TV-Tipps 3sat:

arte und 3sat übertragen in ihrem umfangreichen Programmen regelmäßig Dokumentationen über Künstler und Kulturereignisse, dazu Konzerte (von Klassik über Pop & Rock bis Heavy Metal), Musicalfilme, Opern-, Tanz- und Theatervorstellungen.
Diese Seite informiert über bevorstehende interessante Ausstrahlungstermine auf arte aus dem Kulturbereich.


Kalenderwoche 43:

Samstag, 23.10. / 19:20 Uhr / Kanada lesen!
Film von Susan Christely
Erstausstrahlung
3sat

Was Literatur kann und was die kanadische Literatur ausmacht, erklärt die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood in der 3sat-Dokumentation „Kanada lesen!“.

„Ein Wort nach einem Wort nach einem Wort ist Macht“, sagt der Weltstar Margaret Atwood. Ihr Kultroman „Der Report der Magd“ hat mit den Ereignissen in Afghanistan und Texas wieder erschreckende Aktualität erreicht.

Kanada ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Die „Kulturzeit“-Autorinnen Susan Christely und Nil Varol fragen nicht nur Margaret Atwood: „Wer bin ich?“.

Was Identität für die Kinder Eingewanderter bedeutet, erläutert Esi Edugyan, deren Wurzeln in Ghana liegen. Wie sich die Denkweise der Generationen gewandelt hat, beleuchtet Douglas Coupland. Wie nehmen Schriftsteller und Schriftstellerinnen der First Nations Kanada wahr? Nicht nur David A. Robertson blickt literarisch auf die grausame Geschichte, erklärt in Kinderbüchern die Residential Schools und setzt sich für Versöhnung ein – durch die Kraft der Literatur.

Redaktionshinweis: 3sat ist dabei, wenn die Buchmesse Frankfurt vom 20. bis zum 24. Oktober 2021 wieder ihre Tore öffnet. Viele Lesungen, Gespräche und Veranstaltungen werden wieder vor Ort, aber auch digital stattfinden.

Mit „Kanada lesen!“ widmet sich 3sat dem diesjährigen Ehrengast. Die Literatur im zweitgrößten Land der Erde ist facettenreich, allein wegen ihrer Sprachenvielfalt.

Außerdem berichtet „Kulturzeit“ im Vorfeld, ab 18. Oktober 2021, werktäglich ab 19.20 Uhr von der größten Bücherschau der Welt.

„Das Blaue Sofa“, das gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat, ist wieder Treffpunkt für deutschsprachige und internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Journalistinnen und Journalisten.

3sat zeigt am Sonntag, 24. Oktober 2021, um 11.30 Uhr eine 90-minütige Zusammenfassung der interessantesten Gespräche vor Ort in Erstausstrahlung.

Des Weiteren diskutiert Gert Scobel am Sonntag, 24. Oktober 2021, um 18.00 Uhr in „Buchzeit“ mit seinen Mitstreiterinnen Barbara Vinken, Katrin Schumacher und Sandra Kegel über die Neuerscheinungen des Bücherherbstes – ebenfalls als Erstausstrahlung.

Alle Gespräche und Lesungen vom „Blauen Sofa“ sind live über 3sat.de/buchmesse zu sehen und als Video-on-demand in der 3satMediathek abrufbar.

Alle 3sat-Gespräche von der ARD-Bühne auf der Frankfurter Buchmesse sind dort ebenfalls im Live-Stream zu finden.

Samstag, 23.10. / 20:15 Uhr / 3satfestival 2021: Zoe Wees
3satFestival Mainz, Oktober 2021
Regie: Volker Weicker
Erstausstrahlung
3sat

Die Debüt-Single „Control“ der Sängerin Zoe Wees wurde über 270 Millionen Mal gestreamt. Im Songtext verarbeitet sie Auswirkungen, die ihre Epilepsie-Erkrankung auf ihr Leben hatte.

Zoe Wees ist ein aufstrebender Popstar mit vielen Gesichtern. Die 19-jährige Hamburger Sängerin hat zweifelsohne einen Sinn für Humor, aber hinter dem breiten Grinsen steckt jede Menge unaufhaltsamer Fleiß.

Zoe wurde in Hamburg geboren und wuchs dort bei ihrer Mutter auf. Im Kindesalter wurde ihr Rolando-Epilepsie diagnostiziert – eine traumatische Erkrankung, die schwere Anfälle auslösen kann und Betroffene oft in die Isolation führt. „Ich fing einfach an zu singen“, erinnert sie sich. „Mit acht Jahren habe ich meine ersten Songs geschrieben: Das war der beste Weg, allen zu zeigen, wie ich mich fühle. Ich liebe dunkle und tiefgründige Songs – meine Texte handelten schon immer von inneren Dämonen oder von Stimmen im Kopf. Musik war und ist mein persönliches Tagebuch.“

Ihre Debüt-Single „Control“ setzt sich mit den emotionalen Narben auseinander, die ihre Krankheit hinterlassen hat. „Meine Epilepsie geht mir nicht aus dem Kopf, und ich wusste nie, wie ich sie akzeptieren kann oder wie ich weitermachen sollte“, erklärt sie. Eines Abends, bevor sie ins Studio gehen wollte, erreichte ihre Angst einen Höhepunkt: „Ich hatte etwa fünf Panikattacken. Also sagte ich mir selbst am nächsten Tag, dass ich darüber schreiben muss. Es war wirklich schwer, aber die Musik half mir, mich auszudrücken.“

Die intime Ballade bildet den idealen Startschuss für Zoes Karriere, da sie einerseits ihre gefühlvolle Stimme zum Ausdruck bringt, aber zugleich auch die komplexe, berührende Geschichte universell nachvollziehbar macht. „Es ist der beste erste Song, den ich je hätte veröffentlichen können“, sagt sie und grinst. Ihre Fans stimmen ihr zu: „Control“ wurde seither über 270 Millionen Mal gestreamt. Unzählige Hörer*innen schickten Zoe Nachrichten, um ihr für ihre Ehrlichkeit zu danken. „Genau deshalb schreibe ich über den Real Shit. Es erfüllt mich, den Leuten erzählen zu können, was ich durchgemacht habe. Ich weiß, dass ich mit all den Problemen nicht allein bin.“

Vor Kurzem trat Zoe zum zweiten Mal im US-Fernsehen auf, diesmal bei „Jimmy Kimmel Live!“, und erreichte mit ihren ersten beiden Singles eine halbe Milliarde globaler Streams. Mit Superstars wie Lewis Capaldi, Dean Lewis und auch Zoes Idol Jessie J hat sie prominente Unterstützer*innen, die sie allesamt ermutigten, am Ball zu bleiben und für ihre Träume zu kämpfen. Im Frühjahr 2022 wird Zoe Wees ihre erste UK- und Europa-Headline-Tour spielen.

Vorher wird sie beim „3satfestival 2021“ ihre sensationellen Hits wie „Control“, „Girls Like Us“ und „Hold Me Like You Used To“ live präsentieren.

Samstag, 23.10. / 21:15 Uhr / 3satfestival 2021: Bosse
3satFestival Mainz, September 2021
Regie: Volker Weicker
Erstausstrahlung
3sat

Aki Bosse gehört zu den beliebtesten und besten deutschen Singer-Songwriter*innen. Beim „3satfestival“ kann man sich von den Live-Qualitäten des Ausnahmkünstlers überzeugen.

Auf seinem aktuellen Album „Sunnyside“ verbindet er erneut zeitgenössischen Sound und Texte mit Tiefsinn. Bosses musikalische Reise beginnt Mitte der 1990er-Jahre als Teenager an der Bushaltestelle in Braunschweig, unglücklich verliebt und „Grunge“ hörend.

Bei seinen ersten Konzerten ist sein Gesicht nicht zu erkennen, weil da ein paar Haare dazwischen sind. Das erste Album „Kamikazeherz“ erscheint 2005. Es ist die Zeit einer Art Neuen Deutschen Welle, die Band Wir sind Helden läuft überall im Radio, Bosse läuft aber erst einmal nirgendwo. Das dritte Album „Taxi“ wird dann endlich gehört. 2013 erscheint sein Hit „Die schönste Zeit“.

Für Aki Bosse bedeutet jede Albumproduktion einen kleinen Lockdown. Er schließt sich freiwillig ein, kommt aus den Joggingklamotten nicht mehr raus und vergräbt sich im Studio. „Sunnyside“ ist sein achtes Studioalbum. Man hört Synthesizer, Drumloops, Basslines ganz selbstverständlich neben Gitarren. Die Referenzen reichen von Gorillaz über Macklemore bis zu Peter Gabriel, kombiniert mit seiner eigenen musikalischen Biografie. Das Album wirkt lässig und warm, es ist tanzbar und nah. Es ist melancholisch und macht Spaß, es erreicht das Herz und die Streaming-Welt. Aki Bosse ist es gelungen, neu zu klingen, ohne sich beim Zeitgeist anzubiedern. Und darin liegt sein großes Talent: Bosse bewegt sich und wächst mit der Zeit immer weiter und behält dabei dennoch seine Wurzeln.

Öffentliche Aufmerksamkeit und Erfolge sind stetig gewachsen, weil er sich selbst immer treu geblieben ist. Er hat nur die Songs geschrieben und veröffentlicht, die aus der Feder seiner ganz persönlichen Emotionen und Überzeugungen stammen. Dass dieser Weg zum Ziel führen kann, zeigen Nummer-1-Chart-Platzierungen für die beiden letzten Alben sowie GOLD-Auszeichnungen für die Alben „Kraniche“ und „Wartesaal“.

Bosse war Headliner auf einer großen Festivalbühne und ging auf ausverkaufte Hallentour mit über 100 000 Besucher*innen.

Samstag, 23.10. / 22:15 Uhr / Die Schlagerstory – Geliebt, gehasst und unterschätzt
Film von Katharina Schickling
(Erstsendung: 10.09.2021)
ZDF

Der Schlager, lange als seicht verpönt, ist heute wieder Kult. Seine Geschichte zeigt, wie kritisch er sein kann. „Die Schlagerstory“ schaut mit neuem Blick auf ein unterschätztes Genre.

Schon in den 70ern erzählen die vermeintlich zuckrigen Schlager, wie sich das muffige Adenauer-Deutschland zu einer modernen Nation emanzipiert: Es geht um Feminismus, Gastarbeiter, Natur, um Sex. Heute verbindet Schlager Alt und Jung und stürmt die Charts.

Ausgerechnet der lange als seichte Unterhaltung verpönte deutsche Schlager spiegelt wie keine andere Musikrichtung die erstaunliche Geschichte unserer Gesellschaft nach dem verlorenen Krieg. Wie sich die Westdeutschen zunächst musikalische Fluchten aus dem grauen Alltag in Trümmern suchen, ihre Nachbar*innen in Europa als bunte Bereicherung ihrer Welt entdecken, sich mit Frauenbefreiung und sexueller Revolution auseinandersetzen und zu einer pluralistischen, modernen Gesellschaft heranwachsen. Wie im Osten Schlagertexte immer den Keim des Subversiven tragen, weil sich selbst in einem vermeintlich harmlosen Liebeslied Systemkritik verstecken lässt.

Der Film trifft Hitmacher*innen von früher – Jürgen Drews, Mary Roos, Gitte Hænning, Peggy March – und junge Musiker*innen wie Shootingstar Vincent Gross, Maite Kelly, Ben Zucker, Kerstin Ott. Giovanni Zarrella etabliert Schlager als Grenzüberschreitung nicht nur zwischen den Nationen – Deutschland und Italien –, sondern auch zwischen den Genres: Denn Pop lässt sich vom Schlager nicht mehr so einfach trennen. Profi Michael Holm, der nicht nur selbst zu den ganz großen Interpreten gehört, sondern als Produzent von Guildo Horn auch Teil des kultigen Schlager-Revivals in den 90ern ist, erzählt, wie das Geschäft mit den Schlagern funktioniert und wie gefällige Harmonien auch kontroverse Inhalte vermitteln. Ost-Legende Ute Freudenberg erinnert sich, wie man in der DDR die strenge Zensur umging. Hitschreiber Tobias Reitz verrät Geheimnisse hinter den Texten, und Kerstin Ott beweist, dass der Schlager durchaus nicht nur Klischees bedient.

Mit ihnen erleben die Zuschauer*innen die neuen Schlager und den Blick zurück in die Kultzeit der „ZDF-Hitparade“ und gewinnen verblüffende Erkenntnisse über ein Genre, das mehr zu bieten hat als nur Melodien zum Mitschunkeln.

Samstag, 23.10. / 00:55 Uhr / lebensArt
(Erstsendung: 18.10.2021)
ORF

Peter Schneeberger und Clarissa Stadler präsentieren Inhalte, die nicht nur vom Kulturkalender, sondern auch von gesellschaftlichen und kulturpolitischen Entwicklungen bestimmt werden.

Neue und andere Sichtweisen erleichtern den Zugang zu Literatur und Musik, Film und Theater, Architektur und Bildender Kunst. Das Kulturmagazin ist feuilletonistisch, hintergründig und reflexiv.

