„Der Ozean beginnt in Frankfurt“ – in einem Sommer, in dem Hitzewellen den Main zeitweise deutlich schrumpfen ließen, bekam das Motto der Jubiläums-Sommerwerft eine neue Dringlichkeit: Das Festival wurde zu einem Ort, an dem Menschen gemeinsam nach kreativen Antworten auf eine Welt im Wandel suchten. Nach 17 Festivaltagen ging die 25. Sommerwerft am vergangenen Sonntag mit einem Besucher*innenrekord zu Ende: Rund 130.000 Menschen kamen zwischen dem 24. Juli und dem 9. August an die Weseler Werft – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Festivals, das den Main als offenen Kulturraum für internationales Theater, Tanz, Musik und Performance bespielte.
Was 2002 mit kaum 10.000 Besucher*innen begann, ist heute eines der größten frei zugänglichen Open-Air-Theaterfestivals Deutschlands. Über 700 Künstler*innen – international wie regional – bespielten die Bühnen an der Weseler Werft, im Beduinenzelt liefen täglich drei Konzerte, an den Wochenenden begeisterte die Kinderbühne ein junges Publikum und im täglichen Workshopangebot konnten Besucher*innen selbst aktiv werden. Highlights waren außerdem die montägliche Night of Dance, die Porto Brasil Night und die Queer Night an den Donnerstagen.
„Die Sommerwerft ist ein Ort, den viele Menschen über 25 Jahre mit ihrer Zeit, ihrer Kreativität und ihrem Vertrauen erschaffen haben – ein Freiraum für Utopie und kreativen Widerstand, der zeigt, wie eine mögliche Gesellschaft von morgen aussehen könnte“, so Bernhard Bub, künstlerischer Leiter und Mitbegründer von protagon e.V., dem Verein hinter der Sommerwerft.
Getragen wurde das Festival von einem großen Team: Rund 100 Helfer*innen packten schon beim Aufbau mit an, zwischenzeitlich waren täglich bis zu 180 Menschen auf dem Gelände im Einsatz. Darunter war auch ein internationales Team von 60 Freiwilligen, von denen 27 über das Erasmus-Solidaritätskorps-Programm nach Frankfurt kamen und die während des Festivalzeitraums gemeinsam mit dem Team und den Künstler*innen auf dem Kulturgelände von protagon e.V. in der Orber Straße lebten.
Dass Wetterextreme die Sommerwerft nicht ausbremsen, zeigte sich schon in den Vorjahren: Die beiden vorangegangenen Ausgaben fielen jeweils in kühlere, regenreichere Wetterphasen, dennoch kamen jedes Mal rund 100.000 Besucher*innen. In diesem Jahr war es umgekehrt: Während des Festivals rollte eine Hitzewelle über die Stadt, und das Team reagierte mit Sprühnebelanlagen im Kinderbereich und an der Cocktailbar, einem eigenen Awareness-Zelt sowie gratis Trinkwasser für Bedürftige. Die Wetterlage unterstrich dabei auf ungeplante Weise die Aktualität des Jahresthemas: Wo aktuell über den Schutz der Ozeane gesprochen wurde, war der Klimawandel in diesem Sommer am eigenen Leib zu spüren. Dass das Festival dabei nicht nur Zuflucht, sondern auch Raum für Ideen und Anpassung bot, machte aus der Herausforderung zugleich eine Chance.
Inhaltliches Herzstück der Jubiläumsausgabe war das Blue Lab, das vom 29. Juli bis 2. August das Mainufer in eine internationale Plattform an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Umweltbildung verwandelte. Als offiziell anerkannte Decade Action der UN-Ozeandekade (2021–2030) im Rahmen der UNESCO und als Teil der EU-Kampagne „The Ocean begins in your city“ folgte das fünftägige Programm im Blue Lab-Pavillon einer „Source-to-Sea“-Logik entlang des Wasserkreislaufs von der Quelle bis zum Ozean, bevor am 2. August gemeinsam der Abschluss im Zeichen von Respekt, Verantwortung, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Inklusion gefeiert wurde.
Ein internationales Partnernetzwerk aus Kunst und Wissenschaft gestaltete das Programm – darunter die Senckenberg Ocean Species Alliance mit der Ausstellung „Deep-Sea“, Greenpeace Frankfurt mit der mobilen Wasseraufbereitung PAUL sowie Performances, Klanginstallationen und Wissenschaftscafés rund um das Konzept der Ocean Literacy: das Wissen um die wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Ozean und die Fähigkeit, danach zu handeln. Einen Rückblick aufs Blue Lab gibt es in diesem Video.
Das Blue Lab geht über das Festival hinaus: Bis Dezember 2026 setzt das Projekt sein Programm fort – mit Umweltbildungs-Workshops an hessischen Grundschulen, einer Veranstaltungsreihe zu Gender und Umweltgerechtigkeit beim Internationalen Frauen*Theaterfestival sowie einem transnationalen Austauschprojekt mit Brasilien gemeinsam mit Escuna Criativa (Salvador da Bahia) und der Universidade Federal da Bahia (UFBA).
„Dass wir in unserem Jubiläumsjahr so viele Menschen wie nie zuvor erreicht haben, verstehen wir auch als Auftrag“, sagt Bernhard Bub. „Wie alles, was im Fluss ist, bleibt auch dieses Festival abhängig von Entwicklungen – von politischen Verschiebungen, gesellschaftlichen Spannungen und Entscheidungen, die den Handlungsspielraum von Kultur zunehmend beeinflussen. Wir wünschen uns, dass Stadt und Land diesen Weg weiter mit uns gehen, damit die Sommerwerft ein offener und solidarischer Kulturraum am Mainufer bleiben kann – niedrigschwellig und zugänglich für alle.“
Die Stimmung, die Vielfalt und die besondere Energie der Sommerwerft 2026 sind in diesem Video eingefangen.
Nach der Sommerwerft ist vor dem Internationalen Frauen*Theaterfestival: Im September setzt sich der Gedanke des Blue Lab fort – nun mit einer feministischen Perspektive auf Demokratie und Gerechtigkeit. Auch dieses Festival feiert in diesem Jahr sein eigenes Jubiläum.
SAVE THE DATE: Vom 14.–20. September 2026 findet unter dem Motto „Feminist Democracy“ das 10. INTERNATIONALE FRAUEN*THEATERFESTIVAL auf dem Gelände von protagon e.V., Orber Str. 57 statt.
protagon e.V. bedankt sich herzlich bei allen Künstler*innen, Besucher*innen, Unterstützer*innen, Förderer*innen und Freiwilligen der Sommerwerft – sie haben die Jubiläumsausgabe mit Leben gefüllt.
