmählich, doch was bleiben wird, sind die Orte. Und die Frage nach dem Umgang damit.

Samstag, 21.08. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Elektra
Felsenreitschule Salzburg, Salzburger Festspiele 2020
Tragödie in einem Aufzug op. 58 von Richard Strauss
ORF

Klytämnestra: Tanja Ariane Baumgartner
Elektra: Aušrine Stundyte
Chrysothemis: Asmik Grigorian
Aegisth: Michael Laurenz
Orest: Derek Welton

Choreografie: Claude Bardouil
Dramaturgie: Christian Longchamp
Libretto: Hugo von Hofmannsthal nach der, Tragödie von Sophokles
Bühnenbild: Malgorzata Szczesniak
Kostüme: Malgorzata Szczesniak
Chor: Konzertvereinigung, Wiener Staatsopernchor
Chorleitung: Ernst Raffelsberger
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Inszenierung: Krzysztof Warlikowski
Regie: Krzysztof Warlikowski
Bildregie: Myriam Hoyer
Moderation: Teresa Vogl

Zwischen Schuld und Rache, Erlösung und Untergang thematisiert der monumentale Operneinakter “Elektra” von Richard Strauss eine aus der Mythologie stammende Familiengeschichte.

Inspiriert von der Sprachgewalt des Librettisten Hugo von Hofmannsthal, lassen dramatische Stimmen und die große Orchesterbesetzung in die von Schmerz und Rachegelüsten geprägte Wahnwelt Elektras eintauchen.

Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, die Rolle der Elektra verkörpert der litauische Rising Star Aušrinė Stundytė, und die Chrysothemis singt Asmik Grigorian, die für ihre Rolle als Salome in der Kritikerumfrage der Opernwelt als Sängerin des Jahres 2019 ausgezeichnet wurde.

Die Regie übernimmt Krzysztof Warlikowski, der 2018 mit Hans Werner Henzes “Die Bassariden” sein erfolgreiches Debüt bei den Salzburger Festspielen gab.

Im 100-jährigen Jubiläumsjahr 2020 eröffnen die Salzburger Festspiele mit der Oper “Elektra”, die im Leben aller drei Festspielgründer – Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt – eine bedeutende Rolle spielte.

Für die Bildregie zeichnet Myriam Hoyer verantwortlich, durch das Programm führt Teresa Vogl.

Samstag, 21.08. / 22:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Intolleranza 1960
Von den Salzburger Festspielen, 2021
ORF/3sat

Un emigrante: Sean Panikkar
La sua compagna: Sarah Maria Sun
Una donna: Anna Maria Chiuri
Un algerino: Antonio Yang
Un torturato: Musa Ngqungwana
Schauspiel und Solotanz: Sung-Im Her, Misha Downey, Victor Lauwers, Yonier Camilo Mejia (Needcompany)
Tänzerinnen und Tänzer von BODHI PROJECT und SEAD – Salzburg Experimental Academy of Dance

Dramaturgie: Elke Janssens und Kasia Torz
Bühnenbild: Jan Lauwers
Kostüme: Lot Lemm
Choreografie: Jan Lauwers, Paul Blackman
Chor: Konzertvereinigung Wiener, Staatsopernchor
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Ingo Metzmacher
Regie: Jan Lauwers
Erstausstrahlung

Intoleranz, Unterdrückung und die Verletzung der Menschenwürde – Themen von Luigi Nonos Werk “Intolleranza 1960”. Die “Salzburger Festspiele 2021” zeigen eine Neuinszenierung von Jan Lauwers.

Luigi Nonos (1924-1990) erstes Werk für die Opernbühne, das er explizit nicht als Oper verstand, erzählt die Geschichte eines Emigranten, der auf der Rückreise in seine Heimat unversehens in Polizeigewalt gerät und Folter und Gefängnis erlebt.

Die Jahreszahl im Titel der “azione scenica in due tempi”, der “Bühnenhandlung in zwei Akten”, verweist auf das Jahr der Entstehung. Luigi Nono, einer der Hauptvertreter der “seriellen Musik” – einer Weiterentwicklung der Zwölftonmusik – lehnte die tradierten Opernkonventionen ab. Er erforschte neue Kompositionstechniken, verwendete in seinen Stücken elektronische Musik und Tonbandaufzeichnungen.

Nono ging es um die gesellschaftliche Relevanz seiner Musik, um “engagierte Musik”, die sich nicht nur in ästhetischen Formen erschöpfen, sondern eine unmittelbare Wirkung auf ihre Zuhörer haben sollte. Er wollte alle sozialen Schichten ansprechen und seine politischen Ansichten über seine Werke transportieren. 1952 trat Nono in die Kommunistische Partei Italiens ein, in der er zeitlebens auf lokaler und nationaler Ebene aktiv war.

Das Libretto von “Intolleranza 1960” hat Nono unter Verwendung von Texten von Bertolt Brecht, Angelo Maria Ripellino, Jean-Paul Sartre und anderen selbst verfasst.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 28. August, um 21.00 Uhr mit “Gauthier Dance Company: Swan Lakes”, einer diesjährigen Aufführung aus dem Theaterhaus Stuttgart, fort. Im Anschluss, um 22.00 Uhr folgt die Tanzperformance “Clowns” – inszeniert, choreografiert und komponiert von Hofesh Shechter.

Samstag, 21.08. / 01:30 Uhr / Liza Marklund – Mein Stockholm
Film von Günter Schilhan
(Erstsendung: 07.12.2015)
ORF

Die schwedische Krimi-Bestsellerautorin Liza Marklund stellt ihre Lieblingsplätze in Stockholm vor.

Sie führt durch die pittoreske Altstadt, stellt die Insel Kungsholmen mit Stockholms Wahrzeichen, dem Rathaus, vor, und besucht den trendigen Stadtbezirk Södermalm sowie die Freizeitinsel Djurgården mit ihren vielen Parkanlagen und Museen.

Zusammen mit Björn Ulvaeus, einem der vier ehemaligen ABBA-Mitglieder, durchstreift sie die jüngste Museums-Attraktion der Stadt: das ABBA-Museum. Björn Ulvaeus hat es mitgestaltet und gibt persönliche Einblicke in die Geschichte seiner Band, die nach den Beatles bis heute weltweit die meisten Tonträger verkauft hat. Weitere Besichtigungsstationen sind das älteste Freilichtmuseum der Welt, “Skansen”, sowie das Vasa-Museum mit dem größten erhaltenen Kriegsschiff aus dem 16. Jahrhundert.

Liza Marklunds Roman-Reihe rund um die Kriminalreporterin Annika Bengtzon wurde 15 Millionen Mal verkauft und inzwischen auch verfilmt. Band 11 soll der letzte Teil der Reihe sein. Die deutsche Ausgabe erscheint 2016. Bevor Marklund ihre Schriftsteller-Karriere begann, war sie wie ihre Romanheldin als Journalistin tätig – unter anderem als Reporterin, später als Nachrichtenchefin bei großen schwedischen Tageszeitungen sowie beim Privatsender TV4. 1995 schrieb sie ihren ersten Roman: “Mia”. Neben den Bestsellern der Annika-Bengtzon-Reihe veröffentlichte sie noch fünf weitere Bücher. 1999 gründete sie gemeinsam mit Freunden “Piratförlaget”, den “Piratenverlag”, in dem andere Bestsellerautoren wie Jo Nesbø, Jan Guillou, Anne Holt und Jonas Jonasson publizieren. 15 Jahre lang war Liza Marklund auch UNICEF-Botschafterin.

In der Städteporträt-Serie “Mein …” präsentieren Prominente jeweils ihre Lieblingsstadt. Regisseur Günter Schilhan wurde 2014 für die Folge “Ian Rankin – Mein Edinburgh” mit der “Goldenen Romy” für die beste TV-Dokumentation ausgezeichnet.

Samstag, 21.08. / 03:50 Uhr / Eric Clapton: Crossroads Guitar Festival 2019
American Airlines Centre, Dallas, Texas, 2019
3sat

Im September 2019 lädt Eric Clapton zur fünften Ausgabe seines “Crossroads Guitar Festival” nach Dallas. Die besten Gitarristen kommen zugunsten des “Crossroads Centre Antigua”.

1998 wird auf der Karibikinsel Antigua eine Einrichtung zur Rehabilitation von Alkohol- und Drogenabhängigen eröffnet. Clapton ist Miteigentümer und Geldgeber. Selbst ehemals abhängig, schafft Eric Clapton einen Ort, an dem internationale Experten Patienten behandeln.

Nach 2004 in Dallas, 2007 und 2010 in Chicago und 2013 in New York kehrt das “Crossroads”-Event nach Dallas zurück. Mit dabei sind Sheryl Crow, Bonnie Raitt, Albert Lee, Derek Trucks, Doyle Bramhall II, Jeff Beck, Peter Frampton und Citizen Cope, aber auch viele junge Künstler wie Pedro Martins, Daniel Santiago und Lianne La Havas. Wenn Eric Clapton ruft, kommen alle. Er ist der einzige Künstler, der drei Mal in die “Rock and Roll Hall of Fame” aufgenommen wird.

Im Rahmen seiner unzähligen Auszeichnungen dürfte sich der Brite besonders über die Ernennung zum “Officer des Order of the British Empire” gefreut haben: 1994 erhält er die Auszeichnung aus den Händen von Königin Elizabeth II. für seinen Beitrag zur Musikgeschichte.

Samstag, 21.08. / 05:05 Uhr / Paul Simon’s Concert in the Park
Central Park, New York (USA), 1991
Regie: Louis J. Horvitz
3sat

Am 15. August 1991 schreibt Paul Simon Geschichte: Vor geschätzten 600 000 Zuschauern steht er im New Yorker Central Park auf einer Open-Air-Bühne und gibt ein Konzert bei freiem Eintritt.