Sonntag, 24.10. / 09:05 Uhr / Achtung Beuys – Aktionskünstler, Visionär, Provokateur
(aus der SRF-Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“)
(Erstsendung: 09.05.2021)
SRF

Joseph Beuys (1921–1986) gilt als weltweit bedeutendster Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer revolutionierte er den zeitgenössischen Kunstbegriff.

Yves Bossart spricht mit dem Kunsthistoriker Philip Ursprung über Joseph Beuys und die Rolle der Kunst heute.

Joseph Beuys ist eine Ikone der modernen Kunst: Der Mann mit Hut, der Filz und Fett in die Kunst einführte. Er prägte Sätze wie: „Jeder Mensch ist ein Künstler!“

Mit seinem „erweiterten Kunstbegriff“ wollte Beuys die Kunst als gesellschaftsverändernde Kraft etablieren. Er plädierte für eine neue Wirtschaftsordnung jenseits von Kommunismus und Kapitalismus und erkannte als Gründungsmitglied der Partei „Die Grünen“ früh den Wert der Natur.

Am 12. Mai 2021 jährte sich sein 100. Geburtstag. Joseph Beuys wurde einerseits als Künstler von Weltruhm gefeiert, andererseits als Scharlatan und Provokateur angefeindet. Wie hat sich seine Rezeption 34 Jahre nach seinem Tod verändert? Und wie kann und soll Kunst heute noch provozieren?

Yves Bossart im Gespräch mit Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich und Autor der unlängst beim C.H. Beck-Verlag erschienenen Monografie „Joseph Beuys: Kunst Kapital Revolution“.

Sonntag, 24.10. / 10:10 Uhr / erLesen
Moderation: Heinz Sichrovsky
(Erstsendung: 05.10.2021)
ORF

In „erLesen“ treffen sich Prominente, Star- und Nachwuchsautoren zum etwas anderen Literaturgespräch. Im Fokus stehen zeitgenössische Literatur ebenso wie Krimis, Sachbücher und Ratgeber.

Diesmal sind unter anderen der Kabarettist Klaus Eckel und der Journalist Florian Klenk zu Gast.

Sonntag, 24.10. / 10:55 Uhr / Rudolf Laban – ein Leben für den Tanz
Film von Roberta Pedrini
(Erstsendung: 25.01.2020)
SRF/3sat

Der Film stellt Leben und Werk des ungarischen Tänzers, Choreografen und Tanztheoretikers Rudolf von Laban vor. Er entstand beim „Laban Event 2015“ auf dem Monte Verità in Ascona.

Die Filmemacherin Roberta Pedrini begleitete dort das gesamte „Trommelstock“-Projekt: von den Proben der Choreografie in Lourdes bis zu den Aufführungen auf dem Monte Verità. – Ein Blick hinter die Kulissen einer zugleich mythischen und modernen Kunst.

Sonntag, 24.10. / 11:30 Uhr / Das Blaue Sofa
Moderation: Vivian Perkovic
Erstausstrahlung
3sat

Vom 20. bis 24. Oktober 2021 findet die Frankfurter Buchmesse wieder als Präsenzmesse statt, begleitet von Lesungen und Veranstaltungen in der Stadt – das „Blaue Sofa“ ist vor Ort mit dabei.

„Das Blaue Sofa“ steht wieder am gewohnten Platz in der Halle 3.1. des Messegeländes und bietet, entsprechend den dann geltenden Pandemiebestimmungen, dem Publikum die Gelegenheit, Autorinnen und Autoren im Gespräch über ihre neuen Bücher zu erleben.

Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Publizistinnen und Publizisten werden auf dem „Blauen Sofa“ Platz nehmen, um über ihre neuen Bücher Rede und Antwort zu stehen und um darüber zu sprechen, welche Themen sie derzeit umtreiben.

Die Welt ist nach einem Jahr pandemiebedingter Pause nicht weniger unübersichtlich geworden, an vielen Orten nur noch einmal gefährlicher. Am „Blauen Sofa“ spiegelt sich das wie gewohnt in ganzer Breite. Entsprechend den dann geltenden Coronaregelungen können Zuschauerinnen und Zuschauer wieder auf die namhaften Preisträger des literarischen Herbstes treffen, etwa auf den Gewinner des Deutschen Buchpreises und Tsitsi Dangarembka, die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021.

Als Gemeinschaftsprojekt von ZDF, Bertelsmann, Deutschlandfunk Kultur und 3sat bietet „das Blaue Sofa“ fünf Tage lang ein abwechslungsreiches Programm aus Einzelgesprächen und Gesprächsrunden. Und das Beste davon zeigt 3sat am Sonntagvormittag, 24. Oktober, um 11.30 Uhr in einem 90-minütigen Zusammenschnitt. Ebenso auf und 3sat.de/buchmesse.

Als Gäste werden unter anderen erwartet: Eva Menasse, Tsitsi Dangarembka, Bülent Ceylan, Edgar Selge, Julia Franck, Sasha Maria Salzmann, Danny Laferrière, Daniela Krien, Per Leo, Fridolin Schley, Jasmin Schreiber, Angelika Klüssendorf, Sönke Wortmann, Armin Nassehi und viele andere. Moderieren werden unter anderen: Vivian Perkovic, Katty Salié, Jo Schück, Marie Sagenschneider, Christine Watty, Susanne Biedenkopf, Nina Brunner, Eva Schmidt, Wiebke Porombka und Jörg Plath.

Sonntag, 24.10. / 18:00 Uhr / Buchzeit
Talk über literarische Neuerscheinungen von der Frankfurter Buchmesse
Mit Barbara Vinken, Sandra Kegel und Katrin Schumacher
Moderation: Gert Scobel
Erstausstrahlung
3sat

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause öffnet am 20. Oktober 2021 die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Tore. Das „Buchzeit“-Team ist dabei und stellt ausgewählte Titel vor.

Auf dem „Blauen Sofa“ diskutieren die Literaturexpertinnen Barbara Vinken, Sandra Kegel und Katrin Schumacher mit Gert Scobel über Bücher und existenzielle Lebensfragen, die sie aufwerfen. In diesem Herbst geht es viel um Familienkonstellationen.

Der amerikanische Erfolgsautor Jonathan Franzen startet sein Großprojekt, eine Trilogie über drei Generationen einer Familie aus dem Mittleren Westen, mit dem Roman „Crossroads“. Ein evangelischer Pastor in einer liberalen Vorstadtgemeinde Chicagos steht zu Beginn der 1970er-Jahre im Begriff, sich aus seiner Ehe zu lösen. Auch seine Frau und ihre gemeinsamen drei Kinder stehen an Scheidewegen ihres Lebens. Doch wann beginnt die Freiheit des Einzelnen, die Freiheit der anderen zu bedrohen?

Shuggie ist ein ganz besonderer Junge: sensibel, fantasievoll, beinahe feminin, während sein Vater ein echter Vertreter viriler Potenz ist. Der Tristesse einer Arbeiterfamilie im Glasgow der 1980er-Jahre versucht Shuggies Mutter mit Eleganz zu begegnen – und scheitert doch zunehmend am Leben. Shuggie macht sich verzweifelt zur Aufgabe, seine Mutter zu retten. „Shuggie Bain“ ist das Debüt des Autors Douglas Stuart, der dafür mit dem Booker Prize 2020 ausgezeichnet wurde.

Drei Brüder kehren zu einem Ort ihrer Kindheit zurück, einem Holzhaus am See, um dort gemeinsam die Asche ihrer Mutter zu verstreuen. Sie haben sich in den vergangenen 20 Jahren weit voneinander entfernt – und die Beziehung zur Mutter war immer eine belastete und von Konkurrenz geprägte. Ihre Reise ist geprägt von der Hoffnung, die Risse zwischen ihnen kitten zu können. Alex Schulman führt die Leserinnen und Leser seines Romans „Die Überlebenden“ durch eine raue, unberührte schwedische Landschaft.

Angelika Klüssendorf erzählt von einem Mordfall in einem ostdeutschen Dorf: Eine Frau erschlägt nach langer Ehe ihren Mann, der durch eine Krankheit gerade erst begonnen hat, friedlich zu werden und freundlich mit ihr umzugehen. Danach besucht sie das Dorffest. Warum hat Hilde Walter mit einer Axt erschlagen? Diese Frage stellt sich auch der Ermordete in seiner Parallelwelt. Lebende und Tote werden in Bezug auf den Mord betrachtet. „Vierunddreißigster September“ ist ein Dorfroman besonderer Art.


Kalenderwoche 44:

Samstag, 30.10. / 3satThementag: Zeitreise Österreich – Die Erste Republik
Sonntag, 31.10. / 3satThementag: Zeitreise Österreich – Die Zweite Republik
Montag, 01.11. / 3satThementag: Auf Schienen um die Welt


Kalenderwoche 45:

Samstag, 06.11. / 19:20 Uhr / Jugo Kultura – 30 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens
Film von Nadja Frenz
Erstausstrahlung
3sat

Vor genau 30 Jahren zerfällt der Vielvölkerstaat Jugoslawien. Die Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien und Kroatien lösen 1991 die sogenannten postjugoslawischen Balkankriege aus.

Aus dem ehemaligen Staatenbund sind sieben Nachfolgestaaten hervorgegangen. Aufkeimender Nationalismus, soziale Ungerechtigkeit, Korruption und eine marode Wirtschaft sind damals wie heute Herausforderungen.

Trotz neuer Grenzen sind die alten Probleme nicht verschwunden. Wie reagieren die Kulturschaffenden darauf? Welches gemeinsame Erbe haben die Künstlerinnen und Künstler des Balkans? Was trennt und was verbindet sie heute? Die Dokumentation stellt einige Kulturschaffende vor.

Beiträge im Radio, Filme im Kino, Bücher, Konzerte, Performing Arts – zahlreiche Kulturschaffende aus dem ehemaligen Jugoslawien nutzen ihre Kunst, um etwas zu verändern, um auf relevante Themen und Missstände aufmerksam zu machen. Die gemeinsame Erfahrung, das Überleben des Kriegs und der Widerstand gegen den aufkeimenden Nationalismus, eint die Kulturschaffenden des ehemaligen Jugoslawiens und gibt ihnen Impulse für ihre kreative Arbeit. In ihrer Kunst suchen sie die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit und neue Formen der Gemeinschaft für die Zukunft.

In der Dokumentation kommen unter anderen zu Wort:

Die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić, eine der bekanntesten Künstlerinnen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die mittlerweile Weltruhm erlangt hat. Der Krieg hat Jasmila Žbanić geprägt. Bereits während der Belagerung von Sarajevo dreht sie im Alter von 17 Jahren ihre ersten Filme. Heute pendelt sie zwischen Bosnien und Berlin, wo ihr Spielfilmdebüt „Esmas Geheimnis – Grabavica“ 2006 mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet wurde. Ihr aktueller Film „Quo Vadis, Aida?“ wurde 2021 für den Oscar nominiert und erzählt von einem der dunkelsten Kapitel des Balkan-Krieges: dem Massaker von Srebrenica.

Auch der kroatische Schriftsteller Miljenko Jergović ist in Sarajevo, der heutigen Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, geboren. Doch der Krieg hat ihn 1993 von dort nach Zagreb vertrieben. Seine Biografie zeigt den Identitätskonflikt, unter dem viele Ex-Jugoslawinnen und -Jugoslawen leiden. Jergovićs Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden. Sein kritischer Geist ist den Nationalisten ein Dorn im Auge. Als Literat spricht er die unbequemen Themen an, zerstört für einige ihr glorifiziertes Bild des ehemaligen Jugoslawiens und seiner Nachfolgestaaten.

Auch die serbische Radio-Moderatorin Ana Vučković legt den Finger in die Wunden der Vergangenheit. Bei ihrer eigenen Sendung dreht sich alles um Kultur, meistens aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Trotz aller Konflikte sieht sie auch Gemeinsamkeiten: eine gemeinsame Muttersprache, Kultur und Vergangenheit. Ana Vučković schreibt auch Bücher. Ihre aktuelle Novelle: „Yugoslav“. Anhand der Biografie ihres verstorbenen Vaters begibt sie sich in das Spannungsfeld zwischen nostalgischer Glorifizierung und grausamer Realität von Jugoslawien.

Zur neuen Generation Kulturschaffender, die auch andere Themen als den Krieg bearbeiten, gehört die Performancekünstlerin und Aktivistin Selma Selman, Jahrgang 1991. Sie lebt und arbeitet zwischen Bihać und New York. „Wir leben in einer patriarchalen Welt. Wenn wir über Bosnien und generell den Balkan sprechen, dann ist das sehr patriarchal. Alles dreht sich um den Mann. Als ich Kind war, wusste ich nicht, dass Frauen mächtig sein können“, sagt die Bosnierin. In ihrer Performing Art geht es immer wieder um feministische Themen und ihre doppelte Identität als Frau und Roma.

Weitere Protagonisten des Films sind der traditionelle Sevdah-Musiker Damir Imamović sowie Ivan Novak, Mitglied der slowenischen Band Laibach.

Sonntag, 07.11. / 10:20 Uhr / lesenswert
Denis Scheck im Gespräch mit Sven Regener und Julia Franck
(Erstsendung: 28.10.2021)
ARD/SWR

Denis Scheck spricht in „lesenswert“ mit der Schriftstellerin Julia Frank über ihr Buch „Welten auseinander“ sowie mit Sven Regner über „Glitterschnitter“.

