- „Die Ausflüge des Herrn Brouček“: Jedes Kostüm eine eigene Leinwand
- Eröffnung der Bregenzer Festspiele
- Von Abendgarderobe bis Applaus: Der Seebühnen-Knigge
- Sag mal, Peter Hoare …
„Die Ausflüge des Herrn Brouček“: Jedes Kostüm eine eigene Leinwand
Für Die Ausflüge des Herrn Brouček bearbeiten die Kostümmalerinnen der Bregenzer Festspiele 69 Kostüme. Mithilfe der Techniken des „Breakdowns“ und „Agings“ lassen sie die Kostüme aussehen, als wären sie jahrelang Schlamm und Schmutz ausgesetzt gewesen.
Beim Betreten der Werkstatt des Kunstgewerbes im Festspielhaus steigt sofort der Geruch von Farbe und feuchtem Stoff in die Nase. An Schneiderpuppen hängen Kostüme, daneben wird Stoff zerrissen. Ein raues, kratzendes Geräusch ist zu hören. Mit viel Liebe werden hier die Kostüme für Die Ausflüge des Herrn Brouček vorbereitet – Techniken des Breakdown und Agings lassen die Kostüme getragen und verschmutzt wirken.
An einer Schneiderpuppe hinten im Raum hängt ein dunkelblaues Kleid mit einer weißen Schürze und vielen schönen Stickereien. Die Schürze hat ein riesiges Loch, an dem Kostümmalerin Sarah gerade arbeitet. Doch anstatt das Loch zu flicken, arbeitet sie dieses bewusst weiter aus. Überall auf dem Kostüm erkennt man bereits Schlammspritzer, es sieht getragen und uralt aus. Die Kostüme sind nach den Entwürfen des Kostümbildners Jon Bausor extra für Die Ausflüge des Herrn Brouček zusammengestellt worden.
Einige Teile davon stammen aus dem Fundus der Bregenzer Festspiele, von Opern wie Œdipe und Der Freischütz. Stoffreste wurden wiederverwendet oder zu neuen Kleidungsstücken genäht. Der Großteil der Kostüme ist allerdings getrödelt oder Second Hand gekauft. Eine Schneiderpuppe in der Mitte des Raums trägt beispielsweise eine tschechische Tracht. Ihren Kopf bedeckt eine weiße Haube mit detailreichen Stickereien. Das Rot des Kleides ist grell und leuchtend. Noch.
Wenn Kostüme Geschichten erzählen
Am Bügelbrett neben der Puppe arbeitet Kristina, Abteilung Kunstgewerbe, an einem langen hellblauen Rock. Sie reißt mit einer Metallbürste den Saum etwas auf und bearbeitet den Stoff am unteren Ende des Rocks so, dass er dünner und rissiger erscheint. Dieser mechanische Teil der Arbeit sei der anstrengendste, da er körperlich sehr fordernd sei, so die Kostümmalerinnen. Was für den Laien zunächst widersinnig klingt, ist ein wesentlicher gestalterischer Prozess, mit dem die Kostüme gezielt in den für die Inszenierung erforderlichen Zustand versetzt werden.
Nach diesem sogenannten Breakdown, dem Zerlöchern und Zerreißen des Stoffs und der Nähte, werden die Kostüme gefärbt und gebleicht. Dies übernimmt Mareike, die an den Waschbecken in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes steht. Das Wasser in den drei Becken vor ihr ist dunkelgrün und braun. Sie bereitet gerade die nächsten Kostüme für die Farbanpassung vor. Danach wird jeweils der Saum noch dunkler gefärbt. Die Kleider und Röcke wirken dadurch deutlich stärker gealtert – als ob ihre Trägerinnen mit ihnen bereits seit langer Zeit durch Schlamm und Schmutz gewatet sind.
