Königlicher Gesang mit Cecilia Hall im Holzfoyer der Oper Frankfurt

Cecilia Hall © Barbara Aumüller ~ www.szenenfoto.de

Im Rahmen der Reihe „… singt Lieder im Holzfoyer“ stellte sich zum Wochenanfang die gebürtige US-Amerikanerin Cecilia Hall im Holzfoyer der Oper Frankfurt vor. Sie ist seit 2016/17 Mitglied des Ensembles. Nach kurzer Mutterpause war die junge Mezzosopranistin in dieser Saison bereits als Hänsel in Humperdincks Hänsel und Gretel und als Cherubino in Mozarts Le nozze di Figaro zu erleben. Zuvor sang sie neben Purcell und Gluck vor allem viel Mozart. Umso überraschender daher ihr Liedprogramm mit anspruchsvollen Vertonungen von Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Hector Berlioz, die sie mit eleganter Note präsentierte (und frei von ausliegenden Noten). Dies sowohl von der äußeren Erscheinung her (mit starker Präsenz und gleichzeitiger vornehmer Zurückhaltung wirkte sie anmutig wie eine Königin), wie auch gesanglich. Mit ihrer elegant geführten Mezzostimme nahm sie sehr für sich ein und zeigte stets ein gutes Gefühl für Dynamik.

Als ein sehr schönes Kleinod erwies sich Mahlers Liebeslied „Liebst du um Schönheit, o nicht mich liebe!“ nach einem Text von Friedrich Rückert, dass sie voller Poesie vortrug. Lieder von Arnold Schönberg, dem führenden Vertreter der Wiener Schule, werden selten gesungen. Sie stammen überwiegend aus seiner frühen Schaffensperiode. Aus dem kleinen Zyklus Vier Lieder für eine Singstimme und Klavier op. 2, ragte bei Halls Vortrag besonders das zweite Stück, Jesus bettelt („Schenk mir deinen goldenen Kamm“) mit feinfühliger und mystischer Schönheit hervor. Alle Lieder Mahlers und Schönbergs sang sie zudem akzentfrei und mit sehr guter Textverständlichkeit.

Hector Berliozs Zyklus Les nuits d’été ist einiges populärer als Lieder von Schönberg, trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Nähe zu den Themen Sterben und Tod. Im Opernhaus haben ihn zuletzt Alice Coote (2012) und Stéphanie d’Oustrac (diesen März) gesungen. Auch bei diesem unterstrich Hall ihren vornehmen und lyrischen Vortragsstil und wirkte im französischen gelöster.
Hilko Dumno am Klavier erwies sich bei allen drei Komponisten als akkurater und dezent aufspielender Unterstützer.

Nach so gehaltsvollen Liedern bedankten sich Hall und Dumno für den starken Applaus mit zwei Zugaben aus ihrer Heimat: Mit dem heiteren „The Lorelei“ von George Gershwin (aus dem Musical Pardon My English) und mit dem träumerischen Klassiker „Over the Rainbow“ von Harold Arlen (aus dem Musicalfilm Der Zauberer von Oz).

Wer diesen Liedvortrag verpasst hat, kann Cecilia Hall ab 16. Juni 2019 als Marguerite bei der Wiederaufnahme von Berliozs Légende-dramatique La damnation de Faust an der Oper Frankfurt erleben.

Markus Gründig, Mai 19


… singt Lieder im Foyer: Cecilia Hall (Mezzosopran)
Oper Frankfurt, 20. Mai 2019
Klavier: Hilko Dumno

1 Trackback / Pingback

  1. Cecelia Hall, mezzo soprano | Liederabend Review

Kommentare sind deaktiviert.