Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (01.07.)

Kopfbedeckungen „La traviata” ~ © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker

  • Viele bunte Federn für La traviata
  • Umbesetzung Oper im Festspielhaus
  • Ein großes, buntes Puzzle
  • Sag mal, Damiano Michieletto …
  • Die Bregenzer Festspiele in Radio und TV

Viele bunte Federn für La traviata

Insgesamt 160 fantasievolle Kopfbedeckungen schmücken die Darsteller:innen beim diesjährigen Spiel auf dem See La traviata, dessen Inszenierung die Goldenen Zwanziger zitiert. Im Februar haben sie angefangen, und sind gut vorangekommen. Doch ist noch immer viel zu tun, für La traviata auf der Seebühne und für Die Ausflüge des Herrn Brouček im Festspielhaus. Hier erklären die Modistinnen Christina Pantermehl und Ronja Kern, worauf es bei den von ihnen gefertigten Kopfbedeckungen ankommt.

Kopfbedeckungen:

Christina Pantermehl und Ronja Kern legen Wert darauf, dass man ihre Werke so nennt. Denn um Hüte im konventionellen Sinn geht es bei dem nicht immer, was die beiden Modistinnen seit dem Februar in großer Zahl auf ihrem breiten Arbeitstisch in der Kostümabteilung der Bregenzer Festspiele anfertigen. Ein Großteil der Kopfbedeckungen für Leoš Janáčeks Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček im Festspielhaus ist speziell für die im Mittelalter spielenden Szenen gedacht. Damit diese Stücke wie mit Schlamm benetzt wirken, werden sie von der Abteilung Kunstgewerbe aufwendig patiniert. Glamourös dagegen sind die Kopfbedeckungen für Giuseppe Verdis La traviata auf der Seebühne – passend zu den reich mit Pailletten bestückten Kostümen, die wir beim Hinausgehen passieren.

Eine Explosion an Fantasie

Eine ganze Reihe dieser fantasievollen Kopfbedeckungen für La traviata steht vor uns auf dem Fensterbord. Was fertig ist, das haben Christina Pantermehl und Ronja Kern schon in einem abgeschlossenen Raum hinter der Seebühne gelagert. Eine violette Pfauenkopfbedeckung fällt hier sofort ins Auge, vor allem aber die vielen bunten Federn, mit denen sie für La traviata gearbeitet haben. Ganz im Stil der Zwanzigerjahre variieren die Formen von eng anliegenden Kreationen bis hin zu prachtvollen, voluminösen Modellen. Insgesamt sind 160 Kopfbedeckungen anzufertigen – für den Chor, für Sängerinnen und Sänger, und für die Tänzer, die dann auch lernen müssen, mit breitem Federkostüm durch die Bühneneingänge zu kommen. Nicht alle werden in der Modisterei der Bregenzer Festspiele hergestellt.

Angefangen hat es bei La traviata mit den Zeichnungen, die Carla Teti, die Kostümbildnerin, geschickt hat. In enger Abstimmung mit Kostümdirektion und Produktionsleitung wurden dann die Modelle und Materialien besprochen, Federn und Zubehör bestellt, und alles schließlich zu den aufwendigen Kopfbedeckungen verarbeitet. Am Schluss werden die Stücke dann noch präzise an den Kopf der jeweiligen Trägerin oder des jeweiligen Trägers angepasst. „Wir werden auch noch einen kleinen Workshop für die Dresserinnen machen, die für Kostümwechsel und Reparaturen verantwortlich sind“, sagt Christina Pantermehl.

Es muss bequem sein und leicht

Eine der zentralen Herausforderungen für die Modistinnen liegt darin, dass ihre Kopfbedeckungen Wind und Wetter standhalten müssen. Stoffe werden imprägniert, vor allem aber danach ausgewählt, dass sie wettertauglich sind. „Außerdem“, fügt Christina Pantermehl hinzu, „müssen sie leicht sein und sehr bequem. Und schließlich müssen die Ohren frei bleiben, damit die Darstellerinnen und Darsteller gut hören.“

Man spürt im Gespräch rasch, wie sehr die beiden Modistinnen es genießen, im Theatermilieu gelandet zu sein. Es bietet ihnen den perfekten Raum, um kreativ zu sein und sich auszutoben.


Umbesetzung Oper im Festspielhaus

Peter Hoare übernimmt die Titelpartie in Die Ausflüge des Herrn Brouček

In der diesjährigen Oper im Festspielhaus, Die Ausflüge des Herrn Brouček von Leoš Janáček, kommt es zu einer Umbesetzung der Titelpartie: Der Tenor Daniel Brenna musste sich nach einer Verletzung einer unaufschiebbaren Knieoperation unterziehen und ist deshalb gezwungen, für zwei Monate alle Bühnenauftritte abzusagen.