Julia Franck hat nach zehn Jahren wieder einen neuen Roman vorgelegt. Sie erzählt in „Welten auseinander“ von einer ungewöhnlichen Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, von Selbstbehauptung, Scham, Trauer, Tod und Liebe.

In dem Roman wird die achtjährige Julia, die in Ostberlin geboren wurde, mit ihren Schwestern von ihrer Mutter zunächst ins Notaufnahmelager Marienfelde und dann nach Schleswig-Holstein in einen chaotischen Bauernhof mitgenommen. Als sie 13 Jahre alt ist, hält sie es dort nicht mehr aus und zieht nach Westberlin. Sie ist Schülerin, erhält Sozialhilfe und verdient sich Geld mit Putzen. Sie lernt ihren Vater kennen, verliert ihn unmittelbar danach wieder, macht Abitur und begegnet Stephan, ihrer großen Liebe. Julia Frank hat sich mit Denis Scheck an einem ihrer liebsten Orte in Berlin getroffen, dem „Café Einstein“, um mit ihm über den Roman zu sprechen.

Julia Franck, geboren 1970, studierte Altamerikanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin. 2007 erhielt sie für „Die Mittagsfrau“ den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurden in 35 Sprachen übersetzt. 2012/2013 wurde ihr Roman „Lagerfeuer“ für das Kino unter der Regie von Christian Schwochow verfilmt.

Der Musiker und Bestsellerautor Sven Regener war schon öfter Gast bei Denis Scheck. Dieses Mal treffen sich die beiden in einem Biergarten im Viktoriapark in Berlin. Der neue Roman „Glitterschnitter“ knüpft unmittelbar an seinen Vorgänger „Wiener Straße“ an.

In „Wiener Straße“ will die Band „Glitterschnitter“, bestehend aus Ferdi, Raimund und Karl Schmidt, den Weg zum Ruhm beschreiten und Musik neu erfinden. Aber um auf die Kunstmesse „Wall City Noise“ zu kommen, braucht es mehr als eine Bohrmaschine, ein Schlagzeug und einen Synthie – ein chaotischer Weg ist vorgezeichnet, und es müssen viele ungelöste Fragen geklärt werden in diesem Roman über Liebe, Freundschaft, Verrat und Kunst.

Sven Regener, geboren 1961 in Bremen, ist Musiker und Autor. Er ist Frontmann der Band „Element of Crime“. Sein Roman „Herr Lehmann“ (2001) wurde millionenfach verkauft und von Leander Haußmann verfilmt. Seine Folgeromane „Neue Vahr Süd“, „Der kleine Bruder“, „Magical Mystery“, „Die Rückkehr des Karl Schmidt“ und zuletzt „Wiener Straße“ (2017) waren allesamt Bestseller, wurden verfilmt und in viele Sprachen übersetzt.

Sonntag, 07.11. / 12:00 Uhr / kinokino extra: 55. Internationale Hofer Filmtage 2021
(Erstsendung: 31.10.2021)
ARD/BR

Vom 26. bis zum 31. Oktober 2021 finden die „55. Internationalen Hofer Filmtage“ statt. „kinokino extra“ berichtet von Höhepunkten des Festivals, von Trends, Newcomern und Stars.

Auch 2021 haben die Festivalbetreiber ein aufregendes Programm aus neuen deutschen Produktionen und internationalen Kino-Highlights – ob Lang- oder Kurzfilm – zusammengestellt, die das ebenso begeisterungsfähige wie kritische Hofer Publikum erwarten.

Kontinuierlich ist das Filmfestival in Oberfranken von seinen bescheidenen Anfängen bis heute gewachsen – an Renommee ebenso wie an Qualität und Quantität des Angebots.

Sonntag, 07.11. / 12:30 Uhr / Druckfrisch ~ Neue Bücher mit Denis Scheck
(Erstsendung: 31.10.2021)
ARD/NDR

Orientierung im Bücherdschungel verspricht Denis Scheck. Scheck besucht Schriftsteller, stellt Neuerscheinungen vor und spart dabei weder an Lob noch an Kritik.

Seine bissigen und humorvollen Kommentare zu den Büchern der Spiegelbestenliste aus der Kölner Bücherhalle sind beliebt und gefürchtet. Im persönlichen Gespräch entlockt er Autoren aktueller Bestseller interessante Hintergründe zu ihren Werken.

Sonntag, 07.11. / 18:30 Uhr / Museums-Check mit Markus Brock: Neue Nationalgalerie Berlin
Gast: Meret Becker
Erstausstrahlung
ARD/SWR/3sat

Die Neue Nationalgalerie Berlin ist eine Architekturikone der Moderne. Von 1965 bis 1968 von Mies van der Rohe erbaut, wurde sie nach sechs Jahren Sanierung im August 2021 wiedereröffnet.

Markus Brock besucht den gläsernen Kunsttempel und begrüßt als Gast die Schauspielerin Meret Becker. Sie begleitet Markus Brock beim „Museums-Check“ in der Neuen Nationalgalerie, dem letzten Bau des visionären Architekten Ludwig Mies van der Rohe.

Mit der lichtdurchfluteten Glashalle und dem fließenden Grundriss im Ausstellungsgeschoss hat er seine Philosophie des offenen Raums virtuos vollendet. Der denkmalgeschützte Museumsbau wurde bis hin zum Interieur originalgetreu saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Besucher dürfen auf den restaurierten „Barcelona-Sesseln“, Designklassiker von Mies van der Rohe, sogar Platz nehmen.

Die herausragende Sammlung des Museums wird unter dem Titel „Die Kunst der Gesellschaft 1900-1945“ neu präsentiert und zeigt Hauptwerke der Klassischen Moderne, unter anderen von Otto Dix, Hannah Höch und Ernst Ludwig Kirchner. Sie veranschaulichen, wie eng Kunst und Gesellschaft in dieser historischen Umbruchphase verwoben waren.

Zum Auftakt präsentiert das Museum zwei weitere Sonderausstellungen: zur Film- und Medienkünstlerin Rosa Barba und zu dem Bildhauer Alexander Calder, einem Zeitgenossen Mies van der Rohes. Seine Außenskulptur „Têtes et Queue“ (1965) wurde schon zur Einweihung des Museums aufgestellt und kehrt nun auf die Museumsterrasse zurück. Die Ausstellung zeigt außerdem Calders „Stabiles und Mobiles“, die zeitweise eigens für die Ausstellung in Bewegung gebracht.

Aufgewachsen in Berlin in einer Schauspielerfamilie, stand Meret Becker schon als Kind vor der Kamera. Erfolge feierte sie unter anderem mit dem Film „Comedian Harmonists“, als eigenwillige Kreuzberger „Tatort“-Kommissarin und als Schauspieldiva in der Serie „Babylon Berlin“. Doch ihre zweite Karriere als Sängerin ist ihr genauso wichtig: 2022 geht sie mit ihrer Band „Meret Becker & The Tiny Teeth“ auf Tournee.

Montag, 08.11. / 01:50 Uhr / Rockpalast Crossroads (1/14): Trixsi
Mit Jörkk Mechenbier (Gesang), Torben Leske (Gitarre), Klaus Hoffmann (Bass), Kristian Kühl (Gitarre) und Paul Konopacka (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Der „ehrliche Arbeiter-Rock, gespielt von kriminellen Faulenzern“ haut rein. Das Quintett Trixsi aus Hamburg ist eine Art Supergroup deutschsprachigen Indie-Rocks.

Mitglieder von Herrenmagazin, Jupiter Jones, Love A und Findus haben Trixsi gegründet. In dieser „Zusammenrottung Hamburger Gewohnheitstrinker“, so ihre Selbstbezeichnung, geht es hier und da eher im Pixies- und Weezer-Midtempo zu Werke.

Ein bisschen Schrägness, die dem Wunsch aller nach Abhebung vom gesamtdeutschen Einheitsgitarrenpopbrei die Hand reicht, blitzt auf – und doch kracht es häufig, wenn sich ein flotter Punkklopper dazwischenschmuggelt.

Darüber kräht und bellt stets Jörkk Mechenbiers Stimme seine kritisch/humoristische Alltagsbewältigung in einem Deutschland voller Igel. Ihr 2020 erschienenes Debütalbums „Frau Gott“ stieg gar in die deutschen Album-Charts ein. Live sind Trixsi erst recht beeindruckend – tosend, garagig, mit augenfälligem Abstand zu sich selbst, völlig ohne Mackertum.

Zwischen stumpfem Alltag und prätentiöser Trennschärfe stolpern sie gegen die Eintönigkeit. Und während sie immer noch ein wenig überrascht ins Licht blinzeln, altgedient und mitteljung, semibelastet vom Sein und vom Nichts, riecht es nach verschwitzten Umarmungen und nonchalantem Widerstand.

Und wenn das Kichern über die eigene, unausweichliche Lächerlichkeit den Teppich ausrollt, für den Moment, in dem der Passant dem Pantomimen ein Bein stellt, dann ist Trixsi. Hinreißend.

Montag, 08.11. / 03:05 Uhr / Rockpalast Crossroads (2/14): Steiner & Madlaina
Mit Madlaina Pollina (Gesang, Gitarre, Keyboard), Nora Steiner (Gesang, Gitarre), Nico Sørensen (Bass, Hintergrundgesang), Max Kämmerling (Gitarre, Hintergrundgesang) und Leonardo Guadarrama (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Wer Nora Steiner und Madlaina Pollina in den letzten Jahren live gesehen hat, der müsste ihrem Charisma, ihren Stimmen und nicht zuletzt ihren Songs bereits erlegen sein.

Und das dürfte mittlerweile einigen passiert sein, denn die beiden haben den alten Mythos des „sich Hochspielens“ ernst genommen und unzählige Konzerte abgerissen, beispielsweise beim „Southside“, dem „Hurricane Festival“ oder auf dem „Lollapalooza“ in Berlin.

Nora und Madlaina kennen sich seit Schultagen in ihrer Heimat Zürich – und genau das ist es, was man bei ihrer Performance spürt. Seit Teenagertagen stehen sie auf Bühnen, Holzkästen, Festivalwiesen, in Hinterhöfen oder in „Dönerläden vor fünf motzenden Gästen“, wie Nora sich lachend erinnert.

Auf ihrem zweiten Album „Wünsch mir Glück“ haben Steiner & Madlaina ihre Sprache in Sound, Haltung und Wort endgültig gefunden. Musikalisch lösen sich die beiden vom Folk und sind nun klar im Poprock zu verorten. Die Texte drehen sich um Beziehungen, aber auch um gesellschaftlich-feministische Themen. „Wünsch mir Glück“ stürmte die Charts in der Schweiz und in Deutschland, die Kritiker jubeln allerorten.

„Die Musik ist sonst von Nonchalance geprägt. Zwar werden des Menschen Dummheit und seine Auswirkungen auf den Planeten mit einer gewissen Sorge betrachtet, aber bei ’40 Grad im Schatten ist man dann doch zu faul für Debatten'“. Wobei sich das schlechte Gewissen als Stachel im Fleisch erweist und sie erkennen lässt: „Wenn wir alle Lust drauf hätten, könnten wir die Welt noch retten.“ Steiner & Madlaina vertonen derlei Einsichten in einer Mischung aus Indie-Rock und Progressiv-Schlager. Die Gefühligkeit der Lieder trägt die Haltung der Kunst, und die scheint auf Deutsch klarer vermittelbar zu sein. Zudem haben Tourneen mit geistesverwandten Bands wie Element of Crime oder Faber – der Bruder von Madlaina – sie darin bestärkt.

Die Friktion zwischen Hedonismus und Bedrohung durch die blöde Wirklichkeit durchzieht die meisten Stücke – sowie das Zwischenmenschliche, das Selbstverständnis und der Durst. Lebensfreude mit saurem Magen, Optimismus mit Zukunftsangst, Wohlstandsverwahrlosung und Gewissensbisse. Steiner & Madlaina schwanken souverän durch diese Minenfelder des Lebens.“ (Der Standard)

„Die Songs schimmern vintage, docken mit Twang an Chanson, Jazz, Rock ’n‘ Roll, New Wave an – doch jeder Retro-Verdacht schwindet, wenn man die Texte hört: Nora Steiner und Madlaina Pollina erzählen mit Witz von Alltagsabsurditäten und switchen zwischen dem Politischen und dem Privaten. Eigenartig schön, dass das eine und das andere so ruhig ineinanderfließen.“ (Musikexpress)

„Wunderbar vielschichtiger Pop. Herrlich!“ (Good Times)

„In der Nachfolge von Calexico und Element Of Crime wächst eine neue, selbstbewusste Musikergeneration im Spannungsfeld von Sixties-Twang, Americana und Chanson heran.“ (Stereo)

Montag, 08.11. / 04:05 Uhr / Rockpalast Crossroads (3/14): Mother’s Cake
Mit Yves Krismer (Gitarre, Gesang), Benedikt Trenkwalder (Bass) und Jan Haussels (Schlagzeug, Gesang)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Das „Rolling Stone“-Magazin bedachte das Psych-Rock-Trio Mothers’s Cake mit Adjektiven wie „bewusstseinserweiternd, farbenfroh und trippig“ – was das Assoziationsspektrum eingrenzen würde.

