arte und 3sat übertragen in ihrem umfangreichen Programmen regelmäßig Dokumentationen über Künstler und Kulturereignisse, dazu Konzerte (von Klassik über Pop & Rock bis Heavy Metal), Musicalfilme, Opern-, Tanz- und Theatervorstellungen.
Diese Seite informiert über bevorstehende interessante Ausstrahlungstermine auf arte aus dem Kulturbereich.


Programmwoche 33:

Sonntag, 14.08. / 05:00 Uhr / Universe, Incomplete ~ Christoph Marthaler inszeniert Charles Ives
Oper, Deutschland, 2018, WDR 130 Min.
Regie: Michael Beyer
Inszenierung: Christoph Marthaler
Komponist: Charles Ives
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Anna Viebrock, Thilo Albers
Kostüme: Anna Viebrock
Licht: Phoenix, Andreas Hofer
Dirigent: Titus Engel
Orchester: Bochumer Symphoniker, Rhetoric Project, Schlagquartett Köln
Online verfügbar von 12/08 bis 13/09

Die Aufführung „Universe, Incomplete“ der Ruhrtriennale 2018 in der Jahrhunderthalle Bochum beschäftigte sich mit dem Torso der „Universe Symphony“ von Charles Ives. Der Regisseur Christoph Marthaler, der Dirigent Titus Engel und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock entwickelten ihre ganz eigene Perspektive auf das unvollendet gebliebene Vorhaben des amerikanischen Komponisten, dessen Leerstellen sie mit anderen Kompositionen von Ives ergänzten.

Dem Komponisten Charles Ives war es nicht gelungen, sein Werk „Universe“ zu vollenden. „Für den Fall, dass es mir nicht gelingen sollte, dieses Werk zu vollenden, findet sich vielleicht jemand anderes, der den Versuch unternimmt, meine Gedanken auszuarbeiten. Es könnte sein, dass die von mir erstellten Skizzen viel mehr Sinn ergeben, wenn man sie aus der Perspektive von jemandem betrachtet, der nicht ich selbst bin“, hatte Ives notiert. Von dieser verführerischen Formulierung inspiriert, entwickelten der Regisseur Christoph Marthaler, der Dirigent Titus Engel und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock ihre ganz eigene Perspektive auf ein unvollendet gebliebenes Vorhaben des amerikanischen Komponisten. Ausgehend von den tatsächlich komponierten Teilen des Werkes entwarfen sie für die Ruhrtriennale 2018 in der Jahrhunderthalle Bochum einen szenisch-musikalischen Raum, in dem Instrumentalsolistinnen und -solisten sowie die Bochumer Symphoniker und ein aus Schauspielerinnen und Schauspielern, Tänzerinnen und Tänzern sowie Sängerinnen und Sängern bestehendes Ensemble auf einer szenischen und einer klanglichen Ebene aus einer entfernten Zukunft auf das heutige Leben zurückblickten und aus der Gegenwart eine Zukunft fantasierten. Andere, von der „Universe Symphony“ unabhängige Kompositionen von Charles Ives haben dabei die Leerstellen des unvollendeten Universums eingenommen.

Zusatzinfo:
Die Mitschnitte mehrerer Live-Aufführungen dieser spektakulären Inszenierung wurden so bearbeitet, dass sie ungewöhnliche Perspektiven ermöglichen und die Architektur des Raumes eindringlich einfangen. Mitwirkende dieser Aufführungen waren die Bochumer Symphoniker, das Rhetoric Project, das Schlagquartett Köln sowie Schlagzeugstudierende der Musikhochschulen Köln, Detmold und Essen.

Sonntag, 14.08. / 09:10 Uhr / Kunst muss raus ~ Global und real
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2018, BRNDRWDR 26 Min.
Regie: Jörg Jung
Online verfügbar von 13/08 bis 13/09

Kunst im öffentlichen Raum beschränkt sich nicht darauf, die Welt unter freiem Himmel zu besetzen. Auch das Netz ist ein öffentlicher Raum. Und der ist nicht weniger real, nur weil er digital ist. Cao Fei, Chinas berühmteste Künstlerin, gründet eine Stadt im Second Life und lädt Besucher aus aller Welt ein, dort eine zweite Realität zu schaffen. Wer bin ich und wer will ich sein? Britta Thie entlarvt in ihren Webserien das trügerische Versprechen einer optimierten Selbstdefinition in den sozialen Medien. Und Achim Mohné unterläuft mit seinen Aktionen die Kontrollmacht der großen Netzanbieter, indem er subversive Botschaften gen Himmel sendet, die unfreiwillig via Google Earth jeden Haushalt erreichen. „Kunst muss raus“ entführt in die unendlichen Weiten der Kunst im öffentlichen Raum.

Die chinesische Künstlerin Cao Fei gründet eine Stadt im Second Life und lädt Besucher aus aller Welt ein, mit ihren Avataren dort eine zweite Realität zu schaffen. Ihre Stadt „RMB City“ wird ein Treffpunkt der internationalen Kunstszene. Sogar Kunstausstellungen werden dort digital realisiert. Ihre Identität als „China Tracy“ im Netz macht Cao Fei binnen kurzer Zeit zur berühmtesten Künstlerin Chinas. Wer bin ich und wer will ich sein? Britta Thie reagiert auf die Dominanz der sozialen Medien in der Beziehungskultur der jüngeren Generationen, der sogenannten Digital Natives. In ihren Webserien entlarvt sie das trügerische Versprechen einer optimierten Selbstdefinition im Netz. Schon als Kind experimentierte sie mit mehreren Versionen ihres Selbst vor der Videokamera. Als Künstlerin machte sie dann Furore mit ihrer Webserie „Translantics“. Jetzt schuf sie mit Teenagern aus einer mittelkleinen deutschen Stadt den Piloten einer neuen Serie und gewann sogar einen globalen Elektronikdiscounter als Präsentationsort für die Kunst. Im Netz wird Macht neu verhandelt. Achim Mohné unterläuft mit seinen Aktionen, die Kontrollmacht der großen Netzanbieter, indem er mit Farbe und Pinsel auf großen Flächen subversive Botschaften gen Himmel sendet, die unfreiwillig von Satelliten gespeichert und via Google Earth jeden Haushalt erreichen. Parallel zur Weltklimakonferenz schuf er zur Mahnung an die Verletzlichkeit unseres Planeten, ein grobes Mosaik des ersten Fotos der Erde von der Apollo-Mission 1968, das nur von Satelliten gelesen werden kann. Kunst kennt keine Grenzen. ARTE entführt in die unendlichen Weiten der Kunst im öffentlichen Raum.

Sonntag, 14.08. / 09:40 Uhr / Romy und Alain: Die ewigen Verlobten
Dokumentation, Frankreich, 2022, ARTEORFRTBF 52 Min.
Regie: Olivier Monssens
Online verfügbar von 08/07 bis 14/12
Wiederholung vom 07.08.

Sonntag, 14.08. / 16:15 Uhr / Die Finanziers des Jugendstils ~ 125 Jahre Wiener Secession
Schwerpunkt: Aufbruch in die Moderne – Neue Kunst aus Wien
Dokumentation, Österreich, Frankreich, 2021, ARTEORF 52 Min.
Regie: Rudolf Klingohr
Online verfügbar von 13/08 bis 13/09
Erstausstrahlung

Vieles, was Wien heute prägt, ist eine Frucht der Ringstraßenzeit – die Bauten, aber auch die Menschen, die diese Epoche durch ihren Reichtum und durch ihre Kunstsinnigkeit prägten. Die sogenannte „zweite Wiener Gesellschaft“, also der aufstrebende Geldadel, meist jüdische Bankiers und Industrielle aus dem Osten, gab damals den Takt vor. Ziel war es, auf Augenhöhe mit dem alten Adel zu verkehren. Dazu erwies sich das Mäzenatentum als probates Mittel. Wer sich insbesondere von Klimt porträtieren ließ, konnte sich damit in die hohe Gesellschaft der Monarchie einkaufen. Vor allem die jüdische Bourgeoisie verband hier privaten Schöngeist mit gesellschaftlichen Ambitionen. Karl Wittgenstein, Fritz Waerndorfer, Berta oder Emil Zuckerkandl entsprangen einer neuen Generation des jüdischen Bürgertums, die eine neue Form der Kunst fördern wollten.

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Wiener Secession erzählt Filmemacher Rudolf Klingohr über die sozialen Hintergründe des Jugendstils. Denn ohne das primär jüdische Sponsoring wäre der Erfolg der neuen Kunstrichtung undenkbar gewesen. In der Produktion werden die Geschehnisse rund um den Bruch der Secessionisten von der Tradition des für sie antiquierten Künstlerhauses und der Schaffung der Wiener Secession verfolgt. Meisterwerke der Kunstgeschichte, historische Originalaufnahmen und Archivschätze der Secession zeichnen ein lebendiges Bild, das tiefe und spannende Einblicke ermöglicht, um den Fragen nachzugehen: Wie war diese Revolution eigentlich möglich? Wer stand dahinter? Und welche Bedeutung hat die Wiener Secession heute?

Sonntag, 14.08. / 17:30 Uhr / Giacomo Puccini: „Gianni Schicchi“
Salzburger Festspiele 2022
Oper, Erstausstrahlung
Deutschland, 2022, ZDF
TV-Regie: Michael Beyer
Produktion: Unitel
Inszenierung: Christof Loy

Mit: Asmik Grigorian (Lauretta), Misha Kiria (Gianni Schicchi)

Der reiche Buoso Donati ist grade eben verstorben und hat seine lieblosen Verwandten im Testament übergangen. Der zweifelhafte Gianni Schicchi soll, in der Rolle Donatis und verborgen durch den Bettvorhang, ein neues Testament diktieren. Und das tut er auch, aber anders als geplant.

Puccini komponierte „Gianni Schicchi“ wie die beiden Einakter „Suor Angelica“ und „Il Tabarro“ als in Europa noch der 1. Weltkrieg tobte. Zusammen wurden sie am 14. Dezember 1918 als „Il trittico“ in New York uraufgeführt. Die drei Stücke scheinen auf den ersten Blick keine Verbindung miteinander haben, ihr gemeinsamer Nenner ist allein die Verstrickung des Menschen in ein Fatum, das nur ausnahmsweise, für einen Moment, einen glücklichen Ausgang des „Abenteuers Leben“ zu versprechen scheint – so wie im Fall des gerissenen Florentiners Gianni Schicchi.

Sonntag, 14.08. / 00:20 Uhr / Salzburger Festspiele 2021: Intolleranza
Oper, Österreich, 2021, WDR 85 Min.
Fernsehregie: Tiziano Mancini
Komponist: Angelo Maria Ripellino
Inszenierung: Jan Lauwers
Dirigent: Ingo Metzmacher
Orchester: Wiener Philharmoniker
Choreographie: Jan Lauwers, Paul Blackman
Chorleitung: Huw Rhys James
Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Libretto: Luigi Nono
Dramaturgie: Elke Janssens, Kasia Tórz

Mit: Sean Panikkar (ein Flüchtling), Sarah Maria Sun (seine Gefährtin), Anna Maria Chiuri (eine Frau), Antonio Yang (ein Algerier), Musa Nqungwana (ein Gefolterter), Victor Afung Lauwers (der blinde Poet)

Online verfügbar von 14/08 bis 12/11
Erstausstrahlung

„Intolleranza 1960“ von Luigi Nono ist eine Oper, die sehr viele Fragen aufwirft. Ist dieses enorm politische Musiktheater überhaupt eine Oper? Ein überwältigendes Werk mit Gesang, Orchester, Elektronik, Tanz und Licht, das bei seiner Uraufführung in Venedig Tumulte auslöste. Die Salzburger Festspiele 2021 brachten eine Neuinszenierung auf die Bühne. Jan Lauwers führt Regie, entwirft Bühnenbild und Video. Ingo Metzmacher dirigiert die Wiener Philharmoniker, Sean Panikkar und Sarah Maria Sun übernehmen die Hauptrollen.

„Intolleranza 1960“ von Luigi Nono ist eine Oper, die sehr viele Fragen aufwirft. Der 1924 geborene Italiener Luigi Nono war Schwiegersohn von Arnold Schönberg und lehnte die Bezeichnung Oper strikt ab. Er nannte sein erstes Musiktheater „szenische Aktion“: Wort, Bild, Handlung, Gesang, Orchester, Bühnen- und Zuschauerraum sollten gleichermaßen einbezogen werden. Für eine Neuinszenierung ist der preisgekrönte Belgier Jan Lauwers erste Wahl. Er ist in Personalunion für Regie, Choreographie, Bühnenbild und Video verantwortlich.

Die Uraufführung im Teatro la Fenice in Venedig war 1961 ein Skandal: Stinkbomben, Pfiffe und der Vorwurf italienischer Neo-Faschisten, „Intolleranza“ sei eine primitive Verherrlichung des Kommunismus. Doch am Ende überwogen Bravo-Rufe und Komparsen trugen Nono und Dirigent Bruno Maderna auf ihren Schultern.

Nono war Kommunist, seine komplexe Textcollage ist mit kommunistischer Kulturpolitik aber vollkommen unvereinbar: Er verarbeitet Gedichte von Bertolt Brecht, Angelo Maria Ripellino und Jean-Paul Sartre und vermischt sie mit politischen Parolen, Ausschnitten aus Verhören der Nazis und der französischen Polizei im Algerienkrieg. Ein volksnahes Stück mit Agitationsliedern ist das genaue Gegenteil.

Ein namenloser Auswanderer kehrt in die Heimat zurück, gerät in eine Demonstration, wird unschuldig festgenommen, gefoltert und in ein Konzentrationslager gebracht. Ihm gelingt die Flucht, doch das Schicksal schlägt als Flutwelle zu, die eine humanitäre Katastrophe auslöst. Die weltweit anhaltende Unterdrückung politisch Andersdenkender und die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 verleihen dem 60 Jahre alten Werk auch heute Aktualität.

Aufzeichnung vom 20. August 2021 in der Felsenreitschule Salzburg.

Mittwoch, 17.08. / 22:05 Uhr / Look Me Over ~ Liberace
Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, RB 90 Min.
Regie: Jeremy JP Fekete
Online verfügbar von 17/08 bis 15/11
Erstausstrahlung

Er war Amerikas erstes Idol, Ikone, Prunk-Pianist, Popstar, Egomane und Showgigant: Liberace. Sein Leben verlief wie im Rausch, immer auf der Überholspur der Highways zwischen Los Angeles, Las Vegas und Palm Springs. Mitten in der Wüste Kaliforniens, wo Hollywoodstars in ihrer „Privat-Oase“ an ihren Pools wilde Partys feierten, führte er ein zwiespältiges Leben zwischen Pomp und Heimlichkeit. „Look Me Over – Liberace“ fokussiert sich an diversen Originalschauplätzen, rund 30 Jahren nach Liberaces Tod, auf sein Psychogramm. Dabei steht seine Lebens- und Erfolgsgeschichte als Teil des American Dreams inmitten der Bigotterie einer gespaltenen Gesellschaft im Mittelpunkt.

Liberace kannte das gesamte Who’s who Hollywoods. Einige davon brauchte er als Alibi, einige zum Bewundern, andere zum Fördern. „Ich gebe keine Konzerte, ich veranstalte Shows.“ Getreu dieser Maxime wuchsen seine Darbietungen über die Jahre ins Unbegreifliche. Mit einem verspiegelten weißen Rolls-Royce und einem meterlangen Chinchilla-Mantel enterte er die Bühne.

Jedem Kritiker an seinem Lebensstil nahm Liberace mit einer großen Portion Selbstironie den Wind aus den Segeln: „My clothes may look funny, but they’re making me the money.“ Dabei flirtete er ungeniert breit lachend mit seinen Zuschauern und gab telegen den liebenden Sohn einer niedlichen alten Dame. Damit avancierte er zum Lieblingsschwiegersohn von Abermillionen von Müttern.

So legendär wie seine glitzernden Auftritte, so paradox war auch sein öffentliches Leben. Kein anderer Künstler kultivierte schwule Selbstinszenierung so offen auf den größten Bühnen Amerikas wie Liberace und verhinderte gleichzeitig sein Outing bis zu seinem Tod in Palm Springs so vehement und mit allen Mitteln.

Auch wenn vieles von seinem Traum und Image bereits zu Lebzeiten bröckelte, blieb davon am Ende seiner Tage fast gar nichts übrig. Der Dokumentarfilm fokussiert sich an diversen Originalschauplätzen auf sein Psychogramm.

Freitag, 19.08. / 21:55 Uhr / KISS – Die heißeste Band der Welt (1/2)
Schwerpunkt: Summer of Passion
Dokumentarfilm, USA, 2019, WDR 83 Min.
Regie: DJ Viola
Online verfügbar von 18/08 bis 18/09
Erstausstrahlung

Der zweiteilige Dokumentarfilm erzählt die Geschichte einer der auffälligsten und erfolgreichsten Rockbands der Welt: KISS. Umrahmt von seltenen Privataufnahmen, Studio-Sessions und beeindruckenden Live-Performances erzählen die beiden KISS-Gründer Paul Stanley und Gene Simmons die Geschichten hinter ihrer jahrzehntelangen und turbulenten Band-Historie. Auch zahlreiche Weggefährten wie Tom Morello (Rage Against the Machine) und Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) kommen zu Wort.

Vier geschminkte Musiker mit Plateauschuhen, jede Menge Feuer und Glam und melodiöser Rock ’n‘ Roll: KISS sind keine normale Band, sie sind ein Phänomen. Über 40 Jahre hält sich die Truppe um Bassist Gene Simmons und Sänger Paul Stanley an der Spitze der beliebtesten Livebands weltweit. Seit 2019 sind KISS auf ihrer mehrjährigen „End of the Road“-Abschiedstournee. Zeit für einen Rückblick auf die lange und turbulente Geschichte dieser außergewöhnlichen Band!

In dem zweiteiligen Dokumentarfilm beleuchten die Bandgründer Paul Stanley und Gene Simmons nicht nur ihre Bandhistorie, sondern erzählen viele Anekdoten rund um KISS. Neben Stanley, Simmons sowie ihren aktuellen Bandkollegen Tommy Thayer und Eric Singer kommen auch ehemalige Mitstreiter und Musikerkollegen wie Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) und Tom Morello (Rage Against the Machine) zu Wort. KISS haben über 100 Millionen Alben verkauft, sind Mitglieder der Rock and Roll Hall of Fame und haben mit ihren Tourneen Rekorde an Zuschauerzahlen gebrochen. Wann und wie begann diese Erfolgsstory? Woher kamen Simmons und Stanley? Zwei jüdische Einwandererkinder, die immer Außenseiter waren, wurden in den 60er Jahren vom Rock ’n‘ Roll infiziert und „blicken seitdem nie wieder zurück“, wie Gene Simmons es ausdrückt. Die New Yorker Rockszene der 70er bildete den Nährboden für den enormen Erfolg von KISS, in den 80ern spielten Alkohol und Drogen eine so große Rolle, dass die Band fast daran zerbrach. In den 90ern kam dann schließlich das große Comeback und KISS waren wieder auf der Erfolgsspur, die bis heute anhält.

