Mikheil Charkviani inszeniert »Der Prozess« in Wiesbaden

© Arek Socha auf Pixabay

Mikheil Charkviani inszeniert Franz Kafkas „Der Prozess“ im Eindruck zunehmend antidemokratischer Entwicklungen

Nachdem er in diesem Jahr mit „Antigone“ das Radikal-jung-Festival in München eröffnete, startet der Regisseur Mikheil Charkviani am Samstag, den 05. September 2026 um 19:30 Uhr mit Franz Kafkas „Der Prozess“ die neue Spielzeit im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Der georgische Regisseur setzt Kafkas unvollendeten Jahrhundertroman unter dem Eindruck erstarkender antidemokratischer, autoritärer Systeme um. In kafkaesker Manier – zwischen Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor – zeigt er Josef K.s unermüdlichen und ausweglosen Gang durch die Institutionen.

Am Morgen seines 30. Geburtstages wird Josef K. verhaftet, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Ein ominöses, undurchschaubares Gericht will ihm weder sagen, weshalb er angeklagt ist, noch, wie er sich verteidigen könnte. K.s verzweifelte Suche nach einem Zugang zum Gericht und zu Informationen über seinen Fall führen ihn in surreale bürokratische Labyrinthe.

Währenddessen läuft für ihn unzugänglich und unnachvollziehbar der Prozess, bis K. Spürt: Seine Zeit ist abgelaufen…

„Joseph K. ist ein erfolgreicher, gut gestellter Bänker mit vielen Kunden. Zu Beginn ist er noch ehrgeizig, beinahe arrogant. Er glaubt an das Gesetz und die Gerechtigkeit, will einen Freund um Hilfe ersuchen, der Rechtsanwalt ist“, sagt Mikheil Charkviani, der auch für die Textfassung des Stücks verantwortlich zeichnet. „Aber all das hat keinen Wert mehr. Im Laufe des Stücks wird Joseph K.s Existenz immer mehr dekonstruiert – sein Haus, sein Leben, seine gewohnten Abläufe. Wenn Du zur Zielscheibe des Systems wirst, wirst Du aussortiert.“

Mikheil Charkviani, der in Georgien als Künstler und politischer Aktivist breite Bekanntheit besitzt, beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der deutschsprachigen Literatur und Theaterszene. Kafkas Roman wird im Hinblick auf die derzeitige gesellschaftliche Lage in seinem Heimatland zum Schlüsseltext. So zitierte Schauspielerkollege Andro Chichinadze – einer der bekanntesten politischen Gefangenen Georgiens – in seinem Aufsehen erregenden Prozess vor Gericht die ersten Zeilen aus Kafkas Roman. „Ich habe so viele unschuldige Menschen im Gefängnis gesehen, die noch immer nicht wissen, warum sie inhaftiert sind. Nicht nur in Georgien, beispielsweise auch im Iran habe ich Freunde, die politische Gefangene sind“, sagt Charkviani. Der heute in Deutschland arbeitende Regisseur sieht sich mit seiner Kunst als Bote einer Entwicklung, die, wie er sagt, auch Zentraleuropa drohen könnte.

Mikheil Charkviani (Regie)

Mikheil Charkviani lebte und arbeitete lange in Tbilisi, Georgien. Er ist Theaterregisseur, Bühnenbildner und Übersetzer sowie Gründer und Kurator von „Open Space“, einem Zentrum für performative und visuelle Kunst und des „South Caucasus Documentary Theatre Network“, beide in Tbilisi. Schon während seines Theaterstudiums und dem der Klassischen Philologie übersetzte er Theaterstücke von Rainer Werner Fassbinder, adaptierte „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll für die Bühne und richtete Stücke u. a. von Lars Norén und August Strindberg für die Bühne ein. Seit 2012 inszenierte er regelmäßig vor allem Stücke des europäischen Theaterkanons an verschiedenen Theatern in Georgien. Seine Open-Space-Produktion „Exodus“ war 2023 bei den Wiener Festwochen zu sehen.

Mikheil Charkviani wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, u. a. für „Katzelmacher“ (Bester junger Theaterregisseur 2013), für „Medea“ (Beste Theaterarbeit, 2016), für „Katharina Blum“ (Kritiker-Preis des Anton-Tschechow-Forums, 2018), für „Hecuba“ (Beste Inszenierung, 2019) und für „Love and Information“ (Freie Theater, Beste Ausstattung, 2024). „Antigone“, seine erste Inszenierung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, wurde 2026 zum Radikal-jung-Festival nach München eingeladen. Im März 2026 feierte sein dokumentarisches Stück „Farbe“ Uraufführung am Theater Krefeld und Mönchengladbach. Mikheil Charkviani lebt derzeit in Frankfurt am Main.


Der Prozess

Nach dem Roman von: Franz Kafka
In einer Fassung von: Mikheil Charkviani

Premiere: Samstag, 5. September 26 (Kleines Haus)

Inszenierung: Mikheil Charkviani
Komposition und Bühnenmusik: Erekle Getsadze
Ausstattung: Till Kuhnert
Abendspielleitung: Philippe Roth
Dramaturgie: Sophie Steinbeck
Vermittlung: Valentina Eimer
Kostümassistenz: Maria von Knobelsdorff

Mit: Jonas Grundner-Culemann, Abdul Aziz Al Khayat, Laura Talenti, Lasse Boje Haye Weber, Evelyn M. Faber

Weitere Termine:
Do, 01.09.2026, 19:30 Uhr
So, 20.09.2026, 18:00 Uhr
So,04.10.2026, 16:00 Uhr
Mi, 07.10.2026, 19:30 Uhr
→weitere Termine folgen

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