Allerdings sind Mother’s Cake durchaus auch musikalisch geerdet unterwegs. Kurzum: Ihr selbst so betitelter „Cyberfunk“ ermöglicht es ihnen, viele Einflüsse unter einen Hut zu bringen. Das ist durchaus rau, dynamisch und immer wieder überraschend.

Die Musiker bewahren sich dadurch selbst davor, im Vintage-Retro-Ghetto gefangen zu sein.

Momentaufnahmen und Jams entspringende spontane Ideen koalieren mit verkopftem Ausgangsmaterial – auch ein bisschen Größenwahn darf hier und da nicht fehlen, so ist die Band Mother’s Cake mit ihrem megalomanischen „Live at Pompeji“-Tribut auf der Skischanze von Bergisl in Innsbruck ein audiovisueller Coup gelungen, der sich in einschlägigen Zirkeln viral großer Beliebtheit erfreut.

Hunderte von Konzerten zwischen Manchester, Melbourne und Mumbai sowie Auftritte mit Wolfmother, Iggy & The Stooges, Alice In Chains und Limp Bizkit haben die Live-Qualitäten der österreichischen „Progressive Rocker“ gestählt.

Die Besetzung der Band: Yves Krismer (Gitarre, Gesang), Benedikt Trenkwalder (Bass), Jan Haußels (Schlagzeug, Gesang).

Montag, 08.11. / 05:05 Uhr / Rockpalast Crossroads (4/14): Shirley Holmes
Mit Melanie Marker (Gesang, Gitarre), Sigi Herrenbrück (Gesang, Bass) und Christian Schnepf (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Zwei Sängerinnen an Gitarre und Bass und ein Typ am Schlagzeug, der langsam nicht kann: Shirley Holmes lieben es unangepasst, machen Musik zum Tanzen und nennen dies „Sport mit Gitarren“.

Mit seinem „Komm, du willst es doch auch“-Charme, tumultigen Battle-Gesangs-Parts, smart rotzig, mit Schweiß überzogen, ist das Berliner Trio ein vor Energie berstender Liveact, der mit frenetisch melodiösem Punk Indie und recycelten 90s-Rock sprengt.

Dass die Band damit einen kollektiven Nerv trifft, lässt die Musikmedien in Begeisterung ausbrechen: „Shirley Holmes wirbeln mit unerhörter Energie über deutsche Bühnen. Die frei assoziierten Texte sind politisch direkt, und trotzdem steht der Spaß im Vordergrund.“ (Rolling Stone)

„Das musikalische Schaffen des Berliner Trios Shirley Holmes war und ist ein Haufen komprimierten Irrsinns.“ (SLAM)

„Grrrrlz! Indie? Disco? Punk? Völlig egal. Shirley Holmes rocken! Die drei BerlinerInnen sind bekannt für ihre energiegeladenen Live-Shows. Und wer immer noch denkt, dass Rockmusik Männerdomäne sei, weiß spätestens jetzt: Quatsch!“ (Ox)

Die Besetzung der Band: Melanie Marker (Gesang, Gitarre), Sigi Herrenbrück (Gesang, Bass), Christian Schnepf (Schlagzeug).

Redaktionshinweis: Die fünfte bis achte Folge der 14-teiligen Reihe „Rockpalast Crossroads“ zeigt 3sat am Montag, 15. November, ab 1.00 Uhr. Die Folgen neun bis elf sind am Montag, 22. November, ab 2.45 Uhr in 3sat zu sehen, alle weiteren Folgen am Montag, 10. Januar 2022, ab 0.55 Uhr.


Kalenderwoche 46:

Samstag, 13.11. / 10:45 Uhr / Musik am Ursprung – Musikergedenkstätten in Niederösterreich
Film von Karina Fibich
(aus der ORF-Reihe „Dokumentation am Feiertag“)
(Erstsendung: 21.05.2020)
ORF

Niederösterreich ist ein Land der Kultur und vor allem der Musik. Schon im Mittelalter wirkten hier Minnesänger wie Walther von der Vogelweide oder Konrad von Fußesbrunnen.

Viele namhafte Musiker und Komponisten, die aus der internationalen Musikgeschichte nicht wegzudenken sind, folgten. Die Dokumentation lädt zu einer Rundreise durch Niederösterreich ein, die zugleich eine Reise durch die Musikgeschichte ist.

Dabei findet man zum einen Musiker und Komponisten wie Benedict Randhartinger und Ignaz Pleyel, die geborene Niederösterreicher waren und international Karriere machten. Zum anderen gibt es zahlreiche Wahl-Niederösterreicher oder solche, die immer wieder Schaffensperioden in Niederösterreich erlebten. Allen voran Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauss und Joseph Lanner.

Samstag, 13.11. / 11:15 Uhr / HAPPY BIRTHDAY – Riccardo Muti
Konzert der Wiener Philharmoniker aus der Mailänder Scala, 2021

Programm:
– Robert Schumann: Sinfonie Nr. 4 d-Moll, op.120
– Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op.73
– Johann Strauss (Sohn): Kaiserwalzer, op. 437

Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Riccardo Muti
3sat

3sat zeigt zum 80. Geburtstag des Dirigenten Riccardo Muti ein Konzert aus der Mailänder Scala mit den Wiener Philharmonikern, denen der Maestro freundschaftlich verbunden ist.

Der weltweit tätige italienische Dirigent äußerte selbst, dass die Wiener Philharmoniker ihm eine ganz besondere Heimat seien, denn bereits vor 50 Jahren habe er das Orchester zum ersten Mal dirigiert.

Trotz der Pandemie möchte das Orchester dieses Konzert realisieren, um ein Stück Zuversicht und Glück zu verbreiten. Riccardo Muti sagt dazu: „Ich passe auf, lasse mich aber nicht abhalten, Kultur und Schönheit zu verbreiten, das ist meine Mission.“ So hat Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern ein wohltuendes Programm zusammengestellt.Die 4. Sinfonie war für Robert Schumann eine Herzensangelegenheit, da er voller Freude über die bitter errungene Heirat mit Clara Wieck war. Es entstand ein Werk ohne Pausen, ohne abgeschlossene Sätze, schlichtweg eine durchkomponierte Sinfonie, was ein Novum im Jahr 1841 war. Im Konzert schließt sich die 2. Sinfonie von Johannes Brahms an, die seit der Uraufführung 1877 als sein beliebtestes sinfonisches Werk gilt. Eine behagliche Natur-Idylle lässt Brahms‘ Inspiration erkennen, die er sich am sonnigen Wörthersee geholt hatte. Eine wohltuende Heiterkeit, die jeden Zuhörer auch heute noch positiv stimmt.

Abgerundet wird das Programm durch den berühmten „Kaiserwalzer“ von Johann Strauss (Sohn). Dieser Walzer ist zweifellos eines der bekanntesten Werke des Walzerkönigs, den dieser für die Eröffnung des Berliner Konzertsaals „Königsbau“ am 19. Oktober 1889 komponiert hat. Der ursprüngliche Titel „Hand in Hand“ sollte die politische Verbundenheit des preußischen und des österreichischen Herrscherhauses verdeutlichen.

In das Konzertprogramm werden Interviewsequenzen des Maestros eingeflochten, in denen er seine besondere Beziehung zu den Wiener Philharmonikern erläutert und verrät, warum seine Verbundenheit und musikalische Liebe besonders diesem Orchester gilt.

Samstag, 13.11. / 20:15 Uhr / Medea – Thomas Noones getanzter Mythos
Film von Stefanie Herrmansdörfer und Wolfgang Horn
Erstausstrahlung
3sat

Starke Emotionen und elektronische Sounds vermischt der britische Choreograf Thomas Noone bei „Medea“ zu einem zeitgenössischen Tanzstück von antiker Tragik.

Die Choreografie „Medea“ zeigt durch die Körper und Gesichter der Tänzer*innen der „Thomas Nonne Dance“-Company die vielfältigen und widersprüchlichen Gefühle, die der antike Stoff um die fremde, verratene und kindsmordende Mutter Medea evoziert.

Seit der Antike gehört Medea zu den bekanntesten Stoffen der Weltliteratur. Der Mythos erzählt vom Schicksal einer Frau, die für einen Mann, den gefeierten Helden Jason, alles riskiert, alles aufgibt, selbst vor Mord und Verrat nicht zurückschreckt und ihm in ein fremdes Land folgt. Doch Jason geht es nur um Macht und sozialen Aufstieg. Er verlässt seine Frau für die Königstochter Glauke. Medea und den beiden Kindern droht die Verbannung.

Jason rechnet nicht mit dem Zorn und der rasenden Wut seiner betrogenen Frau. Gedemütigt und zutiefst verletzt ersinnt sie einen Racheplan, der umfassender und vernichtender nicht sein könnte. Am Ende geht niemand siegreich aus diesem Kampf der Geschlechter hervor. Alle sind Opfer und Schuldige zugleich. Die Dokumentation dringt tief ein in diesen Tanz der Rache und vermittelt den Zuschauern das Gefühl, selbst mit auf der Bühne zu stehen.

Euripides‘ Tragödie „Medea“ inspirierte Thomas Noone zu einem intensiven Tanzabend: Duette, die Wortwechseln gleichen, und in ihrer Synchronizität mitreißende Gruppenszenen wechseln sich ab. Die Tänzer*innen treten durch ihre Körper in Dialog miteinander, sind mal Beobachter*innen, mal Beobachtete. Die Handlung wird mit jeder Faser des Körpers und der ausdrucksstarken Mimik der fast schauspielerisch agierenden Tänzer*innen transportiert. Die elektronischen Sounds von Jim Pinchen unterstützen die Erzählung und liefern den Rahmen auf einer kargen hellblau-weißen und grauen Bühne.

Die Dokumentation begleitet die Wiederaufnahme von „Medea“ am Sant Andreu Teatre in Barcelona und stellt den Choreografen Thomas Noone sowie die Tänzer*innen seiner Compagnie vor. Das Fernsehpublikum bewegt sich mit den Tänzer*innen im Bühnenraum und erlebt so einen völlig neuen Blick auf zeitgenössischen Tanz. In Interviews berichten die Tänzer*innen über die Arbeit an diesem herausfordernden Stoff, der um die Themen Verrat und Rache kreist. Thomas Noone erzählt von seinem Weg vom Quereinsteiger zu einem der renommiertesten Choreografen Kataloniens.

Samstag, 13.11. / 21:00 Uhr / „Ghost Light“ von John Neumeier
Aus dem Festspielhaus Baden-Baden
Choreografie: John Neumeier
Regie: Myriam Hoyer

(Erstsendung: 24.01.2021)
ARD/SWR

Der Ballettchoreograf John Neumeier entwickelte die Idee für ein Ballett, das das Corona-bedingt geltende Abstandsgebot nicht nur respektiert, sondern zur Grundlage der Struktur macht.

Das Werk entstand aus einem Bedürfnis des Choreografen und seiner Tänzer. Der Titel knüpft an das traditionell in amerikanischen Theatern die ganze Nacht hindurch brennende Licht, das die Bühne sperrt, bis sie sich wieder mit Leben füllt.

Das Hamburg Ballett gehört international zu den ersten Compagnien, die nach dem Shutdown die Arbeit im Ballettsaal wiederaufgenommen haben. Auf der Basis eines ausgefeilten Hygienekonzepts finden seit dem 29. April 2021 täglich zehn klassische Balletttrainings in Kleingruppen statt.

Bald darauf entwickelte John Neumeier die Idee, ein Ballett zu kreieren, das das geltende Abstandsgebot nicht nur respektiert, sondern es zugleich zur Grundlage der Struktur macht. Das Werk war eine Übung in Kreativität, entstanden aus einem Bedürfnis des Choreografen und seiner Tänzer. Nach vier Wochen der Kreation setzt John Neumeier die Arbeit an seinem Ballett fort, das inzwischen den Titel „Ghost Light“ trägt und zu Solo-Klaviermusik von Franz Schubert entsteht.

Neumeiers Konzept bezieht alle 60 Tänzer seiner Compagnie mit ein. Mit Blick auf das Abstandsgebot gestaltet er die praktische Arbeit in Kleingruppen von zwei bis maximal acht Tänzern. „‚Ghost Light‘ ist ein Ensemble-Ballett, das ich in Fragmenten entwickle. Es ist vergleichbar mit einzelnen Instrumentalstimmen einer Sinfonie – oder einem traditionellen japanischen Essen: eine Folge sorgsam arrangierter, hoffentlich ‚köstlicher‘ Miniaturen. Wie die einzelnen Teile sich letztlich zu einem Werk verbinden, wird von dem Moment abhängen, an dem wir uns auf der Bühne wieder nahe kommen und anfassen dürfen“, so John Neumeier.

Mit dem Titel „Ghost Light“ knüpft Neumeier an eine Tradition des amerikanischen Theaters an. Nach Proben oder Aufführungen wird mitten auf der Bühne ein Metallständer mit einer einzigen Glühbirne aufgestellt. Die Lampe zeigt an, dass kein Künstler die Bühne nutzen darf. Das Ghost Light brennt die ganze Nacht hindurch – bis sich die Bühne wieder mit Leben füllt.