Freitag, 19.08. / 23:20 Uhr / KISS – Die heißeste Band der Welt (2/2)
Schwerpunkt: Summer of Passion
Dokumentarfilm, USA, 2021, WDR 83 Min.
Regie: DJ Viola
Online verfügbar von 19/08 bis 18/09
Erstausstrahlung

Freitag, 19.08. / 00:45 Uhr / Rammstein: Paris
Schwerpunkt: Summer of Passion
Musik, Deutschland, 2017, ZDF 98 Min.
Regie: Jonas Åkerlund
Online verfügbar von 01/06 bis 30/11

Während der „Made in Germany“-Tour drehte der gefeierte schwedische Regisseur Jonas Åkerlund im März 2012 bei zwei umjubelten Rammstein-Konzerten, die vor jeweils 17.000 Zuschauern in der Bercy Arena in Paris stattfanden. Der 100-minütige Film umfasst 16 Songs aus dem gesamten Rammstein-Repertoire.

Die „Made in Germany 1995-2011“-Tour, auf die Rammstein im November 2011 gingen, war ein monumentales Unternehmen. 78 Konzerte in Europa, 21 in Nordamerika. Im Gepäck eine Bühnenkonstruktion aus Stahl, 24 Meter breit, 15 Meter hoch, 100 Lautsprecherboxen, eine Soundanlage mit 380.000 Watt Leistung. Insgesamt 25 Trucks und 125 Crewmitglieder.

Wer über eine solche Tournee einen Film dreht – der darf kein bisschen weniger groß denken. Das ist auch der Hauptgrund, warum „Rammstein: Paris“ erst gute fünf Jahre nach den Paris-Konzerten, bei denen er im März 2012 gedreht wurde, in die Kinos kam. Regisseur Jonas Åkerlund trieb den größtmöglichen Aufwand, um diese Show angemessen porträtieren zu können.

Åkerlund ist berüchtigt für die radikalen, stilbildenden Videos der Band. Durch seine Musikinszenierungen flackern irrwitzige Details, umgestülpte Perspektiven, Kontrast-Schocks, Sinnesverwirrungen – in „Rammstein: Paris“ zelebriert er das von Minute eins an. 16 Songs spielen Rammstein im Film, die Skala reicht von „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?“, dem ersten Song der allerersten Platte, bis zu „Frühling in Paris“ vom letzten Studioalbum „Liebe ist für alle da“.


Programmwoche 34:

Sonntag, 21.08. / 16:45 Uhr / David Garrett ~ Ein Weltstar ganz privat
Dokumentation, Deutschland, 2022, ZDF 52 Min.
Regie: Cordula Kablitz-Post
Online verfügbar von 20/08 bis 19/11
Erstausstrahlung

David Garrett, einst gefeiertes Geigen-Wunderkind mit früher Klassikkarriere, hat heute weltweit auch große Erfolge als Cross-over-Künstler. Ein ständiger musikalischer Spagat und ein Leben, das geprägt ist von Verzicht in der Kindheit, künstlerischer Anerkennung und der Suche nach dem Selbst. 30 Jahre nach seinem Bühnendebüt zieht Garrett nun ein sehr persönliches Resümee.

Stargeiger David Garrett ist jetzt über 40 Jahre alt. Das ehemalige Klassik-Wunderkind füllt nicht nur Konzerthäuser, sondern begeistert mit eigenen musikalischen Arrangements und ausgefeilten Bühnenshows Millionen Fans weltweit. Ein hart erarbeiteter Erfolg, der mit vielen Entbehrungen, bereits in der Kindheit, dem Wunsch nach künstlerischer Anerkennung und der Suche nach dem Selbst verbunden ist.

In der Mitte seines Lebens zieht Garrett ein erstes, sehr persönliches Resümee. Wie ist er zu dem geworden, der er heute ist? Wie ist das Verhältnis zu seinen Eltern, speziell seinem Vater, der ihn an der Geige gedrillt hat? Wem vertraut er heute? Wie geht er damit um, dass Hardcore-Klassiker bei seinem Namen die Nase rümpfen?

Dabei werden Fluch und Segen des Welterfolgs, aber auch die vielen Facetten des Menschen David Garrett deutlich.

Die Dokumentation zeigt David Garrett offen und privat wie nie. Dafür öffnet er sein Archiv zu bislang unveröffentlichtem Videomaterial. Die wichtigsten Stationen seines Lebens werden angesteuert und Wegbegleiter, Freunde und Familie erzählen. Ob in New York, wo der Wendepunkt seines Lebens stattfand, in Amsterdam bei intensiven Studioaufnahmen, in Berlin, der Stadt seiner Kindheit, oder auf Mallorca, wo er Entspannung sucht.

Musikalisch porträtiert die Dokumentation sowohl den Klassik- wie den Cross-over-Künstler David Garrett. Darunter sind auch Ausschnitte des Konzerts in den Caracalla-Thermen in Rom, das zu den Highlights seiner diesjährigen Tour zählt. Mehr von diesem Konzert zeigt ARTE im Anschluss an die Dokumentation.

Sonntag, 21.08. / 17:40 Uhr / Alive – David Garrett in Rom
Musik, Deutschland, 2022, ZDF 43 Min.
Regie: Marc Schütrumpf
Online verfügbar von 20/08 bis 19/11
Erstausstrahlung

Im Rahmen seiner weltweiten „ALIVE“-Tour gibt der Stargeiger David Garrett auch ein Konzert in den römischen Caracalla-Thermen. Dort, wo 1990 die Drei Tenöre ihr legendäres Konzert gaben, performt Garrett packende Songs, die das Leben feiern, ultimative Cross-over-Musik, die virtuose Klassik mit feinstem Pop verschmilzt, und Melodien mit Gänsehauteffekt.

Anfang 2022 kehrte David Garrett endlich zurück auf die Bühne und begeistert wieder sein Publikum auf der ganzen Welt. Dass der Geiger damit erneut den Nerv der Zeit trifft, zeigt der Erfolg: „ALIVE – My Soundtrack“ ist direkt auf Platz vier der deutschen Album-Charts eingestiegen. „ALIVE“ ist seine Hymne auf das Leben, eine Ode an die Hoffnung und ein Manifest für die Macht der Musik.

ARTE zeigt die Höhepunkte des Konzerts aus den Caracalla-Thermen, die eine spektakuläre Kulisse für ein einmaliges Konzerterlebnis sind. David Garrett ist Klassik- und Popstar gleichzeitig. Als Wunderkind gab er sein Bühnendebüt bereits im Alter von zehn Jahren. An der Juilliard School in New York studierte er bei Itzhak Perlman und spielt seitdem mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten der Welt zusammen. Zu seinem Markenzeichen aber wurden Cross-over-Konzerte mit eigenen Arrangements und effektvollen Bühnenshows. Dabei verbindet er das Charisma eines Rockstars mit seiner klassischen Virtuosität und fasziniert damit Fans aller Altersklassen.

Sonntag, 21.08. / 22:15 Uhr / Mel Gibson: Vergöttert und verteufelt
Schwerpunkt: Summer of Passion
Dokumentation, Belgien, 2022, ARTE 53 Min.
Regie: Bruno Sevaistre
Online verfügbar von 08/07 bis 06/12

Der US-amerikanische Schauspieler Mel Gibson wurde durch Rollen in weltweit erfolgreichen Action- und Kriegsfilmen bekannt. „Mad Max“ und „Leathal Weapon“ machten Mel Gibson zwei Jahrzehnte lang zu einem der beneidetsten Filmstars – bis ihn Hollywood nach einer Reihe von Skandalen fallen ließ. Wer ist dieser Mann, der vom oscargekrönten Helden zur Persona non grata des Filmgeschäfts wurde? Die Dokumentation „Mel Gibson: Vergöttert und verteufelt“ erzählt die Biografie einer der umstrittensten Figuren des amerikanischen Films.

Der in Amerika geborene und in Australien aufgewachsene Schauspieler war in den 80er Jahren durch die Filmreihen „Mad Max“ und „Lethal Weapon“ bekannt geworden; für seinen Film „Braveheart“, bei dem er Regie geführt hatte, wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet. Gibson gilt als einer der mächtigsten Männer in Hollywood, der Millionengagen einstreicht. In Rankings taucht er immer wieder als einer der einflussreichsten Schauspieler auf.

Mit seiner Ehefrau Robyn und seinen sieben Kindern lebt er ein scheinbar glückliches Familienleben auf einer 320 Hektar großen Farm, einige Hundert Kilometer von Melbourne. Das versteckte Haus trägt den Namen „Carinya“ – „glücklicher Ort“ in der Sprache der Aborigines.

Dann gerät mit seinem Film „Die Passion Christi“ seine Karriere ins Wanken. Der Spielfilm ist zwar ein Erfolg, doch es kommt zu heftigen Protesten; dem Drehbuch werden von jüdischen Organisationen antisemitische Untertöne vorgeworfen. Es ist der Beginn eines tiefen Falls: Gibson macht durch antisemitische und diskriminierende Äußerungen, Alkoholsucht, Scheidung und häusliche Gewalt regelmäßig Schlagzeilen, so dass sich Hollywood schließlich von ihm abwendet.

Die Oscarnominierung als bester Regisseur 2017 für seinen Film „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ und eine Fortsetzung von „Leathal Weapon“ scheinen sein Comeback einzuläuten.

In seinem neuesten Projekt wendet er sich wieder einer religiösen Thematik zu, obwohl das schon einmal seine Karriere getrübt hat. „Resurrection“, „Auferstehung“, heißt der Film – eine Fortsetzung von „Die Passion Christi“, in der es um das Leben des Messias nach Leidensweg und Kreuzigung gehen soll. Gibson, der Auferstandene? Symbolträchtiger für seine eigene Biografie geht es wohl kaum.

Sonntag, 21.08. / 23:10 Uhr / Pique Dame – Oper von Peter Tschaikowsky
Oper, Deutschland, 2022, SWR 170 Min.
Regie: Nele Münchmeyer
Komponist: Peter Tschaikowsky
Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier
Dirigent: Kirill Petrenko
Orchester: Berliner Philharmoniker
Chor: Cantus Juvenum Karlsruhe, Slowakischer Philharmonischer Chor
Choreographie: Beate Vollack
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Christian Fenouillat
Kostüme: Agostino Cavalca
Licht: Christoph Forey
Video: Etienne Guiol

Mit: Elena Stikhina (Lisa), Vladislav Sulimsky (Graf Tomski), Arsen Soghomonyan (Hermann), Doris Soffel (Gräfin), Aigul Akhmetshina (Polina), Boris Pinkhasovich (Fürst Jelezki), Anatoli Sivko (Surin), Margarita Nekrasova (Gouvernante), Sergej Czepurnyi (Kolja), Mark Kurmanbayev (Narumov), Yevgeny Akimov (Tschekalinski), Christophe Poncet de Solages (Zeremonienmeister), Jakob Lichti (Ein Junge)

Online verfügbar von 21/08 bis 19/11
Erstausstrahlung

In kaum eine Stadt passt Tschaikowskys Oper „Pique Dame“ so gut wie nach Baden-Baden. Das Drama um das Geheimnis der stets siegreichen Spielkarten, an denen der Protagonist Hermann schließlich verzweifelt, geht auf eine Erzählung Alexander Puschkins zurück. Er inspirierte viele russische Schriftsteller, die auch regelmäßig nach Baden-Baden kamen. Die Hauptrollen werden gesungen von Arsen Soghomonyan (Hermann) und Elena Stikhina (Lisa). Die Titelrolle der Gräfin wird von Doris Soffel mit hinreißender Präsenz verkörpert.

Alexander Puschkin inspirierte viele russische Schriftsteller, die auch regelmäßig nach Baden-Baden kamen – darunter Nikolaj Gogol. Gemeinsam mit Bühnenbildner Christian Fenouillant und Kostüm-Designer Agostino Cavalca erzählt das Regieteam Moshe Leiser und Patrice Caurier den Opernklassiker im Thriller-Format.

Die Handlung spielt in einem zweistöckigen „Etablissement“ rund um das Jahr 1900. Die Regie bedient ganz bewusst und im wahrsten Sinne des Wortes die „Doppelbödigkeit“ der Oper, die die Tschaikowsky-Brüder aus Puschkins Romanvorlage geschaffen hatten. Puschkins Geschichte erzählt von drei verzauberten Karten, die fantastische Gewinne versprechen, jedoch auch ins Verderben stürzen können.

Die alte Gräfin – früher wegen ihrer Spielleidenschaft „Pique Dame“ genannt – hütet ihr Geheimnis. Der mittellose Hermann ist besessen davon, es ihr zu entlocken und setzt alles dafür aufs Spiel: Leben, Liebe und seine eigene Existenz. Peter Tschaikowsky machte aus der Geschichte vom Willen, es nach oben zu schaffen, eine Oper. Bei ihm rückt eine weitere große Sehnsucht ins Zentrum der Geschichte: die Liebe – und damit auch die Figur der Lisa –, die Hermann bis zur Selbstzerstörung folgt.

Nur einmal im Jahr sitzen die Berliner Philharmoniker im Orchestergraben und ihr Chefdirigent dirigiert eine szenische Oper – bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2022. Erstmals wurde dafür eine Neuproduktion auf die Bühne gebracht: die Tschaikowsky-Oper „Pique Dame“, inszeniert von Moshe Leiser und Patrice Caurier. Die Hauptrollen werden gesungen von Arsen Soghomonyan (Hermann) und Elena Stikhina (Lisa). Die Titelrolle der Gräfin wird hinreißend verkörpert von Doris Soffel.

Dienstag, 23.08. / 05:00 Uhr / Les Arts Florissants feiern ihr 40. Jubiläum
In den Gärten von William Christie
Musik, Frankreich, 2019, ARTE F 43 Min.
Regie: François-René Martin
Dirigent: William Christie, Paul Agnew
Komponist: Henry Purcell, Jean-Philippe Rameau, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel
Orchester: Les Arts Florissants
Online verfügbar von 16/08 bis 05/09

2019 feierte das von William Christie gegründete Barock-Ensemble Les Arts Florissants sein 40-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass gab der Maestro ein Konzert mit den großen Barockarien, für die das Ensemble berühmt ist. Eindrucksvoller Veranstaltungsort waren die von Christie selbst entworfenen Gärten seines Landsitzes in der westfranzösischen Vendée.

2019 feierte das Barock-Ensemble Les Arts Florissants sein 40-jähriges Bestehen. Sein Gründer William Christie entwickelte diesen außergewöhnlichen Klangkörper zur Talentschmiede für weltweit führende Interpreten. Neben seiner Leidenschaft für Alte Musik begeistert sich Christie auch für Gartenkunst. 2012 gründete er ein sommerliches Musikfestival unter dem Namen „Dans les jardins de William Christie“, für das er seinen eigenen Landsitz in der westfranzösischen Vendée öffnet. Hier, im Dörfchen Thiré, konzertieren Interpreten aus der ganzen Welt, insbesondere angehende Sänger, die aus Christies Nachwuchsakademie Le Jardin des Voix hervorgegangen sind. In der zauberhaften Atmosphäre der unterschiedlich gestalteten Gärten – sie sind vor allem von historischen Parkanlagen in Italien und Frankreich inspiriert – ergeht sich das Festivalpublikum im Klostergarten, im Pinienwäldchen, an der Zyklopenmauer oder am „Wasserspiegel“, so der Name des Teiches, aus dem sich eine Bühne erhebt. Glanznummer und Abschluss des heutigen Programms bildet die vom Hausherrn auf der Teichbühne dirigierte „Barocke Odyssee“. Hier im Abendlicht fühlt man sich in die prunkvollen Aufführungen des 18. Jahrhunderts zurückversetzt. William Christies historisch getreue Interpretationen veranschaulichen, wie wichtig diesem Ensemble Gemeinsamkeit, Begeisterung und Weitergabe sind, dass es aber vor allem die Liebe zur Musik zelebriert.

Mittwoch, 24.08. / 05:00 Uhr / Alles mit links
Dokumentation, Deutschland, 2018, HR 53 Min.
Regie: Natascha Pflaumbaum
Online verfügbar von 24/08 bis 31/08

Klavier spielt man mit zwei Händen. Normalerweise. Als der Industriellensohn Paul Wittgenstein im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verliert, gibt er Werke für die linke Hand in Auftrag. Sie sind musikalisch so brillant, dass sie viele Pianistinnen und Pianisten faszinieren. Wittgensteins Geschichte ist kein Einzelfall. Auch Leon Fleisher oder Antoine Rebstein waren in ihrer Karriere gezwungen, einhändig zu spielen. Sie haben das Repertoire populär gemacht. So wie der Neurophysiologe Eckart Altenmüller. Er ist auf Musikerinnen und Musiker spezialisiert, denen in ihrer Karriere der Körper versagt.

Klavier spielt man mit zwei Händen. Normalerweise. Aber was ist schon normal? Schon im 19. Jahrhundert haben Komponisten mit einhändigem Klavierspiel experimentiert: Sie komponierten Werke für die linke Hand – für die vermeintlich „schlechtere“, weil motorisch nicht so trainierte Hand. Im Ersten Weltkrieg verliert der Wiener Industriellensohn Paul Wittgenstein seinen rechten Arm. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Pianist zu werden, um jeden Preis. Also gab er bei den großen Komponisten seiner Zeit Werke für seine linke Hand in Auftrag. Entstanden sind Werke, die klanglich, technisch und musikalisch so brillant sind, dass sie mittlerweile viele Pianistinnen und Pianisten faszinieren. So außergewöhnlich Wittgensteins Geschichte klingen mag – sie schreibt sich fort bis heute. Sein Schicksal ist kein Einzelfall: Auch Pianisten wie Leon Fleisher oder Antoine Rebstein waren in ihrer Karriere gezwungen, einhändig zu spielen. Sie haben das Repertoire populär und die Geschichte des linkshändigen Spiels berühmt gemacht. So auch der Neurophysiologe Prof. Eckart Altenmüller, der auf Musikerinnen und Musiker spezialisiert ist, denen in ihrer Karriere der Körper versagt. Dass Musik immer dann besonders ist und uns berührt, wenn sie etwas Neuartiges eröffnet, zeigt der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard: Er spielt das Klavierkonzert für die linke Hand und schreibt als zweihändiger Pianist die Geschichte Wittgensteins auf brillante Weise fort.

