- Großer Applaus für eine gelungene Spielzeit
- 85.755 Besucherinnen und Besucher: Intendantin Elke Hesse blickt auf eine erfolgreiche Saison
Die Jubiläumssaison „75 Jahre Bad Hersfelder Festspiele“ ist mit einem großartigen Finale – der Abschlussgala – zu Ende gegangen. Trotz der verkürzten Spielzeit aufgrund des Fuldaer Hessentags schauen Bürgermeisterin Anke Hofmann und Intendantin Elke Hesse auf eine erfolgreiche Bilanz. 85.755 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen in die Stiftsruine und in die Aufführungen im Schloss Eichhof (Gesamtauslastung 88,2 Prozent). Zusätzlich nutzten 488 Gäste die Möglichkeit zu Backstage-Führungen und 1927 Besucherinnen und Besucher nahmen an den Einführungsvorträgen teil.
„Wir durften einen Theatersommer voller Höhepunkte erleben und ziehen ein überaus positives Fazit der diesjährigen Jubiläumssaison! Mein großer Dank gilt daher unserer Intendantin Elke Hesse sowie dem gesamten Team auf und hinter Bühne“, resümiert Anke Hofmann, Bürgermeisterin der Kreisstadt Bad Hersfeld.
Für Intendantin Elke Hesse endet damit ihre erste Saison in zweiter Amtszeit. „Wir haben unglaubliche Wochen erlebt und ich bin zutiefst dankbar, dass ich Teil dieser Jubiläumssaison mit einem großartigen Team hinter mir, Ensembles, die Außergewöhnliches geleistet haben, qualitätsvollen Stücken, einer tollen Zuschauerresonanz und vor allem dem neuen Miteinander im Community Projekt in der Region sein durfte“, sagt die Wienerin.
Die Festspielsaison 2026 startete mit der Premiere von „Parzival oder die Suche nach dem Heiligen Gral“ in einer Fassung von Regisseur und Oberspielleiter Michael Schachermaier. Das Bühnenbild stammt von Volker Hintermeier, die Kostüme von Alexander Djurkov Hotter.
Im Musical „Something Rotten!“ wurde gesungen, getanzt, gereimt und gereizt. Das kultige Broadway-Musical voller Sprachwitz, Slapstick und Shakespeare-Schwindeleien feierte fast durchweg ausverkaufte Vorstellungen in der einmaligen Kulisse der Stiftsruine. Regisseur Matthias Davids, der Musikalische Leiter Christoph Wohlleben, Choreografin Kim Duddy, Andrew D. Edwards für das Bühnenbild sowie Kostümdesigner Adam Nee und Lichtdesigner Michael Grundner erschufen gemeinsam mit einem großartigen Ensemble die lustigste Darstellung eines Musicals seit 400 Jahren.
Mit der Inszenierung von „Lysistrata oder die Fantasie von Frieden“ hat Intendantin Elke Hesse eines der einflussreichsten Theaterstücke der Weltliteratur in ihr Programm aufgenommen. Verfasst im Jahr 411 v. Chr. entwarf der Dichter ein Meisterwerk antiker Satire und zeichnete zugleich ein frühes Manifest weiblicher Selbstermächtigung. In der Überschreibung von Amanda Lasker-Berlin, unter der Regie von Marlene Anna Schäfer und in der Bühnen- und Kostümausstattung von Christin Treunert lebte der revolutionäre Geist Lysistratas in der Stiftsruine weiter und überzeugte mit umjubelten Aufführungen Publikum sowie Kritikerinnen und Kritiker.
Das Familienstück „Pippi Langstrumpf“ nach Astrid Lindgren in einer Fassung von Regisseurin Nicole Claudia Weber und Dramaturgin Stine Kegel feierte mit ausverkauften Vorstellungen das turbulente Treiben von Pippi Langstrumpf für große und kleine Zuschauerinnen und Zuschauer. Heraus kam ein Theatererlebnis voller Lebensfreude, Musik und fantasievoller Botschaften. In der Inszenierung „Pippi Langstrumpf oder die Abenteuer in der Villa Kunterbunt“, basierend auf der ersten Fassung von Astrid Lindgren, wurde die ikonische Kinderbuchfigur inmitten der historischen Mauern der Stiftsruine lebendig – wild, frei und unerschrocken. Für die Ausstattung zeichneten Judith Leikauf und Karl Fehringer verantwortlich, für die Musik Stephie Hacker.