Das live im US-TV übertragene Konzert ist ein Zwischenstopp im Rahmen seiner “Born at the Right Time”-Tour. Begleitet wird er von seiner Band um den Saxofonisten Michael Brecker und Schlagzeuger Steve Gadd sowie der brasilianischen Percussion-Truppe Olodum.

Im Mittelpunkt des stimmungsvollen Konzerts stehen die Songs seiner Alben “Graceland” und “Rhythm of the Saints” sowie die großen Hits aus seiner Zeit mit Art Garfunkel. Zehn Jahre zuvor, am 19. September 1981, stehen Paul Simon und Art Garfunkel an gleicher Stelle im Central Park. Das 1981er “Concert in Central Park” scheint ein unwiederholbarer Erfolg zu sein, doch Paul Simon beweist 1991, wie man vertraute Songs erfolgreich im neuen Sound präsentieren kann.

Trotzdem hätten sich viele Fans zumindest einen Gastauftritt von Art Garfunkel gewünscht. Am Abend vor dem Konzert sagt Art Garfunkel in einem Interview der “New York Times”, dass “er wohl nicht gut genug sei” um eingeladen zu werden. Immerhin wünscht Art Garfunkel seinem ehemaligen Duo-Partner alles Gute und verlässt die Stadt. Zwei Jahre später stehen Simon & Garfunkel wieder vereint auf der Bühne des New Yorker Paramount Theatre und beenden die Querelen der 1980er-Jahre.

Eingeladen zum Konzert im Central Park wird aber Filmschauspieler Chevy Chase, der zusammen mit Paul Simon eine umwerfend komische Tanzeinlage zum Song “You Can Call Me Al” hinlegt, obwohl Paul Simon die Tanzschritte durcheinanderbringt. Beide haben im Musikvideo zu “You Can Call Me Al” zusammengearbeitet: Chevy Chase tritt als Sänger auf, während Paul Simon ein Instrument nach dem anderen in den Raum bringt und spielt. Dazwischen tanzen die beiden.

Sonntag, 22. 08.: 3satThementag: Eiswelten

Montag, 23.08. / 00:50 Uhr / Tina Turner – Simply the Best
Videomusik – Musikvideos
Gestaltung: Michael K. Constantin
(aus der ORF/3sat-Reihe “clip”)
(Erstsendung: 22.07.2000)
ORF

Nach einem fulminanten Auftritt bei den Grammy Awards 2008, gekrönt von Standing Ovations, entschloss sich Tina Turner zu einer Tournee, die sie 2009 auch nach Europa führte.

“Clip” präsentiert Hits der Rock-Queen, unter anderem “Private Dancer”, “What’s Love Got to Do with It”, “Steamy Windows”, “Nutbush City Limits”, sowie das Duett “Tonight” mit David Bowie.

Montag, 23.08. / 01:50 Uhr / Singer-Songwriter
Videomusik – Musikvideos
Gestaltung: Anita Dollmanits
(aus der ORF/3sat-Reihe “clip”)
(Erstsendung: 11.02.2013)
ORF

Selbst texten, komponieren, singen und begleiten: In Zeiten, in denen möglichst große Teams für den Erfolg eines Sängers verantwortlich sind, ist dieses Können eine Seltenheit geworden.

Ihre Musik berührt durch Authentizität. Mit sensiblen, romantischen Klängen, meist von Gitarren oder Klavier begleitet, thematisieren Singer-Songwriter mit ihren Texten politische und persönliche Inhalte, stilistisch angesiedelt zwischen Blues, Folk und Country.

Der Film aus der Reihe “Clip” zeigt die Bandbreite des Singer-Songwriter-Genres von den ersten Vorreitern der 1960er- und 1970er-Jahre (Bob Dylan, Johnny Cash, Neil Young, Leonard Cohen, John Lennon, Frank Zappa) zur Pop-lastigen Ausrichtung der 1980er-Jahre (Stevie Wonder, Phil Collins, Peter Gabriel, Madonna, Michael Jackson, Bruce Springsteen, Elton John, Eric Clapton, Bono), von den Frauen-starken 1990er-Jahren (Suzanne Vega, Tracy Chapman, Mariah Carey, Alanis Morissette) zu jüngsten Multitalenten wie Adele, Lana Del Rey, Nelly Furtado, Shakira, Lady Gaga, Bernhard Eder, Eleni Mandell, Ingrid Michaelson, Mumford & Sons und Iron & Wine.

Montag, 23.08. / 05:05 Uhr / Bob Dylan
Videomusik – Musikvideos
Gestaltung: Michael K. Constantin
(aus der ORF/3sat-Reihe “clip”)
(Erstsendung: 19.05.2001)
ORF

Michael K. Constantin hat die schönsten Hits von Bob Dylan für die Reihe “clip” zusammengestellt, darunter “Things Have Changed”, für den der Künstler 2001 einen Oscar erhielt.

“Seine Stimme klingt, als käme sie über die Mauern eines Tuberkulose-Sanatoriums”, schrieb das renommierte US-Nachrichtenmagazin “Time” über den am 24. Mai 1941 in Duluth/Minnesota geborenen Robert Allen Zimmermann alias Bob Dylan.

Sein Name, abgeleitet vom walisischen Lyriker Dylan Thomas, ist untrennbar mit der US-Bürgerrechtsbewegung und der Folk-Musik verknüpft.


Kalenderwoche 35:

Samstag, 28.08. / 19:20 Uhr / Schwarze Musiker und weiße Musik ~ Wie rassistisch ist die Klassik?
Film von Hannah K. Friedrich
(Erstsendung: 15.05.2021)
3sat

Schwarze Dirigenten wie Kevin John Edusei sind die absolute Ausnahme in der Klassikszene. Woran liegt das, wo doch viele andere Musikgenres ohne People of Colour gar nicht denkbar sind?

Die klassische Musikszene gibt sich gern weltoffen und divers. Und auf den ersten Blick scheint es nur wenige Orte zu geben, an denen Menschen verschiedener Nationalität und Hautfarbe so harmonisch zusammenwirken wie in einem Sinfonieorchester oder Opernensemble.

Der zweite Blick aber zeigt, dass hier eine Farbe fehlt. Gibt es deshalb so wenige Schwarze Dirigenten und Instrumentalisten, weil die Barrieren zu hoch sind? Sind Vorbilder aus anderen Bereichen zu mächtig? Oder liegt es an einem strukturellen Rassismus, der Schwarzen Musikerinnen und Musikern die “hohe klassische Kunst” nicht zutraut – ein Rassismus, der vielen in der Branche vielleicht gar nicht bewusst ist?

Sheku Kanneh-Mason ist als schwarzer Cello-Star absolut solitär in der Szene. Doch auch er hat in seiner noch jungen Karriere schon versteckte rassistische Anfeindungen erlebt. Auch der Dirigent Kevin John Edusei erfährt regelmäßig Rassismus: Ein “Obama für München”, titelte die Presse, als er 2014 Chef der Münchner Symphoniker wurde – für ihn eine rassistische Stigmatisierung, und zwar noch eine der harmloseren Art. Immer wieder, so erzählt er, werde er aufgrund seiner Hautfarbe als Reinigungskraft angesprochen.

Stardirigent Christian Thielemann würde sich deutlich mehr Diversität in den Orchestern wünschen. Wie weit der Weg dahin sein kann weiß die Geigerin Midori Seiler nur zu gut. Denn auch Musiker asiatischer Herkunft waren und sind immer noch rassistischen Vorurteilen ausgesetzt. Dennoch kann heute kein Orchester mehr auf sie verzichten.

Diesen Weg haben Schwarze Musiker noch vor sich – so wie der 22-jährige Flötist Matthew Higham, Er ist der einzige Schwarze Musiker im hr-Sinfonieorchester. Auch er erlebt immer wieder rassistische Diskriminierung und beklagt das Fehlen von Vorbildern, die bei jungen Schwarzen ein Interesse für klassische Musik wecken könnten. Schwarze Musiker, davon ist Higham überzeugt, könnten der Klassikbranche ganz neue Impulse geben.

Samstag, 28.08. / 20:15 Uhr / Kaminer Inside: Schloss Neuschwanstein
Film mit Wladimir Kaminer
Erstausstrahlung
3sat

Ein Schloss wie aus einem Traum: Auf einen zerklüfteten Felsen in 1000 Metern Höhe gebaut, gilt Neuschwanstein als berühmtestes Märchenschloss der Welt.

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer besucht Schloss Neuschwanstein und wandelt auf den Spuren seines Bauherrn, König Ludwig II. von Bayern. Aufgrund der Coronapandemie war das Schloss lange geschlossen – eine einmalige Gelegenheit für Kaminer, es zu erkunden.

Der “Kini” ließ seine idealisierte Vorstellung einer alten deutschen Ritterburg ab 1869 errichten. In der Abgeschiedenheit der Bergwelt plante er, den Werken seines Freundes und Idols Richard Wagner den idealen Raum zu geben. Die Bühnenbilder zu den Opern des Komponisten und die Wartburg waren seine Inspirationsquellen. Doch bei aller Romantik wollte Ludwig II. nicht auf den Komfort verzichten, den seine Zeit bereits zu bieten hatte. So ist Neuschwanstein hinter den Kulissen mit für das 19. Jahrhundert modernster Technik ausgestattet: einer Zentralheizung, einem Telefon und einer Toilette mit automatischer Wasserspülung.

Aufgrund der Coronapandemie war Neuschwanstein monatelang geschlossen – eine einmalige Gelegenheit für Kaminer, das Schloss so zu erleben, wie es sich Ludwig II. gewünscht hatte: als Rückzugsort, vollkommen allein, ohne die Tausenden Besucherinnen und Besucher, die normalerweise durch die Gänge strömen. Denn Neuschwanstein gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt, jedes Jahr pilgern 1,5 Millionen Gäste ins beschauliche Schwangau, um Ludwigs Märchenbau live zu erleben.