Freitag, 26.08. / 20:15 Uhr / An seiner Seite
Fernsehfilm, Deutschland, 2021, ZDF 89 Min.
Regie: Felix Karolus
Drehbuch: Florian Iwersen, Felix Karolus
Produktion: Bavaria Fiction GmbH, ZDF, ARTE
Produzent: Oliver Vogel, Jan Kruse
Kamera: Wolfgang Aichholzer
Schnitt: Gerald Slovak
Musik: Renzo Vitale
Kostüme: Silke Schmelzer
Szenenbild / Bauten: Verena Barros de Oliveira
Redaktion: Elke Müller, Olaf Grunert
Ton: Roman Schwartz

Mit: Senta Berger (Charlotte Kler), Peter Simonischek (Walter Kler), Antje Traue (Viola Frankenberg), Thomas Thieme (Martin Scherer), Marlene Morreis (Grit Scherer), Petra Michelle Nérette (Natalie Noirot)

Online verfügbar von 26/08 bis 25/09

Nach einem langen Nomadenleben an der Seite ihres Mannes Walter Kler, einem erfolgreichen Dirigenten, ist Charlotte froh, endlich wieder in der Nähe ihrer Familie zu leben. Doch die beinahe lebenslange Trennung zwischen ihr und ihrer Tochter hat zur Entfremdung geführt. Ein Zufallsbekannter, der frisch verwitwete Martin, bietet Charlotte in dieser kritischen Zeit tatkräftige Hilfe an.

Nach einer langen internationalen Karriere als Dirigent ist Walter Kler als Orchesterleiter nach München zurückgekehrt. Niemand ist darüber glücklicher als seine Frau Charlotte, die ihr gesamtes Leben in den Dienst seiner Kunst und Karriere gestellt hat. Sie freut sich auf ein echtes Zuhause und darauf, endlich mehr Zeit für ihre Tochter und Enkeltochter zu haben. Doch ihr Mann scheint sich noch nicht so recht mit dem neuen Lebensabschnitt abgefunden zu haben, liebäugelt er doch insgeheim mit einem Engagement in New York, von dem er seiner Frau allerdings nichts erzählt.

Der Besuch eines Fremden rüttelt Charlotte auf: Der frisch verwitwete Martin Scherer bittet um ein wenig Erde aus dem Garten der Klers für das Grab seiner Frau. Der bodenständige Bademeister hilft Charlotte nicht bloß beim Einrichten des Hauses, er wird auch zur Lebenshilfe, als Charlotte sich den heftigen Vorwürfen ihrer Tochter Viola ausgesetzt sieht, sie vernachlässigt zu haben. Viola ist in Internaten groß geworden, weil ihre Eltern davon überzeugt waren, dass ihr künstlerisches Nomadenleben nichts für ein Kind sei. Martin Scherers Rat führt zum klärenden Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Und auch Walter, der den neuen Bekannten seiner Frau eher misstrauisch beäugt, erkennt nach einem Gespräch mit ihm eigene Fehler.

Zusatzinfo:
In „An seiner Seite“ brillieren Peter Simonischek („Toni Erdmann“, 2016) und Senta Berger als Ehepaar. Die in Wien geborene Schauspielerin steht seit über 60 Jahren vor der Kamera. Nach ersten Erfolgen in Österreich in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts führte sie ihr Weg nach Hollywood. 1966 heiratete Senta Berger den Regisseur Michael Verhoeven. Von 2003 bis 2019 spielte sie 30 Mal die interne Ermittlerin Dr. Eva Maria Prohacek in der von ZDF und ARTE koproduzierten Krimi-Reihe „Unter Verdacht“. An der Seite von Bruno Ganz war sie 2010 in dem Drama „Satte Farben vor Schwarz“ zu sehen, und in „Willkommen bei den Hartmanns“ spielte sie 2016 unter der Regie ihres Sohnes Simon Verhoeven.

Freitag, 26.08. / 21:45 Uhr / Joni Mitchell – Hippie Folk Goddess
Dokumentation, Frankreich, 2022, ARTE F 53 Min.
Regie: Clara Kuperberg, Julia Kuperberg
Online verfügbar von 19/08 bis 24/11
Erstausstrahlung

Von „Both Sides Now“ über „In France They Kiss on Main Street“ bis hin zu „Jericho“– die kanadische Liedermacherin Joni Mitchell schrieb zeitlose Welthits. Sie zählt mit ihren anfangs vom Folk inspirierten Liedern zu den bedeutendsten Singer-Songwritern der 70er Jahre. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre kamen Jazz-Einflüsse hinzu, in den 80ern Pop und Rock. Joni Mitchell beeinflusst bis heute Generationen von Singer-Songwritern. Grund dafür sind die Qualität ihrer Texte und ihr unverwechselbarer Stil, Gitarre zu spielen. Sie ist in einer über 40-jährigen Karriere nie der Mode gefolgt – Mitchell lässt sich kaum für eine Stilrichtung, eine Bewegung oder Epoche vereinnahmen: In ihren Songs und Auftritten öffnet sie sich völlig – und bleibt immer Freigeist.

Joni Mitchell ist eine Singer-Songwriterin, die als Künstlerin immer gegen den Strom schwamm. Von den „Flower Power“-Hippies, feministisch und politisch engagierten Sängerinnen wie Joan Baez und Janis Joplin oder sozialkritischen Barden wie Bob Dylan hebt sie sich dadurch ab, dass sie sich an dieser Gegenkultur nicht beteiligte. Sie war weder militante Feministin noch Anti-Kriegs-Demonstrantin. Sie weigerte sich auch, die jungen Männer zu verurteilen, die in den Vietnamkrieg zogen, und machte lieber Truppenbesuche wie Bob Hope, um die Soldaten moralisch zu unterstützen.

Bereits mit ihrem Debütalbum feierte sie einen internationalen Erfolg. Joni Mitchell lässt sich in keine Schublade stecken: Sie legte sich nie auf einen Stil fest und bediente alle Register – von Folk über Jazz bis zur Popmusik. Wahrscheinlich ist sie gerade deshalb bis heute eine Inspirationsquelle für Künstlerinnen und Künstler mehrerer Generationen, darunter Prince, die Eurythmics und Björk. Janet Jackson verwendete ein Sample des Songs „Big Yellow Taxi“ und die „Queen of Pop“ Madonna ließ sich von Joni Mitchells Songtexten inspirieren.

Auch heute noch berufen sich Diana Krall, Katy Perry, Taylor Swift, Harry Styles und Kanye West auf Joni Mitchell. Ihre Songs wurden in zahlreichen Filmen als Soundtrack verwendet, von „Love Actually“ bis hin zu „Toy Story“. Im Ranking der Musikzeitschrift „Rolling Stone“ belegt „Blue“ immer noch den 30. Platz der 500 besten Alben aller Zeiten, und für die „New York Times“ ist das Album ein Meilenstein der Popmusik des 20. Jahrhunderts. Was ist das Geheimnis der künstlerischen Langlebigkeit der – eigentlich zu Unrecht so benannten – „Queen of Folk“?

Freitag, 26.08. / 22:40 Uhr / Joni Mitchell: Both Sides Now
Live at the Isle of Wight Festival 1970
Musik, Großbritannien, 1970, ARTE F 56 Min.
Regie: Murray Lerner
Online verfügbar von 19/08 bis 25/10
Erstausstrahlung

Allein mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme zog Joni Mitchell das riesige Publikum beim Isle of Wight Festival am 29. August 1970 in ihren Bann. Die eindrucksvollen Aufnahmen von Murray Lerner zeigen das Konzert der kanadischen Sängerin, die ohne Band vor einem Riesenpublikum auftrat.

Samstag, 29. August 1970, Isle of Wight: Eine riesige Menschenmenge wartet auf Joni Mitchell. Die kanadische Musikerin und Komponistin erobert die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes im Sturm, die Gitarre in der Hand. Sie stimmt ihr Instrument, und schon ab den ersten Akkorden scheint die Zeit stillzustehen. Ihre Finger entlocken den Saiten ein ganzes Universum, die Wortwahl ist präzise.

1970 steht sie, die vom „Rolling Stone“ eine der „größten Songwriterinnen aller Zeiten“ genannt wird, noch am Anfang ihrer über 40-jährigen Karriere und ist vom Folk inspiriert, ein Genre, das sie maßgeblich beeinflusste. Später orientierte sich später mehr Richtung Jazz.

Mit ihrer Gitarre und ihren poetischen Texten ist sie eine Ausnahmeerscheinung zwischen den auf dem Festival auftretenden Rockgrößen wie The Who, Emerson, Lake & Palmer, Supertramp, The Doors, Jimi Hendrix, Miles Davis, Keith Jarrett, Chick Corea und Jack DeJohnette.

Die Setlist beinhaltet unvergessliche Songs wie „Woodstock“, „Both Sides Now“, „A Case of You“ und ihre Hitsingle „Big Yellow Taxi“. Das Festival Isle of Wight schrieb 1970 Geschichte als „Europas Woodstock“ und hatte über 600.000 Besucher.

Freitag, 26.08. / 23:40 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2022, ARTE F 30 Min.
Regie: DIVERS
Autor:in: DIVERS
Produktion: PROGRAM 33
Erstausstrahlung

Freitag, 26.08. / 00:10 Uhr / Flick Flack: Corita Kent ~ Die Pop-Nonne
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2021, ARTE 5 Min.
Online verfügbar von 01/09 bis 01/09

1962 ist Pop-Art in Kalifornien die vorherrschende künstlerische Ausdrucksform. Davon lässt sich auch Corita Kent anstecken, ihres Zeichens Nonne, Künstlerin und politische Aktivistin. Schwester Corita vermischt in ihren Werke Motive wie Jefferson Airplane, Pepsi-Werbung – und Bibelverse.


Programmwoche 35:

Samstag, 27.08. / 23:30 Uhr / 7 Songs ~Katja Riemann
Magazin, Deutschland, 2021, ZDF 12 Min.
Regie: Kolya Reichert
Online verfügbar von 10/12 bis 10/12

Promis, Lebenskünstler und Lebenskünstlerinnen, Musiker und Musikerinnen und Macher und Macherinnen erzählen zu sieben Lieblingssongs aus ihrem Leben. Musik als Soundtrack zu Höhen und Tiefen, Siegen und Niederlagen, Freude und Schmerz – oder einfach als der passende Sound im richtigen Moment. Diesmal mit der Schauspielerin Katja Riemann über die Schwermut von Pink Floyd, die Liebe zu Afrika und Michael Jackson in Paris.

Eine Playlist mit sieben Musikstücken, die einen Einblick in die aktuelle Verfassung, den Lauf des Lebens, oder in die musikalischen Vorlieben gibt. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe, der sich Promis, Lebenskünstler und Lebenskünstlerinnen, Musiker und Musikerinnen und Macher und Macherinnen jedoch immer wieder gerne stellen. Dem Philosophen, Autor und Musiker Theo Roos gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit, Menschen zu öffnen – und die Musik hilft ihm und den Befragten dabei.

In der neuen Staffel von „Seven Songs“ geben fünf Menschen über die Musik Einblick in ihr Leben und in ihren Musikgeschmack: Die Musikerin Tanita Tikaram, die Politikerin und frühere Band-Managerin Claudia Roth, die Schauspielerin Katja Riemann, die Satirikerin und Autorin Sophie Passmann und der Geiger Daniel Hope.

Sonntag, 28.08. / 08:55 Uhr / Daniel Libeskind: Magier der Emotionen
Dokumentation, Deutschland, 2021, SR 26 Min.
Regie: Axel Fuhrmann
Online verfügbar von 21/08 bis 26/11

Stararchitekt Daniel Libeskind sorgte schon mit dem Jüdischen Museum Berlin weltweit für Aufsehen. Sein Masterplan für das neue World Trade Center ist ein Bekenntnis zu Demokratie, Freiheit und Frieden. Seine Bauwerke mit ihren kristallinen, gebrochenen Fassaden vergleicht er mit Menschen: Sie atmen, haben einen Körper und eine Seele.

Am 12. Mai 2021 wurde er 75 Jahre alt. Der Film würdigt sein Schaffen und zeigt auf, wie stark seine Architektur von Musik beeinflusst ist. Aus diesem Anlass interpretiert der Pianist Benyamin Nuss im Film zum weltweit ersten Mal Auszüge aus Libeskinds Grafiken.

Stararchitekt Daniel Libeskind sorgte schon mit seinem ersten Bauauftrag, dem Jüdischen Museum Berlin, 1999 weltweit für großes Aufsehen. Sein Masterplan für das neue World Trade Center am Ground Zero von 2013 ist ein Bekenntnis zu Demokratie, Freiheit und Frieden und tief in seiner eigenen Biografie verwurzelt: Mit seinen Eltern, die den Holocaust überlebten, emigrierte Libeskind aus Polen über Israel nach Amerika. Seine Bauwerke mit ihren kristallinen, verwinkelten und vielfältig gebrochenen Fassadenstrukturen vergleicht er mit Menschen: Sie atmen, haben einen Körper und eine Seele.

Am 12. Mai 2021 wurde Daniel Libeskind 75 Jahre alt. Der Film würdigt sein Schaffen und zeigt auf, wie stark seine Architektur von der Musik beeinflusst ist, der er ebenfalls eng verbunden ist. Aus diesem Anlass interpretiert der Pianist Benyamin Nuss im Film zum weltweit ersten Mal Auszüge aus Libeskinds Grafiken „Chamberworks“ am Klavier – im Dialog mit dem aus New York zugeschalteten Urheber.
Für Libeskind ist entscheidend, dass seine Werke Emotionen hervorrufen – da sind ihm auch negative Reaktionen lieber als ein gleichgültiges Achselzucken.

Sonntag, 28.08. / 16:15 Uhr / Résistance-Kämpfer und Maler: Jean Moulin
Dokumentation, Frankreich, 2022, ARTE F 53 Min.
Regie: Daniel Ablin
Online verfügbar von 21/08 bis 27/10
Erstausstrahlung

Für die Franzosen ist Jean Moulin Nationalheld. Was viele nicht wissen: Der berühmte Anführer der Résistance-Bewegung war auch ein Künstler, der unter dem Pseudonym „Romanin“ malte und zeichnete, etliche Karikaturen schuf und als großer Liebhaber zeitgenössischer Kunst noch während des Zweiten Weltkriegs eine eigene Galerie eröffnete. Mit spitzer Feder spottete er dem politischen Spektakel seiner Zeit, porträtierte amüsiert die mondäne Gesellschaft der wilden 20er Jahre und offenbarte seine spirituelle Seite in den Radierungen, die während eines Aufenthalts in der Bretagne entstanden. „Résistance-Kämpfer und Maler: Jean Moulin“ gibt anhand von Skizzen, Karikaturen, Gemälden und privaten Briefen ganz neue Einblicke in das Leben und Denken des legendären französischen Widerstandskämpfers.

Jean Moulin gehört zu den größten französischen Nationalhelden. Etliche Bücher und Filme beschäftigen sich mit dem Leben des Mannes, der die französische Widerstandsbewegung einte, seinen Folterknechten die lange Nase zeigte und seine Geheimnisse mit ins Grab nahm. Doch nur wenige wissen: Jean Moulin war auch ein Künstler, der unter dem Pseudonym „Romanin“ malte und zeichnete, etliche Karikaturen veröffentlichte und im Milieu der künstlerischen Avantgarde verkehrte. Als Liebhaber und Sammler zeitgenössischer Kunst eröffnete er während des Zweiten Weltkriegs eine eigene Galerie.

Anfangs konnte Jean Moulin seine politischen und künstlerischen Tätigkeiten noch vereinen. Doch mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und dem näher rückenden Krieg trat Jean Moulin der Widerstandsbewegung bei, so dass er seine künstlerischen Ambitionen eine Zeit lang nicht mehr ausleben konnte.

Die Dokumentation „Résistance-Kämpfer und Maler: Jean Moulin“ schildert Jean Moulins Werdegang vom jüngsten Präfekten Frankreichs zum meistgesuchten Widerstandskämpfer des Landes. Er gibt Einblicke in seine Ideale, seine Leidenschaften und sein künstlerisches Schaffen. So entsteht anhand von Skizzen, Karikaturen, Gemälden und privaten Briefen ein neues, ungewöhnliches Porträt des berühmten Widerstandskämpfers.

Sonntag, 28.08. / 17:05 Uhr / TWIST
Magazin, Deutschland, 2022, NDR 30 Min.
Redaktion: Edith Bessling
Moderation: Romy Straßenburg | Moderatorin, Bianca Hauda | Moderatorin
Erstausstrahlung

Sonntag, 28.08. / 17:40 Uhr / Klaus Mäkelä und Isabelle Faust interpretieren Brahms
Musik, Frankreich, 2022, ARTE F 44 Min.
Regie: Louise Narboni
Produktion: CAMERA LUCIDA PRODUCTIONS
Komponist: Johannes Brahms
Dirigent: Klaus Mäkelä
Orchester: Orchestre de Paris
Mit: Isabelle Faust (Violine)
Online verfügbar von 21/08 bis 27/09
Erstausstrahlung

Die Geigerin Isabelle Faust liefert eine brillante Interpretation des heiter-meditativen Violinkonzerts in D-Dur von Johannes Brahms. Klaus Mäkelä leitet das Orchestre de Paris, mit dem die Solistin bereits mehrmals zusammenarbeitete. Das außergewöhnlich virtuose Werk fasziniert bis heute durch seine Dichte und seine warme, organische Atmosphäre.

Fast scheint es, als wolle Klaus Mäkelä eine Revolution einleiten: Der erst 26 Jahre junge Leiter des Orchestre de Paris macht Spontaneität in der klassischen Musik wieder hoffähig und liefert herrlich frische Interpretationen von Werken, die man durch Karajan, Muti oder Barenboim in Stein gemeißelt glaubte. Klaus Mäkelä will nicht nachahmen, er will erfinden. Das gelingt ihm, indem er sich alte Stoffe neu aneignet, ohne sie zu verraten, und dabei radikal zu seiner Subjektivität steht. Im Orchestre de Paris hat er ein Ensemble gefunden, das seiner Vorgehensweise gerecht wird – die Wahl der Solisten gestaltet sich für den gelernten Cellisten bisweilen heikler.

Für ihre erste Zusammenarbeit an der Pariser Philharmonie im Februar 2022 wählten Isabelle Faust und Mäkelä einen Meilenstein des romantischen Repertoires: das berühmte Violinkonzert von Johannes Brahms. Jeder Bogenstrich wirkt wie eine Hommage an Brahms’ moderne Handschrift. Die Solistin pflegt ihren unnachahmlichen Stil diskret und lässt Klaus Mäkelä stets ausreichend Raum. Gemeinsam schafft das Duo eine vertraute Atmosphäre. Sie scheinen sich ohne Worte zu verstehen.

Regisseurin Louise Narboni dreht mit ruhiger Hand, wagt lange Einstellungen und schafft somit einen tiefen Einblick in diese musikalische Revolution – denn der Mut gilt diesmal nicht nur den Interpreten, sondern auch der Kamera. Gekonnt bringt Narboni die authentische Symbiose von Dirigent und Solistin auf den Bildschirm.

