Bei der Uraufführung 1879 in Kopenhagen löste Henrik Ibsens Schauspiel „Nora oder Ein Puppenheim“ einen handfesten Skandal aus. Am Ende fällt „dröhnend“ die Haustür ins Schloss, wenn Nora Helmer nach drei Akten Mann und Kinder verlässt. Einige Theater und Schauspielerinnen weigerten sich, den damals radikalen Schluss zu spielen, so dass Ibsen ein versöhnlicheres Ende als Alternative schrieb – der Start vieler Um- und Fortschreibungen dieses berühmten Stücks von Robert Walser bis Elfriede Jelinek.
Die bereits mehrfach preisgekrönte schottische Dramatikerin und Drehbuchautorin Stef Smith spielt in ihrer spannenden Fassung Noras Geschichte auf drei Zeitebenen neu durch und fragt: Was hat sich durch die gesellschaftlichen Entwicklungen und Umbrüche in Hinsicht auf Frauenrechte, Emanzipation und Geschlechterbeziehungen verändert? Und sie schickt parallel drei Frauen auf die Reise. Wird ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit Noras Ehe- und Familienleben 1918, 1968 oder 2018 jedes Mal in tausend Scherben zerbrechen?
„Wie geht man mit dem Gefühl um, in ein falsches Leben, in ein Puppenhaus gerutscht zu sein?“, fragt Regisseur Elias Perrig, der in Pforzheim bereits „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ und „Woyzeck“ inszeniert hat. Die drei Noras werden von Leonie Jacobs, Tabea Mewis und Joanna Lissai gespielt. Ein weiterer Kniff des Stücks: Die Männerfiguren bleiben – im Gegensatz zu den Noras – auf allen drei Zeitebenen die Gleichen.
Nach der gefeierten Inszenierung von „Girl in the Machine“ vor drei Spielzeiten im Podium bot Stef Smith ihre 2019 in Glasgow mit großem Erfolg uraufgeführte und u.a. für den Susan Smith-Blackburn Preis nominierte Ibsen-Überschreibung dem Theater Pforzheim zur Deutschsprachigen Erstaufführung an.
Nora: Ein Puppenhaus
Eine radikale Neufassung von Henrik Ibsens Stück von: Stef Smith
Deutsch von: Valerie Melichar
Premiere / Deutschsprachige Erstaufführung am Theater Pforzheim: Freitag, 6. März (Großes Haus)
Inszenierung: Elias Perrig
Ausstattung: Esther Bätschmann
Dramturgie: Andreas Frane
Theaterpädagogik: Meike Anna Stock
Mit: Leonie Jacobs (Nora 1), Tabea Mewis (Nora 2), Joanna Lissai (Nora 3), Max Ranft (Thomas), Michaela Fent (Christine), Andreas C. Meyer (Nathan) und Jens Peter (Daniel)
Öffentliche Probe: Samstag, 28. Februar um 10.30 Uhr im Foyer und Großen Haus des Theaters Pforzheim
Weitere Vorstellungen: 18. und 24. März, jeweils um 20 Uhr, am 27. März, um 19:30 Uhr, und an weiteren Terminen im April, Mai und Juni, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer
Karten: ab 15,70 € (erm. 7,90 €) an der Theaterkasse am Waisenhausplatz unter Tel. 0 72 31/39-24 40, im Kartenbüro in den Schmuckwelten und auf theater-pforzheim.de.
