
Die Musicals Frankenstein Junior und Dracula sorgten bei der Mainzer Musical Inc. bereits für schaurig schönes Entertainment. Mit Jekyll & Hyde präsentiert die ehrenamtlich tätige Hochschulgruppe jetzt ein weiteres Stück aus dem Gothik-Horror-Genre.
Im Rhein-Main-Gebiet wurde es zuletzt in Wiesbaden (2025), Darmstadt (2023), Frankfurt (2017) und Bad Vilbel (2008) gespielt. Auch bundesweit zählt es zu den bekanntesten und beliebtesten Musicals. Zum einen wegen der herausragenden und emotionalen Songs von Frank Wildhorn, zum anderen aber auch wegen der spannend umgesetzten Kombination von Horror und Liebe.
In Bezug auf das Bühnenbild und die Kostüme wurde ordentlich zugelegt
Die Produktionen der Musical Inc. bestechen allein schon durch das starke Engagement aller Beteiligten und die gelöste Stimmung im Publikum. Wenn dann noch ein Erfolgsstück wie Jekyll und Hyde gewählt wird, ist ein Selbstläufer nahezu garantiert. Den großen Hit setzt die Musical Inc. nicht nur rasant und fesselnd um, sie hat auch in Bezug auf das Bühnenbild und die Kostüme ordentlich zugelegt.

Musical Inc. Mainz
Vorabbild mit Erik Aepfelbach und Matthias Brönner
Foto: Lisa Tihanyi
Auf der Bühne ist eine Backsteinwand mit einer Flügeltür und zwei Fenstern (die u. a. als Laborvitrinen und für Schattenspiele genutzt werden) zu sehen. Dazu gibt es eine Galerie (hinter der das Orchester sitzt) und eine Wendeltreppe. Durch eine ausgefeilte Ausleuchtung entstehen vielfältige Stimmungen und Situationen, wie Jekylls „Hexenküchen“-Labor (mit Erlenmeyerkolben, in denen farbige Flüssigkeiten brodeln und aus denen Dampf aufsteigt) oder ein heranfahrender Zug (Bühnenbild: Mateja Brozovic). Historische Bezüge weisen die Kostüme von Lena Aulenbacher auf. Dabei bestechen insbesondere die eleganten Kleider der bigotten Ladys aus der High Society hervor. Obsessive Negligés tragen die verführenden Damen im Nachtclub „Rote Ratte“, die Boys dort kurze Ledershorts.

Musical Inc. Mainz
Vorabbild mit John Utterson, Lisa Carew und Dr. Jekyll
Foto: Lisa Tihanyi
Das Regieteam Vivien Marie Föhr und Erik Aepfelbach lässt das Stück zur viktorianischen Zeit in London spielen (im Jahr 1885). Gleichwohl gibt es kleine und dezente Verweise auf die Gegenwart. Dazu zählt auch die Figur des Lord Savage, der hier mit einer Prise Humor als eine exaltiert auftretende Person in pinkfarbenem Anzug und Glitzerschuhen gezeichnet ist.
Gesangliche Herausforderungen werden klasse gemeistert
So lieblich und berührend Wildhorns Songs sind, so schwer sind sie auch zu singen. Dabei sind nicht nur Laiendarsteller:innen wie hier stark gefordert. Wie üblich bei der Musical Inc. sind die Rollen doppelt besetzt. Es gibt zwei gleichwertige Besetzungen („Fassade“ und „Schein“). Bei der besuchten ersten Premiere spielte die Besetzung „Schein“.
In der Titelpartie ist der Plasmaphysiker Matthias Brönner zu erleben. Gibt er sich anfangs bei seinem kranken Vater (hier apathisch in einem Rollstuhl sitzend und nicht in einem Bett liegend) noch etwas zurückhaltend, wächst er zunehmend über sich hinaus. Ihm gelingt der ikonische Song „Dies ist die Stunde“, der von der Bedeutung her vergleichbar mit „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“ ist, mit hoher Eindringlichkeit. Voll in seinem Element wirkt er als verwandelter und entfesselter Mr. Hyde und im Kampf mit sich als Dr. Jekyll.

Musical Inc., Mainz
Vorabbild Rote Ratte
© Lisa Tihanyi
Sehr stark in Ausdruck und Gesang sind die beiden Damen, die um Dr. Jekylls Gunst werben. Logopädin Lydia Peternely als seine Haltung wahrende Verlobte Lucy (ergreifend mit „Nimm mich wie ich bin“) und Psychologie-Studentin Leara Tauber als Animiermädchen Lucy (ergreifend mit „Jemand wie du“). Zusammen geben sie mit „Nur sein Blick / Gefährliches Spiel“ ein berührendes Duett.
Sympathisch gezeichnet sind Lucys Vater (Sir Danvers Carew; Oliver Raudies) und Dr. Jekylls Freund, der Rechtsanwalt John Utterson (Max Gottlob). Die „feine“ Gesellschaft aus dem Aufsichtsrat des Krankenhauses gibt sich erhaben und mit passendem Hochmut: Tabea Eberle (Lady Proops), Larissa Wunderlich (Lady Beaconsfield; auch Gwenny), Clemens Brill (Lord Savage; auch Zuhälter Spider), Johann Kabelac (General Lord Glossop), Justus Kett (Simon Stride) und Philipp Siemoneit (männeraffiner Bischof von Basingstoke).
Gutes Zusammenspiel aller Beteiligter
Entscheidend ist das gute Zusammenspiel aller Beteiligten. Hier hat das Regieteam ganze Arbeit geleistet. Insbesondere die großen Ensembleszenen (wie „Schafft die Männer ‚ran“ gefallen mit ihrer Spielfreude und Vielfalt. Eingebunden ist ein kleines Tanzensemble, das bedarfsweise von Mitgliedern des Ensembles erweitert wird (Choreografie: Clara Eckert). Im Nachtclub geht es dabei heiß her.
Das Orchester spielt unter der Leitung von Alexander Friedrich Melnik mit Feingefühl und Passion (auch wenn nicht immer alles perfekt klingt).