Das hat Spuren hinterlassen: Touristinnen und Touristen tragen Staub und Schmutz in das Schloss. Außerdem bringen sie mit der Atemluft, ihrem Schweiß und mit regennasser Kleidung viel Feuchtigkeit hinein. Die Folge: Textilien schimmeln, die Wandfarben verblassen, das Parkett ist kaputt. Für mehr als 20 Millionen Euro wird Neuschwanstein jetzt erstmals seit 130 Jahren restauriert. Ein Mammutprojekt: 93 Räume und mehr als 2300 Einzelobjekte, Gemälde, Möbel, Textilien, Fenster, Türen und Wände werden aufgearbeitet. Wladimir Kaminer lässt sich die nötigen Restaurationsarbeiten erklären, erkundigt das Allerheiligste des Königs, begegnet hingebungsvollen Fans des Monarchen und begibt sich auf die Spuren von dessen rätselhaftem Tod.

Samstag, 28.08. / 21:00 Uhr / 3satFestspielsommer: Swan Lakes – Gauthier Dance
Aus dem Theaterhaus Stuttgart, Juni 2021
Mit dem Gauthier Dance Ensemble

Programm:
– Hofesh Shechter: Swan Cake
– Cayetano Soto: UNTITLED FOR 7 DANCERS
– Marco Goecke: Shara Nur

Dramaturgie: Dario Suša und Esther Dreesen-Schaback
Bühnenbild: Hofesh Shechter, Cayetano Soto, Dario Suša, Michaela Springer
Kostüme: Hofesh Shechter, Gudrun Schretzmeier
Choreografie: Hofesh Shechter, Cayetano Soto, Marco Goecke
Musik: Peter Gregson
Erstausstrahlung
3sat

“Schwanensee”: Unzählig sind die traditionellen Interpretationen, modernen Aneignungen und Parodien, auf der Bühne ebenso wie auf der Kinoleinwand. Ist “Schwanensee” also auserzählt?

Mit Sicherheit nicht, wenn ein völlig neues Format für den Stoff gefunden wird. Eric Gauthier, künstlerischer Leiter von “Gauthier Dance”, beauftragte drei internationale Künstler, ihre Version von “Schwanensee” für die Theaterhaus-Company zu kreieren.

Zusammen ergeben sie kein abendfüllendes Stück, sondern “Swan Lakes” im Plural. Ein ambitioniertes Programm mit drei jeweils 20-minütigen “Schwanensee”-Stücken, stilistisch so unterschiedlich wie die Choreografen selbst. Vor allem aber ein Abend, der Publikum wie Künstlern die Chance eröffnet, an etwas Bekanntes anzuknüpfen – und dabei völlig Neues zu entdecken.

Mit dieser Inspiration fängt der israelische Choreograf Hofesh Shechter an. Er gilt als einer der spannendsten Bühnenkünstler unserer Zeit. Seine dunklen, rohen, rhythmisch pulsierenden Tanzwelten bersten geradezu vor Originalität und politischer Relevanz. Shechters Alleinstellungsmerkmal ist die einzigartige Körperlichkeit seines Stils in Kombination mit den atmosphärischen Soundtracks, die er selbst komponiert. Diese künstlerische Doppelbegabung wurde geformt durch seine Jahre als Tänzer bei der legendären “Batsheva Dance Company” und durch sein Musikstudium in Paris.

“Swan Cake” ist Shechters erste eigene Kreation für “Gauthier Dance” und markiert gleichzeitig seinen Start als Artist in Residence” bei der Theaterhaus-Company. Statt Schönheit, Reinheit und Klarheit zeigt er Getriebene, die kein Heim haben, keinen Ort, keine Wahl – aber Wünsche, Fantasien und Träume. Und lässt so verstehen, dass unter der Oberfläche eine ganz eigene Art von Schönheit nur darauf wartet, ans Tageslicht zu kommen.

Cayetano Soto zählt zu den engen Bekannten von “Gauthier Dance”. Schwer zu sagen, wer seine verrückten Choreografien mehr liebt – die Tänzer*innen oder die Zuschauer*innen. Ausgefallene Ideen und die exzentrische, aber überaus sensible Sicht auf die Welt zählen zu Sotos Markenzeichen. Denn dem spanischen Choreografen haben es vor allem die Suchenden angetan – Menschen und Künstler*innen, die nicht ins Konzept passen. Auch für “seinen ‘Schwanensee'” zeichnet sich Spannendes ab. Denn in UNTITLED FOR 7 DANCERS zielt Soto auf nichts weniger als den Kern des Mythos: den Moment der Verwandlung vom Menschen zum Tier, von Frau zum Schwan. Die passende magische Klangwelt schuf der junge Komponist und Cellist Peter Gregson, der in Hollywood für seine fesselnde Filmmusik bekannt ist.

Seit Januar 2019 ist Marco Goecke “Gauthier Dance” als “Artist in Residence” verbunden. Eine Vertrautheit, die mit den Jahren gewachsen ist und sich in immer persönlicheren Kreationen für “Gauthier Dance” niedergeschlagen hat. Der “Schwanensee”-Stoff ist wie gemacht für Goeckes “Shara Nur” – ein dunkler Kosmos und dessen rasende, zitternde Ästhetik. Ein Abstecher in klassische Gefilde kommt für den Ballett-Erneuerer dabei selbstverständlich nicht infrage. Dem romantischen Topos von den weiblichen Schwänen setzt er von vornherein ein selbstbewusstes Statement entgegen: eine rein männliche Besetzung. Für diese neue Choreografie wählte Marco Goecke Musik von der preisgekrönten, isländischen Sängerin Björk Guðmundsdóttir.

Eric Gauthier gibt in kurzen Intros zusätzlich Denkanstöße für die neuen “Swan Lakes”.

Samstag, 28.08. / 22:10 Uhr / 3satFestspielsommer: Clowns
Rivoli Ballroom, London 2018
Kostüme: Christina Cunningham
Tänzer: Hofesh Shechter Company
Choreografie: Hofesh Shechter
Komponist: Hofesh Shechter
Regie: Hofesh Shechter
Erstausstrahlung
3sat

Im bildgewaltigen “Rivoli Ballroom” in Südlondon, einem original erhaltenen Ballsaal aus den 1950er-Jahren, produzierte Hofesh Shechter mit Kompanie eine packende Tanzperformance: “Clowns”.

Zehn Tänzerinnen und Tänzer aus acht verschiedenen Ländern setzen das Werk um. Hofesh Shechter ist ein ideenreicher und findiger Choreograf. Mit seiner Londoner Tanzkompanie bewegt er den zeitgenössischen Tanz in neue und sehr vielversprechende Richtungen.

Inszeniert, choreografiert und komponiert von Hofesh Shechter, kombiniert das Stück viele seiner sehr mannigfaltigen Talente: Seine mitreißende choreografische Handschrift hält er mit einer sehr intensiven filmischen Umsetzung auf leidenschaftliche Art fest.

Das Stück fußt auf der von ihm selbst komponierten, cineastisch lebhaften Musik, die es umwebt und zu einem faszinierenden Gesamterlebnis macht. Die Kameras kommen den herausragend talentierten Mitgliedern des sehr individuell aufgestellten Ensembles sehr nahe. Sie setzen das Thema des makaber komödiantischen Stückes über Mord und Begierde beeindruckend um: “Wie weit wollen wir gehen um der Unterhaltung willen?”

Redaktionshinweis: Am Sonntag, 29. August, um 10.50 Uhr setzt 3sat den “3satFestspielsommer” mit einer Opern-Gala vom “Hannover Klassik Open Air 2021” fort.

Samstag, 28.08. / 22:40 Uhr / Ana de la Vega und die Flöte
Film von Ralph Baudach
(Erstsendung: 01.11.2020)
ARD/NDR

Eine fast märchenhafte Karriere hat die Flötistin Ana de la Vega an die Spitze der Flötenkunst getragen. Ihr Lebensweg führt von einer Farm in Australien auf die großen Bühnen der Welt.

Das filmische Porträt zeigt nicht nur ihre musikalische Kraft. Es blickt auch auf ihre freie Kindheit als “Farm-Girl” zurück, begleitet Ana de la Vega nach Paris, wo sie als Flötenstudentin lebte, und zeigt sie in heutigen Herausforderungen zwischen Kind und Karriere.

Zugleich ist der Film eine Liebeserklärung an das Instrument, das Ana de la Vega in ihrem ereignisreichen Leben immer Halt gegeben hat: die Flöte.

Samstag, 28.08. / 23:25 Uhr / Das Glück an meiner Seite
(You’re Not You)
Spielfilm, USA 2014
ARD/Degeto

Kate: Hilary Swank
Bec: Emmy Rossum
Evan: Josh Duhamel
Wil: Jason Morgan Ritter
Gwen: Frances Fisher
Liam: Julian McMahon
Marilyn: Loretta Devine
John: Ernie Hudson
Jill: Stephanie Beatriz

Regie: George C. Wolfe
Länge: 96 Minuten

Für Konzertpianistin Kate bricht die Welt zusammen, als sie die Diagnose ALS erhält. Durch die unheilbare Nervenkrankheit muss sie ihren geliebten Beruf aufgeben und wird zum Pflegefall.

Da sie sich von fachkundigen Betreuerinnen bevormundet fühlt, stellt Kate die chaotische Studentin Bec ein. Deren taktlose Art erfordert viel Geduld, doch Kate fühlt sich nicht nur als Patientin. Fortan meistern beide zusammen die Herausforderungen des Lebens.

