Konzert mit den Roma und Sinti Philharmonikern im Bockenheimer Depot

Bockenheimer Depot Frankfurt/M (Foto: Schauspiel Frankfurt)

»Arabesque Symphonique« am Donnerstag, 19. Februar 26, 20.00 Uhr

Mit ihrem nächsten Konzert unter dem Motto »Arabesque Symphonique« setzen die Roma und Sinti Philharmoniker ihre musikalische Spurensuche nach den eigenen Einflüssen auf jene Kulturkreise fort, die ihre Vorfahren einst durchwandert haben.

Im Bockenheimer Depot offenbart das Programm »Arabesque Symphonique«, wie sehr die Roma auf ihrer Jahrhunderte langen Bewegung von Indien bis nach Europa auch die orientalische Musiktradition mit geprägt und bereichert haben. Die für Roma typische Ausdruckskraft, ihre spielerische Virtuosität und reichhaltige musikalische Verzierungen ihrer Spielweise sind Charakteristika, die auch im arabischen und im weitesten Sinne orientalischen Kulturraum Eingang gefunden haben.

Vor diesem Hintergrund interpretieren die Roma und Sinti Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Riccardo M Sahiti Nikolai Rimski-Korsakows sinfonische Dichtung »Scheherazade Op. 35«, die als Paradebeispiel dafür gilt, wie im damaligen Russischen Reich (1888) das Interesse für das Orientalische seinen Ausdruck fand. Der Titel des in Suite-Form angelegten Werkes für großes romantisches Orchester geht auf die berühmte Erzählerin der Märchen aus Tausendundeiner Nacht zurück. Sie soll dem persischen König Schahriyar jeden Abend eine fesselnde Geschichte erzählt haben, um damit ihr eigenes Leben zu retten.

Mit Sergej Rachmaninovs Klavierkonzert Nr. 2 op. 18 in c-Moll präsentieren die Roma und Sinti Philharmoniker ein zweites Klangbeispiel jener russischen spätromantischen Verbundenheit mit dem auch für Roma-Musik typischen Gestus von Sehnsucht und tief empfundener Leidenschaft. Solist ist Ienissei Ramic, der seinen „Einstand“ mit den Roma und Sinti Philharmonikern in Frankfurt bereits im Jahr 2024 mit Chopins erstem Klavierkonzert im Dr. Hoch`s Konservatorium gab. Der französische Pianist, geboren in Moskau, lebte bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Serbien und hat selbst Roma-Wurzeln.

Mit Julian Dedu ist zugleich der Konzertmeister der Roma und Sinti Philharmoniker Solist der berühmten Rhapsodie »Tzigane«, die Maurice Ravel im Jahr 1924 ursprünglich für Violine und Luthéal schrieb, Letzteres eine Art präpariertes Klavier, das dem Klang eines ungarischen Cimbalom (Hackbrett) nahekommt. Die Fassung für Orchester schrieb Ravel kurz nach der Urfassung. Das Violin-Solo des Werkes gehört zu den anspruchsvollsten Partien für dieses Instrument. Der erste, von der Violine solo vorgetragene Teil, wirkt wie eine Improvisation über sogenannte »Zigeunerthemen«. Im zweiten Teil tritt das Orchester mit klangfarbenreicher Begleitung hinzu. »Tzigane« bedient das in Ungarn verbreitete romantische »Zigeunerklischee«, dessen sich auch Liszt und Brahms kompositorisch bedienten.     

Komplettiert wird der Konzertabend durch den »Orientalischen Tanz« aus dem Oratorium »O lungo drom« (»Der lange Weg«) des zeitgenössischen Sinto-Komponisten Roger Moreno-Rathgeb. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit den Roma und Sinti Philharmonikern: Sie haben sein »Requiem für Auschwitz« mit zahlreichen Aufführungen in verschiedenen Ländern Europas bekannt gemacht.

Zu den Künstlern:

Riccardo M Sahiti gründete 2001 den Philharmonischen Verein der Roma und Sinti in Frankfurt am Main und ein Jahr später die Roma und Sinti Philharmoniker, deren Künstlerischer Leiter er bis heute ist. Er studierte Dirigieren in Belgrad, Moskau und Frankfurt am Main. Für sein Engagement erhielt er 2016 das Bundesverdienstkreuz. Sahiti gilt als prägende Persönlichkeit in der künstlerischen Sichtbarmachung von Roma- und Sinti-Musiktraditionen im europäischen Konzertleben. Die Stadt Frankfurt würdigte Sahiti als „herausragende Persönlichkeit mit Migrationshintergrund“.

Ienissei Ramic ist ein französischer Pianist mit Roma-Wurzeln. Er wurde in Moskau geboren, wuchs in Serbien und Frankreich auf und studierte am Conservatoire de Paris, unter anderem bei Lilya Zilberstein und Menahem Pressler. Er konzertierte in Russland, den Niederlanden, Spanien, Serbien und Deutschland und gilt als virtuoser Interpret der spätromantischen Klavierliteratur.

Julian Dedu ist Konzertmeister der Roma und Sinti Philharmoniker und stammt aus dem rumänischen Ploiesti. Ab 1987 war er als erster Konzertmeister beim Kurorchester Bad Salzungen engagiert. 1991 wurde er zweiter Konzertmeister im Orchester der Bühnen der Stadt Gera. Seit 1992 ist er als stellvertretender erster Konzertmeister der Landeskapelle Eisenach am Theater Eisenach engagiert. Er ist regelmäßig solistisch sowie in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen zu erleben.

Die Roma und Sinti Philharmoniker konzertieren seit 2002 als Projektorchester mit Musikerinnen und Musikern aus verschiedenen Opern- und Sinfonieorchestern Europas, deren Mehrheit roma- und sintistämmig ist. Das Ensemble versteht sich als Hüter und Weiterentwickler eines musikalischen Erbes, das die europäische Musikgeschichte prägend beeinflusst hat. Mit ihren Konzerten setzen die Philharmoniker ein Zeichen für kulturelle Vielfalt und gegen Ausgrenzung.

Weitere Infos zu den Roma und Sinti Philharmonikern unter rsphil.com.

schauspielfrankfurt.de