Uraufführung »Zornfried« am Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel: INTERIM (© Meike Brunz - Staatstheater Kassel)

Auf Burg Zornfried versammeln sich die Vordenker einer Neuen Rechten: Eine Burgherrin philosophiert völkisch, Männergruppen ertüchtigen kämpferisch ihre Leiber, und ein geheimnisvoller Dichter schmiedet Verse, die von Blut, Weihe und Kitsch triefen. Das lockt auch Journalist:innen an, die das großspurig begleiten, dabei jede Distanz verlieren und der Demokratie einen Bärendienst erweisen.

Jörg-Uwe Albig hat 2019 mit „Zornfried“ eines „der wichtigsten Bücher des Jahres“ (FAZ) geschrieben. In der Kasseler Uraufführung als Romanadaption, für die Albig auch das Libretto verfasst hat, verwischen bei teilnehmender Beobachtung und beobachteter Teilnahme zunehmend die Grenzen: Wehrsportübungen, Wagner und weihevolle Tafelrunden erfüllen die Aura der ehemaligen preußischen Jägerkaserne rund um das INTERIM.

Der mehrfach ausgezeichnete Komponist Philipp Krebs, der mit „Zornfried“ sein erstes abendfüllendes Musiktheater-Werk vorstellt, hat sich für die Romanadaption auf die Suche nach der grotesken Horrorvision neuer deutscher Tonalität gemacht. Im Untergrund seiner avancierten Klangsprache mit großem Orchester raunt es immer wieder leitmotivisch, nationalromantische Klänge vermischen sich mit biersaurem Volksmusikschlager und Retro-Kitsch – und unter verlockend-augenzwinkernder Leichtigkeit lauert der tiefbraune Abgrund.


Zornfried

Musiktheater von: Philipp Krebs
Nach dem Roman von: Jörg-Uwe Albig

Ein Kompositionsauftrag des Staatstheaters Kassel, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

Premiere / Uraufführung am Staatstheater Kassel: Samstag, 18. April 26 (INTERIM)

Musikalische Leitung: Viktor Jugović
Regie: Kerstin Steeb
Bühne: Jade J. Boeckh
Kostüm: Hanne Lenze-Lauch
Licht: Holger Tschersich
Video: Rosa Wernecke
Dramaturgie: Felix Linsmeier, Kornelius Paede

Besetzung:

Jan Brock: Aljoscha Langel
Jenny Zerwien: Annabelle Kern
Wilhelmine Freifrau von Schierling: Maren Engelhardt
Matzek: Johannes Strauß
Storm Linné: Filippo Bettoschi

Staatsorchester Kassel
Statisterie des Staatstheaters

Nächste Vorstellungen: 23. April, 2., 9., 15. Mai sowie 29. Mai im Rahmen des Festivals „Deutschland, Deutschland unter anderem. Musiktheater im Präfaschismus“ (staatstheater-kassel.de)

staatstheater-kassel.de