Das Leben der ehrgeizigen Kate scheint genau nach Plan zu verlaufen: Als Konzertpianistin feiert sie große Erfolge, und privat hat sie in dem ebenso gut aussehenden wie sensiblen Evan einen Traummann gefunden. Als sie wegen Beschwerden in den Händen ihren Arzt aufsucht, erhält sie unvermittelt eine erschütternde Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS.

Es dauert nicht lange, bis Kate aufgrund dieser unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems ihren Beruf nicht mehr ausüben kann. Damit nicht genug, selbst im Alltag braucht sie zusehends fremde Hilfe. Von professionellen Pflegekräften fühlt sich Kate allerdings bevormundet und bemitleidet. Lieber gibt sie den Job der chaotischen Studentin Bec, die zwar beim Vorstellungsgespräch zu spät kommt und auch sonst ihr Leben nicht wirklich im Griff hat, Kate aber auf Anhieb sympathisch ist.

Obwohl Bec sich zunächst wenig Mühe gibt und durch Taktlosigkeiten auffällt, zeigt Kate eine Engelsgeduld. Ihr gefällt es, normal und nicht wie eine Schwerkranke behandelt zu werden. So entwickelt sich allmählich zwischen den gegensätzlichen Frauen eine vertrauensvolle Beziehung. Die disziplinierte Pianistin findet durch ihre unkonventionelle Pflegerin neue Lebensfreude, während diese von Kate lernt, ihr Schicksal entschlossener in die Hand zu nehmen. Als es zwischen Kate und Evan zum Bruch kommt, steht Bec ihr bei. Weil sich der Krankheitszustand aber weiter verschlechtert, müssen die beiden Frauen eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

Auf sensible und lebensnahe Weise erzählt “Das Glück an meiner Seite” die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft. Zugleich schildert er den Kampf einer Frau, die trotz einer unheilbaren Krankheit ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben führen will. Regisseur George C. Wolfe hält dabei die Balance zwischen rührenden und heiteren Momenten. Dank der zweifachen Oscarpreisträgerin Hilary Swank und der talentierten Emmy Rossum bietet der Film großes Schauspielerkino.

Samstag, 28.08. /01:00 Uhr / Robert Menasse – Mein Brüssel
Film von Günter Schilhan
(Erstsendung: 09.10.2018)
ORF

Der Schriftsteller Robert Menasse präsentiert “sein” Brüssel, führt an die Schauplätze seines Erfolgsromans “Die Hauptstadt”. Menasse trifft auf Künstler, Politiker und Historiker.

Vom prachtvollen Hauptplatz, der Grand Place, ins Vergnügungsviertel Matonge und in die Büros der EU-Institutionen: Menasse, selbst ein glühender Europäer und gleichzeitig Kritiker der heutigen EU, zeigt Brüssels Vielfalt und macht sich Gedanken über Europas Zukunft.

“Brüssel ist der Ort, wo Politik gemacht wird, die auch in mein Leben in Wien hineinregiert. Es hat mich beschämt, obwohl ich glaube, ein aufgeweckter Zeitgenosse zu sein, dass ich nicht gewusst habe, wie die EU wirklich funktioniert oder warum vieles nicht funktioniert. Ich habe mir gedacht, ich muss nach Brüssel, in den Maschinenraum, in dem meine Lebensbedingungen produziert werden”, sagt der österreichische Schriftsteller. Im Frühjahr 2010 zieht er nach Brüssel und wohnt dort mit Unterbrechungen bis 2016, um seinen Roman “Die Hauptstadt” zu schreiben. 2017 wird er dafür mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Das Werk gilt als erster Schlüsselroman über das europäische Einigungsprojekt und die Institutionen der EU.

Robert Menasse führt in der Dokumentation zu den Schauplätzen seines Romans und gibt Einblicke in die wichtigsten EU-Institutionen, die in Brüssel ihren Sitz haben.

Brüssel gilt als “Hauptstadt der Europäischen Union”, darf diesen Titel aber nicht offiziell führen. Die Stadt mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern ist verwaltungstechnisch eigentlich eine von drei belgischen Regionen – neben Flandern und der Wallonischen Region – und besteht aus 19 verschiedenen Städten mit eigenen Bürgermeistern. Brüssel ist neben den EU-Institutionen auch Sitz der NATO. Brüssel ist eine reiche Stadt, und dennoch lebt ein Drittel der Einwohner unter der Armutsgrenze. Keine andere Großstadt Europas hat einen so hohen Ausländeranteil wie Brüssel. 55 Prozent der Bewohner wurden im Ausland geboren. Die meisten Immigranten kommen aus Frankreich, Marokko und Rumänien. 104 Sprachen werden hier gesprochen.

Menasse gibt zu, aufgrund von Medienberichten mit gewissen Vorurteilen vor allem gegenüber dem Beamtenapparat nach Brüssel gekommen zu sein. Doch das Bild hat sich im Laufe der Recherchen gewandelt: “Es ist erstaunlich, welches Misstrauen gegenüber den europäischen Beamten von den Bürgern in den verschiedenen Ländern gepflegt wird. Die Europäische Kommission hat zur Verwaltung eines ganzen Kontinentes weniger Beamte als die Städte Wien, München oder Paris zur Verfügung. Man kann hier keinen Job bekommen, weil man den Schwager eines Tennisclub-Freundes kennt. Man muss ein strenges Auswahlverfahren absolvieren, den ‘Concours’, zu dem jährlich 30 000 Menschen antreten, und nur 100 bis 150 bekommen einen Job. Die meisten sprechen fünf Sprachen und haben Top-Universitäten absolviert. Ich habe große Hochachtung vor diesen Menschen.”

Robert Menasse ist vom Grundgedanken des europäischen Einigungsprozesses überzeugt. Er kritisiert jedoch scharf, dass es bis heute nicht gelungen sei, nationale Interessen für ein europäisches Gemeinschaftsprojekt hintanzustellen.

Menasse hat sich im Lauf der Jahre in die belgische Hauptstadt verliebt, obwohl oder gerade, weil man diese Stadt zu wenig kennt und ein falsches oder gar kein Bild von ihr hat: “Wenn man an London, Paris oder Wien denkt, hat man Bilder vor Augen. Von Brüssel hat man kein Bild. Das Atomium oder Manneken Pis sind keine Stadtbilder, sie spielen auch im Alltag keine Rolle. Ich kam zum ersten Mal in meinem Leben in eine Stadt, von der ich nichts wusste, kein Bild hatte und es daher nie ein Déjà-vu gab. Heute liebe ich diese Stadt. Hier verdichten sich in unzähligen Details die Grundwidersprüche unserer Epoche: der Glanz der Grand Place, die großen sozialen Widersprüche, die Gegensätze zwischen Arm und Reich, den Krisengewinnlern und jenen, die zurückbleiben. Das Gefühl, was es heißt, Europäer zu sein, empfindet man hier deutlicher als anderswo.”

Für den Film unternimmt Robert Menasse einen Streifzug durch die belgische Hauptstadt. Er führt die Zuschauer zur Place Ste. Catherine, wo der Roman “Die Hauptstadt” seinen Anfang nimmt und der Autor seine erste Wohnung hatte, in das EU-Viertel, in das kürzlich eröffnete Haus der Europäischen Geschichte, auf die prachtvolle Grand Place, den Hauptplatz von Brüssel, in das afrikanische Viertel Matonge und auch nach Molenbeek, wo die Drahtzieher der Terroranschläge von Paris und Brüssel lebten und wo die Bewohner heute gegen das Image eines “Terrornestes” ankämpfen. Menasse trifft für den Film auch interessante Gesprächspartner wie die EU-Parlamentarier Guy Verhofstadt, Othmar Karas und Elmar Brok, den EU-Kommissar Johannes Hahn, den Sozialarbeiter Johan Leman oder den Künstler Kurt Ryslavy.

“Robert Menasse – Mein Brüssel” ist eine Folge der von Günter Schilhan gestalteten 3sat-Städteporträt-Reihe, in der Prominente ihre Lieblingsstadt präsentieren.

Sonntag, 29.08. / 10:50 Uhr / 3satFestspielsommer: Hannover Klassik Open Air 2021
Die große Opern-Gala
Aufzeichnung, August 2021

Mit Stephen Costello (Tenor), Nadine Sierra und Andrzej Filonczyk

Programm:
Auszüge aus: “Tosca”, “Rigoletto”, “La Traviata”, “La Boheme”, “Don Giovanni”, “Cavalleria rusticana”

Musikalische Leitung: Ivan Repusic
Erstausstrahlung
ARD/NDR/3sat

Es gibt Stimmen, die vergisst man nicht. Stephen Costello hat so eine Stimme. Bekannt wurde der junge Tenor, als er 2007 sein Debüt bei der Saisoneröffnung der Metropolitan Opera gab.

An seiner Seite wird die US-amerikanische Sopranistin Nadine Sierra zu erleben sein. Mit einer Operngala der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Ivan Repušic findet das Hannover Klassik Open Air 2021 vor prächtiger Kulisse des Rathauses im Maschpark statt.

2020 musste die Oper pandemiebedingt ausfallen. Umso schöner, dass diese herausragende Open-Air-Veranstaltung als eines der ersten kulturellen Ereignisse in der Zeit nach Corona den Kultur-Hunger der Menschen stillen wird. Die Übertragung fängt die einzigartige Atmosphäre vor der sommerlichen Kulisse des Neuen Rathauses von Hannover im Maschpark ein.

Stephen Costello und Nadine Sierra sind sich schon einmal in Hannover beim Klassik Open Air begegnet, 2017 in “Rigoletto”, er als Graf, sie als Gilda. Nadine Sierra gastiert mittlerweile regelmäßig in den größten Opernhäusern der Welt und gilt unter den jungen als eine der besten Opernsängerinnen unserer Zeit. Auch der gefragte Andrzej Filonczyk ist nicht zum ersten Mal dabei: Er war im Jahr 2019 als Silvio in “Der Bajazzo” beim Hannover Klassik Open Air zu hören und gilt als absoluter Rising Star unter den Baritonen.