Auf dem Programm stehen:
– Violinkonzert in D-Dur von Johannes Brahms (1878)
– Intermezzo Opus 118 Nr. 5 von Johannes Brahms (arrangiert von Oscar Strasnoy)

Sonntag, 28.08. / 23:45 Uhr / Cecilia Bartoli & Friends
Dokumentation, Frankreich, Schweiz, 2018, ARTESSR 54 Min.
Regie: Fabio De Luca
Mit: Cecilia Bartoli, Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Martha Argerich, Antonio Pappano, Philippe Jaroussky
Online verfügbar von 21/08 bis 27/09

Lange gab es nur einen einzigen Dokumentarfilm über Cecilia Bartoli, die vielleicht letzte wahre Diva der internationalen Opernszene – er ist ein Vierteljahrhundert alt und porträtierte die damals 26-jährige Mezzosopranistin zu Beginn ihrer brillanten Karriere. Kein Wunder also, dass die Dokumentation „Cecilia Bartoli & Friends“ von Bartoli-Fans, Musikliebhabern und TV-Sendern in aller Welt mit besonderer Spannung erwartet wurde. Regisseur Fabio De Luca hat die temperamentvolle Sängerin in ihrem fünfzigsten Lebens- und dreißigsten Karrierejahr vor und hinter den Kulissen ihrer spektakulären Shows begleitet.

ARTE nimmt den Zuschauer mit auf eine musikalische Reise quer durch Europa und durch Cecilia Bartolis künstlerisches Universum – von Berlin über Zürich, Paris und Lugano bis in den Vatikan, wo Bartoli als erste Frau in der Geschichte der Sixtinischen Kapelle mit dem Päpstlichen Chor singt.

Zu Wort kommen auch Kollegen und Zeitgenossen der Diva, die deren Prominenz in nichts nachstehen: Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Antonio Pappano, Martha Argerich und Philippe Jaroussky berichten von ihrem Verhältnis zu Cecilia Bartoli, das weit über die rein berufliche Beziehung hinausgeht und von großer Vertrautheit und enger Freundschaft zeugt.

Sonntag, 28.08. / 00:40 Uhr / Brahms Doppelkonzert – West-Eastern Divan Orchestra
Von den Salzburger Festspielen 2021
Musik, Deutschland, 2021, ZDF 87 Min.
Regie: Elisabeth Malzer
Komponist: Johannes Brahms, Cesar Franck
Dirigent: Daniel Barenboim
Orchester: West-Eastern Divan Orchestra
Mit: Daniel Barenboim, Michael Barenboim (Violine), Kian Soltani (Violoncello)
Online verfügbar von 27/08 bis 26/11
Erstausstrahlung

Michael Barenboim und Kian Soltani sind die Solisten beim Konzert des West-Eastern Divan Orchestra in Salzburg 2021. Im Mittelpunkt des Programms steht das Doppelkonzert für Violine und Violoncello in a-Moll von Johannes Brahms. Es ist dies Brahms einziges Werk in diesem Genre und gleichzeitig auch sein finales Orchesterwerk, komponiert 1887. Die musikalische Leitung hat Daniel Barenboim.

Johannes Brahms komponierte das Doppelkonzert in a-Moll in der erklärten Absicht, seine vormals enge Freundschaft mit dem Geigenvirtuosen Joseph Joachim zu erneuern. Diese war nach persönlichen Querelen stark abgekühlt, was für Brahms umso schwerer wog, als er mit Joachim in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet und große Erfolge errungen hatte, etwa bei der Komposition des Violinkonzerts, bei dessen Uraufführung Joachim auch die Solovioline gespielt hatte. Und der Plan ging auf, Joseph Joachim übernahm tatsächlich den Violinpart des Doppelkonzertes bei der Uraufführung am 18. Oktober 1887 in Köln und zeigte sich durchaus angetan von der Komposition.

Michael Barenboim spielt Violine, seit er sieben Jahre alt ist. Mit 15 wurde er Mitglied des West-Eastern Divan Orchestra, drei Jahre später dessen Konzertmeister. Schon früh trat er auch als Solist in Erscheinung und konzertierte mit namhaften Orchestern wie den Wiener Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Kian Soltani, österreichischer Cellist mit iranischen Wurzeln, kam schon im Alter von vier Jahren mit seinem Instrument in Berührung, mit zwölf Jahren begann er sein Cello-Studium. Er gewann zahlreiche Preise und arbeitet regelmäßig mit Daniel und Michael Barenboim zusammen.

Montag, 29.08. / 05:00 Uhr / Das widerspenstige Leben von Marceline Loridan-Ivens
Dokumentarfilm, Frankreich, 2018, ARTE F 88 Min.
Regie: Yves Jeuland
Online verfügbar von 22/08 bis 03/09

Die jüdische Filmemacherin Marceline Loridan-Ivens, geborene Rosenberg, war erst 15, als sie am 29. Februar 1944 zusammen mit ihrem Vater verhaftet, von Avignon nach Drancy gebracht und anschließend nach Auschwitz deportiert wurde. Mit der Deportation endete ihre Schulzeit abrupt. Doch das Leben hielt genügend Lehren bereit, die die Regisseurin in ihrem gewagten und poetischen filmischen Werk verarbeitete. Nach den unsäglichen, traumatisierenden Erfahrungen im Konzentrationslager verkehrte Loridan-Ivens in der Künstlerszene von Paris, wo sie den politischen Dokumentarfilmer Joris Ivens kennenlernte. Sie heirateten und reisten zusammen nach China und in das kriegsgeschüttelte Vietnam. Ihre Schauspielkarriere begann mit einer Hauptrolle in „Chronik eines Sommers“ (1961) von Jean Rouch und Edgar Morin; ein Jahr später arbeitete sie mit Jean-Pierre Sergent an ihrem ersten Dokumentarfilm „Algérie, année zéro“. Von 1967 bis 1989 drehte sie gemeinsam mit Joris Ivens 18 Filme, darunter „Le 17e parallèle“ und „Eine Geschichte über den Wind“. 2002 thematisierte sie in ihrer ersten eigenen Regiearbeit „Birkenau und Rosenfeld“ mit Anouk Aimée in der Hauptrolle ihr Schicksal als Auschwitz-Überlebende. Der Dokumentarfilm zeigt Marceline Loridan-Ivens in einem Gespräch mit dem französischen Regisseur Yves Jeuland, das am 30. Oktober 2014 auf der Bühne des Forum des Images in Paris aufgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Jeuland blickt sie auf ihr bewegtes Leben zurück. Mit eingeblendeten Fotos, Archivbildern und Filmausschnitten wird das Bühnengespräch zu einer wahren Live-Dokumentation über das Leben der Filmemacherin, musikalisch untermalt von Eric Slabiak und seiner Band.

Mittwoch, 31.08 / 05:00 Uhr / Karajan – Porträt eines Maestros
Dokumentation, Deutschland, 2018, SWR 53 Min.
Regie: Sigrid Faltin

Sein Instrument waren die besten Orchester der Welt. Mit 300 Millionen verkauften Tonträgern hat Herbert von Karajan Musikgrößen wie Michael Jackson, Madonna und die Rolling Stones weit hinter sich gelassen. Nach Mozart gilt er als berühmtester Sohn der Stadt Salzburg. Von Karajans Lebensstil begeisterte die Medien: rasante Autos, Flugzeuge, Segeljachten, seine hübsche, fast 30 Jahre jüngere dritte Frau. Doch hinter dem Glamour versteckte sich ein scheuer Mensch, der jahrzehntelang gegen Schmerzen ankämpfte und der bis zu seinem letzten Atemzug um den perfekten Klang rang. Der Film beleuchtet die Höhepunkte und Brüche seines Lebens, hinterfragt die existierenden Klischees: War Karajan wirklich ein Jetset-Künstler? Ein egozentrischer, macht- und geldgieriger Charakter, der dem Nationalsozialismus nahestand? Oder hat sich der Dirigent doch nur einem politischen System gefügt, ohne dessen Ideologie verinnerlicht zu haben? Langjährige Weggefährten wie Anne Sophie Mutter, die Berliner und Wiener Philharmoniker erinnern sich an den Maestro.

Freitag, 02.09. / 21:55 Uhr / The Who ~ Die explosive Geschichte einer Band
Dokumentation, Frankreich, 2021, ARTE F 53 Min.
Regie: Christophe Conte
Online verfügbar von 26/08 bis 01/03
Erstausstrahlung

Mit The Who schrieb Gitarrist und Songwriter Pete Townshend Rockgeschichte. Im Jahr 1964 gründete er The Who, schrieb Hits wie „My Generation“ und „Pinball Wizard“ sowie die Rockopern „Tommy“ und „Quadrophenia“. 1969 trat die Band in Woodstock auf. Nach dem Tod von Drummer Keith Moon 1978 machten The Who auf Townshends Drängen weiter, bis sie sich 1983 trennten. Wiedervereinigungen erfolgten 1988 und 1999, im Dezember 2019 erschien nach 13 Jahren Pause das neue Album „Who“. Die Dokumentation zeichnet anhand umfangreicher Archivaufnahmen die Geschichte der Band nach, die immer wieder Genregrenzen sprengt.

Zwischen Radau und Rebellion: Wie aus vier Londoner Vorstadt-Mods The Who werden konnte – eine der erfolgreichsten Rockbands der Musikgeschichte –, ist wenig bekannt. Wie konnte dieser „Radau-Combo“ ein so großer Wurf wie die Rockoper „Tommy“ gelingen? Teile der Geschichte basieren auf Pete Townshends eigenen Erfahrungen mit Mobbing und sexuellem Missbrauch. Die frühen Kompositionen von The Who brachten die Sorgen und Nöte der britischen Arbeiterjugend der 60er Jahre perfekt auf den Punkt.

Die Dokumentation wirft einen neuartigen Blick auf die Band und auf das Zusammenspiel von vier Persönlichkeiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten; dennoch haben sie gemeinsam einige der großartigsten und explosivsten Seiten in der Geschichte der Popmusik geschrieben.

Im Mittelpunkt des Band-Porträts steht die Persönlichkeit von Pete Townshend und seine Besessenheit, den besonderen Sound von The Who ständig mit avantgardistischen Elementen zu füttern. Nachgezeichnet wird die Geschichte der Band vom ersten Erfolg mit „My Generation“ bis zu den jüngsten elektronischen Neuerfindungen ihrer Musik. Dabei werden auch die Einflüsse beleuchtet, die zur Entstehung der Rockopern „Tommy“ und „Quadrophenia“ geführt haben.

In seltenen Archivaufnahmen und Interviews mit Pete Townshend blickt die Dokumentation auf Triumphe und Niederlagen von The Who und vermittelt das facettenreiche Bild einer der größten britischen Bands aller Zeiten. Nicht umsonst listete der „Rolling Stone“ Townshend auf Rang 10 der 100 besten Gitarristen sowie auf Rang 30 der 100 besten Songwriter aller Zeiten.

Freitag, 02.09. / 22:50 Uhr / The Who: Live in Hyde Park
Musik, Großbritannien, 2015, ARTE F 60 Min.
Regie: Chris Rule
Erstausstrahlung

The Who ist eine der bedeutendsten britischen Rockbands der 60er und 70er Jahre. Anfangs galt sie als „Radau-Combo“. Die vier Engländer vertraten in den ersten Jahren eine im Vergleich zu den Beatles und den Rolling Stones aggressivere Variante der britischen Rockmusik. Später erreichten sie durch die Veröffentlichung der Konzeptalben „Tommy“ und „Quadrophenia“ internationale Bekanntheit und heute gelten sie als eine der einflussreichsten Rockbands der Musikgeschichte.

Das außergewöhnliche Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen der Band im Hyde Park mit spektakulärer Lichtershow und Animationen auf riesigen Leinwänden markierte im Jahr 2015 ein triumphales Comeback für die Rockband. In einer wunderschönen Sommernacht kamen 65.000 Menschen zur Open-Air-Bühne im berühmten Londoner Hyde Park, um die Band bei diesem Heimspiel live zu erleben.

Die Show war der Höhepunkt der Jubiläumstour „The Who Hits 50!“. Die Band performte ein Best-of ihrer größten Songs, darunter „My Generation“, „Pinball Wizard“, „Baba O’Riley“, „Pictures of Lily“, „I Can’t Explain“, „You Better You Bet“, „Who Are You“, „Won’t Get Fooled Again“, „Join Together“, „The Kids Are Alright“, „I Can See for Miles“ und viele mehr.

Freitag, 02.09. / 23:50 Uhr / Tracks
Magazin, Deutschland, 2022, ZDF 30 Min.
Regie: N.N.
Produktion: N.N.
Erstausstrahlung


Programmwoche 36:

Samstag, 03.09. / 00:20 Uhr / 7 Songs: Claudia Roth
Magazin, Deutschland, 2021, ZDF 12 Min.
Regie: Kolya Reichert
Online verfügbar von 10/12 bis 10/12

Musik als Soundtrack zu Höhen und Tiefen, Siegen und Niederlagen, Freude und Schmerz – oder einfach der passende Sound im richtigen Moment. Promis, Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, Musikerinnen und Musiker erzählen zu sieben Lieblingssongs aus ihrem Leben … Diesmal mit der Politikerin und früheren Band-Managerin Claudia Roth – über die Musik von Edith Piaf und eine Sternstunde mit Rio Reiser.

Eine Playlist mit sieben Musikstücken, die einen Einblick in die aktuelle Verfassung, den Lauf des Lebens, oder in die musikalischen Vorlieben gibt. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe, der sich Promis, Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, Musikerinnen und Musiker bei „7 Songs“ jedoch immer wieder gerne stellen. Dem Philosophen, Autor und Musiker Theo Roos gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit, Menschen zu öffnen – und die Musik hilft ihm und den Befragten dabei.

In der neuen Staffel von „7 Songs“ geben fünf Menschen über die Musik Einblick in ihr Leben und in ihren Musikgeschmack: Die Musikerin Tanita Tikaram, die Politikerin und frühere Band-Managerin Claudia Roth, die Schauspielerin Katja Riemann, die Satirikerin und Autorin Sophie Passmann und der Geiger Daniel Hope.

Sonntag, 04.09. / 16:15 Uhr / Donatello ~ Schöpfer der Renaissance
Dokumentation, Deutschland, 2022, ZDF 53 Min.
Regie: Margarete Kreuzer
Online verfügbar von 03/09 bis 03/12
Erstausstrahlung

Donatello ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Der Bildhauer ist der Urvater der Hochrenaissance und Wegbereiter für Künstler wie Raffael oder Michelangelo. Seine Bronzeskulptur des „David“ oder die „Pazzi-Madonna“ aus Marmor sind Ikonen der Kunstgeschichte und gehören zu seinen bildhauerischen Neuerungen. Der Humanismus und die Wiederbelebung der Antike inspirieren ihn, die menschliche Anatomie und Bewegung zu studieren. Er experimentiert mit Materialien wie Terrakotta, Bronze oder Stuck. Sein künstlerischer Austausch mit Architekt Filippo Brunelleschi, der die zentralperspektivische Projektion erfindet, ist enorm fruchtbar. Mit seinem Wissen um Proportion und Perspektive verändert Donatello die visuelle Wahrnehmung des Raumes im Relief. Die Maler folgen ihm: Der Künstler Masaccio wird als Erster die Perspektive auf die Malerei anwenden. Doch Donatellos Künstlerkarriere wäre nicht dieselbe, wenn ihn nicht der Bankier, Politiker und Kunstsammler Cosimo de‘ Medici unterstützt und mit Aufträgen versorgt hätte. Die Dokumentation erzählt von der Beziehung Donatellos zu seinem Mäzen und seiner Freundschaft zu Filippo Brunelleschi und zeigt Donatellos Neuerungen, seine Entwicklung der Perspektive im Relief sowie seine Erprobung von Geste und Körperhaltung für die Skulptur. Im Film kommen unter anderem die Hauptkuratoren der drei Donatello-Ausstellungen 2022/23 (Florenz, Berlin, London) zu Wort. Die Ausstellung, die in der Berliner Gemäldegalerie ab dem 2. September zu sehen ist, stellt die erste große Donatello-Ausstellung seit vier Jahrzehnten dar.

Sonntag, 04.09. / 17:10 Uhr / TWIST: documenta 15 – was bleibt?
Magazin, Deutschland, 2022, HR 30 Min.
Moderation: Bianca Hauda
Online verfügbar von 02/09 bis 04/09
Erstausstrahlung

Sonntag, 04.09. / 17:40 Uhr / G. Gershwin: An American in Paris ~ Concerto per Milano 2022
Musik, Frankreich, Italien, 2022, ARTERAI 43 Min.
Regie: Stefania Grimaldi
Komponist: George Gershwin, Leonard Bernstein
Dirigent: Riccardo Chailly
Orchester: Orchestra Filarmonica della Scala
Online verfügbar von 28/08 bis 03/12
Erstausstrahlung

Riccardo Chailly, musikalischer Direktor der Mailänder Scala, dirigiert das alljährliche Sommerkonzert des Orchesters des berühmten Opernhauses auf dem Mailänder Domplatz. In diesem Jahr klingt es amerikanisch beschwingt. George Gershwins Eindrücke seines Parisaufenthalts mit dem sprechenden Titel „Ein Amerikaner in Paris“ und die Suite „Catfish Row“ aus seiner Oper „Porgy and Bess“ stehen auf dem Programm.

„Summertime“ ist eines der bekanntesten Stücke der amerikanischen Musikliteratur des 20. Jahrhunderts. Die Oper, der es entstammt, wird in Europa nur wenig aufgeführt. „Porgy and Bess“ setzt eine unmögliche Liebesgeschichte im Milieu der Afroamerikaner im South Carolina der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts in Szene. George Gershwin hat zu seiner Oper eine Suite geschrieben, benannt nach dem Viertel, in dem die Geschichte spielt, die „Catfish Row“. „Summertime“, die berühmte Melodie aus „Porgy and Bess“, von der es inzwischen über 7.000 Fassungen auf der Welt gibt, wird dabei von einer Geige übernommen.

Die Tondichtung „Ein Amerikaner in Paris“ („An American in Paris“) entstand 1928. Ähnlich wie bei der „Rhapsody in Blue“ beschreibt Gershwin musikalisch eigene Eindrücke, in diesem Falle die seines Aufenthalts in der französischen Hauptstadt. Gershwin komponierte sein „Tone Poem for Orchestra“ im Auftrag für die New Yorker Philharmoniker. Die klassische Besetzung eines Symphonieorchesters erweiterte er um ein Paar Hupen von Pariser Taxis, die er extra aus Frankreich mitgebracht hatte.