Mit einem musikalischen Feuerwerk und einer klangvollen Show des Festspiel-Orchesters unter Leitung von Christoph Wohlleben endete am Sonntag, 16. August 2026, die Spielzeit der 75. Bad Hersfelder Festspiele. Die Abschlussgala startete mit der Ouvertüre aus der Oper “Der Barbier von Sevilla“ von Gioacchino Rossini und überzeugte das begeisterte Publikum mit einer regelrechten Revue aus Songs und Hits aus TV-Serien, Filmklassikern, Oper und Musical über alle Genres hinweg. Als Sängerinnen und Sänger beteiligten sich Ensemble-Mitglieder wie Valerie Luksch (Sopran), Entertainerin Gayle Tufts, Varia Sjöström und Riccardo Greco.
Komödien im Schloss Eichhof
In „Die Schule der Frauen“ begeisterte das Frankfurter Barock am Main-Ensemble in einer Komödie von Wolfgang Deichsel nach Molière in hessischer Mundart. Mit Michael Quast in der Hauptrolle kam ein Protagonist für gelungene Mundart-Adaptionen diverser Klassiker auf die Bühne, der der Geschichte um den reichen Bürger Arnold, der sich eine ideale Ehefrau (er)schaffen möchte, mit viel Humor Leben einhauchte. Bühne: Ilse Träbing, Kostüme: Salima Abardouch, Maskenbild: Katja Reich.
Im Schloss Eichhof wurde die Bühnenfassung von „Achtsam morden“ in einer Bühnenbearbeitung von Bernd Schmidt für das Altonaer Theater in Hamburg gezeigt. Das Besondere an dieser Inszenierung: Drei Darsteller und Darstellerinnen in neunzehn Rollen, die höchst achtsam dabei sind, der rasanten Geschichte entschleunigt auf den Fersen zu bleiben, wenn Anwalt Björn Diemel, geläutert nach einem Achtsamkeitsseminar, seine Mandanten aus dem Unterwelt-Milieu nach und nach umbringt. Regie: Axel Schneider, Kostüme: Jana Schweers
Beide Stücke wurden mit einer Auslastung von nahezu 100 Prozent (7147 Zuschauerinnen und Zuschauer) überragend vom Publikum angenommen.
„Sternstunden“ in der Stiftsruine
Zusätzlich zu den Aufführungen in der Stiftsruine und im Eichhof wurde das Sonderformat „Sternstunden“ aufgelegt. Zum Auftakt spielte das hr Sinfonieorchester unter der Leitung von Dirigent Alain Altinoglu den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Meret Becker und Dietmar Löffler interpretierten die berühmte französische Chansonette Barbara unter dem Titel „Nachtblau – Chanson für eine Abwesende“. Alles drehte sich um die moderne Musikform des Beatboxens, als „The Razzzones“ aus Berlin einen Workshop für Jugendliche durchführten, gefolgt von einem Konzert am Abend im buchcafé. Ausverkauftes Haus in der Stiftsruine vermeldeten die Veranstalter bei Sänger und Songwriter Max Mutzke mit Band, der mit seiner markanten Stimme und seiner Vielseitigkeit das Publikum begeisterte.
Gayle Tufts schließlich rundete mit ihrer Show „Please don’t stop the music“ die neuen Festival-Erlebnisse ab. Glamourös und leidenschaftlich präsentierte die Deutsch-Amerikanerin die ihr wichtigen Themen aus sieben Jahrzehnten ihres Bühnenschaffens, getragen von der musikalischen Untermalung ihres kongenialen Bühnenpartners – dem preisgekrönten Film-und Fernsehkomponisten Marian Lux.
Hersfeldpreise für Thieß Brammer und Uriel Jung
Bereits seit 1962 werden mit den Hersfeldpreisen herausragende Akteure prämiert. Im Beisein des Hessischen Staatsministers für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, wurde Thieß Brammer für die Titelrolle in „Parzival“ nach Wolfram von Eschenbach in der sehr gelungenen Bearbeitung und Inszenierung von Michael Schachermaier mit dem Großen Hersfeldpreis 2026 ausgezeichnet. „Brammer begibt sich auf eine Heldenreise, bei der er fesselnd vom naiven Jüngling zum mitfühlenden, mitleidenden Mann reift. Diesen Entwicklungsbogen spielt er überzeugend und bewegend mit großer Körperlichkeit und Natürlichkeit. Er begeistert durch seine starke Bühnenpräsenz, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen“, so das Urteil der Fachjury.
