Ein Kooperationsprojekt zwischen dem PATHOS theater, der Berufsschulstufe der Mathilde-Eller-Schule 2 sowie den freien Theatermacher*innen Christoph Theussl, Verena Regensburger und Marianne Klausen sowie weiteren mit dem PATHOS verbundenen Künstler*innen.
PATHOS verbindet ist ein dreijähriges Kooperationsprojekt zwischen dem PATHOS theater, der Berufsschulstufe der Mathilde-Eller-Schule 2 sowie den freien Theatermacher*innen Christoph Theussl, Verena Regensburger und Marianne Klausen sowie weiteren mit dem PATHOS verbundenen Künstler*innen. Das Projekt läuft von 2026 bis 2028 und begleitet die Klasse B3 über ihre gesamte Schulzeit hinweg. Ausgehend von der Fragestellung „Wohin möchte ich gehen und wer begleitet mich dabei?“ erfinden die Schüler*innen der B3, Lehrkräfte und Künstler*innen in mehreren Workshops eine für sie passende Theaterform. Sie suchen Farben in der Stadt, Lieder aus dem Kochtopf und Geschichten auf der Couch.
Die Ergebnisse werden vorerst in Aufnahmen, Fotos und Objekte festgehalten. Parallel dazu wird das PATHOS als Aufführungsort gemeinsam erkundet und auf Barrieren hin überprüft. Das erste Projektjahr mündet in eine Ausstellung im Foyer des schwere reiter im Rahmen des Figurentheaterfestivals WUNDER.
Begleitet wird das Vorhaben von den Zugänglichkeitsbeauftragten Jan Geiger und Katharina Denk, die kontinuierlich daran arbeiten, die Barrierefreiheit im PATHOS weiterzuentwickeln. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen der Mathilde-Eller-Schule 2 einen langfristigen Zugang zu Kunst und Kultur zu eröffnen – nicht nur als Publikum, sondern als aktive Mitgestaltende. Im Zentrum steht dabei der Abbau struktureller und mentaler Barrieren im Theater.
Junge Perspektiven, langfristige Programme
Unter der künstlerischen Leitung von Judith Huber und Jan Geiger hat sich das PATHOS theater mit großer Kontinuität zu einem Ort der Partizipation entwickelt: Das theaterpädagogisch begleitete YOUNG PATHOS Kollektiv, das selbstverwaltete Projekt OPEN HOUSE, Schulkooperationen, TUSCH und Arbeiten des Kollektivs Traummaschine Inc. holen junge Menschen, Klassen und Kollektive aktiv in die künstlerische Arbeit.
Das PATHOS theater setzt diese Kooperation mit jungem Publikum konsequent fort. Vor wenigen Wochen ist das bislang umfangreichste Programm für kulturelle Bildung und Teilhabe gestartet:
PATHOS verbindet.
PATHOS verbindet: Drei Jahre Empowerment
Damit beginnt ein dreijähriges Projekt mit gut zehn etwa 16-jährigen (aktuell ausschließlich männlichen) Schülern der Mathilde-Eller-Schule 2, entwickelt vom PATHOS theater gemeinsam mit Christoph Theussl, Verena Regensburger und Marianne Kjær Klausen (Informationen zu den jeweiligen Personen finden Sie am Ende der Aussendung). Die B3 der Mathilde-Eller-Schule 2 ist eine Klasse der Berufsschulstufe an einem Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung; hier werden Jugendliche mit hohem sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet – mit Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung, Leben in der Gesellschaft, Mobilität sowie berufliche Orientierung.
PATHOS verbindet wird von der Koordinierungsstelle Kulturelle Bildung im Kulturreferat der Landeshauptstadt München mit jährlich 25.000 Euro gefördert (unter Vorbehalt je nach Haushaltslage). und widmet sich dem Abbau von Barrieren für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf. Ziel ist ein nachhaltiger Zugang zu Kunst und Kultur – nicht als gelegentliche Veranstaltung, sondern als langfristiger Prozess, in dem die Schüler den Verlauf direkt und indirekt mitgestalten.
Theater als Prozess, nicht als Produkt
PATHOS verbindet denkt Theater explizit als Vehikel und nicht als ästhetischen Selbstzweck: Im Mittelpunkt stehen der gemeinsame Weg, das Lernen, die Selbstermächtigung der Schüler und die Öffnung des Hauses. Neben künstlerischen Workshops gehören Hospitanzen im Schulalltag, „Mini-Praktika“ im Theater, Barrierechecks, kontinuierliche Evaluation und der Aufbau von Wissen für die freie Szene zum Programm. Die Schüler erleben Theater in all seinen Facetten – vom Spiel auf der Bühne über Licht und Ton bis zu Berufen und Arbeitsweisen hinter den Kulissen – und können in verschiedenen Funktionen selbst aktiv werden.