Bei dieser “Oper für alle” werden wieder Zehntausende im Park picknicken oder einfach nur genießen und in einer Sommernacht den wunderbaren Melodien der Oper lauschen.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 4. September, um 20.15 Uhr, mit der Oper “Turandot” vom diesjährigen Open-Air-Opern-Festival “Oper im Steinbruch” aus St. Margarethen, fort.

Sonntag, 29.08. / 18:30 Uhr / Museums-Check mit Markus Brock: Lehmbruck Museum Duisburg
Gast: Stefan Hunstein
Erstausstrahlung
ARD/SWR/3sat

“Alles ist Skulptur”, titelt die Ausstellung zu Joseph Beuys (1921-1986) und seinem Vorbild Wilhelm Lehmbruck, die bis zum 1. November 2021 im Lehmbruck Museum Duisburg zu sehen ist.

Markus Brock besucht das Museum mit seiner bedeutenden Sammlung internationaler Skulptur und Malerei und begrüßt als Gast den Schauspieler Stefan Hunstein. Beim Rundgang durchs Museum erinnert sich der Schauspieler an eine persönliche Begegnung mit Joseph Beuys.

Ende der 1970er-Jahre war Beuys bei seinen Eltern zu Gast. Geprägt vom künstlerischen Umfeld ist der 1957 geborene Hunstein heute nicht nur erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler, sondern auch preisgekrönter Fotograf.

Joseph Beuys würde 2021 seinen 100. Geburtstag feiern. Kurz vor seinem Tod 1986 bedankte sich der Künstler in einer legendären Rede in Duisburg bei seinem “Lehrer” Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), dessen Werke ihn inspirierten. Beide waren davon überzeugt, dass Skulptur die Kraft habe, die Welt zum Besseren zu verändern.

Das Lehmbruck Museum beheimatet den Nachlass des bedeutenden Bildhauers der Moderne mit mehr als 1100 Arbeiten. Ausgehend von Lehmbrucks Werk wurde das Museum im Laufe seiner Geschichte zum Zentrum internationaler Skulptur und Malerei. Der Sohn von Wilhelm Lehmbruck, Manfred Lehmbruck, entwarf den 1964 eröffneten Museumsbau und auch seine Erweiterung in den 1980er-Jahren.

Die herausragende Sammlung umfasst unter anderem Skulpturen von Alberto Giacometti, Henry Moore, Niki de Saint Phalle und Rebecca Horn sowie wichtige Werke deutscher Malerei und Grafik von der Jahrhundertwende bis in die 1960er-Jahre, darunter Gemälde von August Macke, Max Pechstein und Oskar Kokoschka.

Umgeben ist das Museum vom weitläufigen Kantpark. Hier kann man zwischen Großskulpturen von Wilhelm Lehmbruck, Meret Oppenheim bis hin zu Tony Cragg spazieren gehen.


Kalenderwoche 36:

Samstag, 04.09. / 10:00 Uhr / Daniel Brühl – Mein Barcelona
Film von Günter Schilhan
(Erstsendung: 05.09.2016)
ORF/3sat

Der deutsche Schauspielstar Daniel Brühl führt durch seine zweite Heimat, durch die Stadt, in der er geboren wurde: Barcelona. Abseits der Touristenpfade zeigt er seine Lieblingsplätze.

Von Sonnenaufgang bis zum nächsten Morgen, vom Berg Tibidabo bis zum Meer: Auf seinem Spaziergang durch die katalanische Metropole präsentiert Brühl die Stadtviertel, die ihm besonders am Herzen liegen, wie Sant Gervasi, wo er Teile seiner Kindheit verbracht hat.

“Ein Film über Barcelona soll es werden, ein persönlicher Film, ein Film, in dem ich davon erzähle, was mir seit meiner Geburt in dieser Stadt widerfahren ist, welche besonderen Menschen ich hier im Laufe der Zeit kennengelernt habe, welche versteckten Orte ich abseits der Ramblas und des Gaudí-Parks gefunden habe” – so beginnt der Film, in dem Günter Schilhan sich von Daniel Brühl “sein Barcelona” zeigen lässt.

Der Sohn eines deutschen Regisseurs und einer spanischen Lehrerin wurde durch die Hauptrolle in dem Kinofilm “Good Bye, Lenin” international bekannt. In Quentin Tarantinos “Inglourious Basterds” spielte Brühl einen deutschen Kriegshelden, unter der Regie von Ron Howard spielte er den jungen Niki Lauda im Formel-1-Drama “Rush – Alles für den Sieg”. Daniel Brühl ist einer der international gefragtesten Schauspieler Deutschlands, in mehr als 60 Rollen war er im Kino und Fernsehen bereits zu sehen.

Für die Dokumentation unternimmt Brühl einen langen Spaziergang durch seine Geburtsstadt und ihre unterschiedlichen Viertel: Gràcia, das lebendige Künstlerviertel, wo er heute noch eine Wohnung hat, in Sant Gervasi erinnert er sich an seine Kindheit, Born und Raval, wo er das Nachtleben genießt. Mit einem Freund, dem katalanischen Filmregisseur Manuel Huerga, trifft Brühl sich auf eine Paella. Und er stattet seinem Lieblings-Fußballverein, dem FC Barcelona, einen Besuch ab, über den er sagt: “Fan ist man von wenigen Dingen ein Leben lang. Mein Musikgeschmack zum Beispiel hat sich oft verändert, und nur von sehr wenigen Bands weiß ich, dass ich sie noch in zwanzig Jahren hören werde. Mit der Literatur und dem Film geht es mir ähnlich. Doch was sich nicht mehr ändern wird, ist meine Begeisterung für den FC Barcelona.”

Samstag, 04.09. / 19:20 Uhr / Alles nur geklaut? Das koloniale Erbe der Museen
Film von Janin Renner
Erstausstrahlung
3sat

Nigeria jubelt: Deutschland gibt die berühmten Benin-Bronzen 2022 zurück. Mehr als 50 Jahre lang wurden die Forderungen der nigerianischen Regierung ignoriert, jetzt der Sinneswandel.

Rollt nun eine Welle von Restitutionsforderungen auf uns zu? Die großen europäischen Museen sind vollgestopft mit kolonial erbeuteten Schätzen. Für Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ist die Rückgabe der Bronzen an Nigeria eine “Frage der Gerechtigkeit”.

Doch bleibt es dabei? Oder können die westlichen Weltkulturmuseen bald einpacken?

“Zur Not stellen wir Turnschuhe aus”, sagt die renommierte Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und meint, die Angst vor leeren Museen sei übertrieben. Es sei höchste Zeit, die Dekolonisierung der europäischen Museen voranzutreiben, fast alle Kunstwerke und Objekte seien Beute und müssten zurück in die Herkunftsländer. Doch der aktuelle moralische und politische Paradigmenwechsel gefällt nicht allen.

Die Rückgabeforderungen von geraubtem Kulturgut könnten weiter an Fahrt aufnehmen, befürchtet Julien Volper, Kurator im Königlichen Museum für Zentralafrika im belgischen Tervuren: “Die Büchse der Pandora ist geöffnet”. Der Restitutionsgegner Volper sorgt sich um das kulturelle Erbe, das in Europas Museen sorgsam bewahrt, erforscht und gesammelt wurde. Dies dürfe nicht leichtfertig zurückgegeben werden.

Was zum Beispiel soll mit Nofretete geschehen? Gehört nicht auch sie eigentlich nach Ägypten? Und sollte der Pergamonaltar zurück in die Türkei? Was hat der griechische Parthenonfries eigentlich in London zu suchen? Müssten all diese Werke nicht auch zurückgegeben werden? Wer das zu Ende denkt, landet unweigerlich bei der Frage: Wird es dann auf der ganzen Welt nur noch Heimatmuseen geben? Afrikanische Kunst nur in Afrika, asiatische nur in Asien? Und im Berliner Humboldt Forum gäbe es statt Meisterwerken aus aller Welt nur noch preußische Kunst zu sehen.

Die ketzerische Frage lautet: Was wäre mit den vielen kostbaren Werken aus aller Welt in all den Jahren geschehen, wenn sie nicht unrechtmäßig in Europas Museen gelandet wären? Gäbe es sie noch? Als 2011 während des Arabischen Frühlings Plünderer durch das Ägyptische Museum in Kairo zogen, war es beruhigend, zu wissen, dass die Nofretete in Sicherheit war. Und wäre eine Kostbarkeit wie das Ischtar-Tor von Babylon im heutigen Irak wirklich besser aufgehoben als in Berlin? In welchem Zustand wären die Benin-Bronzen, wenn sie die letzten 120 Jahre in Afrika verblieben wären?

Den nigerianischen Künstler Enotie Paul Ogbebor machen solche Fragen wütend, sie zeugten von europäischer, weißer Arroganz und fortgesetztem Kolonialismus. “Natürlich sind Kunstwerke bei uns sicher, die Benin-Bronzen beispielsweise waren hier über 800 Jahre gut aufgehoben, bevor sie von den Briten brutal gestohlen wurden.” Im Falle der Benin-Bronzen müsse man sich auch zukünftig keine Sorgen machen, versichert auch der nigerianische Botschafter Yusuf Tuggar.

In Nigeria wird für die Benin-Bronzen eigens das “Edo Museum of West African Art” entstehen. Es ist das jüngste Beispiel in einer ganzen Reihe von afrikanischen Prestigeprojekten im Museumsbau. In Dakar wurde 2018 das senegalesische “Musée des civilisations noires” eröffnet, mit viel Platz für Restitutionen. Wie sein Direktor Hamady Bocoum erklärt, geht es den Ausstellungsmachern in seinem Museum um ein Afrika, das sich selbst betrachtet und nicht von Europäern angestarrt wird.