Der Hersfeldpreis 2026 wurde an Uriel Jung für seine beeindruckende Wandlungsfähigkeit in den unterschiedlichsten Rollen in „Parzival“ und als Tommy im Familienstück „Pippi Langstrumpf“ verliehen. „Mit seinem intensiven Spiel und seiner prägnanten Stimme verleiht er König Artus Größe und Würde, dem verschmitzten Fischer Einfachheit, dem Ritter im Wald Komik und dem Tommy ein frisches und junges Spiel. Uriel Jung unterstreicht sein vielversprechendes Talent durch seine überzeugende Darstellung verschiedener Figuren“, lautete die Begründung der Jurymitglieder.
Zuschauerpreis geht an Riccardo Greco
Die Besucherinnen und Besucher der Bad Hersfelder Festspiele haben abgestimmt und es gibt ein eindeutiges Ergebnis: Der Zuschauerpreis des Jahres 2026 geht an den Schauspieler Riccardo Greco für seine Rolle als Shakespeare im Musical „Something Rotten!“. Die Auszeichnung wurde am Sonntag, 16. August, während der Abschluss-Gala von Intendantin Elke Hesse gemeinsam mit Bürgermeisterin Anke Hofmann und Juwelier Matthias Laufer-Klitsch, der den Ring gestiftet hat, übergeben.
Riccardo Greco war Stipendiat der Joop van den Ende Academy in Hamburg, hatte Engagements als Cover von Sky in Mamma Mia!, Cover von Alfred in Tanz der Vampire, Lucheni in Elisabeth, Cover von Eddie, TJ und Erkan in Sister Act in Wien, Kenickie und alternierender Danny in Grease, Sonny in Xanadu, Nick in Flashdance sowie junger Alfred in Der Besuch der alten Dame in Wien.
2014 wurde er Mitglied des renommierten Linzer Musical-Ensembles. In Bad Hersfeld stand Riccardo 2018 als Berger in Hair auf der Bühne. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung von Moulin Rouge! in Köln gab er den Christian, gefolgt von Lucheni in Elisabeth vor Schloss Schönbrunn in Wien. Zuletzt war Riccardo Greco bei der Deutschlandtournee von Elisabeth erneut als Lucheni zu erleben.
Community-Projekt „HERZfeld Wir26“ verbindet Menschen und Festival Vom Bad Hersfelder Bahnhof bis in den Stiftspark, am Hessentag, am Weihnachtsmarkt und in der Sparkasse – die Bad Hersfelder Festspiele waren in ihrem Jubiläumsjahr und schon Monate im Voraus in ganz Bad Hersfeld präsent. Erreicht wurde diese große Strahlkraft durch das Community-Projekt „HERZfeld Wir26“, das bereits im September vergangenen Jahres von Intendantin Elke Hesse und Bürgermeisterin Anke Hofmann vorgestellt wurde.
„Mein großer Wunsch ist es, die Verbindung der Menschen in Bad Hersfeld mit den Festspielen zu stärken und sie einen Teil von ihnen werden zu lassen. Unsere Bürgerprojekte sind und waren so vielseitig und haben so viele Menschen begeistert – das zeigt eindrücklich, welche Kraft und Wirkung Kultur in unserer Gesellschaft haben kann“, schwärmt Intendantin Elke Hesse.
Allein beim HERZfeldCHOR unter der Leitung von Helgo Hahn haben sich 140 Bürgerinnen und Bürger engagiert. Angefangen mit den ersten offenen Proben während des Bad Hersfelder Weihnachtsmarkts bis hin zu den berührenden Auftritten am Premierentag sowie beim Jubiläumsfest hat der Projektchor die diesjährige Saison maßgeblich mitgestaltet.