Musical Inc. Mainz
Vorabbild: Das Gremium
Foto: Lisa Tihanyi
Dem ehrenamtlichen Engagement aller vor und hinter der Bühne stehen Produktionskosten von rund 140.000 Euro gegenüber. Sie werden auf der Einnahmeseite in erster Linie von den Erlösen aus den Ticketverkäufen (trotz niedriger Ticketpreise von 24 bis 26 Euro bzw. 12-14 Euro ermäßigt) gedeckt. Hier konnte die Musical Inc. erneut bereits Tage vor der Premiere „ausverkauft“ verkünden. Erstmals wird in diesem Jahr noch ein weiteres Musical gespielt. Jonathans Larsons Tick, tick boom! ab Ende Juli. Hierfür sind aktuell noch Karten verfügbar.
Markus Gründig, Juni 26
Jekyll und Hyde
Musik: Frank Wildhorn
Konzeption: Steve Cuden und Frank Wildhorn
Buch & Songtexte: Leslie Bricusse
Orchestrierung: Kim Scharnberg
Arrangements: Jason Howland
Romanvorlage: Robert Louis Stevenson
Deutsche Übersetzung: Susanne Dengler und Eberhardt Storz
Premiere bei der Musical Inc. Mainz: 12. Juni 26 (Theater im P1 auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Regie: Vivien Marie Föhr und Erik Aepfelbach
Musikalische Leitung & Arrangements: Alexander Friedrich Melnik
Choreographie: Clara Eckert
Ausstattung: Sophie Kolb (Requisite), Lena Aulenbacher (Kostüm), Lisa Paris (Maske) und Mateja Brozovic (Bühnenbild)
Licht- und Sounddesign: Christian Huber, Elian Terelle und Moritz Mahringer
Stage Crew Leitung: Katharina Cronenberg
Assistenzen: Julia Varycheva (Regie), Miriam Binder und Moritz Schmitt (Musik)
Produktionsleitung: Lisa Hawelka, Justus Kett, Oliver Morgenstern, Marvin Rodriguez
Intimacy Coordinator: Ina Schilcher
Vorstand: Katharina Wende, Jan Dahms, Marvin Rodriguez
Ton: Moritz Mahringer, Elian Terelle
Licht: Christian Huber, Jan Dahms
Techniker:innen: Alina Ohlemacher, David Auer, Franziska Zmatlik, Johann Kabelac, Marc Diehl, Max Gottlob, Oliver Morgenstern
Cast:
Dr. Jekyll, Mr. Hyde: Erik Aepfelbach / Matthias Brönner
Lucy Harris: Julia Varycheva / Lydia Peternely
Lisa Carew: Emily Rohrbach / Leara Tauber
Sir Danvers Carew: Julian Strunk / Oliver Raudies
John Utterson: Johannes Knieps / Max Gottlob
Simon Stride: Justus Kett
Lady Proops: Lena Aulenbacher / Tabea Eberle
Bischof von Basingstoke: Lucas Buchmeier / Philipp Siemoneit
General Lord Glossop: Johann Kabelac
Lord Savage, Spider: Loki Maelicke / Clemens Brill
Lady Beaconsfield, Gwenny: Wendy Escobar / Larissa Wunderlich
Poole, Priester, Jekyll sr.: Stefan Tihanyi / Christoph Hildebrandt
Nellie: Clara Eckert / Piedade Joveta
Annie: Marie Gatzke / Denise Bickler
Mary Jane: Mai Phuong Nguyen / Cheyenne Ritter
Polly: Annika von Issendorf / Lotte Stegmann
Lizzie: Maria Flores / Livia Nazary
Zeitungsjunge, Apotheker, Messdiener: Philipp Siemoneit / Jonas Steinbach
Orchester:
Reed I: Sara Gemmerich / Anna Blume
Reed II: Madeleine Braun / Leonhard Rottschäfer
Reed III: Moritz Schmitt / Patricia Schwarz
Reed IV: Eva Lengemann
Horn: Niklas Golla / Florentin Heinrich
Trompete: Tobias Fix
Posaune: Johanna Eberling
Percussion II: Johannes Funk / Marvin Rodriguez
Keyboard I: Katharina Wende
Keyboard II: Damian Bach / Simon Wilhelm
Keyboard III: Fabian Hönig
Gitarre: Florian Dille / Nico Moser
Bass: Alexander Schmitt / Jan Orlandini
Violine I: Christian Kapper / Felix Kuhl-Pape
Violine II: Katharina Mackert / Kaela Spranger
Viola: Miriam Binder / Paula Ebertz
Cello: David Kahlhofer / Antonio Kapper / Ina Schilcher