In Europa geraten derweil die Museen weiter unter Druck. Vor allem das brandneue Humboldt Forum ist zum Schlachtfeld der Raubkunst-Debatte geworden. Nach den Benin-Bronzen steht nun ein weiteres zentrales Ausstellungsstück im Fokus: das Luf-Boot aus der Südsee. Gerade hat der Historiker Götz Aly nachgewiesen, dass es nicht rechtmäßig erworben wurde. War es eine gute Idee, das kostbare Auslegerboot im Humboldt Forum buchstäblich einzumauern? Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bemüht sich inzwischen intensiv um koloniale Aufarbeitung. Doch für die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy ist das Luf-Boot nicht die letzte Bombe, die platzen wird. Das ganze Humboldt Forum sei vermintes Gelände.

Samstag, 04.09. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Turandot
Oper im Steinbruch St. Margarethen, 2021

Mit Martina Serafin, Benedikt Kobel u. a.

Chor: Philharmonia Chor Wien
Orchester: Orchester der Budapester, Philharmonischen Gesellschaft
Musikalische Leitung: Giuseppe Finzi
Regie: Thaddeus Strassberger
ORF

Drei Rätsel stellt die geheimnisvolle Prinzessin Turandot jedem Mann, der um ihre Hand anhält. Puccinis Welterfolg “Turandot” bei der “Oper im Steinbruch Sankt Margarethen” im Burgenland.

Als ein namenloser Prinz die teuflischen Rätsel löst, stellt er der störrischen Prinzessin seinerseits eine Aufgabe: Sie soll ihm seinen Namen nennen. Turandot verhängt über ihr Volk das Verbot zu schlafen, bis der Name des Unbekannten gefunden ist.

Mit “Keiner schlafe – Nessun dorma!” gelang Giacomo Puccini eine der beliebtesten Arien der Opernliteratur. Puccinis gleißende und geheimnisvoll zerklüfteten Klänge finden ihren idealen Widerhall in der schroffen Felslandschaft des St. Margarethener Steinbruchs.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 11. September, um 20.15 Uhr fort.

Sonntag, 05.09. / 3satThementag: Unter Abenteurern

Sonntag, 05.09. / 11:25 Uhr / Die Abenteuer des Huck Finn
Spielfilm, Deutschland 2012
ARD/Degeto/BR/WDR

Huck Finn: Leon Seidel
Tom Sawyer: Louis Hofmann
Jim: Jacky Ido
Der alte Finn: August Diehl
Sklaventreiber Packard: Henry Hübchen
Sklaventreiber Turner: Milan Peschel

Regie: Hermine Huntgeburth
Länge: 98 Minuten

Missouri um 1850: Huck Finn ist durch einen Schatz, den er mit seinem Freund Tom Sawyer gefunden hat, ein reicher Junge geworden. Zu seinem Leidwesen haben die wilden Zeiten damit ein Ende.

Huck lebt nun bei der gütigen Witwe Douglas und deren strenger Schwester Miss Watson. Er trägt feine Kleider, geht zur Schule und wird von dem Haussklaven Jim umsorgt. Sein Vermögen steht unter der Verwaltung von Richter Thatcher.

Mit der Beschaulichkeit ist es aber vorbei, als unerwartet sein Vater auftaucht: Der alte Finn, ein gewalttätiger Landstreicher und Trunkenbold, hat es auf das Vermögen seines Sohnes abgesehen. Huck weiß, dass ihm dabei jedes Mittel recht ist. Deshalb macht sich der Junge davon. Auf seiner Flucht begleitet ihn der entlaufene Jim, der in Ohio ein neues Leben als freier Mann beginnen will. Auf einem selbst gebauten Floß fahren die beiden den Mississippi hinunter. Hucks Vater lässt sich aber nicht so leicht abschütteln. Er verbündet sich mit drei fiesen Sklavenjägern.

Während es zwischen den Verfolgern schon bald zu Streitereien und Intrigen kommt, halten Huck und Jim fest zusammen. Mit List und Witz meistern sie auf ihrem Weg in die Freiheit jede noch so brenzlige Situation.

Mit “Die Abenteuer des Huck Finn” erzählt die preisgekrönte Regisseurin Hermine Huntgeburth die Geschichte ihres Erfolgsfilms “Tom Sawyer” weiter. Die Verfilmung der weltweit erfolgreichen Romanvorlage von Mark Twain verbindet ein spannendes Jugendabenteuer mit gesellschaftlichen Themen wie Sklaverei und Rassismus. In der Titelrolle des gewieften Herumtreibers glänzt der aufstrebende Leon Seidel, der 2014 für seine Leistung in dem ARD-Film “Die Auserwählten” beim Deutschen Schauspielerpreis nominiert war. Seinen treuen Begleiter Jim gibt Jacky Ido, bekannt aus Quentin Tarantinos “Inglorious Basterds”.

Montag, 06.09. / 01:50 Uhr / Blues bleibt! – Das 40. Lahnsteiner Bluesfestival 2020
(Erstsendung: 17.10.2020)
ARD/SWR

Eine Geburtstagsparty im Lockdown? Für das Lahnsteiner Bluesfestival, das älteste, jährlich stattfindende Bluesfestival Deutschlands, wurde im Herbst 2020 möglich gemacht, was ging.

Zu Gast beim 40. Festival waren die Mike Andersen Band aus Dänemark, die Kai Strauss Band aus Osnabrück mit illustren Gästen wie dem Blues-Professor Todor “Toscho” Todorovic, der Bundestagsabgeordneten und Bluesröhre Giorgina Kazungu sowie Sängerin Inga Rumpf.

Die Stadt Lahnstein und der SWR Mainz zeichneten das Festival wegen der Corona-Pandemie sehr intim, mit ganz kleinem Publikum im Saal auf, um es live in alle Welt zu streamen. Es wurde also zum 40. Geburtstag – trotz Corona – doch noch ein Festival mit Musikern und Fans, online und live zu Hause und später als Aufzeichnung im Fernsehen.

Montag, 06.09. / 03:21 Uhr / Bühne frei! Das Konzert ~ Bühne frei! für BAZU:KA
(VPS 3.20)

(Erstsendung: 14.05.2021)
ARD/HR

BAZU:KA aus Marburg sind fünf Freunde, die gemeinsam Musik machen und zusammen durch dick und dünn gehen. BAZU:KA rocken den Konzertsaal mit ehrlichem Sound. “Bühne frei!” für BAZU:KA.

Trotz Pandemie hält die Band die Vibes oben, startet neue Projekte, macht Coverversionen mit Künstlern und Künstlerinnen aus der Region und freut sich, “wenn’s wieder losgehen kann”. Die Sendereihe “Bühne frei!” versüßt den Künstlern gern die Wartezeit.

Montag, 06.09. / 03:50 Uhr / Bühne frei! Das Konzert ~ Bühne frei! für ELDA
(Erstsendung: 14.05.2021)
ARD/HR

ELDA, die Indie-Newcomerinnen Leila & Alessa aus Frankfurt, haben 2020 ihren Traum vom Leben als Musikerinnen verwirklicht. Ein mutiger Sprung ins kalte Wasser! “Bühne frei!” für ELDA.

Montag, 06.09. / 04:20 Uhr / Bühne frei! Das Konzert ~ Bühne frei! für Claire Huangci
(Erstsendung: 14.05.2021)
ARD/HR

Die junge Pianistin Claire Huangci aus New York lebt seit Sommer 2020 in Frankfurt und fühlt sich sehr wohl in ihrer neuen Heimat. “Bühne frei!” für Claire Huangci.

Montag, 06.09. / 04:50 Uhr / Bühne frei! Das Konzert ~ Bühne frei! für Mikail Aslan Ensemble
(Erstsendung: 14.05.2021)
ARD/HR

Poesie, kurdische Musiktraditionen und einfühlsamer Gesang: Das Mikail Aslan Ensemble spielt Weltmusik vom Feinsten. “Bühne frei!” für das Mikail Aslan Ensemble.

Die Musiker des Ensembles halten sich bisher mit verschiedenen Jobs über Wasser: Drei Musiker unterrichten, soweit das möglich ist. Das “Cello” hat einen Halbtagsjob, und Mikail, der Leader des Ensembles, gibt in der Türkei so viele Konzerte wie möglich.


Kalenderwoche 37:

Samstag, 11.09. / 10:00 Uhr / Martin Walker – Mein Périgord
Film von Günter Schilhan
(Erstsendung: 28.11.2012)
ORF

Der 1947 in Schottland geborene Schriftsteller Martin Walker wurde erst in seiner französischen Wahlheimat zum Krimiautor. Seine beliebten “Bruno”-Romane spielen im Périgord.

1999 ließ er sich mit seiner Familie in dem kleinen Ort Limeuil im Périgord nieder. Inspiriert von den Bewohnern und der langen historischen Vergangenheit der Region schrieb er seinen ersten Kriminalroman: “Bruno – Chef de police” (2010).

Mittlerweile sind acht Romane aus der “Bruno”-Reihe veröffentlicht. 2012 erschien zudem der historische Roman “Schatten an der Wand”, der ebenfalls im Périgord spielt.

Vor seiner Zeit im Périgord arbeitete der Historiker und Ökonom 27 Jahre lang als Journalist und Auslandskorrespondent für die britische Tageszeitung “The Guardian”. Bis heute leitet er auch in Washington eine “Denkfabrik”, die für bedeutende Wirtschaftsunternehmen und Politiker Trends der Weltwirtschaft analysiert.

Martin Walker stellt “sein” Périgord vor.