Auch die HERZfeldGENERATIONEN-Mitwirkenden hatten an diesem beiden Tagen ihre großen Auftritte: Rund 35 Häklerinnen und Häkler, Kinder und Senioren, haben seit April dieses Jahres an einem acht mal fünf Meter großen Sonnensegel gearbeitet. In Szene gesetzt wurde es gemeinsam mit dem Senioren-Tanzensemble, das sich ebenfalls Monate im Voraus auf seine Auftritte bei den Festspielen vorbreitet hat. Rund 40 junge und ältere Menschen haben hier gemeinsam gute Laune verbreitet und das Rahmenprogramm bereichert.
In Kooperation mit dem Bad Hersfelder Künstler Jonas Raacke ist am Bad Hersfelder Bahnhof ein Kunstwerk entstanden, das Festspiel-Besucherinnen und -Besuchern bei ihrer Ankunft Willkommen heißt. Der Bad-Hersfeld-Schriftzug soll auch in den kommenden Jahren als Fotopoint für schöne Erinnerungen sorgen.
„HERZfeld Wir26“ verfolgte von Anfang an das Ziel, alle Generationen und die unterschiedlichsten Personengruppen anzusprechen und mit niederschwelligen Angeboten die Partizipation am Theaterfestival zu ermöglichen“, erklärt Bürgermeisterin Anke Hofmann.
Mit Unterstützung der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg sind zwei Community-Projekte für Kinder und Jugendliche umgesetzt worden: Ein Beatboxing-Workshop für Jugendliche mit der Band „The Razzones“ mit anschließendem Konzert sowie ein Kinder-Malwettbewerb zum Motto Pippi Langstrumpf. Auch die Aktion „HERZfeldSTONES“ richtete sich an Kinder: aus bunt bemalten Steinen, die überwiegend in den Bad Hersfelder Kindertagesstätten entstanden sind, ist im Stiftspark eine große „75“ gelegt worden.
Das Festspieljubiläum war auch multimedial erlebbar: an zwei nostalgischen Telefonen, in der Sparkassen-Hauptstelle und im Kaufhaus City-Galerie, konnten sich Besucherinnen und Besucher Audiogeschichten zur Historie der Stiftsruine und der Festspiele anhören. Auf Social-Media wurde die Geschichte des Theaterfestivals anhand von eigens produzierten Videos in Kooperation mit dem Schauspiel-Verein „Die Sommernachtsträumer e.V.“ nacherzählt.
Gemeinsam mit der lokalen Tageszeitung ist ein Aufruf veröffentlicht worden, anhand dessen viele Menschen ihre Erinnerungen an die vergangenen siebeneinhalb Jahrzehnte geteilt haben. Die sehr persönlichen Erinnerungen wurden in Zeitungsartikeln aufgearbeitet und Ausschnitte daraus sind darüber hinaus in einer Schaufenster-Galerie in Bad Hersfeld nachzulesen.
Zum tatsächlichen 75. Geburtstag der Bad Hersfelder Festspiele am 11. Juli hat im Stiftsbezirk ein Geburtstagfest mit Backstage-Führungen, Auftritten und Aktionsständen stattgefunden. Das Highlight der Jubiläumsfeierlichkeiten bildete jedoch das Abendprogramm: Nach dem Improvisations-Theaterstück „Meisterstücke und Missgeschicke“ auf der Festspielbühne verwandelten sich die Mauern der Stiftsruine in ein lebendiges Kunstwerk. Der Medienkünstler Gregor Eisenmann aus Wuppertal hat eine Lichtshow inszeniert, die Architektur, Geschichte und Theaterhandwerk miteinander verbunden haben. Hunderte Gäste verfolgten das Spektakel unter dem dunklen Nachthimmel.
Auch nach der Festspiel-Saison sind noch einige der Ergebnisse der vielseitigen Community-Projekte in der Kreisstadt sichtbar, wie etwa die Schaufenster-Galerie, die Audio-Telefone oder das Willkommens-Entrée.
„HERZfeld Wir26“ war ein voller Erfolg! Es hat mich zutiefst berührt, wie viele Menschen aus Bad Hersfeld sich ins Zeug gelegt haben, um diese Jubiläums-Saison unvergesslich zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar“, resümiert die Intendantin und blickt voller Vorfreude auf die nächste Saison: „Nach den Festspielen ist vor den Festspielen und wir versprechen auch für 2027 ein tolles Programm.“
