»Hotel Skiverliebt« sorgt für Glücksgefühle und Amüsement

Hotel Skiverliebt ~ Schmidt Theater Hamburg ~ Leo Brunner (Veit Schäfermeier), Franz Nicht (Karim Plett), Anna Maier (Tiziana Turano) und Jessica Maier (Annic-Barbara Fenske) ~ © Morris Mac Matzen/mmacm.com

Musicals haben in Hamburg Tradition. Ein Ski-Musical hat es allerdings bisher noch nicht gegeben. Das hat sich jetzt geändert. Im Schmidt Theater an der Reeperbahn ist seit gestern Abend (4. November 26) das „5 Sterne“ Musical „Hotel Skiverliebt“ zu erleben. Zuvor bestehen im Weingarten Sechsundzwanzig (zwischen Schmidt Theater und Schmidts Tivoli) die Möglichkeiten, nicht nur ein Glas Winzer-Glühwein oder Apfel-Punsch zu genießen, sondern auch auf der 12 Meter langen Eisbahn eine Runde Eisstockschießen zu absolvieren.

Ist das Ganze verwunderlich, weil die Hansestadt mit dem Thema Wintersport nicht assoziiert wird? Auf den ersten Blick schon. Doch die Geschichte des 5-Sterne-Musicals „Hotel Skiverliebt“ zeigt deutlich die Verbindung auf. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Salzburger Landestheaters in Kooperation mit dem Tourismusverband Saalbach Hinterglemm, SalzburgerLand Tourismus und dem Schmidts TIVOLI Theater Hamburg. Die Uraufführung fand zur FIS Alpinen Ski-WM im Februar 2025 in Österreich statt.

Hotel Skiverliebt
Schmidt Theater Hamburg
Fiona Grafenreiter (Carolin Spieß; Mitte) und Ensemble
© Morris Mac Matzen/mmacm.com

Pop-Balladen, Samba und Walzer – die Musik ist vielseitig und abwechslungsreich. Sie stammt von Martin Lingnau, Hauskomponist der Schmidt Theater. Darüber hinaus ist er sehr viel mehr, wie Corny Littmann bei seiner kurzen Begrüßung vor der Premiere hinwies. Laut Werkstatistik des deutschen Bühnenvereins ist Martin Lingau einer der meistgespielten Musiktheaterkomponisten Deutschlands. Zudem ist er sein Nachfolger und wird die künstlerische Leitung der Schmidt Theater übernehmen.

Fröhliche Stimmung und gefeierte Lebensfreude springen über

Bei „Hotel Skiverliebt“ kann man nicht nur schnell und unbeschwert den Alltag vergessen, sondern auch emotional am vielfältigen Liebesglück auf der Bühne teilhaben. Die fröhliche Stimmung und die gefeierte Lebensfreude (wie beim Song „Dancar“) springen unmittelbar von der Bühne zum Publikum über. Tanzszenen und sportive Einlagen, wie Spagat und Radschlag, runden das energetische Treiben auf der Bühne ab (Choreografie: Benjamin Zobrys).

Hotel Skiverliebt
Schmidt Theater Hamburg
Ensemble
© Morris Mac Matzen/mmacm.com

Dabei folgt in der Geschichte zunächst ein Problem dem nächsten. Im Familienhotel der Maiers geht es kurz vor einer Ski-Meisterschaft drunter und drüber. Das Personal ist überfordert, die Warmwasserversorgung ist zusammengebrochen und die Juniorchefin und Skiathletin Anna droht unter hohem Druck zusammenzubrechen. Dann taucht auch noch eine engagierte Naturschützerin auf und macht gehörig Stress. Als auch noch ein Wetterumschwung erfolgt, ist plötzlich die gesamte WM-Veranstaltung in Gefahr. Doch am Ende gibt es nicht nur eine salomonische Entscheidung über den Ausgang der Ski-WM, es haben sich auch vier neue Liebespaare glücklich zusammengefunden.

Saalbacher Originalkulisse

Mit Augenzwinkern und lokalen Bezügen sorgt das Buch von Anna Lukasser-Weitlaner für eine kurzweilige Unterhaltung (textliche Adaption: Michael Frowin, Dialogfassung: Johannes Glück). Der schweizerische Regisseur Dominik Flaschka hat die Geschichte liebe- und schwungvoll umgesetzt. Es ist seine erste Arbeit am Schmidt Theater. Sie ist voller Energie und Witz.

Das Bühnengeschehen wechselt zwischen Szenen im Hotel und in den Bergen. Wandelbare Bühnenelemente bilden verschiedene Räume im Hotel, in dessen Außenbereich und eine Skipiste in den Alpen wieder. Im Hintergrund weist eine Alpenkulisse auf ein reales Winterparadies hin, auf den Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn im SalzburgerLand. Dazu kommen drollige mobile Elemente, wie eine Schneewalze oder Miniaturen von dieser und von Skiläufer:innen, die den Bergkamm entlangfahren (Bühne: Serena Beatrice-Irniger; auch Kostüme).