Samstag, 11.09. / 19:20 Uhr / Bedrohte Schätze im Depot
Die dunklen Flecken großer Museen und kleiner Sammlungen
Film von Frank Vorpahl
Erstausstrahlung
3sat

Sammelwut und Sammelwahn: Jahrhundertelang gierte Europa nach exotischen Schätzen aus aller Welt. Und lässt diese nun größtenteils in Archiven vergammeln. Was ist noch zu retten? Und wie?

Millionen von Objekten gelangten im Kolonialzeitalter auch in deutsche Museumsdepots. Das Ergebnis: gigantische “Kühlkammern weißer Wißgier”. Die Kehrseite: leere Kulturbrachen in einstigen Kolonien. Eine Rückgabe an die Herstellungskulturen ist die Ausnahme.

Noch immer wird gemauert, meint die Kritikerin des Berliner Humboldt Forums, Bénédicte Savoy: “Die größte Angst ist es, Begehrlichkeiten zu wecken. Man will nicht restituieren. Also erzählt man nichts.”

Von der Öffentlichkeit abgeschottet werden die Schätze in deutschen Museums-Depots nur selten so gut aufbewahrt, wie es der Nimbus der altehrwürdigen Institution Museum vermuten lassen würde. Längst herrscht eine Art Notstandsroutine. In Berlin werden von einer halben Million Artefakte demnächst rund 10 000 im neuen Humboldt Forum öffentlich präsentiert. Der übergroße Rest, rund 98 Prozent, lagert weiter in Berlin-Dahlem im Depot, wo infolge baulicher Mängel schon mal “knöcheltief” Wasser eindrang. “Das ist zum Teil mit Schädlingsbefall, das ist schon kritisch”, räumt selbst der Präsident der zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, ein.

“Passives Entsammeln” nennen Experten den andauernden Schwund von Artefakten durch Insektenfraß oder die Konfusion in Depotschränken und Bestandsakten. Viele Museen wissen nicht einmal, wie viele Kulturzeugnisse sie überhaupt besitzen. Das Münchner Museum Fünf Kontinente hat von seinen geschätzten 160 000 Stücken gerade einmal 57 000 erfasst, im Hamburger “Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt” (MARKK), dem früheren Völkerkundemuseum, weiß man nach Dachschaden und Asbestentsorgung nicht, welche Objekte sich in welchen Kisten befinden.

An eine vollständige Digitalisierung der Artefakte aus aller Welt, wie sie schon vor Jahrzehnten in Holland oder Frankreich angepackt wurde, ist in Deutschland schon aufgrund des Budget- und Personalmangels in den nächsten Jahren nicht zu denken. Gibt es Auswege?

Wann wird das virtuelle Museum, das interessierten indigenen Gruppen in Kamerun, Tonga oder an der Hudson-Bay einen Blick auf die eigenen Kulturzeugnisse in deutschen Depots erlaubt, endlich Realität? Wie gut gerüstet sind die ethnologischen Museen hierzulande dafür, das postkoloniale Erbe der Menschheit – die vielen Objekte, die es in den Ursprungsländern oft nicht mehr gibt und die für die kulturelle Identität der Herkunftsgesellschaften von ständig wachsendem Wert sind – für die Herstellungskulturen zugänglich zu machen?

Die Kulturdokumentation “Bedrohte Schätze im Depot” nimmt anhand von Recherchen in Museumsdepots und im Gespräch mit Insidern, Museumskritikern und Vertretern der Herstellungskulturen eine Bestandsaufnahme vor und macht deutlich, dass die Gefährdung ethnologischer Sammlungen nicht das Ergebnis von Schlamperei der im Gegenteil oft sehr engagierter Museumsmitarbeiter ist, sondern ein strukturelles Problem darstellt: einer Überforderungssituation, die einen deutlichen Zuwachs an Ressourcen, Forschungsenergie und Transparenz erfordert.


Sie zeigt aber auch, wie belebend und produktiv Offenheit und Austausch auf eine angestaubte Institution wirken können.

Samstag, 11.09. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Giuseppe Verdi – La Traviata
Aus der Arena di Verona, August 2021
ZDF/3sat

Violetta Valéry: Sonya Yoncheva
Alfredo Germont: Vittorio Grigolo
Flora Bervoix: Clarissa Leonardi
Annina: Yao Bohui

Corps de ballett: Ballett der Arena di Verona
Chor: Chor der Arena di Verona
Orchester: Orchester der Arena di Verona
Musikalische Leitung: Francesco Ivan Ciampa
Regie: Tiziano Mancini
Erstausstrahlung

Es ist eine Geschichte der ganz großen Gefühle: “La Traviata”. Mit einer spektakulären Neuinszenierung des Opernhits feiert die Arena di Verona ihren Neustart nach der Corona-Zwangspause.

In der einmaligen Kulisse des antiken Amphitheaters ist das Seelendrama in Starbesetzung zu erleben: Sonya Yoncheva und Vittorio Grigolo bieten ein Fest für die Ohren – und großes Theater für das Auge. – 3sat zeigt die Höhepunkte der Aufführung.

Die Neuinszenierung versetzt die Handlung der Oper in die goldene Pariser Epoche – die Zeit der Weltausstellung von 1889 und den Bau des Eiffelturms. Auf der riesigen Bühne der Arena entfesselt eine LED-Wand von über 400 Quadratmetern beeindruckende virtuelle Bildwelten und bezaubert das Publikum mit der faszinierenden Atmosphäre der Belle Époque.

Im Zentrum der tragischen Geschichte um Verdis intensivste Frauenfigur steht die lebenshungrige Violetta, die sich in den Edelmann Alfredo verliebt. Weil seine Familie gegen die Verbindung ist und Violetta weiß, dass sie bald ihrer Krankheit erliegen wird, verzichtet sie auf ihre große Liebe. Die Geschichte der Violetta basiert auf der wahren Biografie der Edelkurtisane Marie Duplessis, die Alexandre Dumas in seinem Roman “Die Kameliendame” nacherzählt.

Für die emotionale Achterbahnfahrt um Liebe, Leben und Tod bietet das Opernfestival in Verona eine Starbesetzung auf: Die Rolle der Violetta Valéry singt Sonya Yoncheva, die laut WELT “als beste Violetta seit Maria Callas” gefeiert wird. Die Bulgarin selbst sagt über diese Rolle: “Violetta liebt Alfredo so sehr, dass sie für seine Zukunft auf ihr Liebesglück verzichtet. Mehr Liebestragödie geht nicht … Ihr Schicksal ist immer noch aktuell. In jeder Frau steckt ein wenig von Violetta, weil wir alle lieben, leiden und lernen.”

Mit Vittorio Grigolo als Alfredo Germont steht ihr ein ebenbürtiger Partner zur Seite. Der italienische Startenor mit Latin-Lover-Look passt perfekt in die Rolle des gutbürgerlichen, jungen Geliebten Alfredo, der zwischen verzehrender Liebe und Kalkül mit seinen Gefühlen zu Violetta ringt.

Für die Verantwortlichen der Arena und für das Publikum ist die Wiederaufnahme des Opernspielbetriebs in Verona ein Symbol für einen Neustart des italienischen Kulturlebens und wird entsprechend gefeiert: “Viva l’Italia – viva Verdi!”

Samstag, 11.09. / 22:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Last Night of the Proms 2021
Live-zeitversetzt
Royal Albert Hall, September 2021

Mit Stuart Skelton (Tenor) und Ksenija Sidorova (Akkordeon)

Programm:
Gity Razaz: “Mother” (BBC commission: world premiere), “Fantasia on British Sea-Songs” (Trad. arr. Henry Wood)
Thomas Arne: “Rule, Britannia!” (arr. Sargent)
Edward Elgar: “Pomp and Circumstance March No. 1 in D major”, “Land of Hope and Glory”
Hubert Parry: “Jerusalem” (orch. Elgar)
Unknown: “The National Anthem” (arr. Britten), “Auld lang syne”

Orchester: BBC Symphony Orchestra
Musikalische Leitung: Sakari Oramo
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Bei der “Last Night of the Proms 2021” live aus der Royal Albert Hall in London werden der Tenor Stuart Skelton und Akkordeon-Virtuosin Ksenija Sidorova vom BBC Symphony Orchestra begleitet.

Vor 150 Jahren wurde die Royal Albert Hall in London eröffnet. 1941 fanden dort zum ersten Mal die “Proms”-Konzerte statt – von Beginn an ohne strenge Kleiderordnung. 2021 ist also gleich ein doppeltes Jubiläum für diese “Klassik für alle”-Sommerkonzerte.

Musikalischer Leiter der “Last Night of the Proms 20212 ist Sakari Oramo, finnischer Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra. Mit dabei sind internationale Solo-Stars, die BBC Singers und – nach einer Corona-Zwangspause – endlich wieder Publikum.

In London steht einer der meistgefragten Helden-Tenöre der Welt auf der Bühne: Der Australier Stuart Skelton verkörpert von Sydney über München bis Paris fast alle bedeutenden Männerrollen von Richard Wagner. Er wird jedoch gleichermaßen für seine Musikalität, den schönen Ton und seine dramatischen Figurenzeichnungen bei Gustav Mahler, Richard Strauss und Camille Saint-Saëns gefeiert.

Zu Skelton stößt Ksenija Sidorova aus Lettland, die Akkordeon-Sensation schlechthin. Sie wird Astor Piazzolla hochleben lassen. Der argentinische Tango-Revolutionär hätte 2021 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Für seine komplexen und packenden Kompositionen ist Sidorova die ideale Solistin. “The Observer” lobt ihre atemberaubende Virtuosität, und für den “Guardian” sprühen bei ihr einfach die Funken. Viel englisches Lob, denn sie hat an der Royal Academy of Music mit Auszeichnung studiert.