In den Tagen darauf werden die Kostüme mit Plusterfarbe bemalt. Dabei schleudern die Malerinnen die Farbe unter anderem mit Klobürsten auf die Kostüme, wodurch sich besonders natürlich wirkende Spritzstrukturen erzeugen lassen. Wenn die Farbe mit einem Heißluftföhn erhitzt wird, „plustert“ sie auf. Dieser Effekt wird stellenweise für mehr Struktur genutzt.
Hinter jedem Arbeitsschritt steckt ein gestalterisches Konzept. Durch unterschiedliche Mal- und Alterungstechniken – Breakdown und Aging genannt – entstehen individuelle Oberflächen, die den Figuren auf der Bühne Geschichte und Charakter verleihen. Materialkenntnis, Farbgefühl und handwerkliche Präzision spielen dabei eine zentrale Rolle. Alle Mitarbeiterinnen verfügen daher auch über eine künstlerische Ausbildung und viel fachliche Erfahrung in ihrer Profession, die teils als Kunstgewerbe, teils als Kostümmalerei bezeichnet wird.
Drei Wochen später. Der Raum riecht nach Farbe. Sarah und Kristina bemalen mit Orange- und Brauntönen die Kleider. Das Ziel ist es die Kleider „rostig“ wirken zu lassen. Die beiden Malerinnen stimmen sich während der Arbeit immer wieder ab, wann der gewünschte Alterungsgrad erreicht ist. Nach dem Anmalen werden die Kleider noch mit Nasslack bemalt, damit alles hält.
69 Kostüme für die Hausoper
Im April haben die Kostümmalerinnen mit ihrer Arbeit begonnen. Die ersten Kostüme für Die Ausflüge des Herrn Brouček sind bereits Ende April fertiggestellt. Auch das rote Kleid auf der Schneiderpuppe, das anfangs noch so bunt geleuchtet hatte, ist darunter. Es hat mittlerweile überall Löcher und lose Säume, wirkt dreckig und die weiße Haube mit Stickereien erscheint ganz ausgebleicht und schmutzig. Der untere Saum ist beinahe schwarz und sieht aus, als ob er von seiner Trägerin jahrelang durch den Dreck geschleift wurde. Insgesamt bearbeiten die Mitarbeiterinnen der Abteilung Kunstgewerbe 69 Kostüme – 58 für den Chor und 11 für die Solist:innen. Am 23. Juli 2026 werden die Kostüme dann bei Die Ausflüge des Herrn Brouček auf der Bühne zu sehen sein.
Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Die Eröffnung der 80. Bregenzer Festspiele findet am Mittwoch, 22. Juli 2026 um 10.30 Uhr im Großen Saal statt.
Am Mittwoch, 22. Juli 2026, ist es so weit: Bundespräsident Alexander van der Bellen eröffnet feierlich die 80. Bregenzer Festspiele. Bei der einstündigen Eröffnungsfeier auf der Bühne des Festspielhauses wird die Vielfalt der Bregenzer Festspiele erlebbar. Beginn ist um 10.30 Uhr. Als Festredner werden neben dem Bundespräsidenten auch Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler sowie Festspielpräsident Hans-Peter Metzler erwartet.
Höhepunkte des diesjährigen Festspielsommers
Der Festakt wird live in ORF 2 und 3sat übertragen. Die geladenen Gäste im Saal und das Fernsehpublikum erleben einen einstündigen Streifzug durch den diesjährigen Festspielsommer. Es spielen die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Kirill Karabits, Robert Jindra und Danila Grassi.
Nach rund 75 Minuten schließt sich der Kreis: Nachdem zu Beginn die Landes- und Bundeshymne erklungen sind, wird zum Abschluss die Europahymne, Beethovens Ode an die Freude, den Festakt beenden. Anschließend findet der Festspielempfang am Platz der Wiener Symphoniker statt.
Von Abendgarderobe bis Applaus: Der Seebühnen-Knigge
Ein Opernbesuch muss keine steife Angelegenheit sein – auch wenn das viele vermuten. Das gilt besonders für die Bregenzer Seebühne. Hier ein nicht repräsentativer Überblick zu den gängigsten Vorurteilen, mit denen die Bregenzer Festspiele nun aufräumen.