Tiziana Turano und ein starkes Ensemble

Im Mittelpunkt des LSBTIQ-affinen Musicals steht Anna, von ihrem „Berglöwen“ „Herzlein“ genannt. Tiziana Turano gibt sie charmant und facettenreich. Zugleich zeigt sie dabei eine starke Ausdrucksstärke (wie nicht zuletzt bei „Das ist mein Moment“). Ihren Skitrainer und Freund Franz Nicht („Bärlie“) spielt Karim Plett als pures Energiebündel. Annas Mutter (Jessica Maier) gibt besonnen und fürsorglich Annic Barbara Fenske (mit dem Hit-verdächtigen und gemeinsam mit dem Ensemble groß in Szene gesetzten „Kaiserschmarrn-Walzer“). Den sich stark um die Hotelchefin bemühenden Hausmeister und Alleskönner Leo Brunner gibt Veit Schäfermeier vital (einnehmend mit dem verträumten „Herzen im Schnee“).

Hotel Skiverliebt
Schmidt Theater Hamburg
Anna Maier (Tiziana Turano) und Camilla Senna da Silva (Nicole Rushing) und Ensemble
© Morris Mac Matzen/mmacm.com

Für viel Lacher im Publikum sorgt die sich unerbittlich für die Art der „Unkenblitzer“- einsetzende Fiona Grafenreiter der Carolin Spieß (Song „Unkenblitzer“). Götz Fuhrmann zeigt als Oberbürgermeister Joe Oberbichler, der in Personalunion fast alle Stellen in der Gemeinde inne zu haben scheint, einen weichen Kern unter einer harten Schale.
Wandelbar und lernbereit ist die Ski unerfahrene Reporterin vom NDR, Hannah Kleinhampel-Huckriede, der Katrin Taylor.

Annas Hauptkonkurrentin Camilla Senna da Silva setzt sich dafür ein, bei allem harten Training den Spaß nicht zu vergessen und im Denken frei zu sein (feurig: Nicole Rushing).
Weiterer Antagonist neben der Umweltaktivistin ist Camillas Trainer Peppi Unterberger, der gerne mal eine Linie zieht und kräftig die Musik aufdreht (unbekümmert: Jendrik Sigwart). Bei seiner Apres-Ski-Nummer „Schi-cki-mi-cki Traumboy“ zieht vom Publikum beklatscht das Servicepersonal kurzerhand per Polonaise durch den Saal.

Trotz seines sperrigen Titels hat das Musical bewiesen, dass es die Menschen berührt und glücklich macht. Nach bereits reichlich viel Zwischenapplaus gab es am Ende der Premierenvorstellung intensiven Beifall und stehende Ovationen.

Markus Gründig, November 26


Hotel Skiverliebt

Uraufführung: 1. Februar 2025 (Salzburg, Salzburger Landestheater; unter dem Titel „Skiverliebt“)
Premiere im Schmidt Theater Hamburg: 4. November 2026

Musik: Martin Lingnau
Songtexte: Frank Ramond
Regie: Dominik Flaschka (Andreas Gergen in Salzburg)
Choreografie: Benjamin Zobrys
Gesangsarrangements & Musikalische Supervision: Sebastian de Domenico
Musikalische Leitung & zusätzliche Gesangsarrangements: Markus Voigt
Orchestration: Andreas Lange & Ingmar Süberkrüb
Musikproduktion: Joachim Schlüter & Martin Lingnau
Textliche Adaption: Michael Frowin
Buch: Anna Lukasser-Weitlaner
Dialogfassung: Johannes Glück
Bühnen- und Kostümbild: Serena Beatrice-Irniger
Mitarbeit Kostümbild: Eva-Maria Roelke
Bühnenbau: Frankenbiber GmbH
Musikproduktion: Joachim Schlüter
Lichtdesign: Felix Wienbürger
Maske: Sophia Mey
Requisiten: Anja Majeski
Bühnentechnik: Andreas Nörthemann
Regieassistenz: Andreas Bierkamp
Choreografische Assistenz: Lisa-Marie Seidler
Produktionsleitung: Marco Knorz
Leitung Veranstaltungstechnik: Maximilian Latuska & Angelo Spiegel
Künstlerische Leitung: Martin Lingnau

Besetzung:

Anna Maier: Tiziana Turano / Deike Darrelmann
Franz Nicht: Karim Plett / Frederik Stuhllemmer
Hannah Kleinhampel-Huckriede: Katrin Taylor / Lena Pudenz
Joe Oberbichler: Götz Fuhrmann /Andreas Zaron
Camilla Senna da Silva: Nicole Rushing
Leo Brunner: Veit Schäfermeier / Benjamin Eberling
Fiona Grafenreiter: Carolin Spieß / Jessica Kessler
Jessica Maier: Annic Barbara Fenske / Rebecca Stahlhut
Peppi Unterberger: Jendrik Sigwart / Peter Knauder
Ensemble: Fides Groot Landeweer, Christopher Dederichs, Ulrike Figgener, Richard Patrocinio

tivoli.de / skiverliebt.at