Ein Angriffskrieg gegen Ungarn, ein dunkles Familiengeheimnis und ein großes Frageverbot: Mit Richard Wagners Oper Lohengrin über den gleichnamigen Gralsritter, der wundersam am Hof von Brabant erscheint, feiert das Staatstheater Mainz seine erste Opernpremiere der Spielzeit. Regisseur Erik Raskopf nimmt sich des Sagenstoffs vor historischem Hintergrund an und sucht in seiner Inszenierung nach der Tiefe der Figuren.
Nach dem Verschwinden ihres Bruders Gottfried klagt Friedrich von Telramund, der selbst an die Macht will, die Erbin Elsa von Brabant des Mordes an. Ein Kampf soll über ihr Schicksal bestimmen – und unverhofft taucht ein Unbekannter auf, der für sie einsteht und siegt. Nur unter einer Bedingung will er bei Elsa bleiben und ihr das Herzogtum sichern: „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art.“ Zwar hat Elsa von dem geheimnisvollen Ritter bereits geträumt und fasst zunächst Vertrauen, doch Telramund und seine Frau Ortrud säen ihr Zweifel ein …

Staatstheater Mainz
Vorabbild mit Nadja Stefanoff
© Andreas Etter
Erik Raskopf zeichnet Brabant als dunkle, höhlenartige Welt (Bühne: Christoph Schubiger), die in Scherben liegt. König Heinrich ist alt und versucht mit letzter Kraft seine Heerscharen zu mobilisieren, bis Lohengrin wie ein Blitz durch die Gesellschaft fährt und Hoffnung bringt. Zentral wird in Raskopfs Inszenierung die Frage, warum Elsa dem Gralsritter nicht vertrauen kann. Und er gibt Einblick in die düstere Vorgeschichte der Brabantischen Herzogsfamilie.
Lohengrin wurde 1850 nicht in Bayreuth mit seinem tiefen Orchestergraben, sondern am Weimarer Hoftheater unter Franz Liszt uraufgeführt. Entsprechend orientiert sich Generalmusikdirektor Gabriel Venzago in seiner Arbeit mehr an der frühen Spieloper als am späteren romantischen Musiktheater Wagners. Unter seiner Leitung sind ein hochkarätiges Sänger*innenensemble zu hören – darunter Nadja Stefanoff, die an der Seite von Corby Welch ihr Debüt als Elsa gibt –, sowie der Opern- und Extrachor und das Philharmonische Staatsorchester Mainz.
Lohengrin
Romantische Oper in drei Aufzügen
Von: Richard Wagner (1813-1883)
Uraufführung: 28. August 1850 (Weimar, Großherzogliches Hoftheater)
Premiere am Staatstheater Mainz: Sonntag, 4. Oktober 26 (Großes Haus)
Musikalische Leitung: Gabriel Venzago
Inszenierung und Kostüme: Erik Raskopf
Bühne und Video: Christoph Schubiger
Licht: Frederik Wollek
Kampfchoreografie: Atef Vogel
Choreinstudierung: Sebastian Hernandez-Laverny
Dramaturgie: Sonja Westerbeck
Besetzung:
König Heinrich: Stephan Bootz
Lohengrin: Corby Welch
Friedrich von Telramund: Brett Carter
Heerrufer: Tim-Lukas Reuter
Ortrud: Julija Vasiljeva
Elsa: Nadja Stefanoff
Vier Edeldamen: Dohyun Lee, Jeeho Anja Park*, Paula Maria Müller*, Luisa Sagliano
Vier brabantische Edle: David Jakob Schläger*, Nikolas Groth*, Luis Gehrmann, Hyeongho Lee Gottfried Lennard Simon
Mönch: Christian Roth
Chor und Extrachor des Staatstheater Mainz
Statisterie des Staatstheater Mainz
Philharmonisches Staatsorchester Mainz
* Junges Ensemble in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Mainz, dem Peter-Cornelius Konservatorium und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
Nächste Vorstellungen: 24.10., 01.11., 06.11., 21.11., 20.12., 27.12.
Weitere Informationen und Karten: staatstheater-mainz.com