Das komplette Konzert mit zusätzlichen Stücken wie „Decisamente allegro“ von Nicola Campogrande, dem Zwischenspiel aus Manuel de Fallas Spanien-Oper „La vida breve“ und der „Rapsodie espagnole“ von Maurice Ravel gibt es im Internet auf ARTE Concert unter: https://www.arte.tv/de/videos/109354-000-A/concerto-per-milano/

Sonntag, 04.09. / 00:30 Uhr / Young Euro Classic 2021 – Höhepunkte
Musik, Deutschland, 2021, ZDF 60 Min.
Regie: Torben Jacobsen, Andreas Morell, Nele Münchmeyer
Komponist: Sergeij Prokofiev, Antonin Dvořák, Dmitri Schostakowitsch, Pjotr Tschaikowski, Astor Piazolla
Dirigent: Herbert Böck, Andris Poga
Orchester: Wiener Jeunesse Orchester, Bundesjugendorchester, Nationales Jugendorchester Rumänien, Schleswig-Holstein Festival Orchestra, O/Modernt

Mit: Daniel Ciobanu (Klavier), Hugo Ticciati (Geige)

Online verfügbar von 03/09 bis 04/10
Erstausstrahlung

Young Euro Classic ist die weltweit wichtigste Plattform des internationalen Orchesternachwuchses für die europäische klassische Musiktradition und ihre Entwicklungen. Für viele der Pre-Professionals zählen die Auftritte im Konzerthaus zu den prägendsten Ereignissen ihrer Karriere. 2021 fand das Berliner Young Euro Classic unter Sicherheitsauflagen wieder statt, nachdem es im Jahr zuvor wegen Corona ausfallen musste. Mehr als zwei Wochen lang sorgten im Konzerthaus am Gendarmenmarkt die Mitwirkenden und Jugendorchester aus aller Welt für große Musik und beste Unterhaltung.

In der ersten Augusthälfte fand 2021 Young Euro Classic wieder im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin statt, nachdem es im Jahr zuvor wegen Corona ausgefallen war. Mehrere Konzerte wurden für die Ausstrahlung im TV aufgezeichnet. ARTE zeigt Höhepunkte daraus – eine bunte und unterhaltsame Auswahl für den späten Abend.

Zu sehen und zu hören mit der Musik von Prokofjew ist das Wiener Jeunesse Orchester, das dem Festival seit seinen Anfängen freundschaftlich verbunden ist, sowie das Bundesjugendorchester mit einem Ausschnitt aus Dvoraks Symphonie „Aus der neuen Welt“. Von den Qualitäten des Nationalen Jugendorchester Rumäniens konnten sich die Besucher von Young Euro Classic schon mehrere Male überzeugen. Diesmal mit dabei: der Solist Daniel Ciobanu, der Schostakowitschs zweites Klavierkonzert furios interpretiert. Seit der Gründung durch Leonard Bernstein vor über drei Jahrzehnten zählt das Schleswig-Holstein Festival Orchestra zur internationalen Spitze der Jugend- und Festivalorchester. Unter der Leitung des jungen lettischen Dirigenten Andris Poga spielten sie die fünfte Symphonie von Peter Tschaikowsky, die von den düster-melancholischen Anfangstönen bis zum überbordenden Finale alle Möglichkeiten eindringlichen Orchesterspiels auslotet. Außergewöhnlich ist die schwedische Truppe O/Modernt, deren charismatischer Leiter Hugo Ticciati mit seinem Geigenspiel und den Tangoklängen von Piazzolla begeistert.

Montag, 05.09. / ab 20:15 Uhr / Schwerpunkt: Happy Birthday, Werner Herzog!
Schwerpunkt, ARTE151 Min.

Werner Herzog wird 80! ARTE strahlt am Geburtstag selbst den Film aus, der wohl wie kein anderer für das Werk des Regisseurs steht: „Fitzcarraldo“. Der Dokumentarfilm „Flucht aus Laos“ porträtiert den Piloten Dieter Dengler, der in Vietnam für die US-Army flog, abgeschossen und gefangen genommen wurde.

Der am 5. September 1942 in München geborene Werner Herzog ist ein Ausnahmekünstler. Um seine eigenwillige Art des Filmemachens ranken sich Mythen und Anekdoten. Nicht erst und nicht zuletzt seit dem Film „Fitzcarraldo“, für dessen Herstellung er Anfang der 80er Jahre ein ganzes Schiff über Dschungelberge ziehen ließ, gilt er als Exzentriker ohne Furcht vor dem Wahnsinn und mit einem Hang zum Mystischen. Einst einer der Protagonisten des Neuen Deutschen Films, ist Werner Herzog nach einer Reihe von kompromisslosen und visionären Werken einer der wichtigsten deutschen Regisseure überhaupt.

„Wo ein Wille, ist auch ein Weg“: Abenteurer Fitzgerald, „Fitzcarraldo“ genannt, hat sich als begeisterter Opern-Fan in den Kopf gesetzt, ein Opernhaus in den peruanischen Regenwald des Amazonas zu bauen. Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ besticht durch die eindrucksvollen Landschaftsbilder des Regenwaldes, die zusammen mit der Musik von Popol Vuh verzaubern. Und Klaus Kinski spielt, neben Claudia Cardinale, den exzentrischen Titelhelden zwischen Megalomanie und Wahnsinn mit einer hypnotischen Besessenheit. Für den Film erhielt Werner Herzog 1982 in Cannes den Preis für die beste Regie.

Die Dokumentarfilme spielen im Werk von Werner Herzog keineswegs eine untergeordnete Rolle. Darunter die unglaubliche, wahre Geschichte des deutsch-amerikanischen Piloten Dieter Dengler, der eigentlich nichts anderes wollte, als Pilot zu sein, und der im Vietnam-Krieg nach einem Abschuss um sein Leben kämpft: zunächst als Kriegsgefangener, dann im Dschungel. Werner Herzog unternimmt zusammen mit Dengler eine Expedition an die Orte des Geschehens und lässt seinen Protagonisten den Alptraum der Kriegsgefangenschaft noch einmal erleben. Dschungel, Todeserfahrung, Überlebenskampf – zentrale Motive von Herzogs filmischem ?uvre sind hier in einem politisch wachen Film versammelt: „Flucht aus Laos“ aus dem Jahr 1997.

Montag, 05.09. / 20:15 Uhr / Fitzcarraldo
Schwerpunkt: Happy Birthday, Werner Herzog!
Spielfilm, Deutschland, Peru, 1982, ZDF 151 Min.
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Produktion: Filmverlag der Autoren, Pro-ject Filmproduktion, Wildlife Films, Werner Herzog Filmproduktion, ZDF
Produzent: Lucki Stipetic, Werner Herzog, Willi Segler
Kamera: Thomas Mauch
Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus
Musik: Popol Vuh, Florian Fricke

Mit: Klaus Kinski (Brian Sweeney Fitzgerald/Fitzcarraldo), Paul Hittscher (Kapitän Orinoco), Grande Othelo (Stationsvorsteher), José Lewgoy (Don Aquilino), Miguel Angel Fuentes (Cholo Miguel), David Pérez Espinosa (Häuptling der Indios), Peter Berling (Opernmanager), Huerequeque Enrique Bohorquez (Huerequeque, der Koch), Milton Nascimento (schwarzer Mann in der Oper), Claudia Cardinale (Molly)

Online verfügbar von 05/09 bis 12/09

„Wo ein Wille, ist auch ein Weg“: Abenteurer Fitzgerald, „Fitzcarraldo“ genannt, hat sich als begeisterter Opern-Fan in den Kopf gesetzt, ein Opernhaus in den peruanischen Regenwald des Amazonas zu bauen. Doch auf seiner abenteuerlichen Reise stellen sich ihm ungeahnte Hindernisse und Gefahren in den Weg. – Klaus Kinski als Titelheld zwischen Megalomanie und Wahnsinn, Regie: Werner Herzog.

Brian Sweeney Fitzgerald, „Fitzcarraldo“ genannt, will kurz nach der Jahrhundertwende in Südamerika sein Glück machen, mit immer neuen hochfliegenden Plänen. Als Fan des Opernsängers Enrico Caruso möchte er ein Opernhaus wie jenes im brasilianischen Manaus errichten. Das Geld dafür soll eine tollkühne Aktion in den Urwäldern erbringen. Für eine kleine Summe erwirbt Fitzcarraldo große Ländereien vom peruanischen Staat mit der Auflage, sie innerhalb weniger Monate nutzbar zu machen. Er kauft ein altes Dampfschiff, heuert eine Mannschaft an und fährt flussaufwärts. Mit dem Schiff möchte er die Arbeiten vor Ort beschleunigen. Zunächst verläuft alles planmäßig. Doch als Indios dem Schiff bedrohlich nahekommen, sucht ein Großteil der Matrosen das Weite. Da der Kapitän der Indiosprache mächtig ist, erklären sich die Eingeborenen bereit zu helfen, auch als das Schiff über einen Berg gebracht werden muss. Doch die Zeit drängt, und es zeigt sich, dass die Indigenen andere, eigene Pläne verfolgen. Doch wer aufgibt, hat schon verloren. Und scheitern ist für Fitzcarraldo einfach keine Option.

Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ besticht durch die eindrucksvollen Landschaftsbilder des Regenwaldes, die zusammen mit der Musik von Popol Vuh zusätzlich verzaubern. Und Klaus Kinski spielt, neben Claudia Cardinale, den exzentrischen Titelhelden zwischen Megalomanie und Wahnsinn mit einer hypnotischen Besessenheit. Für den Film erhielt Werner Herzog 1982 in Cannes den Preis für die beste Regie. Bei den Golden Globes 1983 war „Fitzcarraldo“ als bester ausländischer Film nominiert.

Zusatzinfo:
Der 1942 in München geborene Werner Herzog ist ein Ausnahmekünstler. Um seine eigenwillige Art des Filmemachens ranken sich Mythen und Anekdoten. Nicht erst und nicht zuletzt seit dem Film „Fitzcarraldo“, für dessen Herstellung er Anfang der 1980er Jahre ein ganzes Schiff über Dschungelberge ziehen ließ, gilt er als Exzentriker ohne Furcht vor dem Wahnsinn und mit einem Hang zum Mystischen. Ohne Zweifel ist Werner Herzog ein wichtiger Vertreter des internationalen Autorenfilms wie auch seinerzeit des Neuen Deutschen Films. So freut sich ARTE, „Fitzcarraldo“ anlässlich des 80. Geburtstags des Regisseurs auszustrahlen, und wünscht: Happy Birthday, Mister Herzog!

Montag, 05.09. / 22:45 Uhr / Flucht aus Laos
Schwerpunkt: Happy Birthday, Werner Herzog!
Dokumentarfilm, Deutschland, 1997, ZDF 77 Min.
Regie: Werner Herzog

Werner Herzog erzählt in diesem Film die Lebensgeschichte des Piloten Dieter Dengler und begleitet ihn an die zentralen Orte seiner Biografie: sein Heimatdorf im Schwarzwald, wo Dengler die Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg erlebte, den Dschungel in Laos und seinen Wohnort in der Nähe von San Francisco. Seine Ausbildung zum Piloten absolvierte Dengler bei der US Air Force, kurz darauf erfolgte sein Einsatz in Vietnam. Bei einem Kampfeinsatz wurde sein Flugzeug in Laos abgeschossen, Dengler stürzte in den Dschungel und wurde dort von der militärischen Widerstandsbewegung Pathet Lao gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft erlebte er zusammen mit anderen US-Soldaten grausame Folter. Dengler gelang die Flucht in den Dschungel, wo er abermals um sein Leben kämpfen musste. Halb verhungert wurde er von einem US-amerikanischen Flieger gesichtet und mit einem Hubschrauber gerettet. Während seiner Erzählungen ruft Dengler in Erinnerung, von welchen Ängsten er während seiner Zeit in Gefangenschaft begleitet war. Nach seiner Rettung ist Dengler traumatisiert, leidet unter Alpträumen. Er macht seinen Folterern keinen Vorwurf; ihm ist bewusst, dass er als US-Soldat ihr Feind war. Er macht außerdem klar, dass er nie Soldat sein wollte. Es ging ihm in erster Linie darum, Pilot zu werden. Werner Herzog lässt Dengler viel Raum, um frei zu erzählen, und greift nur selten mit Off-Kommentaren ein, um Denglers Erinnerungen zu pointieren. Der Traum vom Fliegen zieht sich durch den gesamten Film.

Freitag, 09.09. / 16:55 Uhr / Im Kielwasser des Odysseus mit Sylvain Tesson ~ Von den Sirenen bis nach Ithaka
Dokumentation, Frankreich, 2020, ARTE F 52 Min.
Regie: Christophe Raylat
Online verfügbar von 02/09 bis 08/11
Erstausstrahlung

Von Troja bis Ithaka: Mit einem Segelboot begeben sich der Regisseur Christophe Raylat und der französische Schriftsteller Sylvain Tesson auf Odysseus’ Spuren. Sie orientieren sich bei ihrer Reise so genau wie möglich an Homers Epos und lassen die mythologischen Gestalten an jeder ihrer Stationen noch einmal lebendig werden. Dabei begegnen sie Menschen, die Odysseus’ Erbe bis in unsere heutige Zeit bewahren: etwa Fischern, Zimmerleuten, Botanikern sowie Vulkanologen und Archäologen. Mit seiner sehr persönlichen Sicht auf die Gründungsmythen unserer Kultur, seinem kulturellem Hintergrundwissen und viel Fantasie nimmt Sylvain Tesson die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf ein geografisches, historisches und poetisches Abenteuer im Mittelmeer.

Nachdem Sylvain Tesson gemeinsam mit dem Archäologen Matteo D’Acunto vor den Pforten der Hölle stand, setzt der Schriftsteller seine Segel und fährt nach Süden zur Inselgruppe Li Galli, wo er in den Bann der Sirenen gerät. Zusammen mit Joseph, einem griechischen Seemann, erkundet Sylvain Tesson die geheimnisvolle Sireneninsel. Dem Bann der Sirenen entronnen, schlägt er ein neues Kapitel der „Odyssee“ auf, in dem Odysseus eine Meerenge passieren muss, die von zwei Seeungeheuern bewacht wird: Skylla und Charybdis.

Der Legende nach lebten die beiden mythologischen Wesen am Eingang der Straße von Messina zwischen dem italienischen Festland und Sizilien. Diese Meerenge ist seit jeher das Tor zum westlichen Mittelmeer. Heute befindet sich dort der Hafen von Scilla, der für den traditionellen Schwertfischfang berühmt ist. An Bord eines Fischerboots erläutert Francesco Porcaro, UNESCO-Beauftragter für den Ort Scilla und Experte für den traditionellen Volksglauben an dieser Küste, den Zusammenhang zwischen Achilles, dem Helden des Trojanischen Krieges, seinen Soldaten, den Myrmidonen, und dem Schwertfischfang, so wie er bis heute in Scilla praktiziert wird.

Nach einem Zwischenstopp auf dem berühmten Markt von Catania trifft Sylvain Tesson den Vulkanführer Marco Tomasello, mit dem er den Ätna besteigen möchte – den Sitz des Sonnengotts Helios und des Hephaistos, Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Doch prompt beginnt der höchste Vulkan Europas, Feuer zu speien. Für Sylvain Tesson ist dieser überraschende Ausbruch ein Geschenk des Sonnengottes. Danach bleibt noch eine letzte Prüfung zu bestehen: ein Sturm, den Zeus persönlich heraufbeschwört. Die Reise endet für den Schriftsteller und seine Crew dort, wo sich der tragische Ausgang der Odyssee abspielt: in Ithaka.

Freitag, 09.09. / 21:45 Uhr / Jimi Hendrix „Hear My Train A Comin“
Dokumentarfilm, USA, 2013, ARTE 90 Min.
Regie: Bob Smeaton
Online verfügbar von 04/07 bis 08/11

Live fast, love hard, die young: Am 18. September 1970 stirbt Jimi Hendrix mit nur 27 Jahren. Bis heute ist er einer der wichtigsten Gitarristen der Rockgeschichte. Der abendfüllende Dokumentarfilm „Jimi Hendrix: Hear My Train A Comin’“ erzählt nicht nur die Geschichte des legendären Gitarristen, sondern überrascht auch mit neuen Quellen, interessanten Zeitzeugen und rarem Live-Material.

Es ist die ultimative Hendrix-Biografie: Noch kein Film tauchte tiefer in das Leben des großen Gitarristen ein als die Dokumentation „Jimi Hendrix: Hear My Train A Comin’“. Nicht zuletzt liegt das am erst kürzlich aufgetauchten, bislang unbekannten Bildmaterial, auf das Regisseur Bob Smeaton zurückgreifen konnte, darunter Amateurfilme, die Hendrix selbst und Drummer Mitch Mitchell auf ihren Reisen gedreht haben.

Doch auch die zahlreichen Zeitzeugen ermöglichen ganz neue Einblicke. Neben musikalischen Weggefährten wie Paul McCartney, Mitch Mitchell, Noel Redding, Eddie Kramer, Steve Winwood, Billy Gibbons und anderen sind dies auch drei bemerkenswerte Frauen: Linda Keith, die seinerzeit Chas Chandler auf den unbekannten Gitarristen aufmerksam machte, Faye Pridgeon, die in den frühen 60er Jahren mit Hendrix befreundet war, und nicht zuletzt Colette Mimram, eine Mode-Trendsetterin jener Tage, die gelegentlich auch Outfits für den Musiker entwarf.

So zeichnet der Dokumentarfilm Jimis Weg von Seattle über den Dienst in der Armee und seine Zeit als unbekannter Sessionmusiker bis hin zum Starruhm und zum letzten Auftritt beim Fehmarn Love & Peace Festival am 6. September 1970 eindrucksvoll nach. Regisseur Bob Smeaton, der bereits die beiden Hendrix-Filme „Band of Gypsys“ und „Voodoo Child“ drehte, veröffentlichte bislang Arbeiten unter anderem über Elton John, Pink Floyd, The Doors und Nirvana. Außerdem war er als Regisseur für einzelne Episoden der TV-Dokumentation „Beatles Anthology“ verantwortlich.

Freitag, 09.09. / 23:15 Uhr / Rammstein: Paris
Musik, Deutschland, 2017, ZDF 98 Min.
Regie: Jonas Åkerlund
Online verfügbar von 01/06 bis 30/11
Wiederholung vom 19.08.

Freitag, 09.09. / 00:55 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2022, ARTE F 30 Min.
Regie: DIVERS
Erstausstrahlung

Freitag, 09.09. / 01:35 Uhr / Quincy Jones ~ A Musical Celebration
Musik, Frankreich, 2019, ARTE F 77 Min.
Regie: Samuel Thiebaut
Online verfügbar von 02/09 bis 01/10

„Billie Jean“, „Give Me the Night“, „Fly Me to the Moon“: Jeder kennt die Hits von Quincy Jones. Doch wer kennt den Mann dahinter? Bei diesem Symphoniekonzert in der AccorHotels Arena tritt der geniale Komponist, Musiker und Produzent selbst ins Rampenlicht. Anlass genug, seine unglaubliche Karriere mit Pauken und Trompeten zu feiern. Bei dem Best-of-Konzert im Juni 2019 wurde die Poplegende von Gastmusikern allererster Güte unterstützt, darunter von Véronique Sanson, Ibrahim Maalouf, Marcus Miller, Selah Sue und Richard Bona.