Sonntag, 14.10. / 10:05 Uhr / erLesen
Moderation: Heinz Sichrovsky
(Erstsendung: 02.11.2021)
ORF

In „erLesen“ treffen sich Prominente, Star- und Nachwuchsautoren zum etwas anderen Literaturgespräch. Im Fokus stehen zeitgenössische Literatur ebenso wie Krimis, Sachbücher und Ratgeber.

Erfolgsschriftsteller wie Frank Schätzing, Marlene Streeruwitz und Arno Geiger sowie interessante Persönlichkeiten aus dem Kultur- und Literaturbereich wie Sky du Mont, Chris Lohner und Elke Heidenreich präsentieren ihre neuen Romane.

Geplaudert und diskutiert wird über Lieblingslektüre, aktuelles Tagesgeschehen, Historisches und auch über sehr Persönliches.

Heinz Sichrovsky ist einer der profiliertesten Kulturjournalisten Österreichs und profunder Kenner der Literaturszene. Er wartet mit Neuigkeiten und Skurrilem aus der Welt des Buches auf. Seit 2010 moderiert Sichrovsky mit Verve, Charme und einer Prise Ironie die Büchersendung „erLesen“. Was in keiner Sendung fehlen darf: seine pointierten Buchempfehlungen und Neuigkeiten aus der Welt der Literatur.

Sonntag, 14.10. / 13:05 Uhr / Für alle offen – Die Wiener Büchereien
Film von Ernst Grandits
(aus der ORF-Reihe „Österreich-Bild“)
(Erstsendung: 25.04.2021)
ORF

Ein öffentlicher Raum, jeder darf herein ohne sich auszuweisen, kein Eintritt, ein Ort, an dem man sich treffen, arbeiten, lernen oder einfach lesen kann: die Büchereien in Wien.

Eine Reportage über die Wiener Büchereien, die Hauptbücherei am Gürtel, in die jährlich 700 000 Menschen kommen, die Erfahrungen, die Besucher*innen und Leser*innen mit den wichtigen Kulturstätten der Stadt gemacht haben und die Philosophie der Bibliothekar*innen.

Die Büchereien versorgen die Bevölkerung mit geistiger Nahrung. Während der Pandemie zeigte sich die Bedeutung und der Wert dieser Versorgung der Leser*innen. Eltern waren verzweifelt, weil die Kinder während des Lockdowns keine Bücher ausleihen konnten. Die Büchereien stellten ihre umfangreichen Sammlungen in dieser Zeit kostenlos via Internet zur Verfügung.

Sonntag, 14.10. / 00:05 Uhr / Boulevard der Dämmerung
(Sunset Boulevard)
Spielfilm, USA 1950
ARD

Norma Desmond: Gloria Swanson
Joe Gillis: William Holden
Max von Mayerling: Erich von Stroheim
Betty Schaefer: Nancy Olsen
als er selbst: Cecil B. DeMille
Regie: Billy Wilder
Länge: 106 Minuten

Eine einst gefeierte Stummfilm-Diva, die von ihrem großen Comeback träumt, wird von ihrem jüngeren Geliebten mit der brutalen Wahrheit konfrontiert.

Billy Wilders großartige, Oscar-gekrönte Tragödie kratzt ironisch am Glamour-Image der Traumfabrik Hollywood.

Norma Desmond, ein großer Star des Stummfilms, lebt seit Jahren von der Welt vergessen in ihrer Villa am Sunset Boulevard in Hollywood. Sie ist besessen von dem Wunsch, ein Comeback zu feiern. Ihr Diener Max, der ihr Regisseur und erster Ehemann war, bestärkt sie in ihrem Wahn.

Joe Gillis, ein armer Drehbuchautor, verirrt sich zufällig in ihr Haus. Er ist ein gut aussehender Mann, den Norma, die seine Mutter sein könnte, auf raffinierte Weise festzuhalten versteht. Zunächst beauftragt sie ihn mit der Bearbeitung eines Filmstoffs, später macht sie ihn zu ihrem Geliebten und überhäuft ihn mit Geschenken.

Joe liebt zwar heimlich Betty Schäfer, eine mittellose Dramaturgin, aber mindestens ebenso liebt er die finanzielle Sicherheit. Norma hat inzwischen den Regisseur Cecil B. De Mille aufgesucht und bildet sich ein, dass er einen Film mit ihr drehen wird.

Joe, der sein Gigolo-Leben nicht mehr aushält, entschließt sich, Norma zu verlassen. Er konfrontiert sie mit der Wahrheit, doch sie kann nicht akzeptieren, dass sie zur alten Garde gehört. Norma versucht, Joe zurückzuhalten. Als er dennoch ihr Haus verlässt, schießt sie auf ihn.

„Boulevard der Dämmerung“ ist eine von Billy Wilder meisterhaft inszenierte Selbstkritik der amerikanischen Traumfabrik. Wie Untote geistern die alternde Stummfilmdiva und ihr zum Butler degradierter früherer Ehemann und Regisseur durch eine Gegenwart, die für den theatralischen Glamour vergangener Zeiten keine Verwendung mehr hat.

Dass der Stummfilmstar Gloria Swanson die abgetakelte Diva und der damals kaum noch beschäftigte Regisseur Erich von Stroheim ihren Butler spielt, gibt dem Film einen zusätzlichen Reiz. Weitere prominente Mitwirkende sind der Regisseur Cecil B. De Mille und Buster Keaton, die sich jeweils selbst spielen.

Billy Wilders Klassiker wurde 1950 mit je einem Oscar für das beste Drehbuch, die beste Filmmusik und die besten Szenenbilder ausgezeichnet. Als Musical wurde die Geschichte der alternden Diva ein weltweiter Publikumserfolg.

Montag, 15.11. / 01:00 Uhr / Rockpalast Crossroads (5/14): Massive Wagons
Mit Barry Mills (Gesang), Adam Thistlethwaite (Gitarre), Stevie Holl (Gitarre), Adam Bouskill (Bass) und Alex Thistlethwaite (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Massive Wagons aus dem nordenglischen Carnforth wurden 2009 von Sänger Barry Mills und Gitarrist Adam Thistlethwaite gegründet, die zuvor bei der Indie-Rock-Band Ace Face gespielt hatten.

Mit Massive Wagon wollten sie musikalisch heftiger werden, ohne sich zu verzetteln. Bands wie Airbourne oder Black Stone Cherry dienten ihnen als Blaupause. Mit über 100 Auftritten pro Jahr erspielten sie sich rasch den Ruf einer hervorragenden Liveband.

Nach diversen Alben wurden Massive Wagon 2017 bei Earache Records heimisch, 2018 kamen sie mit ihrem Album „Full Nelson“ bis auf Platz 16 der britischen Charts. Ihre eingängigen, teils an Cheap Trick und teils an frühe Def Leppard erinnernden Songs entfalten allerdings erst auf der Bühne ihre volle Kraft. Massive Wagons nehmen Showmanship ernst. Das ist tatsächlich enorm unterhaltsam und kommt „mit geflissentlicher Gute-Laune-Garantie“, wie das „Rock Hard“-Magazin schreibt.

Montag, 15.11. / 02:15 Uhr / Rockpalast Crossroads (6/14): Vola
Mit Asger Mygind (Gesang, Gitarre), Martin Werner (Keyboards), Nicolai Mogensen (Bass) und Adam Janzi (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Das dänisch-schwedische Quartett Vola präsentiert eine ikonische Mischung aus futuristischem Progressive Rock, Electronica und modernem Metal, gekrönt von klaren Gesangslinien.

Eine unterschwellige cineastische Ästhetik durchzieht Volas Sound. Textlich werden die Entwicklung menschlicher Beziehungen, das Scheitern auf gesellschaftlicher Ebene und der Missbrauch von Macht verhandelt.

„Wenn ich das näher betrachte, folgt das Scheitern auf unerwiderte Liebe, Unsicherheit, Trauer und manipulatives Verhalten“, sagt Gitarrist und Sänger Asger Mygind, der fast kafkaeske Szenarien ersinnt: „Stelle Dir jemanden vor, der auf der Flucht vor den Behörden ist. Es wird immer schwieriger für ihn, sich zu verstecken. Er/sie kann nicht einfach den direkten Weg wählen, sondern muss kreativ sein, um zu entkommen. Ob die Jagd real ist oder nur im Kopf der Person stattfindet, sollte eine offene Frage an den Zuhörer sein.“

Wut auf allgegenwärtige gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit spielt ebenso eine große Rolle: „Ich will das Bild einer Welt vermitteln, die auf einer fehlerhaften Moral aufgebaut ist. Einer Welt, die aufgrund der Risse im Fundament zerbröckelt und zusammenbricht.“

Vola teilten sich unter anderem mit Dream Theater, Anathema, Katatonia, Hake und Monuments die Bühne. Auftritte beim „Euroblast Festival“, „Ramblin‘ Man Fair“, „Radar Festival“, „Bloodstock Open Air“, „Damnation Festival“ und „UK Tech Fest“ zementierten ihren Ruf als wuchtiges Live-Erlebnis.

Montag, 15.11. / 03:30 Uhr / Rockpalast Crossroads (7/14): The Dust Coda
Mit John Drake (Gesang, Gitarre), Adam Mackie (Gitarre), Tony Ho (Bass) und Scott Miller (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Das Quartett aus London wurde laut ihres Sängers John Drake gegründet, um „all die großartigen Dinge des Rock ’n‘ Roll zu wiederholen und sie auch in modernen Zeiten lebendig zu halten“.

Seit 2015 besteht die Band. Ein Jahr später nahm sie ihr Debütalbum auf, das in Eigenregie veröffentlicht wurde. 2020 fanden The Dust Coda bei Earache Records eine passende Label-Heimat.

Ihr fetter, teils monströser Sound mit hohen Melodie-Anteilen ist nicht weit von dem ihrer Label-Kollegen The Temperance Movement, Massive Wagons und Those Damn Crows entfernt.

„Time For Metal“ erkannte in The Dust Coda „Die nächsten Überflieger der New Wave of British Classic Rock“. Als Haupteinflüsse nennt Leadgitarrist Adam Mackie Bands wie Led Zeppelin, Guns n‘ Roses, The Rolling Stones, AC/DC, Soundgarden, Bruce Springsteen, Ryan Adams, Free, Black Sabbath, Pearl Jam und Rage Against the Machine.

Der „Metal Hammer“ verortete die Band „irgendwo zwischen Led Zeppelin, The Black Crowes und Goodbye June“, also in klassischer, von den 1970er-Jahren inspirierter Rockmusik, die laut ist, ohne auf die Tiefe des Blues-Rocks und den Hang zur großen Melodie und großen Geste zu verzichten.

Montag, 15.11. / 04:45 Uhr / Rockpalast Crossroads (8/14): April Art
Mit Lisa-Marie Watz (Gesang), Ben Jülg (Schlagzeug), Christopher Bunnell (Gitarre, Gesang) und Julian Schuetze (Bass)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Seit 2014 sind April Art eine Band. Das Quartett aus Hessen wurde dank seiner melodiösen Refrains und der energiegeladenen Performances von Lisa-Marie Watz schnell überregional bekannt.

Laute Metal-Gitarren, eine groovende Rhythmus-Sektion und darüber der mal klare, mal raue Gesang von Frontfrau Lisa-Marie, der immer wieder in einen breitwandigen, mehrstimmigen Chorus übergeht – so klingen April Art.

Alle Vier haben sich komplett der Musik verschrieben und wollen mit ihren zahlreichen Konzerten eine stetig wachsende Fangemeinde erobern. Sängerin Lisa-Marie Watz performt mit vollem Körpereinsatz und sucht permanent die Nähe zum Publikum, während Gitarrist Chris Bunnell alles aus der Trickkiste holt, was moderner und dynamischer Rocksound braucht – von emotionalen bis zu brachialen Parts. Schlagzeuger Ben Juelg sorgt gemeinsam mit Bassist Nico Neufeld für überraschende Fills und einen Groove, der hin und wieder derb, dann aber auch wieder funky oder fließend daherkommt.

Freitag, 19.11. / 02:30 Uhr / Bayerischer Kabarettpreis 2021
(Erstsendung: 11.11.2021)
ARD/BR

Auch 2021 verleiht der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Münchner Lustspielhaus den „Bayerischen Kabarettpreis“ in vier Kategorien. – 3sat zeigt die Preisverleihung vom 8. November.

Die Preise gehen in diesem Jahr an Wilfried Schmickler (Ehrenpreis), Django Asül (Hauptpreis), das Duo Suchtpotenzial (Musikpreis) sowie Eva Karl Faltermeier (Senkrechtstarter-Preis). Luise Kinseher führt als Gastgeberin durch den Abend.


Kalenderwoche 47:

Samstag, 20.11. / 03:05 Uhr / Ariana Grande: Live in London
BBC-Studios, London (Großbritannien), 2018
Regie: Richard Valentine
3sat

Im September 2018 ist Ariana Grande Gast in den Londoner BBC-Studios. Begleitet von einem Orchester präsentiert die zurzeit erfolgreichste Popsängerin ihr Grammy-Album „Sweetener“.

