
Als Einspringerin für erkrankte Kolleg:innen hat die britische Sopranistin Louise Alder schon mehrfach einen Liederabend an der Oper Frankfurt gerettet (2014 und 2019). Nun erwischte es sie selbst. An dem mit Tenor Mauro Peter geplanten Liederabend konnte sie nicht teilnehmen. Ironie des Zufalls: Bereits im Februar 2025 war dieser Abend (mit gleichem Programm) angesetzt, damals musste Mauro Peter influenza-bedingt absagen und Alder gestaltete ihn allein.
Als kurzfristigen Ersatz zum Auftakt der Liederabendserie 2026/27 konnte die Oper Frankfurt kurzfristig hochkarätigen Ersatz für Louise Alder finden: die in Frankfurt besonders beliebte Sopranistin Christiane Karg. Sie war, wie Dramaturg Maximilian Enderle dem Publikum vor Beginn mitteilte, für ein Coaching, wahrscheinlich für das Opernstudio, ohnehin im Haus. Sie zählte einst, wie auch Louise Alder, zum Ensemble der Oper Frankfurt und rettete bereits, hochschwanger, 2018 einen Liederabend; weitere gab sie hier in den Jahren 2013 und 2024. Im Februar 2027 wird sie in der New Yorker Carnegie Hall bei zwei Konzerten der Wiener Philharmoniker unter Yannick Nézet-Séguin mitwirken. Karg ist auch Gründerin der Outreach-Initiative „Be part of it! – Music for All“, die sich der musikalischen Bildung von Kindern und Jugendlichen widmet.
Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung
Präsentiert wurde, wie angekündigt, Hugo Wolfs Liedzyklus „Italienisches Liederbuch“. Dieses präsentierten zuletzt Sopranistin Magdalena Hinterdobler und Tenor Magnus Dietrich im Mai 2024 im Holzfoyer, begleitet vom Frankfurter Generalmusikdirektor Thomas Guggeis höchstpersönlich. Kleiner Exkurs: Magdalena Hinterdobler ist ab dem 27. September 26 bei der Wiedereröffnungsproduktion „Der Rosenkavalier“ der Oper Köln in der Partie der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg zu erleben (und Bianca Andrew in der Partie des Octavio). Die Oper wird live auf 3sat übertragen. Magnus Dietrich gibt ab 20. September die Partie des Tamino in einer Neuproduktion von Mozarts „Zauberflöte“ am Opernhaus Zürich.
Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ ist eine Sammlung von 46 kurzen Liedern, die um das Thema Liebe kreisen und Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung widerspiegeln. Dabei steht jedes Lied für sich alleine, sie bauen also nicht aufeinander auf, wie es bei anderen Liedzyklen meist der Fall ist. Auch gibt es keine vom Komponisten vorgegebene Reihenfolge.
Christiane Karg und Mauro Peter bildeten ein reizendes Paar. Sie präsentierten die Lieder als kleine Dramen mit großer Ausdrucksvielfalt. Jede gesungene Phrase wurde zu einer lebendigen Szene. Während Karg zunächst eine sich leicht distanziert haltende Frau gab, die sich ihrem männlichen Gegenüber erst einmal kritisch gegenüberstand, war Mauro Peter von Beginn an ein leidenschaftlich verliebter Mann.

Oper Frankfurt (8. September 26)
Mauro Peter, Christiane Karg, Joseph Middleton
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de
Noch ganz zurückhaltend, zärtlich und in einem langsamen Tempo eröffnete Christiane Karg den Abend mit „Auch kleine Dinge können uns entzücken“. Ihr schauspielerisches Talent verbunden mit einer intensiven vokalen Leistung zeigte sie u. a. bei „Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen“ („Ich bin verliebt, doch eben nicht in dich“), „Ich ließ mir sagen“ und „Ihr jungen Leute“. Comedycharakter dann gar bei „Mein Liebster hat zu Tische mich geladen“ und Drama bei „Schweig einmal still“.
Als Charmeur präsentierte sich Mauro Peter. Auch er war bereits mit einem Liederabendprogramm zu Gast an der Oper Frankfurt (2015). Er glänzte mit einer großartigen Textverständlichkeit und einer warmen, charaktervollen Stimme. Mit seinen hingebungsvollen Blicken betörte er Karg und das Publikum gleichermaßen. Dabei zeigte er auch emotionale Ausbrüche („Hoffärtig seid ihr, schönes Kind“) und vokale Stärke („Dass doch gemalt all deine Reize wären“).
Am Klavier begleitete die beiden der britische Pianist Joseph Middleton. Er hatte im vergangenen Jahr bereits Louise Alder und Mauro Peter mit dem „Italienischen Liederbuch“ in der Londoner Wigmore Hall, dem Musikverein Wien und beim LIFE Victoria Barcelona Festival unterstützt. Souverän und punktuell Akzente setzend, war er weit mehr als ein Begleiter für die beiden.
Am Ende kräftige Beifallsbekundungen und ein Duett in Form einer „versöhnlichen“ Zugabe.
Markus Gründig, September 26
Die Zugabe:
Robert Schumann (1810–1856): „Unterm Fenster“ (Vier Duette, Opus 34, Nr. 3)
