Mit »Amsterdam« von Maya Arad Yasur bringt das Staatstheater Augsburg seine erste Schauspiel-Produktion des neuen Jahres am 14. Februar 2026 zur Premiere. Regie führt Simone Geyer, die erstmals in Augsburg inszeniert. Verpackt in eine spannende Geschichte, werden Fragen nach Geschichte und Verantwortung, nach persönlicher und kollektiver Schuld aber auch nach der Möglichkeit von Versöhnung verhandelt.
Werk & Autorin
Eine israelische Violinistin findet in Amsterdam einen Brief vor ihrer Tür. Darin: eine Gasrechnung aus dem Jahr 1944, seit achtzig Jahren unbeglichen. Was zunächst wie ein bürokratischer Irrtum erscheint, wird zum Ausgangspunkt einer Spurensuche, die tief in die Geschichte ihrer Wohnung und ihrer eigenen Identität führt. Wie in einem Krimi folgt die junge Frau den Spuren dessen, was damals geschah – und entdeckt, wie sehr die Vergangenheit in ihre Gegenwart hineinragt.
Maya Arad Yasur lässt ihre Figuren in einem Raum zwischen dem Erinnern-Müssen und dem Vergessen-Wollen agieren. Sie stellt gängige Narrative der Geschichtsschreibung in Frage und zeigt – durchaus humorvoll – die Grenzen der vermeintlichen Offenheit heutiger Gesellschaften auf. Geschichtliches überlagert sich mit heutigen Fremd- und Selbstzuschreibungen. Maya Arad Yasurs Sprache kennzeichnet eine markante Tonalität, die das Stück in seiner Komposition fast musikalisch wirken lässt.
Die Übersetzung aus dem Hebräischen stammt von Matthias Naumann, dessen Arbeiten schon mehrfach am Staatstheater Augsburg zu sehen waren (2021 »Freitags vor der Zukunft«, 2020 »Auf dem Paseo del Prado mittags Don Klaus«).
Inszenierung & Idee
Simone Geyers Inszenierung durchzieht das Bild fliegender Stare wie ein poetischer Kontrapunkt. Vom Stücktext ausgehend, findet sich das »Paradox der Stare« mit seinen Formationen, Überlagerungen und Gegensätzlichkeiten als Leitmotiv in der Inszenierung wieder. Unterstrichen wird diese Poesie durch den Einsatz des Elements Wasser auf der Bühne, das die Figuren buchstäblich durchdringt und eine weitere Deutungsebene aufmacht. Szenen und Texte greifen ineinander wie Zahnräder, erzeugen einen Rhythmus, der zwischen Gegenwart und Vergangenheit pulsiert.
»Nicht bunte und schillernde Bilder, sondern der bewusste Verzicht auf Illustration und eine klare Formsprache eröffnen Assoziativ-Räume«, beschreibt Simone Geyer selbst ihr Regie-Konzept für »Amsterdam«, das eigene Deutungen ermöglichen soll.
Mona Marie Hartmann schafft dafür eine Bühne von radikaler Klarheit. Ein nahezu leerer Raum in Beton-Ästhetik mit klaren Linien wird durch Licht (Moritz Fettinger), Video (Simone Geyer) und insbesondere das Spiel der Darstellenden atmosphärisch gefüllt. Die Musik zur Inszenierung stammt von Moritz Krämer, bekannt als Mitglied der Band Die höchste Eisenbahn.
»Amsterdam« fragt nicht nach einfachen Antworten. Die Inszenierung öffnet Räume, in denen Geschichte nachhallt und Gegenwart sich schärft – ein Abend über die Unausweichlichkeit von Verantwortung und die Möglichkeit, sich den Bruchlinien zu stellen, die durch Familien, Gesellschaften und durch jeden Einzelnen verlaufen.
Alle Termine und Tickets unter staatstheater-augsburg.de.
»Amsterdam« | Schauspiel von Maya Arad Yasur | Premiere Sa 14.2.26 19:30 Uhr | brechtbühne im Gaswerk
