Timofei Kuljabin inszeniert »Elias« in Kassel

Staatstheater Kassel: INTERIM ~ © Sylwester Pawliczek / MACHMAMACHMA

Die Welt steht hier und jetzt am Scheideweg. Damit öffnet der Prophet Elias den Vorhang für Felix Mendelssohn Bartholdys packendes Werk, das sich an der Gattungsgrenze zwischen Oratorium und Oper bewegt und das große Solist:innen-Ensemble und den Opernchor in hochdramatische, exzessive Dialoge treibt. Timofei Kuljabin, der bekannt ist für seine ungewöhnlichen Zugriffe auf klassische Stoffe und seinen genauen, psychologischen Blick, setzt das höchst selten szenisch aufgeführte Werk in Beziehung zu heutigen Entwicklungen. Basierend auf Texten des Alten Testaments entspinnt sich ein Schlagabtausch zwischen alten und neuen Glaubensrichtungen, der an unsere aktuelle Situation anknüpft.

Eine angekündigte Dürre setzt das ungläubige Volk unter Druck – und Elias weiß die Situation auszuspielen: In einer spektakulären Machtdemonstration lässt er Feuer regnen und zieht so die Umstehenden auf seine Seite. Plastisch setzt Mendelssohn die Natur in Szene, wenn das Feuer Funken wirft, endlich Regen fällt oder die Erde bebt. Kontrastreich stehen daneben die Menschen, die zwischen Macht und Scheitern auf ihre Hybris zurückgeworfen werden. Wer wird zum Täter und wer zum Opfer? Wer formt die Narrative unserer Gesellschaft? Das Szenario ist erschreckend aktuell: Es zeigt eine Gesellschaft am Rande des Zusammenbruchs, leicht manipulierbar und empfänglich für alle Versprechen.

Kuljabin und sein Team verlegen die Handlung in die nahe Zukunft und übersetzen die religiösen Begriffe des Propheten in parabelartige, symbolische Bilder. Was geschieht, wenn ein Mensch zutiefst davon überzeugt ist, die Menschheit retten zu können, und im Namen der Humanität von seiner Macht und seinen Mitteln radikalen Gebrauch macht?

Timofei Kuljabin inszenierte an bedeutenden Bühnen in Europa und Asien, darunter am Bolschoi-Theater in Moskau, am Nationaltheater Prag, am Schauspiel Frankfurt und am Stadsteater Malmö. Seine Inszenierung von „Pique Dame“ an der Opéra de Lyon wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zur „Aufführung des Jahres 2024“ gewählt. Nach seinem öffentlichen Protest gegen den russischen Krieg gegen die Ukraine musste er 2022 Russland verlassen und setzt seine internationale Karriere mit Produktionen in Europa und Asien fort. Seit dieser Spielzeit ist Kuljabin Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus.

Während Kuljabin in den vergangenen Jahren regelmäßig an internationalen Schauspiel-Bühnen inszenierte, waren bisher erst vier Musiktheater-Arbeiten von ihm außerhalb Russlands zu erleben: „Rigoletto“ und „Les Noces / Oedipus Rex“ 2017 und 2019 an der Oper Wuppertal sowie „Pique Dame“ 2024 in Lyon und „Der ferne Klang“ 2025 in Prag.


Elias

Oratorium

Von: Felix Mendelssohn Bartholdy
In einer Inszenierung von: Timofei Kuljabin

Premiere: Samstag, 5. Dezember 26 (INTERIM)

Musikalische Leitung: Ainārs Rubiķis
Regie: Timofei Kuljabin
Bühne: Oleg Golovko
Kostüme: Vlada Pomirkovanaja
Licht: Oskars Pauliņš
Dramaturgie: Teresa Martin, Ilya Kukharenko
Chor: Marco Zeiser Celesti
Extrachor: Anne-Louise Bourion

Besetzung:

Elias: Filippo Bettoschi
Obadjah / Tenor: Johannes Strauß
Witwe / Sopran: Marta Kristín Friðriksdóttir
eine Stimme / Mezzosopran: Ilseyar Khayrullova
Engel / Sopran: Annabelle Kern
Königin / Mezzosopran: Maren Engelhardt
Ahab / Tenor: Björn Edelmann
eine Stimme / Bass: Christian Backhaus
Knabe: Kyotaro Weitzel / Leonardo Kehl

Staatsorchester Kassel
Opernchor und Extrachor des Staatstheaters Kassel


Weitere Vorstellungen: Fr., 11.12. (19 Uhr), So., 13.12. (16 Uhr), Di., 22.12. (19 Uhr), 13.01., 23.01., 30.01., 26.02., 17.03. (jeweils 19 Uhr)

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