Erstes Jahr: Kennenlernen, Stadtgeschichten, Musik Das erste Projektjahr begann mit einem intensiven Kennenlernen: Vor dem ersten Workshopblock besuchte das Team die Klasse B 3, beobachtete den Alltag und gewann Einblicke in Kommunikation und Access-Bedarfe. Gemeinsame Theaterbesuche und Ausflüge ins Schwimmbad rundeten diese Phase ab. Im anschließenden Workshopblock präsentierten die Schüler erste Theaterübungen; es folgten Übungen zu Körperwahrnehmung, Improvisation und Perspektivwechsel.
Die Arbeit wurde in den Stadtraum verlegt, wo in Gruppen Fotos von Farben gesammelt werden, aus denen später Geschichten entstehen; Figurenarbeit, „Schaufensterpuppen“ und Marionetten führen zu ersten Szenen.
Ein Teil des Projekts findet wiederum Eingang in die Klassenzeitung, die gemeinsam fertiggestellt wird – dokumentarische bzw. redaktionelle Arbeit ist ebenfalls ein Element, das die Schüler kontinuierlich im Schulalltag begleitet.
Auch zwischen den Workshop-Blöcken blieb der Kontakt zwischen Schülern und dem PATHOS verbindet Team lebendig: Aus Fotos des „Farblaufs“ erstellte das PATHOS eine Vorlage zum Bau von „Stadtwesen“, die per Post an die Klasse ging; als Antwort entstand ein Stop-Motion-Film mit den so entstandenen Figuren. Interdisziplinäres Arbeiten, auch im Aufrechterhalten von Korrespondenzen mit den Schülern, ist ein fester Bestandteil des Programms.
Im zweiten Workshop-Block stand das Verhältnis von Vergangenem und Gegenwärtigem im Fokus: Über Memory-Spiele, Körper-Übungen und Interviewtechnik bereiteten sich Schüler und Team auf Stadterkundungen vor, bei denen eine wachsende Stadtkarte entsteht. Sie sammelten Geschichten – vom Gärtnerplatz über den Südfriedhof bis zur U-Bahn an der Fraunhoferstraße – und entwickelten daraus neue Szenen, Fotos und Filme. Räumliche Erkundung, Erinnerungskultur und -techniken flossen so ineinander.
Ein besonderes Highlight war die musikalische Weiterentwicklung von Praktikumsberichten der Schüler: Aus einer Idee entstand spontan der Song „Eierkopf sucht Horrorclown“, für den ein Schüler den Text schrieb und Christoph Theussl die Musik komponierte – eine Münchner Rundreise mit Bus, S- und U-Bahn, die von einer kleinen Band der Klasse im PATHOS live aufgeführt wurde. Ergänzend sind weitere interdisziplinäre Elemente vorgesehen, etwa ein Hip-Hop-Workshop am Ende des ersten Jahres.
WUNDER. Festival: Erster Schritt in die Öffentlichkeit
Im Herbst geht PATHOS verbindet erstmals einen Schritt in die Öffentlichkeit: Im Rahmen des Figurentheaterfestivals WUNDER. verwandeln die Schüler und das Projektteam das Foyer im schwere reiter in eine offene Werkstatt mit dem Titel „Wohin möchte ich gehen und wer begleitet mich dabei?“. Die Ausstellung zeigt Eindrücke aus der bisherigen Zusammenarbeit, präsentiert neues Material und lädt Besucher*innen zum Mitmachen ein; sie kann im Verlauf wachsen und erzählt so die Geschichte eines Projekts, das Menschen, Orte und Erfahrungen miteinander verbindet.
Kontinuität statt Projektflackern
PATHOS verbindet zeichnet sich durch hohe Kontinuität aus: Über drei Jahre hinweg entstehen Workshops, gemeinsame Theaterbesuche, Proben- und Aufführungsphasen, Ausstellungen und Laborsituationen – weit entfernt von „In zwei Wochen ist alles vorbei“. Die Schüler werden schrittweise zu Expert*innen für ihre eigene Perspektive auf Zugänglichkeit, während Accessmanagement, Barrierechecks und Reflexion eingebunden sind, um die Erfahrungen langfristig im Haus und in der Freien Szene wirksam zu machen. Somit werden die Betreuenden ihrerseits im laufenden Betrieb von den Schülern in ihren didaktischen und pädagogischen Ansätzen mentoriert – sie lernen auf Augenhöhe voneinander.
