- Zwei Schwestern, zehn Jahre Schweigen – und ein Theater, das bebt
- Weltpremiere am 30. Oktober 2026 im Berliner Theater des Westens
Als Zwei-Frauen-Stück angekündigt, als großes Musical auf die Bühne gebracht: Mit SALON ROSIE gelingt Peter Plate und Ulf Leo Sommer ein überraschender Coup. Und Berlin hat zwei neue Musicalheldinnen.
Was für zwei Frauen! Und was für ein herrlich verrückter Abend!
Berlin hatte sich gestern Abend (30. Oktober 26) herausgeputzt. Unter den Gästen der Weltpremiere: Marius Müller-Westernhagen, Detlev Buck, Klaus Wowereit, Kai Wegner, Franziska Giffey, Inga und Annette Humpe sowie Max Raabe. Eine Gästeliste, die man auch nicht alle Tage vor einem Friseursalon sieht.
Weil die Geschichte in Wittenberg spielt, wird das Theater des Westens kurzerhand in „Theater des Ostens“ umbenannt. Ein erster großer Lacher, noch bevor das Musical überhaupt richtig begonnen hat.

Stage Theater des Westens
Schlussapplaus
© Dominic Ernst
Mit SALON ROSIE bekommt das Erfolgsmusical WIR SIND AM LEBEN seine Vorgeschichte. Wer ein kleines Kammerspiel erwartet hatte, erlebte stattdessen großes Theater: Musik, Tanz, überraschende Bühnenbilder und zwei Schwestern, bei denen es das Wort „klein“ nicht gibt. Nicht in ihren Träumen, nicht in ihren Gefühlen und schon gar nicht in ihren Katastrophen.
Steffi Irmen und Kathi Damerow sind zwei Naturgewalten
Irmen brilliert als „Muttertier“ mit einer solchen Spielfreude, dass man sich fragt, ob sie noch mitten im Lied steckt oder längst eine Zugabe improvisiert. Und mit Kathi Damerow geht ein neuer Stern am Berliner Musicalhimmel auf.

Stage Theater des Westens
Kathi Damerow und Ensemble
© Dominic Ernst
Doch die vielleicht schönsten Momente dieses Abends sind die ganz kleinen. Wenn die beiden nur dastehen, sich ansehen, eine Augenbraue heben – und der Saal schon lacht. Wie sie innerhalb von Sekunden von einer stillen, beinahe schmerzhaft traurigen Szene ins Urkomische wechseln, um im nächsten Augenblick ein Lied anzustimmen, das einem direkt unter die Haut geht, ist große Schauspielkunst. Selten erlebt man zwei Darstellerinnen auf einer Musicalbühne, die ihrem Publikum so nahekommen.
Und dann wieder das ganz große Theater: Kathi Damerows Interpretation des neu geschriebenen Songs „Fahr mit mir nach Havanna“ gehört zu den Höhepunkten des Abends. Hinter ihr erscheint ein gewaltiges Kreuzfahrtschiff, bei dem man sich unwillkürlich fragt, wie dieses Ungetüm überhaupt auf die Bühne gekommen ist.
Musikalisch setzen Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange auf fast ausschließlich neue Songs. Dazu kommen drei bekannte Hits: „36 Grad“, „Das Lied von den Vergessenen“ und „Gib mir Sonne“.

Stage Theater des Westens
Steffi Irmen
© Dominic Ernst
Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck schaffen mit Buch und Regie eine bemerkenswerte Balance zwischen überschäumender Komik und tiefem Gefühl. Die Choreografien von Nele Neugebauer zitieren mit herrlichem Witz die Ästhetik des DDR-Fernsehballetts: synchroner Hüftschwung trifft auf staatlich verordnete Fröhlichkeit. Und wenn auch noch David Hasselhoff die Berliner Mauer ein zweites Mal einreißt, darf die Geschichtsschreibung kurz hinter der besseren Pointe zurückstehen.
Doch hinter all dem Vergnügen steckt eine Geschichte, die weit über den Friseursalon hinausreicht.
SALON ROSIE erzählt von ostdeutscher Lebenswirklichkeit vor und nach der Wende. Von Hoffnungen, Brüchen und Neuanfängen. Eine Geschichte, in der sich viele wiederfinden können – generationenübergreifend und verbindend.
Im Mittelpunkt stehen Gabi und Rosi, zwei Schwestern, die nicht miteinander können. Aber ohneeinander erst recht nicht. Irgendwann sprechen sie zehn Jahre lang nicht mehr miteinander.
Zehn Weihnachten. Zehn Geburtstage. Tausende Gelegenheiten, einfach mal anzurufen.
Man kann zehn Jahre schweigen. Aber man kann diese zehn Jahre nicht zurückbekommen.
Vielleicht ist das die größte Stärke dieses Musicals: Es darf hemmungslos komisch sein, ohne seine Figuren lächerlich zu machen. Und zutiefst traurig, ohne sentimental zu werden.
Berlin hat einen neuen Salon. Zwei außergewöhnliche Hauptdarstellerinnen. Und ein Musical, das weit größer ist, als seine Ankündigung vermuten ließ.
„Sie kommen schöner raus als rein“, verspricht der Salon. Nach diesem Abend möchte man hinzufügen: Vielleicht nicht schöner. Aber mit einem etwas größeren Herzen.
Salon Rosie
Buch & Regie: Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck
Musik & Songtexte: Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange
Choreografie: Nele Neugebauer
Hauptdarstellerinnen: Steffi Irmen und Kathi Damerow
Informationen und Tickets:
musicals.de | musicalsberlin.com