Wegen der sich weiterhin ändernden Corona-Inzidenzen und Verordnungen können die genaue Besetzung und das endgültige Programm erst kurzfristig veröffentlicht werden. Englische Mitsing-Klassiker vom traditionellen “Auld Lang Syne” bis zu Henry Woods “Fantasia on British Sea-Songs” sind jedoch garantiert.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen “3satFestspielsommer” am Samstag, 18. September, um 20.15 mit einem “Konzert der Wiener Philharmoniker aus der Sagrada Família Barcelona” fort.

Samstag, 11.09. / 23:45 Uhr / Sisi, Schratt & Sacher. Wiens glamouröse Frauen
Film von Patrice Fuchs
(Erstsendung: 27.02.2018)
ORF

Kaiserin Elisabeth, Kathi Schratt, Anna Sacher, Pauline Metternich und “Erzsi, die rote Erzherzogin” – Frauen wie sie hatten etwas zu sagen in einer ansonsten durch und durch männlichen Welt.

Und sie verliehen Wien den Glanz einer Society-Metropole. Patrice Fuchs zeigt, wie wirkungsmächtig Frauen wie diese im ausgehenden 19. Jahrhundert gewesen sind und welche zentrale Rolle sie in der damaligen Gesellschaft gespielt haben.

Samstag, 11.09. / 03:40 Uhr / Pet Shop Boys: Inner Sanctum
Royal Opera House, London, Großbritannien, 2018
Regie: David Barnard
3sat

Im Juli 2018 gehört das Royal Opera House in London für vier Konzerte den Pet Shop Boys. Sie präsentieren ihre neue Show “Inner Sanctum” mit Welt-Hits wie “West End Girls” und “Go West”.

“Es tut mir leid, heute Abend gibt es kein Ballett oder eine Oper”, sagt Sänger Neil Tennant auf der Bühne im Royal Opera House, “nur Pop-Kids!” Bescheiden angesichts einer 30-jährigen Karriere, in der die Pet Shop Boys Popmusik und Kunst miteinander verschmelzen.

Konzipiert und inszeniert von der britischen Künstlerin und Designerin Esmeralda “Es” Devlin, präsentiert sich “Inner Sanctum” in vier Akten: Nacht, Sonne, Innen und Euphorie. Sie bilden den Rahmen für einige der inzwischen 42 Chart-Hits und verblüffen das Publikum mit den modernen Mitteln der Bühnen- und Lichttechnik. Dazu gesellen sich Aliens und Tänzer zu einem pulsierenden farbenprächtigen Spektakel.

Auch einige Songs des neuen Albums “Super” sind Teil der Show und beweisen, dass sich der 62-jährige Neil Tennant und der 56-jährige Chris Lowe allen Pop-Konventionen verweigern. Alterslos steht Keyboarder Lowe wie immer regungslos hinter seinem Keyboard, während Tennant in funkelnden Kostümen alle Blicke auf sich zieht.

Samstag, 11.09. / 04:55 Uhr / Take That: Wonderland
O2 Arena, London, Großbritannien, 2017
Regie: Matt Askem
3sat

Im Juni 2017 spielen Take That sechs ausverkaufte Konzerte in London im Rahmen ihrer “Wonderland Live”-Tour. Über 100 000 Fans sind von dem farbenprächtigen Hit-Spektakel angetan.

Die Tour zum Album “Wonderland” beginnt im Mai 2017 in Birmingham, führt durch England, Irland, Australien, Neuseeland, Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate, wo die ausverkaufte Tour der drei Take-That-“Überlebenden” im November 2017 endet.

Nach 25 Jahren im Musikgeschäft wissen Take That genau, wie sie eine Show präsentieren. Seit 2014 zu dritt, steht Gary Barlow im Mittelpunkt des Konzerts, während Howard Donald und Mark Owen sichtlich zufrieden in der zweiten Reihe tanzen und singen. Zusammen verwandeln sie die O2 Arena mit allen Mitteln der modernen Licht- und Bühnentechnik in einen mystischen Ort mit wechselnden Szenen voller Fantasie. Besonders beeindruckt ihr Akustik-Set mit Tabla-Spielern und akustischen Instrumenten. Und die drei verbliebenen Musiker von Take That scheinen sich näher denn je zu stehen. Alles wirkt harmonisch und voller Freude. Man vergisst, dass Robbie Williams jemals dabei war.

1990 gründen fünf junge Männer Take That: Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange, Mark Owen und Robbie Williams. Mit ihrem Debütalbum “Take That & Party” von 1992 beginnt die bahnbrechende Karriere der Popgruppe. Bis heute hat sie über 48 Millionen Tonträger verkauft und stürmt mit ihren Alben und Singles regelmäßig die internationalen Charts. 1996 löst sich die Band auf, sehr zur Bestürzung der vielen jungen, hauptsächlich weiblichen Fans. Umso größer ist die Freude, als sich Take That 2005 wiedervereinigen, allerdings ohne Robbie Williams, der erst 2010 wieder zu seinen früheren Kollegen dazustößt.

Nach einer erneuten Auszeit veröffentlichen Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen 2014 ein neues Album zu dritt, da sich Jason Orange aus der Band zurückzieht und Robbie Williams pausiert. Bis heute besteht Take That in dieser Trio-Besetzung und ist nach wie vor überaus erfolgreich.

Sonntag, 12.09. / 11:00 Uhr / Literaturclub
SRF
“Literaturclub” diskutiert die neuesten literarischen Entdeckungen und gibt Orientierungshilfe im Buchmarkt.
In der Gesprächssendung werden jeweils vier bis fünf Neuerscheinungen besprochen.

Donnerstag, 16.09. / 21:00 Uhr / WissenHoch2: scobel – Die Macht der Musik
Erstausstrahlung
3sat

Musik ist tief in der Evolutionsgeschichte der Menschheit verankert. Das Geheimnis der Rhythmen und Melodien beschäftigt nicht nur Forschende aus Neuro- und Musikwissenschaften.

Wie lasen sich Wahrnehmung und Wirkung von Musik wissenschaftlich erklären? Über diese und weitere Fragen spricht Gert Scobel mit dem Musikwissenschaftler Eckart Altenmüller, mit dem Musiker Till Brönner sowie mit der Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann.

Musik beeinflusst Emotionen, Herzschlag, Blutdruck, Muskelspannung, Atmung, Hormone. Sie fördert unsere kognitiven und sozialen Fähigkeiten, stiftet Identität und verbindet uns mit anderen Menschen und Kulturen – über soziale und ethnische Grenzen hinweg.

Musik ist ein elementarer Bestandteil unserer menschlichen Kultur. Wir nehmen sie über viele Sinne wahr. Physikalisch gesehen ist Musik die Summe von Schallereignissen mit bestimmter Struktur, neurobiologisch betrachtet sind Töne Signale, die im Gehirn Gefühle auslösen. Musik kann unsere Resilienz stärken und durch schwere Krisen führen.

“Ich denke, Musik ist eine Haltung, eine Bereitschaft, unabhängig von einer Sprache die wir vorher in einem Labor, über einen Lehrer oder über’s Lexikon lernen müssen. Die Funktion, die Musik hat, insbesondere Jazz, ist auf der einen Seite eine politische und therapeutische, aber immer doch eine verbindende”, so Till Brönner. Der international erfolgreiche Jazzmusiker und Komponist ist zusammen mit Melanie Wald-Fuhrmannn, Musikwissenschaftlerin und Direktorin vom Max-Plack-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, sowie dem Musiker und Neurologen Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover zu Gast bei Gert Scobel.

Musik berührt den gesamten Menschen und kann, wie die Forschung zeigt, auf alle Ebenen des Gehirns wirken. Sie ist Bestandteil unserer Evolution und kann helfen, besser zu verstehen, wer wir sind und wie wir geworden sind. Fachbereiche wie Medizin, Soziologie und Psychologie nutzen den Einfluss von Musik und ihre heilende, therapeutische Kraft. Denn Musik stärkt unsere körperliche und seelische Gesundheit und fördert Prozesse der Bildung und Bindung von Gruppen. Insofern hat sie auch überraschend viel mit Identität oder Zugehörigkeit zu tun.
Ist Musik eine universelle Sprache? Wie spiegelt sich die große Bedeutung von Musik für die seelische Gesundheit eines Menschen oder einer Gesellschaft in der gesellschaftlichen Wertschätzung wider? Über diese und viele weitere Fragen spricht Gert Scobel mit seinen Gästen.


Regelmäßige Kultursendungen auf 3sat:

Montags – freitags, 19:20 Uhr: Kulturzeit
Das 3sat Kulturmagazin von ZDF, ORF, SRF und ARD
3sat
“Kulturzeit” ist das werktägliche Kulturmagazin von 3sat.
“Kulturzeit” mischt sich in kulturelle und gesellschaftspolitische Fragen ein. Das Magazin bietet Hintergrundinformationen, Porträts und Gespräche zu aktuellen und brisanten Fragen.

Samstags, 09:05 Uhr: Kulturplatz
Das Kulturmagazin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF
Hinein ins pralle Leben: “Kulturplatz” greift auf, was die Menschen beschäftigt, welche Fragen sie sich stellen. Und zeigt, dass die Kultur Antworten gibt.
“Kulturplatz” findet mitten im Leben statt: im Supermarkt, am Musikfestival, im Wald. Denn Kultur ist viel mehr als Musik, Literatur und Kunst. Kultur durchdringt unser Leben. Wo jemand nachzudenken beginnt, da entsteht Kultur.
Diesem Credo ist “Kulturplatz” verpflichtet. Die Sendung will für Kultur begeistern und behält dabei die wichtigsten Akteure und Ereignisse des Kulturbetriebes im Blick. “Kulturplatz” spürt Trends auf und präsentiert Neuentdeckungen.


Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind u. U. nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf 3sat.de.

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