Peter Hoare
Foto: Bregenzer Festspiele

Die Titelrolle übernimmt der gefragte britische Tenor Peter Hoare, der die Partie des Brouček bereits an renommierten Opernhäusern gesungen hat. Zu den Stationen seiner internationalen Karriere zählen unter anderem die Metropolitan Opera in New York und das Londoner Royal Opera House.

Der US-amerikanische Regisseur Yuval Sharon bringt das selten gespielte Werk auf die Bühne. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet der Brite Jon Bausor verantwortlich, die musikalische Leitung liegt beim tschechischen Dirigenten Robert Jindra.

Die Ausflüge des Herrn Brouček von Leoš Janáček feiert am 23. Juli 2026 Premiere bei den Bregenzer Festspielen. Weitere Aufführungen sind am 26. Juli und 3. August 2026.


Ein großes, buntes Puzzle

Bis zu 1200 Mitwirkende aus 41 Nationen sorgen auch in diesem Sommer wieder dafür, dass die Bregenzer Festspiele zu einem besonderen Höhepunkt im kulturellen Jahreskalender werden.

Kaum beginnt die Probenzeit, verwandelt sich das Festspielhaus in einen in allen Sprachen summenden Bienenstock. Jedes Jahr im Sommer verzehnfacht sich nahezu die Zahl der Menschen, die hier mit ihrem Einsatz unvergessliche Erlebnisse fürs Publikum schaffen. Eine besondere Herausforderung auch für die unverzichtbaren Stützen im Hintergrund, wie beispielsweise die Mitarbeiter:innen im Personalbüro.

Julia Bitschnau
(© Bregenzer Festspiele / Kristina Becker)

Jeden Sommer aufs Neue haben die Personalverantwortlichen der Bregenzer Festspiele eine ganz besondere Aufgabe zu meistern: Von etwa 140 Beschäftigten, die derzeit ganzjährig bei den Bregenzer Festspielen und der Kongresskultur Bregenz tätig sind, wächst die Zahl der im Festspielhaus herumschwirrenden Menschen während der Festspielzeit auf rund 1200 an. Für etwa 800 davon müssen Arbeitsverträge erstellt, Personalakten angelegt, Dienstzugänge eingerichtet werden – der Rest verteilt sich auf die Mitglieder der Ensembles, wie die Wiener Symphoniker, die an den Produktionen beteiligten Chöre oder die Mitwirkenden der Gastspiele.

„Für uns fängt die Arbeit tatsächlich meist im November des Vorjahres schon an, wenn wir eruieren, wie viel Personal im kommenden Sommer benötigt wird“, erklärt Julia Bitschnau, die seit neun Jahren im Personalbüro tätig ist. Gerade durch die Internationalität des Festspielpersonals gibt es hier mitunter besondere Herausforderungen zu bewältigen. „Inbesondere bei den Künstler:innen, von denen viele auch aus Nicht-EU-Ländern kommen, gibt es immer vieles zu regeln und zu beachten: wie lange dürfen sie sich in Österreich aufhalten, erhalten sie eine Arbeitserlaubnis, welche Formulare werden benötigt?“, beschreibt Julia Bitschnau die Themen, mit denen sie und ihre Kolleg:innen konfrontiert sind.

Dass die Bregenzer Festspiele für Kunst- und Kulturschaffende aus aller Welt ein attraktiver Arbeitsplatz sind, zeigt auch die Personalliste für 2026: 41 verschiedene Nationen sind hier vertreten, 17 Länder davon außerhalb der EU. Setzt man den Bodensee in die Mitte des Atlas, erstreckt sich das Einzugsgebiet weit in alle Richtungen – von Argentinien, Brasilien und Nicaragua über Kanada oder Südafrika bis hin zu Südkorea und gar Australien.

Was Julia Bitschnau besonders schön findet: viele Sommerkolleg:innen kommen jedes Jahr wieder, und viele neue Beteiligte entdecken das besondere Festspiel-Flair für sich. „Es ist bei uns sicher etwas bunter als zum Beispiel in einem Industriebetrieb. Das liegt natürlich an der Internationalität und Diversität unserer Mitarbeiter:innen, an den vielen Künstler:innen, die andere Sichtweisen und Arbeitsweisen mitbringen.“

Nichtsdestotrotz – die Fragen an sie und ihre Kolleg:innen sind immer wieder die gleichen: Was bedeuten die Zahlen auf meiner Lohnabrechnung? Wie kann ich einen Arztbesuch ins Zeitsystem einbuchen? Meine Oma hat Geburtstag, bekomme ich den Tag frei? „Für uns gibt es keine dummen Fragen – wir wissen selbst, dass nicht immer alles leicht verständlich ist“, betont Julia Bitschnau, „im Gegenteil: wir freuen uns über jeden, der bei uns im Büro vorbeikommt und dem wir weiterhelfen können.“

