Bilanz des 10. Internationalen Frauen*Theaterfestivals 2026

© Internationales Frauen*Theaterfestival

Zehn Jahre feministische Demokratie auf der Bühne

Mit einer Woche voller intensiver Begegnungen auf und vor der Bühne ist am vergangenen Sonntag das 10. Internationale Frauen*Theaterfestival (IF*TF) in Frankfurt am Main zu Ende gegangen – ein Jubiläum, das unter dem Motto „Feministische Demokratie“ auch ein Fest des Ankommens und Wiedersehens war.

Vom 14. bis 20. September verwandelte sich das Kulturgelände von protagon e.V. im Frankfurter Osten – ergänzt um Spielorte am Goetheplatz, an der Hauptwache und in der Schwimmhalle der Goethe-Universität – ein weiteres Mal in jenen besonderen Begegnungsraum, den viele Künstler*innen und Besucher*innen seit einem Jahrzehnt mit dem Festival verbinden.

Über 70 Programmpunkte von über 100 Künstler*innen und Resident*innen machten die Jubiläumsausgabe zur bislang umfangreichsten in der Geschichte des Festivals – das Publikumsinteresse war groß, viele Programmpunkte bis auf den letzten Platz besetzt.

Im Zentrum stand die Frage, wie Mitbestimmung, Gleichberechtigung und Macht zusammenhängen. Das zweitägige Symposium „Feminist Democracy – 10 Years of Staging the Future“, in Kooperation mit dem Cornelia Goethe Centrum der Goethe-Universität und im Rahmen von „Take Care! – Festival of Solidarity and Resistance“ des Frauenreferats der Stadt Frankfurt, brachte internationale und lokale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen zu Fragen feministischer demokratischer Praxis zusammen – von queerfeministischer Demokratietheorie über KI und Carearbeit bis zu Intimitätskoordination auf der Bühne.

Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt, würdigte das Jubiläum in ihrem Grußwort zum Programmheft mit Worten, die vielen Wegbegleiterinnen des Festivals aus dem Herzen sprechen dürften: „Das IF*TF zeigt seit zehn Jahren, welche Kraft entsteht, wenn feministische Kunst, internationale Begegnungen und solidarisches Miteinander zusammenkommen.“

Zu den Höhepunkten des Jubiläumsprogramms zählte die Eröffnung mit „DIASPORA – Eine zeitgenössische Tragödie“ von antagon theaterAKTion und Ondadurto Teatro, einer Neuinterpretation von Euripides‘ „Die Troerinnen“ aus der Perspektive von Frauen*, Geflüchteten und Unbeteiligten. Mit „DOMINA – Verdi’s Heroines“ erzählte Ondadurto Teatro Verdis große Frauenfiguren aus „La Traviata“, „Otello“, „Macbeth“ und „Aida“ neu. Zu einem der bewegendsten Abende der Festivalwoche wurde das Konzert von Kick La Luna: Die Frankfurter Weltmusik-Band, seit 34 Jahren eine Institution der deutschen Weltmusikszene, spielte im Rahmen ihrer Abschiedstournee von Perkussionistin Anne Breick.

Fortgesetzt wurde zudem das Umweltprojekt BLUE LAB, das im Sommer bereits die Sommerwerft geprägt hatte und hier um den Fokus „Diversity“ erweitert wurde: Der Dokumentarfilm „Women from the Sea“ von Raquel Clemente Martins und das anschließende Gespräch zwischen Prof. Dr. Ciane Fernandes, Meeresbiologin Giovanna Dante und Bárbara Luci Carvalho verbanden Ocean Literacy – das Wissen um die wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Ozean – mit feministischen Perspektiven.

Nach dem Festival geht es weiter: Vom 24.-26. September lädt „BLUE LAB – Diversity“ in der Schwimmhalle am Sportcampus Ginnheim zu einem somatischen Workshop für Sorgearbeitende, insbesondere Mütter neurodivergenter Kinder – ebenfalls als Teil von „Take Care! – Festival of Solidarity and Resistance“ des Frauenreferats.

Eine Jubiläumspublikation blickt zurück auf die Entwicklung des Festivals und die dort verhandelten Themen auf gesellschaftlicher Ebene – ein Dankeschön an all jene, die diese zehn Jahre mitgetragen haben. Festivalgründerin und künstlerische Leiterin Bárbara Luci Carvalho beschreibt darin sichtlich bewegt eine Reise, die weit über ein Festival hinausgeht: Es seien „zehn Jahre des Kampfes, zehn Jahre voller Erfolge und zugleich zehn Jahre der Transformation“ gewesen. Das Festival sei mit jeder Person gewachsen, die die Bühnen betreten habe – getragen von der Überzeugung: „UBUNTU – Ich bin, weil wir sind.“

Dass Carvalho bereits 2025 mit dem Tony Sender Preis der Stadt Frankfurt sowie einer lobenden Erwähnung beim Diversitäts- und Integrationspreis ausgezeichnet wurde, unterstreicht die Anerkennung, die das Festival mittlerweile weit über die eigene Szene hinaus genießt – ein schöner Auftakt zu diesem besonderen Jubiläumsjahr.

Das IF*TF ist Teil des Magdalena-Projekts, eines weltweiten Netzwerks für Frauen im zeitgenössischen Theater. Realisiert wurde die Jubiläumsausgabe vom Kulturverein protagon e.V. mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, des Frauenreferats und Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, kofinanziert von der Europäischen Union sowie unterstützt durch antagon theaterAKTion, Escuna Criativa e.V. und das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

iftf-frankfurt.com