Es ist Arianas erster Auftritt in England nach dem „One Love Manchester“-Gedenkkonzert im Juni 2017. Am 22. Mai 2017 sterben 22 Fans durch einen Anschlag nach einem Grande-Konzert in Manchester. „Mein Herz ist gebrochen“, twittert Ariana nach dem Attentat.

Bis heute leidet Ariana Grande unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und ermutigt ihre Fans, die psychische Probleme haben, darüber zu reden und Hilfe zu suchen. Und Fans hat Ariana Grande genug: Sie ist mit über 158 Millionen Abonnenten ihres Instagram-Kanals die weibliche Nummer Eins.

Samstag, 20.11. / 03:50 Uhr / Marteria: Live im Ostseestadion
Ostseestadion, Rostock (Deutschland), 2018
Regie: Paul Ripke
3sat

Im September 2018 geht für Marteria ein Kindheitsraum in Erfüllung: Vor 32 000 Fans spielt er im ausverkauften Ostseestadion in Rostock und füllt als erster deutscher Rapper ein Stadion.

Hier hat der Sänger als kleiner Junge seinem Verein Hansa Rostock zugejubelt, wird Kapitän der Jugendmannschaft und spielt im U-17 Nationalteam: „Ich habe mir immer gewünscht, einmal im Ostseestadion zu spielen. Das ist die schönste Nacht meines Lebens.“

„Plattentests.de“ schreibt dazu: „Denn so kitschig diese Erfolgsgeschichte auch klingen mag, ist ‚Live im Ostseestadion‘ doch in seiner Gesamtheit ein bemerkenswertes Werk geworden – ein antifaschistischer Hip-Hop-Künstler verkauft das Stadion einer Stadt in der ostdeutschen Provinz aus, die von DDR-Vergangenheit und Nazi-Problematik gebeutelt ist – und Du glaubst nicht an Wunder?“

Am Ende des Konzerts hüllt sich Marteria in die Rostock-Flagge, schaut fast ungläubig auf die Fans, die ihn frenetisch feiern, schlägt die Hände vors Gesicht und zieht die Flagge über den Kopf. So sieht es aus, wenn coole Jungs Gefühle zeigen. Jetzt ist er der erste Rapper, der ein eigenes Stadion gefüllt hat: „Wir haben Geschichte geschrieben, hier in Mecklenburg Vorpommern, hier in Rostock. Das ist unsere Geschichte“, ruft Marteria seinen Fans zu.

Samstag, 20.11. / 04:50 Uhr / Coldplay: Live
Stade de France, Paris (Frankreich), Glastonbury Festival (Großbritannien), Centre Bell, Montreal (Kanada), 2012
Regie: Paul Dugdale
3sat

2011 und 2012 gehen Coldplay auf ihre „Mylo Xyloto Tour“. Regisseur Paul Dugdale begleitet sie nach Paris, Glastonbury und Montreal und präsentiert 2012 seinen atemberaubenden Konzertfilm.

Ein wesentliches Gestaltungsmittel der Konzerte ist das Xyloband, ein Stoff-Armband, das mit LEDs und einem Funkempfänger bestückt ist. Die LEDs im Armband werden von einer Software gesteuert und ermöglichen das Blinken im Takt des jeweiligen Songs.

Während die Bänder 2012 noch einfarbig leuchten, benutzen Coldplay seit 2016 RGB-Xylobänder, die ihre Farbe wechseln können. Erfinder Jason Regler hat die Idee zu einem solchen Band während eines Coldplay-Konzerts. Die „Washington Post“ beschreibt den Effekt als „Psychedelikatesse von sich bewegenden, vielfarbigen Lichtern.“

Beate Wild schreibt in der „Süddeutschen Zeitung“: „Ganz egal, was man von der Band und ihren Songs halten mag – in einem vollen Stadion kann man sich der Magie der Balladen, der gut inszenierten Lichtshow und der Gefühlsduselei kaum entziehen. Coldplay sind Meister der Bühnenshow.“

Sonntag, 21.11. / 11:10 Uhr / lesenswert
Denis Scheck im Gespräch mit Jenny Erpenbeck und Juli Zeh
(Erstsendung: 18.11.2021)
ARD/SWR

Denis Scheck spricht mit Schriftstellerin Jenny Erpenbeck über ihren neuen Roman „Kairos“. Beim Ausritt mit Juli Zeh geht es um das neue Buch „Sensibel“ der Philosophin Svenja Flaßpöhler.

Jenny Erpenbecks neuer Roman „Kairos“ ist benannt nach dem Gott des günstigen Augenblicks. War die Begegnung zwischen der 19-jährigen Katharina und dem 34 Jahre älteren Hans, verheiratet, bekannter Schriftsteller und Frauenheld, wirklich so ein „günstiger Augenblick“?

Die beiden sind ein ungleiches Paar. Doch als sie sich begegnen, fühlen sie sich magisch voneinander angezogen. Eine Amour fou im Ostberlin Ende der 1980er-Jahre. Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich mit der Regisseurin und vielfach preisgekrönten Schriftstellerin in Berlin an den Orten ihres Romans getroffen.

Jenny Erpenbeck stammt aus einer Schriftstellerfamilie. Sie debütierte 1999 mit „Geschichte vom alten Kind“. Daraufhin folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem „Independent Foreign Fiction Prize“ und dem Thomas-Mann-Preis. Der „Guardian“ nahm ihren Roman „Heimsuchung“ (2008) in die Liste der 100 besten Bücher des 21. Jahrhunderts auf. Jenny Erpenbeck lebt und arbeitet in Berlin.

Die bekannte Schriftstellerin und streitbare Intellektuelle Juli Zeh ist mit Denis Scheck wieder mit den Pferden in Brandenburg unterwegs. In der Satteltasche das neue Buch der Philosophin Svenja Flaßpöhler. „Sensibel – Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“ heißt es. Wo liegt die Grenze des Sagbaren? Ab wann ist eine Berührung eine Belästigung? Sensible Themen.

Sonntag, 21.11. / 11:40 Uhr / Literaturclub
(Erstsendung: 16.11.2021)
SRF

„Literaturclub“ diskutiert die neuesten literarischen Entdeckungen und gibt Orientierungshilfe im Buchmarkt.
In der Gesprächssendung werden jeweils vier bis fünf Neuerscheinungen besprochen.

Montag, 22.11. / 02:45 Uhr / Rockpalast Crossroads (9/14): The Holy
Mit Eetu Pylkkänen (Gesang, Gitarre), Eero Jääskeläinen (Schlagzeug), Laura Kangasniemi (Bass) und Pyry Peltonen (Gitarre)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Die Songs des Quintetts aus Helsinki zehren von der Balance zwischen Dunkelheit und Licht, mit Momenten tiefer Angst – die dann in stürmischer Hoffnung explodiert.

Diese Band hat etwas Besonderes, ihre Live-Energie speist sich aus vielen Quellen: zwei Schlagzeuger und eine Bassistin, die einen stoischen Beat entfachen, der an frühe Gang of Four denken lässt, Gitarren, die teils an Wire erinnern.

Dazu Geige und Tasten, die den Bombast untermalen, und darüber eine Stimme, die vor großen vokalen Gesten so gar keine Angst hat. Dazu Lieder, die hymnisch und mitnehmend sind.

Live entfachen sie daraus ein wirkliches Spektakel, da braucht es keine Pyro-Show, um Bühnen zu entzünden. Ohne künstlich Pathos aufzubauen, werden ihre Lieder zu Hymnen, mitreißend und begeisternd. Wie empfinden sie selbst ihre Konzerte? „It’s where we really feel alive“, erklärt Sänger Eetu Henrik Iivari. „We like to let it totally loose on stage.“

Montag, 22.11. / 03:45 Uhr / Rockpalast Crossroads (10/14): L. A. Salami
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

L.A. Salami ist ein Singer-/Songwriter aus London, dessen musikalische Sozialisation ungewöhnlich verlief. Ab dem 12. Lebensjahr widmete er sich der Mundharmonika als einzigem Instrument.

Erst im Alter von 21 Jahren begann er, Gitarre zu spielen. Folk und der klassische Songwriter-Kanon waren stets seine Begleiter. Neben Bob Dylan, Neil Young und Leonard Cohen besteht sein größter Einfluss aus den eigenen Erfahrungen auf den Straßen der Welt.

Seine Jugend ist geprägt durch emotionale Ruhelosigkeit, durch Umbrüche, aber auch durch das harte Leben in London. Seine sehr urbane, im Blues wurzelnden Folk-Musik hat nichts mit oft recht musikalisch einfältigen Folk-Grundrezepten gemein.

L.A. Salamis Songs sind vielmehr ideenreich, haben Kanten und Risse, verhandeln auch textlich relevante Themen und sparen nicht mit Kritik an den sozialen Umständen. Ob es da um den Brexit, um Gentrifizierung oder Terrorismus und seine Ursprünge geht: Jeder Stein wird umgedreht. Und jede Zeile, jeder Vers zeugen hörbar von großem poetischen Talent und moralisch integrem Herzen.

Montag, 22.11. / 04:45 Uhr / Rockpalast Crossroads (11/14): Donna Blue
Mit Danique van Kesteren (Gesang, Synthesizer), Bart van Dalen (Gitarre, Gesang), Pieter Zaal (Bass) und Dorus Smit (Schlagzeug, Sampler)
ARD/WDR/3sat

Muse, Liebhaber und Mitarbeiter des anderen: Das kreative Duo hinter Donna Blue spielt breitwandig cineastischen Indie-Pop, der an David-Lynch-Filme und alte Hollywood-Romantik denken lässt.

Seit 2017 feilen Danique van Kesteren und Bart van Dalen an einem stilvollen, teils vornehm zurückhaltenden, teils pompösen Vintage-Sound, der assoziative Zeit- und Weltreisen auslöst. Eine mysteriöse Aura begleitet die Musik der Niederländer.

Und von berufener Stelle wurden sie geadelt: Sir Elton John stellte Donna Blues Debütsingle „Sunset Blvd.“ in seiner eigenen Radio-Show vor.

Live in Quartett-Besetzung verstehen sie es, eine bitter-süße, grobkörnige Cinemascope-Szenerie auf die imaginäre Leinwand im Innern der Zuhörer*innen zu projizieren. Der Twang der Echo-Gitarre, die atmosphärisch knappen Gesangslinien, die Coolness, die verschlissenen Samtvorhänge, welche dunklen Geheimnisse und unter Umständen geheimnisvolle Abgründe verbergen, die mild-psychedelischen Joshua-Tree-Parallelen: Donna Blue regen die Synapsen an, sich der eigenen Vorstellungskraft und ihrem dunkel-romantischem Sound hinzugeben.


Kalenderwoche 48:

Samstag, 27.11. / 19:21 Uhr / Digitale Revolution am Theater?
(VPS 19.20)
Neue Perspektiven zum Deutschen Theaterpreis DER FAUST
Film von Janin Renner und Karsten Gravert
Erstausstrahlung
3sat

Ist das Theater bereit für eine digitale Revolution? Die Verleihung des Deutschen Theaterpreises DER FAUST am 20. November in Hannover ist Anlass für eine Bilanz und einen Blick nach vorn.

Digitale Theaterformen wurden vor Corona als technische Spielerei abgetan. Doch Einschränkungen, Lockdowns und Hygieneregeln zwangen die Theaterschaffenden, neue Wege zu gehen. Das Theater wechselte in virtuelle Räume und gelangt nun via Streaming zum Publikum.

Virtual Reality, 360-Grad, interaktive Live-Erlebnisse: Nicht nur das Theater hat sich verändert, auch sein Publikum. Die Akzeptanz der Zuschauenden für technische Neuerungen ist gestiegen, und die Macherinnen und Macher haben zahlreiche neue Ideen und Experimente für das Theater der Zukunft entwickelt.

Erleben wir die digitale Revolution des Theaters? Sehen wir die Entwicklung neuer Erzählweisen, entdecken wir radikal neue Räume? Kann das Schulter-an-Schulter-Sitzen im dunklen Theatersaal ersetzt werden durch Kopräsenz im digitalen Raum?

DER FAUST ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der deutschen Theaterlandschaft und würdigt deren Leistungs- und Innovationskraft. Die Kulturdokumentation „Digitale Revolution am Theater?“ stöbert durch die virtuellen Theaterräume, stellt wegweisende Projekte und Protagonistinnen und Protagonisten vor und blickt dabei nicht nur auf die vergangene Spielzeit, sondern beschäftigt sich vor allem mit der Zukunft des Theaters und seinen kreativen Möglichkeiten.

Samstag, 27.11. / 20:15 Uhr / Der letzte da Vinci – Das teuerste Kunstwerk der Welt
Film von Antoine Vitkine
Erstausstrahlung
3sat

Das Gemälde „Salvator Mundi“ wurde 2017 als Originalwerk von Leonardo da Vinci für 450 Millionen Dollar versteigert – doch seine Zuschreibung ist umstritten. – Ein Kunstkrimi.

Der Filmemacher Antoine Vitkine erzählt die Geschichte des teuersten Gemäldes der Welt. Er zeigt, wie der Kunstmarkt ein unbedeutendes Werk zum Mythos machte und folgt den Spuren von Geld, Macht und Betrug bis in höchste Regierungskreise.