Quincy Jones ist ein Mann im Hintergrund, der mit den größten Künstlern der vergangenen Jahrzehnte zusammengearbeitet hat. Um nur einige zu nennen: Louis Armstrong, Michael Jackson, Beyoncé, Stevie Wonder, Will Smith, Jay-Z und Ella Fitzgerald. Egal ob Pop, Jazz, Soul, Hip-Hop oder Filmmusik wie etwa der Soundtrack zu „Die Farbe Lila“ – Quincy Jones erprobte sich in vielen musikalischen Genres. Kaum ein Musikstil blieb von Quincy Jones‘ Genie unberührt. Bei dem Symphoniekonzert im Juni 2019 wurde die Poplegende von Gastmusikern allererster Güte unterstützt, darunter von Véronique Sanson, Ibrahim Maalouf, Marcus Miller, Selah Sue und Richard Bona. Gäste, so anspruchsvoll und elegant wie die Karriere des Großmeisters. Von „We are the World“ bis „Thriller“ lässt Quincy Jones seine größten Hits in bisher ungehörten Arrangements erklingen. Eine Auswahl aus insgesamt rund 2.900 Kompositionen an einem Abend, der sich ganz dem Werk einer Legende der zeitgenössischen Musik widmet.

Zusatzinfo: Konzertmitschnitt vom 27. Juni 2019 in der AccorHotels Arena, Paris


Programmwoche 37:

Samstag, 10.09. / 05:20 Uhr / Africa Rising
Dokumentarfilm, Deutschland, 2019, ZDF 90 Min.
Regie: Thorsten Ernst, Jean-Alexander Ntivyihabwa
Online verfügbar von 03/09 bis 04/10

Afrika ist angesagt. Im Kino, in Museen, in der Mode, und in der Musik ist bereits seit einigen Jahren ein wahrer Hype ausgebrochen. Der globale Norden verhandelt derzeit sein Verhältnis zu Afrika neu und berauscht sich an seiner Ästhetik. Nicht zum ersten Mal. Immer wieder diente Afrika dem Westen in den letzten Jahrzehnten als Inspirations- und Projektionsfläche, als Objekt der Vereinnahmung und der Abgrenzung gleichermaßen. „Africa Rising“ nimmt die Afrika-Renaissance zum Anlass, um gemeinsam mit den wichtigsten Stars und Zeitzeugen von den großen Entwicklungslinien der afrikanischen Popkultur und ihrer Wirkung auf den Westen zu erzählen. Die Dokumentation schlägt einen Bogen von der Euphorie der jungen afrikanischen Popkultur in der Unabhängigkeitsära – von den bleiernen Jahren des Kalten Kriegs und dem Ende der Apartheid bis hin zur Renaissance der Gegenwart. Dabei setzt der Film Schwerpunkte vor allem bei den Künstlern und Stilen, die ihren Widerhall auch in Europa und den USA gefunden haben: Miriam Makeba, Papa Wemba, Manu Dibango, Fela Kuti oder heute Wizkid oder Die Antwoord – Weltstars aus Afrika. Darüber hinaus lässt „Afrika Rising“ den Blick schweifen und widmet sich den Figuren der afrikanischen Diaspora, die für die Popkultur des Kontinents so bedeutend sind: James Brown, Bob Marley, Public Enemy haben ihre musikalischen Spuren in Afrika hinterlassen, ebenso wie Maître Gims, der im Kongo geboren wurde und heute einer der erfolgreichsten französischsprachigen Stars weltweit ist.

Samstag, 10.09. / 00:05 Uhr / 7 Songs: Daniel Hope
Magazin, Deutschland, 2021, ZDF 13 Min.
Regie: Kolya Reichert
Online verfügbar von 10/12 bis 10/12

Eine Playlist mit sieben Musikstücken, die einen Einblick in die aktuelle Verfassung, den Lauf des Lebens, oder in die musikalischen Vorlieben gibt. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe, der sich Promis, Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, Musikerinnen und Musiker bei „7 Songs“ jedoch immer wieder gerne stellen. Dem Philosophen, Autor und Musiker Theo Roos gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit Menschen zu öffnen – und die Musik hilft ihm und den Befragten dabei.

In der neuen Staffel von „7 Songs“ geben fünf Menschen über die Musik Einblick in ihr Leben – und ihren Musikgeschmack: Die Musikerin Tanita Tikaram, die Politikerin und frühere Band-Managerin Claudia Roth, die Schauspielerin Katja Riemann, die Satirikerin und Autorin Sophie Passmann und der Geiger Daniel Hope.

Sonntag, 11.09. / 15:55 Uhr / Tizian ~ Im Reich der Farben
Schwerpunkt: Ein Tag in Venedig
Dokumentation, Deutschland, Italien, Spanien, 2021, ZDF 53 Min.
Regie: Giulio Boato
Online verfügbar von 10/09 bis 10/12
Erstausstrahlung

Venedig im 16. Jahrhundert: eine liberale Stadt, geprägt von internationalen Kaufleuten, selbstbewussten Frauen und vielen Künstlern. Der Star unter ihnen ist Tizian. Er revolutioniert mit seinen satten Farben die Malerei. Seine Meisterwerke gelten als bahnbrechend, vor allem seine Frauendarstellungen sind bis heute verblüffend modern. Der Film zeigt, wie Tizian es mit Talent, Geschäftstüchtigkeit und genauer Karriereplanung schafft, zum größten Maler seiner Zeit zu werden. Und wie er in den letzten Jahren um seine Lebensenergie kämpfen muss, als sich die Schicksalsschläge häufen.

Venedig im 16. Jahrhundert gilt als das „New York“ der damaligen Zeit: Internationale Kaufleute, selbstbewusste Frauen und eine Schar von Künstlern prägen das Bild der liberalen Lagunenstadt. Der Star unter ihnen ist Tiziano Vecellio, genannt Tizian. Er revolutioniert mit seinen satten Farben und dem Verzicht auf klare Konturen die venezianische Malerei. Durch den globalen Handel wird Venedig im 16. Jahrhundert zum Mekka des Kommerzes und der Kunst. Die Opulenz spiegelt sich auch in Tizians Werkstätten wider, er erschafft eine Art Künstlerfabrik und beschäftigt Mitarbeiter, die seine Marketingmaschine ankurbeln und seine Bilder für den Verkauf reproduzieren. Tizian wird zur Marke. In seinen Ateliers entstehen die Meisterwerke, die als bahnbrechend gelten. Vor allem seine Frauendarstellungen sind ein Ausdruck von Schönheit und einer neuen Freiheit in der Wirtschaftsmetropole.

Die Dokumentation zeigt, wie Tizian es mit Talent und genauer Karriereplanung schafft, zum größten Maler seiner Zeit zu werden. Sein Drang nach Innovation und Aufmerksamkeit verschafft ihm Zutritt bis zu den kaiserlichen und päpstlichen Höfen. Er inszeniert seine Kunst als Machtinstrument und sein Erfolg scheint unaufhaltsam. Doch er bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont. Der frühe Tod seiner Frau Cecilia bedeutet eine Zäsur für Tizian. Auch in seiner letzten Lebensphase verliert er Familienangehörige und Freunde. Aber er schafft weiterhin Meisterwerke, die in Europa gefeiert und kopiert werden. 1575 kommt die Pest zurück nach Venedig, ein Jahr später wird auch Tizian ihr zum Opfer fallen.

Sonntag, 11.09. / 16:50 Uhr / TWIST
Magazin, Deutschland, Frankreich, 2022, WDR 30 Min.
Moderation: Romy Straßenburg
Online verfügbar von 09/09 bis 11/09
Erstausstrahlung

Sonntag, 11.09. / 17:25 Uhr / Carl Orff in Venedig: Carmina Burana
Schwerpunkt: Ein Tag in Venedig
Musik, Frankreich, Italien, 2022, ARTERAI 60 Min.
Regie: Fabrizio Guttuso Alaimo
Komponist: Carl Orff
Dirigent: Fabio Luisi
Orchester: Orchestra del Teatro La Fenice
Chorleitung: Diana D’Alessio, Alfonso Caiani
Chor: Piccoli Cantori Veneziani, Coro del Teatro La Fenice

Mit: Regula Mühlemann (Sopran), Michael Schade (Tenor), Markus Werba (Bariton)

Online verfügbar von 12/08 bis 10/11
Erstausstrahlung

„O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich, wächst du immer oder schwindest!“ Carl Orffs Kantate „Carmina Burana“ handelt von der Unbeständigkeit des Glücks und der Flüchtigkeit des Lebens. Regula Mühlemann, Michael Schade und Markus Werba sind die Solisten dieser Aufführung unter freiem Himmel auf dem Markusplatz in Venedig. Fabio Luisi dirigiert Chor und Orchester des Teatro La Fenice.

Chor und Orchester des Teatro La Fenice, Venedigs traditionsreichem Opernhaus, bezieht einen Sommerabend lang Stellung auf dem Markusplatz vor der prächtigen Fassade der Basilica di San Marco. Unter Leitung von Fabio Luisi und zusammen mit namhaften Solisten – Regula Mühlemann, Michael Schade und Markus Werba – präsentieren sie die „Carmina Burana“, Carl Orffs Kantate aus dem Jahre 1937 über die Unbeständigkeit des Glücks.

Carl Orff (1895-1982) vertonte Texte des „Codex Buranus“, einer Handschrift, die im Mittelalter entstand und vorwiegend aus lateinischen, weltlichen Gedichten, aber auch aus deutschsprachigen weltlichen Gedichten aus dem 11. und 12. Jahrhundert besteht. Lange Zeit schien die Sammlung verloren, tauchte jedoch 1803 in einem Kloster in Benediktbeuern auf. Der Name „Codex Buranus“ schließt auf den Fundort: „Handschrift aus Benediktbeuern“. 1847 wurde er vom Münchner Bibliothekar Johann Andreas Schmeller zum ersten Mal als gedruckte Ausgabe unter dem Titel „Carmina Burana“ („Lieder aus Benediktbeuern“) vertrieben. Aus den über 250 Gedichten wählte Carl Orff 25 aus und verarbeitete sie sehr frei zu seiner Musik. Bei der Vertonung handelt es sich um eine völlige Neukomposition. Zur Entstehungszeit von Orffs Werk war noch kaum eine der originalen mittelalterlichen, in Neumen notierten Melodien rekonstruiert worden. So gestaltete er die Musik nach bereits bekannten Stilmerkmalen des Mittelalters.

Orff selbst bezeichnete sein Werk weder als Oper noch als Oratorium oder Kantate. Der vollständige lateinische Titel lautet „Carmina Burana: Cantiones profanæ cantoribus et choris cantandæ comitantibus instrumentis atque imaginibus magicis“ („Beurer Lieder: Weltliche Gesänge für Sänger und Chöre, begleitet von Instrumenten und magischen Bildern“).

Das Werk ist instrumentiert für großes Orchester – mit dem Einsatz von zwei Konzertflügeln und einem umfangreichen Schlagwerk. Den Auftakt bildet der mächtige Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin Fortuna („Fortuna, imperatrix mundi“), die das Schicksal der Menschen bestimmt. Die „Carmina Burana“ wurde rasch zu einem der populärsten Stücke der Musikgeschichte und zum meistaufgeführten Chor-/Orchesterwerk des 20. Jahrhunderts.

Sonntag, 11.09. / 00:05 Uhr / Nathalie Stutzmann dirigiert das Orchestre de Paris: Verdi, Beethoven, Tschaikowsky
Musik, Frankreich, 2021, ARTE F 95 Min.
Regie: Isabelle Soulard
Komponist: Giuseppe Verdi, Ludwig van Beethoven, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky
Dirigent: Nathalie Stutzmann
Orchester: Orchestre de Paris
Mit: Alexandre Tharaud (Klavier)
Online verfügbar von 04/09 bis 31/08
Erstausstrahlung

Die Dirigentin Nathalie Stutzmann und der Pianist Alexandre Tharaud bringen gemeinsam mit dem Orchestre de Paris Werke von Verdi, Beethoven und Tschaikowsky zur Aufführung.

Das Orchestre de Paris gibt mit der Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ gleich zu Beginn den Ton an: Der Auszug aus der legendären Verdi-Oper verspricht einen ebenso furiosen wie mitreißenden Abend und dürfte die Pariser Philharmonie ordentlich zum Beben bringen.

Auch Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 lässt in Sachen Emotionalität keine Wünsche offen. Alexandre Tharaud am Klavier trägt die Zuschauer, schwelgend zwischen Träumerei, Drama und Heiterkeit, von Satz zu Satz.

Das Konzert schließt mit der Symphonie Nr. 5 von Tschaikowsky. Auch dieses Werk aus dem Jahr 1888 ist durchdrungen vom Thema des Schicksals und des Sich-Fügens in die Bestimmung. Eine kraftvolle Komposition, meisterlich interpretiert von Nathalie Stutzmann und dem Orchestre de Paris.

Das Programm im Überblick:
– Giuseppe Verdi: Die Macht des Schicksals, Ouvertüre
– Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3
– Peter Iljitsch Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5

Montag, 12.09. / 23:25 Uhr / Alain Resnais ~ Ein neues Kino wagen
Dokumentation, Frankreich, 2021, ARTE F 52 Min.
Regie: Pierre-Henri Gibert
Online verfügbar von 05/09 bis 11/03
Erstausstrahlung


„Hiroshima, mon amour“ (1959), „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961), „Smoking/No Smoking“ (1993) sowie „Das Leben ist ein Chanson“ (1997) gehören zu den bekanntesten Werken des großen französischen Filmemachers Alain Resnais. Als einer der Hauptvertreter der Nouvelle Vague legte er die Grundlagen für den modernen europäischen Film und beeinflusst bis heute zahlreiche Regisseure auch jenseits von Europa. Bekannt wurde er mit Dokumentarfilmen; den fiktionalen Film prägte er als Erfinder neuer Erzählformen mit Werken, die sich konsequent gegen die Härte unserer Welt richten. Auf der Suche nach dem Wesentlichen und dem Glück erfand sich Alain Resnais, der im Jahr 2014 hochbetagt starb, immer wieder neu.

Mit seinem erzählerischen Ideenreichtum und dem Mut, mit traditionellen Sehgewohnheiten zu brechen, hinterließ Alain Resnais auch über die Nouvelle Vague hinaus ein beeindruckendes Werk, mit dem er wesentliche Grundlagen für den modernen europäischen Film legte und Generationen von Filmschaffenden prägte. In „Das Leben ist ein Chanson“, „Smoking/No Smoking“, „Letztes Jahr in Marienbad“ und nicht zuletzt „Hiroshima, mon amour“ blickt der sensible Cineast auf die komplexe Psyche des Menschen und den Zustand der Welt.

In erster Linie interessieren Alain Resnais die Schattenseiten des Lebens, die heiklen Themen: Kolonialisierung und Versklavung („Les Statues meurent aussi“), Deportation („Nacht und Nebel“) oder Folter in Algerien („Muriel oder die Zeit der Wiederkehr“). Mit seiner oft spielerischen Erzählweise eröffnet er seinem Publikum neue Perspektiven im Spannungsfeld zwischen Imaginärem und Realität.

Das Porträt eröffnet mit zahlreichen Filmausschnitten, unveröffentlichten Videos aus Alain Resnais‘ privatem Archiv und Gesprächen mit Pierre Arditi, André Dussollier, Agnès Jaoui und den Regisseuren Bruno Podalydès, Volker Schlöndorff und Joachim Trier einen neuen Blick auf Leben und Werk des genialen Regisseurs, der auch immer ein großes, zutiefst verunsichertes Kind blieb, das versuchte zu sehen und zu verstehen. Resnais wurde 1995 mit dem Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und 1998 mit dem Silbernen Bären der Berlinale für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2007 erhielt er für „Herzen“ den Europäischen FIPRESCI-Preis.

Freitag, 16.09. / 21:45 Uhr / Mel Gibson: Vergöttert und verteufelt
Dokumentation, Belgien, 2022, ARTE 53 Min.
Regie: Bruno Sevaistre
Online verfügbar von 08/07 bis 06/12
Wiederholung vom 21.08.

Freitag, 16.09. / 22:40 Uhr / „Emmanuelle“, Königin des Softpornos
Dokumentation, Frankreich, 2020, ARTE 53 Min.
Regie: Clélia Cohen
Produktion: ITV Studio
Online verfügbar von 08/07 bis 13/09
Wiederholung vom 14.08.

Freitag, 16.09. / 23:35 Uhr / Tracks
Magazin, Deutschland, 2022, ZDF 30 Min.
Regie: N.N.
Produktion: N.N.
Erstausstrahlung

Freitag, 16.09. / 00:05 Uhr / Flick Flack: Mögen Pflanzen wirklich Musik?
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2021, ARTE 5 Min.
Online verfügbar von 22/09 bis 22/09

„Flick Flack“ ist ein Kulturphänomen, ein Trend, ein Porträt – locker und witzig, aufgedröselt in vier Minuten. „Flick Flack“ will neugierig machen und unterhalten und gleichzeitig eine prägende Geschichte aus der Vergangenheit oder unserer Gegenwart erzählen. Über die Aktualität hinaus interessiert sich „Flick Flack“ für bleibende Ereignisse, große Paukenschläge und Verblüffendes aus verschiedensten Genres: Kino, Musik, bildende Kunst, Bühne, Architektur, Design, Literatur … Kultur bei ARTE: unterhaltsam und zugänglich.

Manche Menschen sprechen mit Pflanzen, andere haben Musik für sie geschrieben. „Mother Earth’s Plantasia“, das New-Age-Album für elektronische Musik von Mort Garson, hat seit 1976 viele Künstler inspiriert – von Stevie Wonder bis hin zur französischen Elektro-Punk-Band Salut c’est cool. Aber mögen Pflanzen wirklich Musik? Und wachsen sie dank vibrierender Töne besser?

Freitag, 16.09. / 00:10 Uhr / Echoes: Baxter Dury – Wet Leg – Geese
Musik, Frankreich, 2022, ARTE F 61 Min.
Regie: Antoine Carlier
Künstlerischer Leiter: Antoine Carlier, Johnny Hostile
Mit: Geese, Wet Leg, Baxter Dury
Online verfügbar von 31/03 bis 10/09
Erstausstrahlung

Nach zwei Drehs unter Corona-Auflagen findet Echoes erstmals wieder im Pariser Club YOYO statt. Jehnny Beth führt durch einen generationsübergreifenden Abend: Die New Yorker Band Geese gibt avantgardistischen Math-Rock, Wet Leg überzeugt durch explosive Popmusik und der ewige Dandy Baxter Dury alias „Prince of Tears“ zeigt, dass wahre Klasse nicht altert.