Eine Oper dauert ewig.
Natürlich gibt es sehr lange Opern: Manche Werke, etwa von Richard Wagner, dauern vier oder fünf Stunden. Doch beim Spiel auf dem See geht es traditionell deutlich flotter zu: Die Spielzeit von La traviata zum Beispiel liegt bei rund zwei Stunden. Das Spiel auf dem See wird ohne Pause gezeigt.
Da gehen doch nur Snobs hin.
Die Bregenzer Festspiele und ihr Spiel auf dem See stehen für die Idee einer qualitätsvollen Oper für alle. Entsprechend bunt ist die Mischung der Besucher:innen. Und die Preispalette ist breit gefächert: Die günstigsten Tickets auf der Seebühne gibt es schon ab 30 Euro.
Bei Freiluft kann ich alles mitnehmen.
Nicht ganz, denn manche Gegenstände sind auch auf der Seebühne tabu. Dazu zählen beispielsweise Speisen, Selfie-Sticks, Laptops, Thermoskannen und Glasflaschen. Plastikflaschen bis maximal 1,0 Liter Inhalt, Sitzkissen und Taschen sind erlaubt. Letztere werden beim Einlass kontrolliert.
Koffer, Trolleys, Stockschirme, professionelle Foto- und Videoausrüstung, Motorradhelme und Kindersitze sind zu sperrig und haben in den Vorstellungen nichts zu suchen. Tiere müssen ebenfalls zuhause bleiben. Ausgenommen sind, nach vorheriger Anmeldung, Assistenzhunde mit Bescheinigung.
Detaillierte Infos dazu gibt es in den FAQs der Bregnzer Festspiele..
Handyfotos stören doch nicht auf die große Distanz.
Auch wenn angesichts des imposanten Bühnenbildes die Verführung groß ist: keine Fotos, Handyvideos oder Tonaufnahmen während der Vorstellung! Auch auf einer großen Freilichttribüne stören leuchtende Handybildschirme Publikum und Künstler:innen. Außerdem sind Foto- und Videoaufnahmen aus urheberrechtlichen Gründen nicht erlaubt Vor den Vorstellungen ist hingegen reichlich Zeit für Aufnahmen – die Tribüne öffnet eine Stunde vor Beginn. Die kompletten FAQ gibt es hier.
Die singen die ganze Zeit nur, da verstehe ich kein Wort und mir wird langweilig.
Beim Verstehen des gesungenen Worts helfen Übertitel auf Deutsch und Englisch, die auf zwei großen Leinwänden links und rechts der Bühne eingeblendet werden. Wer noch mehr über das Werk, den Inhalt und die Inszenierung erfahren möchte, kann an Aufführungstagen jeweils um 19.00 Uhr an Einführungsvorträgen im Festspielhaus teilnehmen. Außerdem sind die Inszenierungen auf der Seebühne so angelegt, dass ein spontanes Verstehen der Handlung erleichtert wird – auch für Nicht-Opernfreaks.
Ich klatsche bestimmt an den falschen Stellen und blamiere mich.
Dieses Thema war früher komplizierter, als man zum Beispiel erst nach einem Akt Beifall spenden durfte. Solange der Applaus heutzutage nicht mitten in eine Arie hineinplatzt, ist er keine besonders heikle Sache mehr. Im Zweifel gilt: einfach abwarten, bis die anderen klatschen.
Ohne Smoking oder Abendkleid bin ich bestimmt underdressed.
Anders als im James-Bond-Abenteuer Ein Quantum Trost dargestellt, als der Geheimagent einige Bösewichte über die Seebühne jagte, ist das Kleidungsspektrum sehr breit. Es sollen auch schon Flip-Flops gesichtet worden sein. Natürlich darf sich jede:r aufbrezeln, wie er oder sie möchte. Aber das muss nicht sein, denn es gibt keinen Dresscode. Allzu luftig sollte die Garderobe dennoch nicht ausfallen: Denn auch im Hochsommer können die Temperaturen spätabends unter 20 Grad Celsius sinken. Unser Tipp ist warme und wetterfeste Kleidung. Keine Angst: Sie werden nicht schief angeschaut, wenn Sie eine leichte Decke mitbringen. Im Gegenteil – daran erkennt man die echten Seebühnen-Expert:innen.