„Salvator Mundi“, der Erlöser der Welt – ein blau gekleideter Christus mit einer Kristallkugel und zum Segensgruß erhobenen Hand. Das Bild soll von dem berühmten Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci gemalt worden sein – eine umstrittene Zuschreibung, deren Folgen die Dokumentation „Der letzte da Vinci – Das teuerste Kunstwerk der Welt“ Schritt für Schritt aufdeckt.

Das Gemälde befand sich in einem ruinösen Zustand, als es im Jahr 2005 auf einer Provinzauktion für rund 1200 Dollar den Besitzer wechselte. Nach einer aufwendigen Restaurierung präsentierte man es sechs Jahre später als authentischen Leonardo da Vinci in einer Ausstellung der Londoner National Gallery – der Beginn eines wahren Hypes um den „letzten da Vinci“, das angeblich einzige noch verkäufliche Werk des Malers.

In einer perfekt inszenierten PR-Kampagne zeigte das Auktionshaus Christie’s Filme von Menschen, die bei der Betrachtung des Weltenretters in Tränen ausbrachen, und ließ ihn endgültig zur Ikone werden. Im Jahr 2017 folgte der Höhepunkt seines kometenhaften Aufstiegs: Bei der Auktion in New York wurde das Gemälde für unglaubliche 450 Millionen Dollar versteigert – und verschwand.

Nach langem Rätselraten wurde der Käufer bekannt: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Seither wird gerätselt, was mit dem Bild geschehen ist. Es war nicht wie erwartet zwei Jahre später in der Jubiläumsausstellung des Pariser Louvre zum 500. Todestag Leonardos zu sehen, im Katalog fehlt eine Nummer. Nach ausgiebigen Analysen waren die Experten des Louvre zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gemälde nicht von Leonardo selbst, sondern von einem Schüler oder Zeitgenossen stamme. Mohammed bin Salman aber wollte seine Trophäe als Original-Leonardo neben der Mona Lisa ausgestellt sehen – oder gar nicht.

Vor dem Hintergrund eines milliardenschweren Wirtschaftsprojekts zwischen Frankreich und Saudi-Arabien wurde der „Weltenretter“ zum Politikum. Die Weigerung des Präsidenten Emmanuel Macron, sich dem Druck des saudischen Prinzen zu beugen, weitete sich zur Staatskrise zwischen den Ländern aus.

Der französische Filmemacher Antoine Vitkine rollt die ganze Erfolgsgeschichte des „Salvator“ auf und schafft es, fast alle Beteiligten und Profiteure vor die Kamera zu bringen. Er deckt diplomatische Verwicklungen auf und entlarvt einen Kunsthandel ohne jegliche kunsthistorische Seriosität.

Ein russischer Oligarch aus Monaco, der den „Erlöser“ über einen dubiosen Mittelsmann erwarb, Kunstexperten, die ihre Expertise rein „nach dem Urteil des geschulten Auges“ erstellten, Staatsbeamte des Elyssée-Palastes in Paris, die anonym bleiben wollen – in zahlreichen Interviews bringt Vitkine Menschen zum Reden, die sich selbst in ihrer Hybris und Geltungssucht entlarven. Es geht um Geld und Macht, um wissenschaftlichen Ehrgeiz, Staatsräson und Gesichtsverlust.

Wo ist das Bild heute? Immer noch auf der Jacht des saudischen Kronprinzen – oder in einem Zollfreilager in Singapur? Die Dokumentation „Der letzte da Vinci – Das teuerste Kunstwerk der Welt“ lässt bewusst viele Fragen offen, und der Weltenretter „Salvator Mundi“ wird immer mehr zum Phantom.

Samstag, 27.11. / 21:50 Uhr / Das Schweigen des Clans: Das Schicksal der gestohlenen Dresdner Juwelen
Film von Karsten Wolff
Erstausstrahlung
3sat

Es ist ein großer Fahndungserfolg, doch für die Ermittler nur ein halber: Die mutmaßlichen Diebe der Diamanten aus dem Dresdner Grünen Gewölbe sind gefasst.

Doch von der Beute des spektakulären Coups fehlt bisher jede Spur. Was ist mit dem kulturhistorisch einzigartigen Dresdner Kunstschatz passiert? Der Film analysiert die Möglichkeiten des berüchtigten Berliner Remmo-Clans, seine Diamantenbeute zu Geld zu machen.

Die sechs Beschuldigten, allesamt Mitglieder des Clans, schweigen. Derweil fahnden eine Sonderkommission, das BKA und einige LKAs weiter nach den Juwelen. Ihr Versicherungswert: 113 Millionen Euro. Auch Privatermittler, Anwälte und Mäzene sind auf der Jagd nach dem Dresdener Kunstschatz.

Sind die einzigartigen Dresdener Diamantgarnituren verloren, also zerstört? Hat man sie nach der Tatnacht vom 25. November 2019 in Einzelteile zerlegt, um sie in den Netzwerken der organisierten Kriminalität arabischer Clans zu verhökern? Oder lagert der Kunstschatz – zwei Jahre nach dem Einbruch – noch in Verstecken in Neukölln, Izmir oder Beirut?

Experten bewerten den Wert der Steine und die Möglichkeiten, den Diamantschatz auf legalen und illegalen Märkten zu verkaufen. Vergleiche zu anderen spektakulären Kunstdiebstählen verdeutlichen, wie man mit langem Atem, behutsamer Strategie und viel Fingerspitzengefühl für die Regeln in der kriminellen Unterwelt die weltberühmten Kunstschätze zurückholen könnte.

Die Staatsanwälte in Dresden bereiten nun das Verfahren gegen die Angeklagten vor. Ihnen drohen bis zu 15 Jahren Gefängnis. Rückgabe der Diamantgarnituren gegen Haftminderung – auch das wäre eine denkbare Entwicklung. Noch Ende 2021 soll der Prozess beginnen. Doch der Clan schweigt weiter hinter seiner Mauer aus Deutschlands besten und teuersten Strafverteidigern.

Einer der Angeklagten ist Wissam Remmo. Er war schon an dem ebenso dreisten wie spektakulären Einbruch in das Berliner Bode-Museum im März 2017 beteiligt. Dort stahl er eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von vier Millionen Euro. Hat er tatsächlich während des laufenden Goldmünze-Prozesses das Dresdener Grüne Gewölbe geplündert? Wissam Remmo wurde gemeinsam mit drei weiteren Verdächtigen Ende 2020, ein Jahr nach dem Dresdner Kunstraub, festgenommen. Ein weiterer Verdächtiger konnte im Mai 2021 gefasst werden, der sechste Angeklagte im vergangenen August.

„Bisher ist noch keiner der Diamanten irgendwo auf der Welt aufgetaucht“, sagt Marion Ackermann, Generaldirektorin der Dresdner Kunstsammlungen. Das macht Hoffnung. Die Expertisen von Ermittlern, Staatsanwälten, Diamanten-Experten, Anwälten und Privatermittlern geben Antworten auf die eine, zentrale Frage: Sind die Dresdener Juwelen für immer verloren – oder nicht? Und wie könnte man sie zurückbekommen?

Sonntag, 28.11. ( 1. Advent) / 3satThementag: Flussgeschichten

Montag, 29.11. / 02:35 Uhr / Kulturpiloten
ZDF
Das digitale Kulturangebot des ZDF präsentiert ein Best-of seiner Formate – von Musik und Theater über Kino, Gaming, Design und Literatur bis hin zu aktuellen Debatten.

Künstler führen durch ihre Städte und lassen neue Kunstwerke entstehen. Musiker bieten einen Einblick hinter die Kulissen, und Schauspieler inszenieren bekannte Stücke in radikaler Kurzform. Was die Gesellschaft bewegt, wird auf Augenhöhe diskutiert.

Die „Kulturpiloten“ bringen Kultur spielerisch in den Alltag – ohne zu belehren.


Kalenderwoche 49:

Samstag, 04.12. / 10:05 Uhr / Genie im Windschatten – Ignaz Joseph Pleyel
Film von Gustav W. Trampitsch
(Erstsendung: 20.12.2014)
ORF

Ignaz Joseph Pleyel (1757 – 1831) war zu seiner Zeit ein beliebter Komponist. Vielleicht ist er der wahre Urheber einer der berühmtesten Melodien der Musikgeschichte: der Marseillaise.

Zumindest war der Österreicher, der in Paris ein bedeutender Klavierbauer und Musikverleger wurde, maßgeblich daran beteiligt. Eine Ironie: Das Werk entstand 1792 in Straßburg und stand eng im Zusammenhang mit der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und Preußen.

Stefan Zweig hat diesen musikalischen Geniestreich in seiner Novellensammlung „Sternstunden der Menschheit“ festgehalten.

Samstag, 04.12. / 10:55 Uhr / Wiens verborgene Konzertsäle
Film von Katharina Reigersberg
(Erstsendung: 29.08.2021)
ORF

Beethoven, Mozart, Strauß, Lehar und viele mehr trafen sich regelmäßig in den Salons der Wiener Palais, um ihre Werke zu präsentieren und die Größen der Gesellschaft um sich zu scharen.

Heute ist die Musikgeschichte der kleinen Konzertsäle nur mehr zu erahnen. Regisseurin Katharina Reigersberg und Kammersängerin Ildikó Raimondi gehen auf Streifzug durch ehemalige Hotspots der Wiener Musikszene und lassen die prunkvollen Momente wieder anklingen.

Samstag, 04.12. / 11:20 Uhr / Konzert der Wiener Philharmoniker aus der Sagrada Família
Barcelona, Aufzeichnung September 2021
Programm:
– Samy Moussa: „Elysium“ (Uraufführung)
– Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4, Es-Dur „Romantische“
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Christian Thielemann
3sat

Ihre Reisekonzerte führen die Wiener Philharmoniker stets an besondere Orte. Dieses Jahr spielt das berühmte Orchester auch in der Sagrada Família in Barcelona.

Die Akustik in der Basilika von Antoni Gaudí ist eine ganz besondere Herausforderung, der sich die Wiener Philharmoniker stellen wollen. Unterstützt werden sie dabei von Christian Thielemann, mit dem sie eine lange Zusammenarbeit verbindet.

Dieses besondere Konzertereignis wird über die EBU weltweit in viele Länder übertragen.

Christian Thielemann ist seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, weltweit gefragt und immer neuen Erfahrungen gegenüber aufgeschlossen. So bleibt es spannend, welche Komposition Samy Moussa als Uraufführung nach Spanien mitbringen wird. Der kanadische Komponist lebt seit 2007 in Europa und ist auch als Dirigent erfolgreich. Seine vielfach ausgezeichneten Werke, oft hochdramatisch, ziehen die Zuhörer regelrecht in Bann.

Auf dem Programm steht an diesem Konzertabend auch die 4. Sinfonie in Es-Dur von Anton Bruckner, die „Die Romantische“ genannt wird. Die erfolgreiche Uraufführung fand 1881 – ebenfalls mit den Wiener Philharmonikern – statt.

Die Basilika Sagrada Família gilt als eines der berühmtesten Bauwerke von Antoni Gaudí und ist bereits seit 1882 in Bau. Bis zu seinem Tod im Jahr 1926 hatte Gaudí eine aktive Rolle bei den Konstruktionsarbeiten übernommen. Es gab viele Änderungswünsche seitens des Künstlers. Jetzt sind es die zeitgenössischen Architekten, die eine Fertigstellung in den nächsten Jahren anstreben.

Samstag, 04.12. / 20:15 Uhr / Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung 2021
Deutsche Oper Berlin, November 2021

Mit Aida Garifullina, Asmik Grigorian, Pretty Yende, Nicole Car, Rihab Chaieb, Edgardo Rocha, Alex Esposito und Etienne Dupuis

Chor: Chor der Deutschen Oper Berlin
Chorleitung: Jeremy Bines
Orchester: Orchester der Deutschen Oper, Berlin
Musikalische Leitung: Keri-Lynn Wilson
Moderation: Max Raabe
ARD/RBB

Zum 27. Mal findet in der Deutschen Oper Berlin die jährliche Gala zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung statt. 3sat zeigt eine Aufzeichnung der feierlichen Operngala vom 27. November 2021.

Neben dem Chor und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Keri-Lynn Wilson sind unter anderen Aida Garifullina, Asmik Grigorian, Pretty Yende, Nicole Car, Rihab Chaieb, Edgardo Rocha, Jonathan Tetelman, Alex Esposito und Étienne Dupuis zu erleben.

Seit über einem Vierteljahrhundert gehört die „Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung“ zu den bedeutendsten Charity-Events in Deutschland.
Handverlesene Musik, herausragende Opernsänger und glänzende Gesellschaft ist die erprobte Rezeptur für diesen Abend, der damit einen exquisiten und kurzweiligen Operngenuss verspricht.

Alle Beteiligten musizieren ohne Gagen und stellen sich und ihre Kunst in den Dienst der Sache. Denn das zentrale Anliegen der Gala ist das Sammeln von Spendengeldern, um Menschen mit HIV und AIDS zu helfen. Die Deutsche AIDS-Stiftung ist die größte AIDS-Hilfsorganisation Deutschlands und unterstützt seit über 30 Jahren betroffene Menschen in Notlagen.

