Ensembleabend »An die Ferne« an der Oper Frankfurt

Oper Frankfurt ~ Außenansicht (© Barbara Aumüller ~ www.szenenfoto.de)

Cecilia Hall, Michael Porter und Iurii Samoilov zählen seit vier bzw. fünf Jahren zum Ensemble der Oper Frankfurt, haben aber auch die Freiheit, gelegentlich an anderen Häusern zu singen. Wie u. a. an der Bayerischen Staatsoper München, den Salzburger Festspielen oder an der New Yorker Metropolitan Opera. So wird Bariton Iurii Samoilov im Februar 2021 an der Met in sieben Vorstellungen den Schaunard (Puccinis La Bohème) geben, an der Seite von Größen wie Angel Blue, Joseph Calleja, Angela Gheorghiu und Matthew Polenzani.

Iurii Samoilov ~ Cecilia Hall ~ Michael Porter
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Nach dreieinhalb Monaten Corona-bedingter Zwangspause war Samoilov jetzt, wie er auf Facebook mitteilte und wie es ihm auch anzusehen war, glücklich, erstmals wieder live vor Publikum singen zu können. Er eröffnete im Opernhaus den Ensembleabend »An die Ferne« mit Liedern von Tschaikowski und Tosti, die er teilweise bereits bei seinem Liederabend vor fünf Jahren im Holzfoyer gegeben hat. In den zurückliegenden Jahren hat sich nicht nur sein Opern-Repertoire stark vergrößert, seine kraftvolle Stimme klingt inzwischen runder und geerdeter. Als Liedsänger zeigt Samoilov eine starke Präsenz und bietet viele Klangschattierungen. Aus dem dargebotenen Sechs Romanzen (op.38) von Peter I. Tschaikowski ragte besonders das fünfte Lied „Lyubov’ mertvetsa“ („Die Liebe eines Toten“) ob seiner innigen Interpretation heraus. Nummer sechs, „Pimpinella“ wies in Italienisch und mit seiner ungestümen Verliebtheit bereits auf die beiden nachfolgenden Lieder von Francesco Paolo Tosti hin („Non t’amo più“ und „Marechiare“). Elegant und energisch wurde Samoilov von Solorepetitor Mariusz Kłubczuk am Klavier begleitet.

Vor einem Jahr präsentierte die Mezzosopranistin Cecilia Hall bei ihrem Liederabend im Holzfoyer neben Hector Berliozs Zyklus Les nuits d’été auch Lieder von Mahler und Schönberg. Jetzt wählte sie ein rein französisches Liedprogramm, bei dem sie ihre lyrischen Qualitäten wunderbar ausspielte. Sie begann mit dem Klassiker L’invitation au Voyage von Henri Duparc und zeigte mit einer aparten Darbietung von Claude Debussys „ La chevelure“, dass auch die Rolle der Mélisande gut zu ihr passen würde. Sie beendete ihre Liedgruppe mit dem wehmütigen aber berauschend klingenden Les chemins de l’amour von Francis Poulenc.

Ein Jubilar der durch die Corona-Pandemie zu kurz kommt, ist zweifelsohne Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag allerorten groß gedacht worden wäre. Schön, dass Tenor Michael Porter seinen Zyklus An die ferne Geliebte (op. 98) vortrug, dem auch das Motto des Abends entliehen ist. Porter gestaltete die sechs Lieder mit großer Hingabe und sehr guter Artikulation. Am Klavier begleitete ihn, wie zuvor bereits auch Cecilia Hall, feinfühlig Repetitorin Anne Larlee.

Viel Applaus, leider keine Zugabe.

Markus Gründig, Juni 2020


Ensembleabend »An die Ferne«
Oper Frankfurt, 24. Juni 2020

Iurii Samoilov (Bariton)
Cecelia Hall (Mezzosopran)
Michael Porter (Tenor)

Mariusz Kłubczuk (Klavier)
Anne Larlee (Klavier)

oper-frankfurt.de