In dieser Ausgabe von „Echoes“ empfängt Jehnny Beth die Band Wet Leg von der britischen Isle of Wight. Das Frauen-Duo zeichnet sich durch schräge Texte und explosive Popmusik aus. Ihren ersten großen Erfolg feierten sie mit der Debütsingle „Chaise Longue“.

Die junge New Yorker Band Geese, ganz frisch dem Label „Partisan Records“ beigetreten, überzeugt jetzt schon durch einen ausgefeilten, vielseitigen Rock, der an Punkbands wie Television oder Interpol denken lässt.

Der Londoner Dandy Baxter Dury entführt sein Publikum zu einer Reise in seine psychedelische Indie-Pop-Welt. Nach ihren Auftritten sprechen die Künstler bei „Echoes“ über die heutige Zeit, die Jugend in England und den USA sowie generationsübergreifende musikalische Verbindungen.  Baxter Dury stellt seine gerade erschienene Biografie mit dem Titel „Chaise Longue“ vor und enthüllt das Rockerbe seines Vaters Ian.

Liegestuhl hin oder her – zum Entspannen eignet sich keiner der hier vorgestellten Acts, ganz im Gegenteil: Vor der besonderen Kulisse der Bühne des YOYO schärft ihre Musik die Sinne für Neues.


Programmwoche 38:

Samstag, 17.09. / 05:00 Uhr / Anjelica Huston erzählt James Joyce
Dokumentation, Irland, 2017, RTEARTE 52 Min.
Regie: David Blake Knox, Kieron J. Walsh
Moderation: Anjelica Huston
Online verfügbar von 10/09 bis 17/10

Tausend Seiten für einen einzigen Tag – mit seinem monumentalen Hauptwerk „Ulysses“ über den Anzeigenverkäufer Leopold Bloom hat James Joyce Weltliteratur geschrieben. Die Dokumentation taucht ein in das Werk des großen irischen Schriftstellers und verfolgt seinen turbulenten, durch zwei Weltkriege geprägten Lebensweg, der ihn von Dublin aus ins selbstgewählte Exil nach Triest, Pola, Paris und Zürich führte. Oscar-Preisträgerin Anjelica Huston ist Joyce‘ Werk zutiefst verbunden, nicht zuletzt durch den Einfluss ihres Vaters John Huston, der den Schriftsteller verehrte und in dessen Verfilmung „Die Toten“ der gleichnamigen Geschichte aus Joyce‘ Erzählungsband „Dubliner“ sie die weibliche Hauptrolle spielte. Sie erzählt die packende Geschichte dieses großen Europäers und Erneuerers der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts.

James Joyce ist von jeher ein Außenseiter: Er wächst in armen Verhältnissen auf und beginnt früh, gegen gesellschaftliche Konventionen zu rebellieren. Als Student gewinnt er zahlreiche Preise und Stipendien. Gleichzeitig führt er ein promiskuitives Liebesleben und geht bereits in jungen Jahren in Dubliner Bordellen ein und aus. Der 16. Juni 1904 ist der Tag, an dem er eine Beziehung mit dem jungen Zimmermädchen Nora Barnacle beginnt und an dem er später die gesamte Handlung seines berühmten Romans „Ulysses“ spielen lässt. Nora und er sind bis zu Joyce‘ Tod ein Paar. Früh verlassen sie Irland und leben unter zumeist ärmlichen Bedingungen. Unbeirrt und zielstrebig arbeitet er auch in einer Zeit, in der Europa von politischen Umwälzungen und verheerenden Kriegen erschüttert wird. Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Frankreich wächst seine Sorge um die Sicherheit seines einzigen Enkels Stephen, eines Halbjuden. Schließlich flieht er mit seiner Familie ins Exil in die Schweiz, verstirbt aber nur wenige Wochen nach seiner Ankunft. Die turbulente Lebensgeschichte und das große Werk von James Joyce präsentiert in dieser Dokumentation die in Westirland aufgewachsene Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Anjelica Huston, deren eigene Karriere seit vielen Jahren sehr eng mit Joyce‘ Werk verbunden ist. So hatte sie mit dem bekannten Monolog der Molly Bloom aus „Ulysses“ einen viel beachteten Bühnenauftritt und spielte die weibliche Hauptrolle im letzten Film ihres Vaters, dem legendären Regisseur John Huston. Das Werk basiert auf Joyce‘ bedeutendster Erzählung „Die Toten“, die vielen als schönste Kurzgeschichte aller Zeiten gilt – und auch Hustons Film wurde von der Kritik als wahres Meisterwerk anerkannt. Anjelica Huston hat für die Dokumentation berühmte Schriftsteller interviewt, darunter die Booker-Preisträger Anne Enright und John Banville, den Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides sowie Edna O’Brien und Colm Toibin.

Samstag, 17.09. / 05:50 Uhr / The Who ~ Die explosive Geschichte einer Band
Dokumentation, Frankreich, 2021, ARTE F 53 Min.
Regie: Christophe Conte
Online verfügbar von 26/08 bis 01/03
Wiederholung vom 02.09.

Samstag, 17.09. / 00:15 Uhr / 7 Songs: Sophie Passmann
Magazin, Deutschland, 2021, ZDF 12 Min.
Regie: Kolya Reichert
Autor:in: Theo Roos
Online verfügbar von 10/12 bis 16/12

Musik als Soundtrack zu Höhen und Tiefen, Siegen und Niederlagen, Freude und Schmerz – oder einfach der passende Sound im richtigen Moment. Promis, Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, Musikerinnen und Musiker erzählen zu sieben Lieblingssongs aus ihrem Leben. Diesmal mit der Autorin Sophie Passmann über ihre Kindheit auf dem Dorf, Billie Eilish und die ewige Coolness von Fleetwood Mac.

Eine Playlist mit sieben Musikstücken, die einen Einblick in die aktuelle Verfassung, den Lauf des Lebens, oder in die musikalischen Vorlieben gibt. Nicht unbedingt eine leichte Aufgabe, der sich Promis, Lebenskünstlerinnen und Lebenskünstler, Musikerinnen und Musiker bei „7 Songs“ jedoch immer wieder gerne stellen. Dem Philosophen, Autor und Musiker Theo Roos gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit Menschen zu öffnen – und die Musik hilft ihm und den Befragten dabei.

In der neuen Staffel von „7 Songs“ geben fünf Menschen über die Musik Einblick in ihr Leben – und ihren Musikgeschmack: die Musikerin Tanita Tikaram, die Politikerin und frühere Band-Managerin Claudia Roth, die Schauspielerin Katja Riemann, die Satirikerin und Autorin Sophie Passmann und der Geiger Daniel Hope.

Sonntag, 18.09. / 16:15 Uhr / Bei Frida Kahlo
Dokumentation, Frankreich, 2011, ARTE F 53 Min.
Regie: Xavier Villetard

Von 1931 bis 1941 spielten sich in Frida Kahlos „Blauem Haus“ in Mexiko ein paar der denkwürdigsten Abenteuer des 20. Jahrhunderts ab, in dem sich Kunst und Politik vermischten und gegenseitig befruchteten. Die Dokumentation erzählt diese intensive und bewegte Geschichte, deren Hauptfigur, Fridas Haus, heute ein Mythos ist.

In den 30er Jahren in Mexiko wurde das „Blaue Haus“ der Malerin Frida Kahlo (1907-1954) zum Treff- und Sammelpunkt linker revolutionärer Kräfte. Während sich die Konflikte in Europa zuspitzten, fanden Schriftsteller, Künstler, Intellektuelle, Mörder, Dichter und Spione in Mexiko Zuflucht. Vielen von ihnen gewährte Frida Kahlo in ihrem Geburtshaus Unterschlupf, das sie zum Schutz gegen böse Geister selbst blau angestrichen hatte. Die meiste Zeit wohnte sie dort mit ihrem flatterhaften Ehemann, dem bedeutenden mexikanischen Maler Diego Rivera. Prominente Gäste im „Blauen Haus“ waren unter anderem der im Exil weilende russische Revolutionär Leo Trotzki und der französische Schriftsteller André Breton, der in Mexiko das Land des „realen Surrealismus“ sah. Mit Trotzkis Ermordung begann das Ende der utopischen Hoffnungen im „Blauen Haus“, dieser von Frida Kahlo beseelten Höhle, in der ihr Diego Rivera zur Seite stand.

Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen neben Malerei, Surrealismus und Revolution die konkreten Abenteuer, Leidenschaften, Stimmungen und Einfälle der Gäste, die durch das Haus gingen und teilweise schwer mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatten.

Frida Kahlo zählt zu den Kultfiguren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Persönlichkeit, ihre Kraft, ihr mutiger Kampf gegen die Folgen eines schweren Unfalls, Behinderung und Unglück, denen sie ausgesetzt war, und ihre spannungsgeladene Liebesbeziehung zu Diego Rivera machen sie zu einer der außerordentlichsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst. Die poetisch-makabre „Inszenierung“ ihres Lebens hat stark dazu beigetragen, ihren Ruhm weit über die mexikanischen Grenzen hinauszutragen und sie zu einer Art Ikone werden zu lassen.

Zusatzinfo:
Kürzlich wurden in einer Kammer des „Blauen Hauses“ mehrere Koffer mit aufschlussreichem persönlichem Archivmaterial von Frida Kahlo entdeckt. Dank dieser Dokumente ergänzt und bereichert der Film frühere Darstellungen der Künstlerin. Das „Blaue Haus“ beherbergt heute das Frida-Kahlo-Museum.

Sonntag, 18.09. / 17:10 Uhr / TWIST: Prishtina und Procida – Nachhaltige Kulturorte?
Magazin, Deutschland, 2022, SWR 30 Min.
Regie: Verena Knümann
Moderation: Bianca Hauda
Erstausstrahlung

„TWIST“ – das ist das neue ARTE-Kulturmagazin. Jede Woche gehen die Moderatorinnen Bianca Hauda und Romy Straßenburg in einer europäischen Metropole den Fragen nach, die die Menschen gerade umtreiben. Neugierig, frisch, mit Esprit und Witz. In Begegnungen mit Künstlern und Kreativen. Quer durch alle Genres von der Kunst über Architektur, Fotografie, Literatur bis hin zur Mode und zum Film. Und: „TWIST“ unterhält. Etwa mit der Web-Rubrik „Psychogramm“ auf Instagram. Darin werden die Insta-Profile von Künstlerinnen und Künstlern satirisch auf die Couch gelegt.

Wie nachhaltig sind Kulturorte wie Prishtina und Procida, die 2022 im Focus der Kunstwelt stehen? „Twist“ reist in die Hauptstadt des Kosovos, um Kulturprojekte vorzustellen und mit Künstlerinnen über die Chancen zu reden, die die Manifesta 14 dort eröffnet. Eine Reportage über Procida, italienische Kulturhauptstadt 2022, hinterfragt das Kunst-Event auf einer kleinen Insel.

Sonntag, 18.09. / 17:40 Uhr / Wiener Prater-Picknick ~ Open-Air-Konzert der Wiener Symphoniker
Musik, Frankreich, Österreich, 2022, ARTEORF 43 Min.
Regie: Felix Breisach
Komponist: Robert Stolz, Johann Strauss, Franz Lehár, Emmerich Kálmán
Dirigent: Dirk Kaftan
Orchester: Wiener Symphoniker

Mit: Daniel Schmutzhard (Bariton), Nikola Hillebrand (Sopran)

Erstausstrahlung

Was wäre Wien ohne Prater? Kaum ein anderer Lebensraum in Wien versprüht derart viel Lebensfreude und Energie. Am 1. Juli wollten die Wiener Symphoniker die frühsommerlichen Attraktionen im Prater um ein neues Open-Air-Konzert auf der bekannten Kaiserwiese bereichern. Eine herrliche Mischung der schönsten Melodien aus dem Bereich der sogenannten leichten Muse sollte die Herzen der Besucher höherschlagen lassen. Aufgrund einer Unwetterwarnung musste das Konzert abgesagt werden. Gezeigt werden daher Aufnahmen der Generalprobe.

Was wäre Wien ohne den Prater? Kaum ein anderer Lebensraum in der Donaumetropole versprüht derart viel Lebensfreude und Energie. Am 1. Juli wollten die Wiener Symphoniker die frühsommerlichen Attraktionen im Prater um ein neues Open-Air-Konzert bereichern. Eine herrliche Mischung der schönsten Melodien aus dem Bereich der sogenannten leichten Muse sollten die Herzen der Wiener und Wienbesucher höherschlagen lassen und damit eine Tradition fortsetzen, die im Prater seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert Scharen von Unterhaltungssuchenden anlockte. Das Konzert hat den Charakter eines musikalischen Familienpicknicks – die Zuschauer bekommen Decken und Körbe, sitzen auf der Wiese und lauschen den Orchesterklängen unter der Leitung des Dirigenten Dirk Kaftan.

Als Gesangssolisten hatten sich namhafte Künstler angesagt: Die charmante, junge Sopranistin Nikola Hillebrand ist von ihren internationalen Konzertauftritten bekannt. Ihr zur Seite steht der österreichische Bariton Daniel Schmutzhard. Viele Besucherinnen und Besucher hatten in diesem Jahr ihre Picknickdecke bereits ausgebreitet und freuten sich auf das Konzert, doch dann kam die Unwetterwarnung, und das erste Prater-Picknick musste abgesagt werden. Allerdings waren die Kameras auch schon bei der Generalprobe dabei. Diese Aufnahmen können nun gezeigt werden.

Sonntag, 18.09. / 23:10 Uhr / Wir alle haben Amália im Blut ~ Amália Rodrigues und die Fado-Szene
Dokumentation, Deutschland, 2020, WDR 51 Min.
Regie: Hilka Sinning
Online verfügbar von 16/09 bis 17/12

Amália Rodrigues – sie ist die Königin des Fado, eines portugiesischen Musikstils, dessen Lieder traditionell von Sehnsucht, Trauer, Melancholie und Abschied handeln. Als die portugiesische Fado-Sängerin Amália im Oktober 1999 stirbt, wird eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Sie gilt bis heute als die Stimme Portugals – eine Legende schon zu Lebzeiten.

Die Dokumentation taucht ein in Amálias Welt und zeigt, inwiefern sie noch heute Generationen von Sängerinnen und Sängern inspiriert.

Worin liegt das Geheimnis der Faszination Fado? Fadistas in Lissabon, Paris und Berlin erzählen ihre persönliche Geschichte – und erklären, welche Rolle Amália Rodrigues darin spielt.

Ihre unverwechselbare und variationsreiche Stimme bescherte ihr den ganz großen Erfolg: Amália Rodrigues. Der Tod der portugiesischen Fado-Sängerin im Oktober 1999 versetzt ein ganzes Land in Trauer. Denn Amália gilt als größte portugiesische Sängerin des 20. Jahrhunderts – die Königin des Fado, des portugiesischen Sehnsuchtsgesangs. Bis heute wird sie als nationales Symbol Portugals betrachtet.

Warum können sich Millionen von Menschen mit ihrem Gesang identifizieren? Amálias Nachfolgerinnen und Nachfolger geben Antworten: Mariza, Cuca Roseta, Diana Vilarinho, Ricardo Ribeiro, Lizzie Levée und Maria Carvalho leben in Lissabon, Berlin und Paris. Als Fadistas werden sie von Amálias Musik inspiriert und lassen den Fado mit ihren ganz persönlichen Interpretationen weiterleben. Sie berichten von ihren Lebenswegen und der Liebe zu ihrer Musik – denn ein Fadista singt kein Lied und auch kein Gedicht, ohne von seinem eigenen Leben zu erzählen…

Die unterschiedlichen Interpretationen der Künstlerinnen und Künstler verdeutlichen die Diversität des Genres, das nicht mehr ausschließlich von Traurigkeit geprägt ist. Wie hat sich der ursprünglich aus den Armenvierteln Lissabons stammende Musikstil seit dem Tode Amálias gewandelt? Und: Inwiefern stellen Amálias Werke noch immer eine wichtige Inspirationsquelle dar? Die Dokumentation ergründet Amálias Welt und beleuchtet die anhaltend starke Faszination des Fado.

Sonntag, 18.09. / 00:05 Uhr / Sound-Treck Europa: Portugal
Dokumentationsreihe, Deutschland, Ungarn, 2021, NDR 52 Min.
Regie: Grete Liffers
Online verfügbar von 11/09 bis 17/12
Erstausstrahlung

Mieze Katz, Sängerin der Band MiA., erkundet die musikalische Vielfalt Portugals. Auf ihrer Reise erfährt sie, wie sich das Land von der längsten Diktatur Europas befreite und welche Rolle die traditionelle Musik Portugals für die Nelkenrevolution spielte. Ihre Musikerkolleginnen und -kollegen empfangen sie mit offenen Armen, berichten von der Geschichte ihres Landes und gewähren ihr Einblicke in ihr musikalisches Schaffen.

Celina da Piedade weiht sie in die Geheimnisse des Gesangstils Cante Alentejano ein, der ebenso wie der Fado zum immateriellen Weltkulturerbe zählt. Dass traditionelle Musik zur Quelle neuer Ideen für das eigene künstlerische Schaffen werden kann, erfährt Mieze, als sie auf Stereossauro tritt. Der mehrmalige Weltmeister am Turntable ist der Erfinder des sehr angesagten Elektro-Beat-Fado. Und auch im weiteren Verlauf ihrer Reise begreift Mieze immer mehr, dass sich in Portugal traditionelle Musikstile furchtlos mit populärer Musik mischen und verbinden. So trifft sich die Berliner Sängerin mit Gisela João, einer der größten Fadistas des Landes, die den Fado ins 21. Jahrhundert transponiert, sowie mit dem Multiinstrumentalisten Vasco Ribeiro Casais, der Rapperin Mynda Guevara und dem Jazzstar João Cabrita.

Miezes Roadtrip zeigt, dass musikalische Traditionen in Portugal alles andere als von gestern ist und eine nicht zu unterschätzende Inspirationsquelle für aktuelle Musik darstellt. Ehemals vom faschistischen Staat instrumentalisiert, lässt sich die Musik heute in kein Korsett mehr schnüren. Die Dokumentation voller Musik und wundervoller Landschaftseinblicke weckt das Fernweh nach Portugal.