Trotz heißer Tage: festes Schuhwerk anstatt Flip-Flops beim Aufstieg auf die Bühne
Unsere Bühnenführungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Möglichkeit, einzigartige Einblicke in den hinteren Teil der Bühne zu bekommen sowie selbst darauf zu stehen, lockt viele Besucher:innen an. Ein Problem, das zunächst gar nicht so offensichtlich ist, aber immer wieder auftaucht: das Schuhwerk. High-Heels, Flip-Flops, Sandalen, Ballerinas und andere offene Schuhe sind auf der Seebühne nämlich tabu. Deshalb vor einem Besuch auf der Bühne immer daran denken, trotz des heißen Sommerwetters wieder einmal das geschlossene Schuhwerk auszupacken.
Sag mal, Peter Hoare …
Humor, ein Eichhörnchen auf der Bühne und Tanzen wie eine verrückte Kuh
Peter Hoare zählt zu den gefragtesten Tenören der Opernwelt. Der britische Sänger gastierte an Häusern wie der Metropolitan Opera in New York und dem Royal Opera House in London und ist besonders für seine eindringlichen Interpretationen von Rollen in Werken von Janáček, Mozart, Puccini und Komponisten der Moderne bekannt. Bei den Bregenzer Festspielen ist er in Die Ausflüge des Herrn Brouček als Matěj Brouček zu erleben.
Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?
Radfahren.
Wie sieht für dich ein perfekter Tag aus?
Ein Tag mit meiner Familie.
Was ist einer deiner stärksten Charakterzüge?
Humor.
Wer ist dein:e Held:in der Kindheit?
Luke Skywalker.
Was ist deine größte Schwäche?
Faulheit.
Was inspiriert dich am meisten?
Beharrlichkeit. Wenn ich sehe, wie meine Kinder ihr Bestes geben – sie mögen vielleicht scheitern, aber wichtig ist, dass sie es so lange weiter versuchen, bis sie Erfolg haben. Das zu sehen, ist wunderbar.
Welche Fehler entschuldigst du am ehesten?
Alle Fehler, sofern sie in gutem Glauben begangen wurden.
Welches Talent würdest du gerne haben?
Gut tanzen zu können. Ich tanze wie eine verrückte Kuh.
Was ist dein Motto?
„Liebe ist alles“. Oder vielleicht: „Tu das Richtige.“
Was schätzt du bei deinen Freund:innen am meisten?
Ehrlichkeit und Humor.
Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?
Keine Sorge, alle anderen haben genauso viel Angst wie du.
Welche Person (lebendig oder tot) würdest du gerne auf einen Kaffee treffen?
Christopher Hitchens oder Michelle Obama.
Welcher Moment auf der Bühne ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Bei den Salzburger Festspielen lief während einer Aufführung von Věc Makropulos ein Eichhörnchen langsam von der linken zur rechten Seite der Bühne, hielt in der Mitte der Bühne inne und starrte uns etwa 20 Sekunden lang an, bevor es die Bühne verließ.
Was können wir von Matěj Brouček lernen?
Alles, was man wirklich braucht, sind Bier und Würstchen.
Nach einer so langen Karriere: Gibt es noch eine Rolle, die du gerne einmal singen oder spielen möchtest?
Es handelt sich um eine Rolle in einem Theaterstück: Henry Hobson in Hobson’s Choice.
In diesem Fragebogen verraten Menschen der Bregenzer Festspiele Gedanken rund ums Leben – und sich selbst.
Die Bregenzer Festspiele 2026 finden von 22. Juli bis 23. August statt.
Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.
