Die Stadt Bad Gandersheim hat Intendant Achim Lenz (48) für sein langjähriges Engagement für die Gandersheimer Domfestspiele mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Mit Achim Lenz ehre die Stadt eine Persönlichkeit, welche die kulturelle Entwicklung Bad Gandersheims über Jahre hinweg maßgeblich geprägt und das größte Freilichttheater in Niedersachsen als Aushängeschild der Region weiter gestärkt habe, erklärte Bürgermeister Niklas Kielhorn im Kaisersaal. Mit dem Kulturpreis würdigt die Stadt Bad Gandersheim seit dem Jahr 1987 herausragende Verdienste um das kulturelle Leben der Stadt. Achim Lenz ist erst der sechste Preisträger.
Der gebürtige Schweizer Achim Lenz hat in Basel Klassische Philologie und Alte Geschichte studiert, anschließend an der Folkwang Universität der Künste Regie. Durch den früheren Intendanten Johannes Klaus kam Lenz nach Bad Gandersheim, lernte die Festspiele zunächst als Assistent im Künstlerischen Betriebsbüro kennen, durfte 2009 erstmals in der Theaterscheune Brunshausen inszenieren. 2010 folgte mit „Pippi Langstrumpf“ seine erste Arbeit vor dem Dom, 2015 inszenierte er die „Comedian Harmonists“ und sprang kurzfristig als Regisseur von „Jesus Christ Superstar“ ein.
Seit 2016 ist Achim Lenz Intendant in Bad Gandersheim. Außer in Bad Gandersheim führt er an anderen Orten Regie, u.a. in Bremerhaven, Erfurt oder Nordhausen und natürlich in der Schweiz, dort u.a. bei Comedy-Programmen für Helga Schneider. In diesem Sommer hat Achim Lenz vor der Stiftskirche Bad Gandersheim „Come together – die große Beatles-Show“ mit Patricia Martin als musikalischer Leiterin auf die Bühne gebracht. Im Stadttheater Bremerhaven wird er im Herbst „Eine Nacht in Venedig“, die Operette von Johann Strauss, inszenieren. Premiere ist am 23. Januar 2027.
In den vergangenen zehn Jahren habe es Achim Lenz geschafft, die Produktionsbedingungen der Gandersheimer Domfestspiele gGmbH deutlich zu verbessern, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz. Die Attraktivität der Festspiele unter seiner künstlerischen Leitung bestehe aus großem, etablierten Theater mit persönlichem regionalen Bezug zu den Darstellerinnen und Darstellern. „Die Gandersheimer Domfestspiele haben eine gewaltige Entwicklung genommen, ich erwähne nur die Umgestaltung in der Technik, im Backstage-Bereich, im Marketing, das neue Verwaltungsgebäude und vor allem unser Probenzentrum, ohne dass wir das ausgefallene Coronajahr 2020 und die nur hälftig erlaubte Auslastung 2021 definitiv nicht überlebt hätten“, erinnerte Schwarz.
Das sei nicht allein Lenz‘ Verdienst, sondern des gesamten Teams. „Dein Verdienst aber ist es, immer wieder neu der Motor zu sein und ein Team zusammenzustellen, das fachlich brilliert und menschlich harmoniert, ja einfach zueinander passt“, würdigte Uwe Schwarz.
Mehr als 500.000 Menschen seien seit 2016 nach Bad Gandersheim ins Theater gekommen, weil sie vom Alltagsstress entspannen wollen und mittlerweile eine Qualität erwarten könnten, die man an manch etablierten Häusern vergeblich suche. Achim Lenz gelinge es mit seinen engsten Mitarbeitern, jährlich ein Ensemble zusammen zu stellen „aus Publikumslieblingen und tollen Nachwuchskräften, die nicht nur ihren Job abliefern, sondern denen man in ihrer Spiellaune anmerkt, dass ihnen die Arbeit bei unseren Festspielen Spaß macht“, sagte Schwarz.
Achim Lenz ist der fünfte Intendant, der mit dem Kulturpreis der Stadt Bad Gandersheim geehrt wurde. Die Auszeichnung sei kein Selbstläufer, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende in seiner Laudatio.
Der Kulturpreis wurde bisher lediglich an die Intendanten Walter Pohl, Frieder Lorenz, Georg Immelmann und Johannes Klaus verliehen. „Sie alle zeichnete aus, dass sie mit neuen Impulsen und zeitgemäßen Inszenierungen neue Zielgruppen erreicht haben, ohne dabei unsere Rahmenbedingungen und finanziellen Möglichkeiten zu sprengen“, erinnerte Uwe Schwarz. Achim Lenz sei in der deutschen Freilicht- und Festpiellandschaft eine etablierte Größe. „Er ist ein Glücksfall für unsere Domfestspiele und hat unser traditionsreiches Sommertheater erfolgreich modernisiert und als feste Kulturmarke verankert“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende.
Intendant Achim Lenz bedankte sich für den Kulturpreis, der ihm sehr viel bedeute und ihm in vielen Dingen den Rücken stärke und zeige, dass das Theater wie er es seit Jahren zu gestalten versuche, gesehen werde. „Denn einfach ist es nicht, hier Theater zu machen. Und diese Domfestspiele sind ein fragiles Gebäude. Sie brauchen Menschen, die an sie glauben, die Verantwortung übernehmen und mitmachen, auch wenn es manchmal schwierig wird“, sagte Lenz.
Den Kulturpreis nehme er nicht für sich allein entgegen, sondern für sein gesamtes Team. Ohne das und viele Mitstreiter würde er nicht an dieser Stelle stehen. Kunst und Kultur hätten es gerade allgemein nicht leicht in einem Land, das immer stärker Gefahr laufe, seinen Weg in die Vereinzelung zu nehmen, sagte der Intendant und versprach: „Wir werden weiter Räume schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, werden Geschichten erzählen, werden weiter Theater machen, werden dagegen halten. Und ich glaube fest daran, dass wir damit am Ende gewinnen werden.“