Ausblick
In den beiden folgenden Jahren wird PATHOS verbindet mit erweiterten Workshopformaten, Öffnung für andere Klassen und einer stärkeren Rolle der Schüler als Expert*innen für inklusive Praxis fortgesetzt – mit dem Ziel, gemeinsam eine wiederholbare Bühnenarbeit und eine abschließende Ausstellung über das Projekt zu entwickeln. Theater als dauerhafter Ort der Zugänglichkeit für junge Menschen aller Alters- und Bildungsstufen: Dieser Ansatz ist fester Bestandteil des Hauses und macht sichtbar, wie eng künstlerische Praxis, kulturelle Bildung und Empowerment im PATHOS theater zusammengedacht werden – Pressemappe Stand 07.07.2026 von 4 6 gleichberechtigt neben und in einem zeitgemäßen Spielplan an einem Theater, das seit über 40 Jahren zu den tragenden Säulen der Freien Szene Münchens gehört.
Hauptakteure und Institutionen
Marianne Kjær Klausen
arbeitet als Regisseurin, Dramaturgin und Theaterpädagogin. Sie studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Kopenhagen und Berlin. In Berlin war sie Teil des experimentellen Schauspielensembles von Samuel Nunez sowie des Aktionstheaters von Ender-Kolosko. Sie arbeitete mit der Performancegruppe Analogtheater Köln und war Mitglied des Kollektivs Little Black Fish. 2020 zog sie nach München und realisierte dort Projekte am PATHOS und im Rahmen von Magdalena München. Von 2020 bis 2022 leitete sie die junge Sparte am Theater an der Rott, mit dem sie weiterhin kooperiert. Zuletzt inszenierte sie dort die immersive Kinderoper Waldkinder. 2025 erhält sie ein Arbeitsstipendium der Stadt München zur Erforschung neuer Opernformen für junges Publikum. In diesem Zusammenhang machte sie eine Fortbildung zu Theater für Kinder mit Autismus am Flute theatre London.
Christoph Theussl
ist Satiriker, Schauspieler, Liedermacher und Theatermacher. Nach seiner Schauspielausbildung an der Kunstuniversität Graz war er Mitglied der Künstlergruppe Club Real und arbeitete mit Regisseurin Angela Richter. 2013 gründete er das Kindertheaterkollektiv Traummaschine Inc. sowie diverse Musikkabarettprojekte. Als Liedermacher tritt er regelmäßig in München, Süddeutschland und Berlin auf. Seit 2012 ist er festes Mitglied der Münchner Lesebühne Schwabinger Schaumschläger. Als Schauspieler war er am Deutschen Theater, Pathos Theater und HochX München zu sehen. Er wurde mit dem Max-Reinhardt-Preis (1998), einem Förderpreis der Liederbestenliste (2014) und der Hanns-Seidel Stiftung (2015) ausgezeichnet.
Verena Regensburger
ist Regisseurin und Autorin. Sie studierte Theaterwissenschaft sowie Sprache, Literatur und Kultur an der LMU München. Ihre Abschlussarbeit widmete sich dem Publikum als ko-aktiven Teil des Theaters. 2014-2017 war sie Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen unter Johan Simons und Matthias Lilienthal. Ihre Inszenierung LUEGEN wurde zu NO LIMITS Berlin und Santiago a Mil (Chile) eingeladen. Sie arbeitet freischaffend an Stadt- und Staatstheatern (Residenztheater München, Theater Bonn) sowie in der freien Szene. 2022/23 lehrte sie Theaterpraxis an der LMU. 2023–2025 war sie künstlerische Leiterin der Freien Bühne München. 2024 erhielt sie den Förderpreis Theater der Landeshauptstadt München. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Kommunikation, Teilhabe und Raum.
Die Berufsschulstufe der Mathilde Eller Schule
ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Schüler:innen, bei welchen ein hoher sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, besuchen die Schule. Die MES 2 umfasst die Jahrgangsstufen 10 bis 12 und hat zum Ziel, den Jugendlichen in den Klassenstufen eine berufliche Orientierung und Qualifikation zu ermöglichen. Die Lernbereiche persönliche Entwicklung, Leben in der Gesellschaft, Mobilität und Freizeitgestaltung spielen hier eine genauso große Rolle wie Arbeit und Beruf.
Das PATHOS theater
ist ein interdisziplinäres, performatives Labor. Es betreibt zwei Spielstätten – PATHOS theater und schwere reiter – und zeigt ein vielfältiges, generationsübergreifendes Programm aus Theater, Tanz, Performance, Musik, Diskursformaten, Ausstellungen und Workshops. Unter Leitung von Judith Huber und Jan Geiger fördert es besonders junge Künstler*innen und inklusive Praxis. Das Haus engagiert sich in Netzwerken wie IETM und TUSCH, und ein zentrales Anliegen ist die künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Wirklichkeit sowie Diversität – in Bezug auf Alter, Gender, Herkunft, Religion und Beeinträchtigung. Das PATHOS theater wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
