Tschentscher und Brosda eröffnen Harbour Front Literaturfestival

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda haben am Samstag im Thalia Theater gemeinsam das 17. Harbour Front Literaturfestival eröffnet. Unter dem Titel „Hamburg liest Amerika – The American Dream: eine verlorene Liebe?“ standen zum Auftakt die Zukunft der Demokratie, der American Dream und die Frage im Mittelpunkt, wie gesellschaftliche Zuversicht in politisch angespannten Zeiten gelingen kann. Am Abend setzten Zukunftsforscherin Florence Gaub und Bundesaußenminister Johann Wadephul den Eröffnungstag mit dem interaktiven Think Tank „SZENARIO – Die Zukunft steht auf dem Spiel“ fort.

Bürgermeister Peter Tschentscher las aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und schlug den Bogen zur aktuellen politischen Lage: „In einer Zeit, in der gerade die AfD dieses Narrativ vom Staatsversagen und der Überfremdung bedient, brauchen wir ein selbstbewusstes, positives Gegennarrativ. Und da können wir mit unserer Heimatstadt, mit unserer Tradition ein kleines Zeichen setzen.“

Mit Bruce Springsteens „Long Walk Home“ begann die Eröffnung auch musikalisch amerikanisch. Carsten Brosda, Kultursenator und bekennender Springsteen-Fan, hielt anschließend ein Plädoyer dafür, seine Songtexte auch als Literatur zu lesen, und schlug den Bogen zu Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung: „Springsteen hat im Laufe seines Lebens festgestellt, dass erst in dem Moment die Freiheit sich wirklich realisiert hat, als er sich entschieden hat: Hier bleibe ich. Hier werde ich Teil einer Community, hier bringe ich mich ein und sorge dafür, dass wir vor Ort gemeinsam die Dinge besser machen können.“

Festivalleiter Joachim Lux: „Es scheint, als würde in demokratiepolitisch schwierigen Zeiten der Respekt vor der Buchkultur wieder steigen. Das hat die Eröffnung durch den Bürgermeister und den Kultursenator eindrucksvoll unterstrichen. Demokratie muss stets aufs Neue erkämpft werden, sie ist kein Schlafwagen.“

Am Abend wurde die Frage nach der Zukunft ganz konkret: Beim interaktiven Think Tank „SZENARIO – Die Zukunft steht auf dem Spiel“ spielte Zukunftsforscherin Florence Gaub erstmals öffentlich ein geopolitisches Szenario für das Jahr 2030 durch. Gemeinsam mit Bundesaußenminister Johann Wadephul, jungen Zukunftsforscherinnen und Zukunftsforschern und dem Publikum ging es ausgehend von einer Schiffshavarie in der Arktis um politische Entscheidungen in einer internationalen Krise. Wadephuls Fazit: „Unsere Zukunft steht jeden Tag auf dem Spiel, aber sie liegt auch in den besten Händen – in unseren.“

Debütpreis 2026 an Oliwia Hälterlein und Martin Piekar

Am Sonntag wurde im ausverkauften NICA Jazz Club der mit 10.000 Euro dotierte Harbour Front Debütpreis vergeben. Oliwia Hälterlein mit „Wir Töchter“ (C.H.Beck) und Martin Piekar mit „Vom Fällen eines Stammbaums“ (Rowohlt Hundert Augen) teilen sich den Debütpreis 2026 und das Preisgeld.

Die Jury aus den Hamburger Buchhändlerinnen und Buchhändlern Pascal Mathéus, Can Mayaoglu, Melanie Winkler und Julia Kemp diskutierte die sechs nominierten Romane live auf der Bühne und entschied sich am Ende dafür, den Preis erstmals an zwei Nominierte zu vergeben.

Das Eröffnungswochenende zeigte zugleich die inhaltliche und formale Bandbreite des Festivals: von der großen Eröffnungsveranstaltung über den Live-Podcast mit Christine Westermann und Mona Ameziane und die Lesung mit Caroline Wahl bis zum literarischen Dialog mit Ildikó von Kürthy und Daniel Schreiber und „Hymnen an die Nacht“ mit Devid Striesow und Markus Becker. Knapp 4.000 Besucherinnen und Besucher waren am ersten Festivalwochenende dabei.

Das Harbour Front Literaturfestival läuft noch bis zum 11. Oktober mit mehr als 70 Veranstaltungen in Hamburg.

Aktuelle Informationen und Tickets: harbourfront-hamburg.com