Worauf sie sich in dieser Saison besonders freut? „Auf das Spiel auf dem See La traviata! Ich finde die technischen Möglichkeiten unserer Bühne immer wieder fantastisch. Und es ist einfach auch jedes Jahr wieder so ein schönes Gefühl, wenn man ab der Eröffnung der Festspiele das Ergebnis seiner Arbeit sehen kann; das, an dem wir alle, jede:r auf seine Weise, gearbeitet haben. Wir sind hier bei den Bregenzer Festspielen wie ein riesiges, buntes Puzzle: Jedes Teilchen ist wichtig, damit am Ende ein solch spektakuläres Werk entstehen kann.“


Sag mal, Damiano Michieletto …

Intuition, der venezianische Dialekt und eine Katze als Hauptrolle

Damiano Michieletto hat sich schnell als einer der interessantesten italienischen Regisseure seiner Generation auf der internationalen Bühne etabliert und gehört heute zu den weltweit gefragtesten. Er studierte Opern- und Schauspielregie an der Scuola d’arte drammatica Paolo Grassi in Mailand und absolvierte außerdem ein Studium der Modernen Literaturwissenschaft in seiner Heimatstadt Venedig. Seine Arbeiten umfassen unter anderem Inszenierungen an der Opéra de Paris, der Mailänder Scala, dem Royal Opera House in London, der Sydney Opera und bei den Salzburger Festspielen. Bei den Bregenzer Festspielen inszeniert er erstmals La traviata.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Ich nehme mir gerne Zeit, meinen Kindern zuzuhören und ihnen dabei zu helfen, sich zu entwickeln.

Wie sieht für dich ein perfekter Tag aus?

Der perfekte Tag ist der, an dem man Dinge tut, ohne Angst davor zu haben, wie man dafür verurteilt werden könnte.

Was ist einer deiner stärksten Charakterzüge?

Intuition.

Was ist deine größte Schwäche?

Ich bin nicht beständig.

Was inspiriert dich am meisten?

Mich inspiriert die Schönheit, die ich in alltäglichen Dingen sehe – jene Schönheit, die einen überrascht, weil sie sich nie zur Schau stellt.

Wenn du in eine andere Zeit reisen könntest, wohin würde die Reise gehen?

Ich wünschte, ich wäre während des Karnevals 1700 in Venedig gewesen.

Wann bist du vollkommen du selbst?

Wenn ich den venezianischen Dialekt spreche.

Gibt es einen Traum, den du dir unbedingt noch erfüllen möchtest?

Einen Oscar zu gewinnen…!

Welche Bedeutung hat das Bühnenbild auf der Seebühne für die Inszenierung?

Der zerbrochene Spiegel ist die Metapher für Violetta: eine Frau, die von einer Gesellschaft zerstört wurde, die gleichzeitig ihr Aussehen feierte.

Was inspiriert dich, wenn du neue Inszenierungen erarbeitest?

Die Herausforderung, eine persönliche Erzählweise zu finden, um die Musik und die Texte der Sänger:innen dem Publikum näherzubringen.

Wenn Dein Leben verfilmt wird – wer spielt die Hauptrolle?

Ich kann mir mein Leben nicht als Film vorstellen…! Ich bleibe lieber hinter der Kamera und beobachte das Leben anderer. Wäre es mein Leben, wäre es wie das einer Katze, die auf Bäume und auf die Dächer von Häusern klettert.

In diesem Fragebogen verraten Menschen der Bregenzer Festspiele Gedanken rund ums Leben – und sich selbst.


Die Bregenzer Festspiele in Radio und TV

Die Bregenzer Festspiele kann man nicht nur vor Ort, sondern auch von zu Hause aus erleben. Bereits am Vormittag des 22. Juli 2026 kann man ab 09:55 Uhr bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele auf ORF 2 und 3sat live dabei sein. Das Spiel auf dem See „La traviata„ wird am 24. Juli 2026 um 21:20 auf ORF 2 zu sehen sein. Die Oper im Festspielhaus 2026 ”Die Ausflüge des Herrn Brouček“ von Leoš Janáček, wird am 23. Juli 2026 um 19:30 Uhr auf Ö1 übertragen, am 2. August 2026 um 22:15 Uhr wird die Oper im Festspielhaus in ORF III zu sehen sein.

Weitere Festspiel-Veranstaltungen wie etwa die Orchesterkonzerte werden vom Radiosender Ö1 übertragen. Neben den (Live-)Übertragungen bieten einige Themensendungen in Fernsehen und Radio weiterführende Informationen zu den Bregenzer Festspielen.

Ein Blick in das umfangreiche Begleitprogramm lohnt sich ebenso: Interviews, Hintergrundberichte und Künstler:innenporträts ergänzen das Erlebnis rund um die Aufführungen.


Die Bregenzer Festspiele 2026 finden von 22. Juli bis 23. August statt.
Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.