Sonntag, 18.09. / 00:55 Uhr / Kaija Saariaho: Innocence – Unschuld (Opernfestspiele Aix-en-Provence)
Oper, Frankreich, 2021, ARTE F 109 Min.
Fernsehregie: Philippe Béziat
Komponist: Kaija Saariaho
Inszenierung: Simon Stone
Dirigent: Susanna Mälkki
Orchester: London Symphony Orchestra
Chorleitung: Lodewijk van der Ree
Chor: Estonian Philharmonic Chamber Choir

Mit: Magdalena Kozena (Kellnerin), Sandrine Piau (Schwiegermutter), Tuomas Pursio (Schwiegervater), Lilian Farahani (Braut), Markus Nykänen (Bräutigam)

Online verfügbar von 11/09 bis 01/07
Erstausstrahlung

Alles beginnt mit einer Multikultihochzeit irgendwo in Europa: Finnischer Bräutigam, rumänische Braut und das Festessen wird serviert von der tschechischen Kellnerin Tereza. Doch ein dunkles Geheimnis überschattet die Feierlichkeiten. Der ältere Bruder des Bräutigams hatte zehn Jahre zuvor ein Blutbad an einer internationalen Schule angerichtet und dabei die Tochter der Kellnerin Tereza ermordet. Es entspinnt sich eine zeitgenössische Tragödie rund um Erinnerungen, Schuld und den Verlust der Unschuld. Die Oper „Innocence“ der finnischen Komponistin Kaija Saariaho feierte beim Festival von Aix-en-Provence im Jahr 2021 große Erfolge und wird als „Meisterwerk einer neuen Opernära“ bezeichnet.

Das Festival von Aix-en-Provence zeigt jedes Jahr eine Uraufführung: 2021 war es Kaija Saariahos Oper „Innocence“. Die finnische Komponistin lässt die Handlung ihrer Oper in ihrem Heimatland spielen. Aber nicht nur sie selbst, sondern auch die Dramaturgin Sofi Oksanen, die das Libretto verfasste, sowie Chefdirigentin Susanna Mälkki stammen aus Finnland. Letztere ist zum ersten Mal als Dirigentin beim Festival von Aix-en-Provence zu Gast.

In „Innocence“ treffen vier Figuren aus vier unterschiedlichen Teilen Europas aufeinander: ein Finne mit seiner rumänischen Verlobten, eine Schwiegermutter aus Frankreich und eine tschechische Kellnerin. Um sie herum entspinnt sich eine zeitgenössische Tragödie, die sich um Erinnerungen, Schuld und den Verlust der Unschuld dreht. Für die Inszenierung von „Innocence“ im Grand Théâtre de Provence zeichnet der Australier Simon Stone verantwortlich. Der Regisseur und die Komponistin Kaija Saariaho inszenieren eine Art Thriller, der fast ein wenig an „Das Fest“ oder „Mare of Easttown“ erinnert.

Auf einem sich drehenden Bühnenbild entfalten sich die Stimmen von Magdalena Kozena (Kellnerin), Sandrine Piau (Schwiegermutter), Tuomas Pursio (Schwiegervater), Lilian Farahani (Braut) und Markus Nykänen (Bräutigam). Sie werden begleitet vom Londoner Symphonieorchester und dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor unter der Leitung von Lodewijk van der Ree.

„Innocence“ ist ein imposantes und gefühlvolles Opernwerk, das sich bereits unter die Klassiker einordnen lässt. San Francisco, die Metropolitan Opera in New York und Amsterdam haben es in ihr Repertoire aufgenommen. Die 1952 geborene Finnin Kaija Saariaho wurde 2021 von der „New York Times“ zur Komponistin des Jahres gewählt.

Die Oper wurde am 10. Juli 2021 beim Festival von Aix-en-Provence für ARTE aufgezeichnet.

Sonntag, 18.09. / 03:35 Uhr / Kirill Serebrennikov ~ Kunst und Macht in Russland
Dokumentation, Deutschland, 2018, ZDF 52 Min.
Regie: Katja Fedulova
Online verfügbar von 17/09 bis 30/09

Kirill Serebrennikov ist einer der produktivsten Film- und Theaterregisseure Russlands. Zuletzt musste er fast zwei Jahre in Moskau im Hausarrest verbringen. Der Vorwurf: finanzielle Unregelmäßigkeiten bei einem seiner Kunstprojekte. Der Prozess, in dem viele eher ein Verfahren gegen die Freiheit der Kunst sehen, dauert noch an, der Hausarrest wurde mittlerweile aufgehoben.

Doch Serebrennikov versteht sich nicht als Dissident. Bei der künstlerischen Freiheit geht er allerdings keine Kompromisse ein. Mit seinen Arbeiten hat er immer wieder seismographisch die Bruchstellen der russischen Gesellschaft aufgespürt – oftmals zum Missfallen konservativer Kreise.

Und doch erfreute sich der Regisseur auch lange Zeit der Fürsprache des Kremls. Zuletzt sorgte seine „Nurejew“-Inszenierung am Bolschoi-Theater für Furore, Serebrennikov war kurz vor der Premiere verhaftet worden. Auch bei der Premiere seines Filmes „Leto“ in Cannes 2018 konnte er nicht dabei sein.

Doch die besondere Produktivität des Künstlers konnte auch der Hausarrest nicht stoppen: Mit Hilfe seines Regieteams brachte Serebrennikov von Moskau aus erfolgreiche Operninszenierungen in Zürich und Hamburg auf die Bühne.

Der Film zeigt, wie Serebrennikov in seinen Werken von den ersten Erfolgen im Theater bis zu den Spielfilmen auf aktuelle Entwicklungen in Russland reagiert. Und wie Aufstieg und Fall des Regiestars auch ein Spiegel der russischen Kulturpolitik ist, von der kurzen Blüte der Kunstfreiheit unter Medwedew zu einer zunehmend konservativ geprägten Kultur, die auch mit autoritären Maßnahmen durchgesetzt wird.

Montag, 19.09. / 02:05 Uhr / Square für Künstler: Philippe Geluck

Magazin, Frankreich, 2022, ARTE 26 Min.
Online verfügbar von 30/05 bis 23/05

„Square“ ist das bimediale Magazin auf ARTE. Die Sendung stellt die philosophischen, literarischen, künstlerischen und technischen Innovationen unserer heutigen Gesellschaften in den Mittelpunkt. Es geht um neue Ideen in allen Bereichen – nicht nur in Deutschland und Frankreich, sondern weltweit. „Square“ befasst sich vor allem mit dem Blick der Kreativen und Künstler auf eine Welt, die sich rasant bewegt.

In Belgien und Frankreich kennen alle ”Le Chat – Die Katze”, das ist ein dicker Kater im Anzug, der in aller Regel frontal im Cartoon seine Lebensweisheiten verkündet, etwa : “Alt sein, das heißt, seit längerer Zeit jünger sein als andere Leute. Mehr nicht.” Seinen ersten Auftritt hatte er am 22. März 1983 in der belgischen Tageszeitung Le Soir, für die dieser Antiheld schnell zum Maskottchen wurde. 1986 wurde das erste Album von Le Chat in Belgien ein Hit, kurz darauf auch in Frankreich.

Philippe Geluck wurde schon als Kind von seinem Vater, einem Pressezeichner, in die Welt von Sempé, Saul Steinberg, Chaval, Siné und Reiser eingeführt, also konnte seinem Schicksal wohl kaum entgehen. Parallel zu seinem Beruf als Zeichner, setzte er seine Karriere im Radio und Fernsehen beim Sender RTBF fort.

Ausgehend von einem bedeutenden Ereignis aus der letzten Zeit, erklärt er im Laufe dieses Films, welche Schlagzeilen und Geschehnisse in den letzten Jahren für ihn prägend waren und welchen Einfluss sie auf sein Denken und seine Kunst nahmen.

Mittwoch, 21.09. / 19:40 Uhr / Re: Die Artisten-Azubis ~ Voller Einsatz für die Bühnenreife
Reportage, Deutschland, 2021, SWR 32 Min.
Online verfügbar von 27/07 bis 20/03

In der tiefsten schwäbischen Provinz, auf dem Rappenhof, geht die 17-jährige Schweizerin Lena, genannt Ika, Schneyder auf eine ungewöhnliche Schule. An der Berufsfachschule Artistik macht Ika gerade ihre Mittlere Reife und schließt parallel dazu ihre einjährige Ausbildung zur Circus Trainerin ab.

34 Schülerinnen und Schüler leben aktuell in WGs auf dem Schulgelände. Von ihren Häusern blicken sie auch auf die riesige, hochmoderne Trainingshalle, die speziell für Artistikübungen ausgelegt ist. Nur sechs solcher Hallen gibt es in ganz Europa.

„Manchmal wird es mir hier zu eng, dann gehe ich stundenlang in die Natur“, erzählt Ika, ehe sie in den nächsten Handstand geht und mit ihren Beinen kunstvolle Figuren in die Luft malt. Hinter ihr kreiseln währenddessen andere Schüler am Hochtrapez, Schülerinnen werfen sich wirbelnde Keulen zu.

Anfang Mai ist Ika Patin einer Bewerberin für den neuen Jahrgang an der Artistenschule. Sie hilft Elisabeth in vielen Gesprächen und auch mit einigen Tipps zur verbesserten Aufführung.

„Die Ausbildung hier ist wirklich super.“ Ika hat sich entschieden, weitere zwei Jahre zur Artistenschule des Trägers CircArtive zu gehen. Jetzt möchte sie auch die Ausbildung zur geprüften Artistin absolvieren.

Mittwoch, 21.09. / 20:15 Uhr / Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne
(Marguerite)
Spielfilm, Belgien, Tschechische Republik, Frankreich, 2015, ARTE F 124 Min.
Regie: Xavier Giannoli
Drehbuch: Xavier Giannoli, Marcia Romano
Produktion: Fidélité Films, Gabriel, France 3 Cinéma, Sirena Film, Scope Pictures, Jouror Cinéma, CN5 Productions
Produzent: Olivier Delbosc, Marc Missonnier
Kamera: Glynn Speeckaert
Schnitt: Cyril Nakache
Musik: Ronan Maillard

Mit: Catherine Frot (Marguerite Dumont), André Marcon (Georges Dumont), Michel Fau (Atos Pezzini), Christa Théret (Hazel), Denis Mpunga (Madelbos), Sylvain Dieuaide (Lucien Beaumont)

Online verfügbar von 21/09 bis 21/10

Erstausstrahlung

Marguerite Dumont singt mit großer Leidenschaft Oper. Allerdings trifft sie kaum einen Ton richtig. Alle sind sich über das fehlende Talent im Klaren, nur Marguerite selbst ahnt nichts. Mit einem von ihr engagierten Orchester tritt sie regelmäßig vor geschlossener Gesellschaft auf. Um den Spott der Öffentlichkeit zu umgehen, setzt Marguerites Ehemann Georges Dumont alles daran, die mangelnde Begabung seiner Frau geheim zu halten. Ihre Angestellten, allen voran ihr Hausdiener Madelbos, sowie ihr Publikum halten die Illusion aufrecht, indem sie die Gesangsauftritte mit höflichem Lächeln ertragen, verspottende Zeitungsartikel verstecken oder mit riesigen Blumenbouquets gratulieren. Gleichzeitig bemüht sich die liebenswürdige und sanfte Madame Marguerite um die Aufmerksamkeit und Zuneigung ihres Ehemanns. Georges hat jedoch kein Interesse an seiner Frau, schämt sich gar für sie und führt eine Affäre. Eine Verkettung von Umständen führt dazu, dass Marguerite ihrem großen Traum urplötzlich näher kommt: Ein Auftritt an der Pariser Oper steht bevor, sehr zu Georges‘ Leidwesen. Marguerite übt Tag und Nacht mit ihrem neuen Gesangslehrer Atos Pezzini. Doch kann er ihr so kurzfristig noch das Singen beibringen? Kann die große Aufführung ein Erfolg werden? Das Lügengerüst um Marguerites sogenanntes Talent droht zusammenzubrechen …

Eine berührende Komödie über eine einsame Frau, die sich auf der Flucht aus ihrem goldenen Käfig in einer imaginierten Welt verliert, in der sie ihre kindlichen Träume ausleben kann.

Zusatzinfo:
Als Inspiration für das Drehbuch diente die historische Figur der Florence Foster Jenkins, einer US-amerikanischen Amateur-Sängerin, die trotz mangelnder Begabung ihren Traum verfolgte, eine berühmte Opernsängerin zu werden. Meryl Streep spielte die kuriose Diva in Stephen Frears‘ „Florence Foster Jenkins“ (2016). Regisseur und Drehbuchautor Xavier Giannoli transferiert den Stoff ins Paris der 1920er Jahre und zeichnet nicht nur das Porträt einer Frau, die versucht, sich zu emanzipieren, sondern liefert auch eine Kritik am Kunstbegriff und der Medienlandschaft. Für die Verkörperung der Madame Marguerite wurde Catherine Frot 2016 mit dem Prix Lumière und dem César für die beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mittwoch, 21.09. / 22:20 Uhr / 100 Jahre Ulysses ~ James Joyce’ Meisterwerk
Dokumentation, Irland, 2022, ARTERTE 51 Min.
Regie: Ruán Magan
Online verfügbar von 14/09 bis 21/10

Vor 100 Jahren wurde James Joyce‘ „Ulysses“ erstmals in einer kleinen Buchhandlung in Paris veröffentlicht. Das Werk, an dem Joyce sieben Jahre lang schrieb, sollte für die Literatur und Kultur des 20. Jahrhunderts völlig neue Maßstäbe setzen. Obgleich zunächst aufgrund seines Schockfaktors in Amerika und Großbritannien verboten, hat kein anderer Roman dieser Epoche eine ähnliche Tragweite. Schnell gilt „Ulysses“ als Meisterwerk der Moderne – nur in Irland nicht, wo Joyce des Verrats beschuldigt wird, weil er aus voller Überzeugung mit Traditionen der irisch-katholischen Kirche bricht. Der Film taucht ein in einen vielzitierten und wenig gelesenen Jahrhundertroman.

Kein anderer Roman des 20. Jahrhunderts hat eine ähnlich imposante Tragweite: Joyce‘ „Ulysses“. Inspiriert von Homers „Odyssee“ beschreibt Joyce detailreich einen Tag von Leopold Bloom im verarmten Dublin. Seine „Odyssee der Gosse“ ist ein offener Angriff auf den göttlichen Anstand, geprägt von Chaos und Obszönität. Weltweit als Meisterwerk des Modernismus gefeiert, wurde „Ulysses“ in Amerika und Großbritannien wegen seines Schockfaktors zunächst verboten.

In Irland wird Joyce des Verrats beschuldigt, weil er mit tief verankerten Traditionen der irisch-katholischen Kirche bricht. Dabei geht aus jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen hervor, dass sein Krieg gegen die Kirche durch ein tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Volk und seiner Kultur motiviert war. „Ulysses“ kann durchaus als prophetischer Text gelten, der eine bessere Zukunft nicht nur für Irland, sondern auch für Europa und die Welt vorzeichnen wollte. Joyces beispielloses Genie inspirierte seither Künstler und Künstlerinnen wie Eileen Gray, Sergej Eisenstein, Man Ray und Bob Dylan.

Nach der Vorlage des Historikers und Joyce-Experten Frank Callanan und unter Regie von Ruán Magan bringt „100 Jahre Ulysses“, uns eines der fesselndsten und brisantesten Bücher der literarischen Moderne näher. Interviews mit Schriftstellern und Wissenschaftlern wie Eimear McBride, Paul Muldoon, John McCourt und Margaret O’Callaghan sowie aufschlussreiches Archivmaterial und Werke von Jess Tobin, Brian Lalor und Holly Pereira bereichern die Dokumentation. In Kombination mit einem eindrücklichen Soundrack von Natasa Paulberg wird „100 Jahre Ulysses“ zu einer erkenntnisreichen Reise in das Herz dieses maßgeblichen und überaus aktuellen Romans.

Freitag, 23.09. / 21:45 Uhr / Spice Girls: Girl Power erobert die Welt
Dokumentarfilm, Großbritannien, 2022, ZDF 88 Min.
Regie: Vari Innes, Alice McMahon-Major
Online verfügbar von 23/09 bis 01/04
Erstausstrahlung

ARTE zeigt die erste große Dokumentation über die erfolgreichste Girlgroup aller Zeiten. Die Spice Girls prägten eine ganze Generation. Mädchen auf der ganzen Welt identifizierten sich mit ihnen und machten sich die sprichwörtliche Girl Power zu eigen. Nummer-eins-Hits in 35 Ländern machten sie zu globalen Megastars, Auftritte mit Prinz Charles oder Nelson Mandela folgten, leider auch die ganze Aufmerksamkeit der unerbittlichen britischen Yellow Press. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben die Geschichte dieser Gruppe vom ersten Casting bis zur Wiedervereinigung.

Dabei waren die Bandmitglieder so verschieden wie ihre Herkunft. Und ihr Schicksal nach dem Ende der Band könnte kaum unterschiedlicher sein – von Werdegang zur Milliardärin bis zum Totalabsturz. Die Geschichte hinter der Doku ist die Geschichte eines Jahrzehnts, die Geschichten im Film sind der Spiegel einer Gesellschaft im Umbruch.


Freitag, 23.09. / 23:15 Uhr / Kurzdokumentarfilmwettbewerb für Regisseurinnen: Die Gewinnerinnenfilme
Kurzfilm, Frankreich, 2018, ARTE 105 Min.
Am 15. und 16. Dezember 2021 präsentierte ARTE die Gewinnerinnenfilme des Kurzdokumentarfilmwettbewerbs für Regisseurinnen.

Freitag, 23.09. / 01:00 Uhr / Tracks
Magazin, Deutschland, 2022, ZDF 30 Min.
Erstausstrahlung

Freitag, 23.09. / 01:35 Uhr / Flick Flack: Warum macht die Vulva Angst?
Magazin, Frankreich, Deutschland, 2021, ARTE 5 Min.
Online verfügbar von 03/11 bis 02/11

„Flick Flack“ ist ein Kulturphänomen, ein Trend, ein Porträt … locker und witzig, aufgedröselt in fünf Minuten. „Flick Flack“ will neugierig machen und unterhalten und gleichzeitig eine emblematische Geschichte aus der Vergangenheit oder unserer Gegenwart erzählen. Über die Aktualität hinaus interessiert sich „Flick Flack“ für bleibende Ereignisse, große Paukenschläge und Verblüffendes aus verschiedensten Genres wie Kino, Musik und Literatur, bildende Kunst und Bühne, Architektur und Design.

Seit der griechischen Antike praktizieren Frauen das „Anasyrma“: den Akt des Enthüllens der Vulva. Mythen und Statuen bis hin zum Schockfaktor des Gemäldes „L’Origine du monde“ von Gustave Courbet, zeigen, dass Frauen verstanden haben wie sie durch das Zeigen ihrer Geschlechtsteile eine Machtübernahme vollziehen können. Wie genau greifen Künstlerinnen und feministische Aktivistinnen heute diese Geste in ihrem Kampf auf? Und warum funktioniert das?


Regelmäßige Sendungen mit kultureller Themen auf arte sind zudem:
– Stadt, Land, Kunst (Mo. – Fr. 13 Uhr) und
– TWIST (Sonntagnachmittag)

Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind meist nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf arte.tv.