Durch das musikalische Programm führt Sänger und Moderator Max Raabe: feinsinnig, eloquent und mit dem richtigen Gespür für das Unterhaltsame der großen Opernliteratur.

Die Fernsehmoderation übernimmt Nadine Heidenreich, die Gespräche führen und Einblicke in die Arbeit der Deutschen AIDS-Stiftung geben wird.

Samstag, 04.12. / 21:45 Uhr / Macelaru dirigiert Britten und Mahler
Kölner Philharmonie, September 2021

Mit Augustin Hadelich (Violine), Karen Cargill (Mezzosopran) und Klaus Florian Vogt (Tenor)

Programm:
– Benjamin Britten: Violinkonzert
– Gustav Mahler: „Lied von der Erde“
Orchester: WDR Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Cristian Măcelaru
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Mit Gustav Mahlers Liederzyklus spielt das WDR Sinfonieorchester das Werk „Lied von der Erde“, das sich zwischen tieftraurigem Abschied und herzerwärmender Schönheit bewegt.

„Alles in allem darf man das Werk jedenfalls zum Besten rechnen, was Mahler je geschaffen hat“, schrieb die „Allgemeine musikalische Zeitung“ nach der posthumen Uraufführung am 20. November 1911. Aufbruch und Neuanfang prägen dagegen Benjamin Brittens Violinkonzert.

Es entstand 1939 nach der Emigration des überzeugten Pazifisten in die USA und steht ganz unter dem Eindruck des Kriegsausbruchs in Europa.

Ebenfalls aus den USA kommen die „Miniaturen der Zeit“: Der amerikanische Komponist und Pianist Nico Muhly macht die Vereinzelung des Individuums in der Gesellschaft zum Thema seiner Orchesterminiatur. Ausgehend von einer langen „einsamen“ Linie eines Soloinstruments stellt er die Außenwelt als sich allmählich beruhigende Turbulenz dar.

Sonntag, 05.12. (2. Advent) / 10:05 Uhr / lesenswert
Denis Scheck im Gespräch über Lyrik mit Anja Kampmann, Sabine Scho und Uljana Wolf
(Erstsendung: 25.11.2021)
ARD/SWR

Denis Scheck redet über Lyrik – aber nicht allein: Mit dabei sind die preisgekrönten Lyrikerinnen Anja Kampmann, Uljana Wolf und Sabine Scho.

Schriftstellerin Anja Kampmann fragt in ihrem neuen Gedichtband „Der Hund ist immer hungrig“ poetisch nach den großen Fragen des Lebens. Mit „etymologischer Gossip“ erkundet Uljana Wolf in essayistischer Form, was es bedeutet, in verschiedenen Sprachen zu dichten.

Die Übersetzerin und Autorin war mit dieser Sammlung unter anderem auf der SWR-Bestenliste vertreten.

Zuletzt stellt Sabine Scho mit „Haus für einen Boxer“ eine überraschende Verbindung her: Was haben Lyrik, Architektur und Boxen gemeinsam?

Sonntag, 05.12. (2. Advent) / 12:25 Uhr / Druckfrisch ~ Neue Bücher mit Denis Scheck
(Erstsendung: 21.11.2021)
ARD/WDR

Orientierung im Bücherdschungel verspricht Denis Scheck. Scheck besucht Schriftsteller, stellt Neuerscheinungen vor und spart dabei weder an Lob noch an Kritik.

Seine bissigen und humorvollen Kommentare zu den Büchern der Spiegelbestenliste aus der Kölner Bücherhalle sind beliebt und gefürchtet. Im persönlichen Gespräch entlockt er Autoren aktueller Bestseller interessante Hintergründe zu ihren Werken.

Sonntag, 05.12. (2. Advent) / 17:05 Uhr / Tom Sawyer & Huckleberry Finn
Spielfilm, USA/Deutschland 2013
ZDF

Tom Sawyer: Joel Courtney
Huckleberry Finn: Jake T. Austin
Tante Polly: Christine Kaufmann
Mrs. Douglas: Sonja Kirchberger
Becky Thatcher: Katherine McNamara
Erzähler Mark Twain: Val Kilmer

Regie: Jo Kastner
Länge: 83 Minuten

Die beiden Freunde Tom Sawyer und Huckleberry Finn werden Zeugen eines Mordes. Völlig schockiert schwören sie sich hoch und heilig, keinem Menschen von diesem Erlebnis zu erzählen.

Doch als der gutmütige Muff Potter der Tat beschuldigt wird und aufgehängt werden soll, bricht Tom sein Versprechen. Der wirkliche Mörder verfolgt die beiden Jungen und will sich an ihnen rächen. – Fesselnde Neuverfilmung des Jugendbuch-Klassikers von Mark Twain.

Der pfiffige Tom Sawyer ist selten um eine Ausrede verlegen, und als er den häuslichen Gartenzaun streichen soll, bringt er die Nachbarskinder durch eine List dazu, ihm diese Arbeit voller Freude abzunehmen. Am liebsten streunt er mit seinem Pfeife rauchenden Freund Huckleberry Finn durch die Gegend und träumt vom Piratenleben. Ansonsten träumt er von seiner Klassenkameradin Becky Thatcher, in die er sich unsterblich verliebt hat.

Als sich die Freunde nachts auf dem Friedhof herumtreiben, beobachten sie, wie der Sargschreiner Potter und der undurchsichtige Indianer Joe im Auftrag des Arztes eine Leiche ausgraben. Dabei kommt es zum Streit, und Joe tötet den Arzt mit Potters Messer und schiebt ihm den Mord in die Schuhe. Tom und Huck fliehen entsetzt auf ihrem Floß, denn sie haben große Angst vor Joe und beschließen, nie über das zu reden, was sie in dieser Nacht gesehen haben.

Doch dann wird Muff Potter der Prozess gemacht; er soll gehängt werden. Das kann Tom nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, und er erzählt die Wahrheit. Von nun an sind die beiden Freunde auf der Flucht. Alle gemeinsamen Abenteuer überschattet die Angst, dass Indianer Joe sie erwischen könnte, denn der hat ihnen Rache geschworen. Dennoch machen sich Tom und Huck auf zu einer Schatzsuche. Als sie am Ziel sind, begegnen sie plötzlich Indianer Joe.

Farbenprächtige Verfilmung des großen Mississippi-Abenteuers nach dem Roman „Die Abenteuer des Tom Saywer“ von Mark Twain aus dem Jahr 1876, das als eines der beliebtesten Jugendbücher überhaupt gilt. Die lockere Umgangssprache und die Verwendung der vielen Kraftausdrücke brachten den Roman in Amerika damals sogar auf den Index. Ein noch größerer Erfolg wurde Twains Nachfolgeband „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ (1884), von dem Hemingway sagte: „Die ganze amerikanische Literatur kommt von einem Buch von Mark Twain her, das ‚Huckleberry Finn‘ heißt.“ Produzent und Regisseur Jo Kastner ließ den Autor Mark Twain auch im Film auftreten, besetzte ihn prominent mit Val Kilmer und ließ ihn das Geschehen kommentieren.

Jo Kastner glaubte so sehr an seinem Film, dass er ihn zunächst vorfinanzierte. Das Risiko hat sich gelohnt: Der auf Mallorca gedrehte Film lief 2014 in Nordamerika an und wurde in 40 weitere Länder verkauft. Für die Hauptrolle konnte Kastner Joel Courtney verpflichten, der 2011 im Steven-Spielberg-Film „Super 8“ die Rolle des Joseph spielte. Jake T. Austin, der Huckleberry-Finn-Darsteller, wirkte jahrelang bei der Disney-Serie „Die Zauberer vom Waverly Place“ mit. Jo Kastner wollte mit dem Film aber hauptsächlich Kinder dazu inspirieren, wieder „selbst Abenteuer zu erleben“. Sonja Kirchberger, die Darstellerin der Mrs. Dougllas, meinte dazu: „Genau, weg von der virtuellen Welt, hin zu schmutzigen Füßen.“

Montag, 06.12. / 02:15 Uhr / Leverkusener Jazztage: Rebekka Bakken
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Eines mag Rebekka Bakken gar nicht leiden: wenn man sie als Jazz-Sängerin bezeichnet. Die Norwegerin sieht sich als Singer-Songwriterin, die sich stimmlich vom Jazz hat inspirieren lassen.

Musikalisch setzt die Künstlerin auf einen Genre-Mix: Pop, Gospel, Folk, Country und eine Prise Jazz – all das hat Platz in ihrem Repertoire. Mit ihrer Stimme, die Kraft wie Zärtlichkeit ausstrahlt, trifft Rebekka Bakken mitten ins Emotionszentrum des Publikums.

Und das ganz gleich, ob sie Cyndi Laupers „Time After Time“ adaptiert, „Forever Young“ von Alphaville auf ihrer Setlist hat, dem Alltagspessimisten Ludwig Hirsch mit „Der Schnee draußen schmilzt“ huldigt oder eigene Songs auf die Bühne bringt.

Montag, 06.12. / 03:15 Uhr / Leverkusener Jazztage: Still In the Woods
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Freigeistig, experimentierfreudig und offen gegenüber verschiedenen musikalischen Stilmitteln – all das sind Still In The Woods. Anna Hauss prägt in emotionaler Vielschichtigkeit den Sound.

Wenn das Quartett aus Berlin und Leipzig auf das Genre-Karussell springt und beschwingt seine Runden dreht, kommen jazzige Harmonien, Neo-Soul, energetische Grooves und Indietronics vor. Ihre komplexen Sound-Welten machen die vier Musiker zu ihrem individuellen Zuhause.

Mal druckvoll wie in „Fountains“, mal sanft wie in „I Can’t Remember Love“ – mit letzterem Song schafften es Anna Hauss und Pianist Robert Wienröder in den Score der weltweit erfolgreichen Netflix-Serie „Das Damengambit“.

Montag, 06.12. / 04:15 Uhr / Leverkusener Jazztage: Wollny – Parisien – Lefebvre – Lillinger
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Wenn sich vier Hochkaräter der internationalen Jazzszene treffen, entsteht dabei selbstverständlich eine Supergroup. Der musikalische Strang ist dabei extrem dick geflochten.

An diesem ziehen der deutsche Pianist Michael Wollny, sein Landsmann Christian Lillinger am Schlagzeug, der US-Amerikaner Tim Lefebvre am E-Bass und der Franzose Émile Parisien am Saxofon. Sobald die vier Herren loslegen, dröselt sich der Strang hochkomplex auf.

Dabei werden spacige Sounds, Kraut- und Postrock, Jazziges und Noise-Fragmente kunstvoll miteinander verwoben, bedingungslos geschreddert und wieder neu zusammengesetzt. All das passiert hyperaktiv, groovend, blitzschnell und natürlich blitzgescheit – und führt zu einer Erkenntnis: Die musikalische Freiheit, die sich Wollny, Parisien, Lefebvre und Lillinger gönnen, ist so schwelgerisch wie grenzenlos.

Montag, 06.12. / 05:15 Uhr / Leverkusener Jazztage: Avishai Cohen
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Wo auch immer Avishai Cohen bei Konzerten steht, ist das Zentrum der Bühne. Der Israeli wird vom „Bassplayer Magazine“ unter den 100 einflussreichsten Bassisten des 20. Jahrhunderts geführt.

Er ist Kontrabassist, Sänger, Komponist, Bandleader und Arrangeur. Wenn Cohen live loslegt, ist er mit seiner Version des Modern Jazz, in der sich zeitgenössischer Jazz und die musikalischen Traditionen des Nahen Ostens beherzt einhaken, stets Impulsgeber.

Variabel, gelenkig, quicklebendig und in jedem Takt mit einem ganz speziellen Drive ausgestattet ist das Spiel des Kontrabassisten – ganz gleich, er im Trio-Verbund oder mit einer Big Band im Rücken auftritt.


Regelmäßige Kultursendungen auf 3sat:

Montags – freitags, 19:20 Uhr: Kulturzeit
Das 3sat Kulturmagazin von ZDF, ORF, SRF und ARD
3sat
“Kulturzeit” ist das werktägliche Kulturmagazin von 3sat.
“Kulturzeit” mischt sich in kulturelle und gesellschaftspolitische Fragen ein. Das Magazin bietet Hintergrundinformationen, Porträts und Gespräche zu aktuellen und brisanten Fragen.

Samstags, 09:05 Uhr: Kulturplatz
Das Kulturmagazin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF
Hinein ins pralle Leben: “Kulturplatz” greift auf, was die Menschen beschäftigt, welche Fragen sie sich stellen. Und zeigt, dass die Kultur Antworten gibt.
“Kulturplatz” findet mitten im Leben statt: im Supermarkt, am Musikfestival, im Wald. Denn Kultur ist viel mehr als Musik, Literatur und Kunst. Kultur durchdringt unser Leben. Wo jemand nachzudenken beginnt, da entsteht Kultur.
Diesem Credo ist “Kulturplatz” verpflichtet. Die Sendung will für Kultur begeistern und behält dabei die wichtigsten Akteure und Ereignisse des Kulturbetriebes im Blick. “Kulturplatz” spürt Trends auf und präsentiert Neuentdeckungen.


Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind u. U. nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf 3sat.de.

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