Mit „Ichthyosaurus Brecht“ kehrt der Klangkünstler, Hörspielmacher und Performer Oliver Augst nach mehr als einem Vierteljahrhundert erstmals wieder als künstlerischer Protagonist nach Offenbach zurück – in jene Stadt, in der seine künstlerische Biografie begann.
Offenbach ist für Augst kein Gastspielort, sondern Herkunft. Hier besuchte er das Leibniz-Gymnasium, absolvierte sein Abitur und schloss Anfang der 1990er Jahre sein Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach mit Auszeichnung ab. Mit Gruppen wie Selbstlaut, Das Klima und Freundschaft sowie zahlreichen Konzerten mit seinem damaligen Duopartner Christoph Schaaf prägte er die freie Kulturszene der Stadt. Seine Arbeiten waren an Orten wie dem Goethe-Theater, dem Isenburger Schloss, dem Deutschen Ledermuseum, dem Büsing-Palais und der HfG präsent. Er etablierte die Konzertreihe „Neue Musik im Bücherturm“ in der Stadtbücherei.
Der letzte Offenbacher Auftritt datiert aus dem Jahr 2001: Im OFK Kunstraum zeigte sein Electronic Musik Theater ein Projekt zum Thema Heimat. Danach begann eine außergewöhnliche internationale Laufbahn. Augst entwickelte sich zu einem der profiliertesten deutschen Künstler im Grenzbereich von Musik, Hörspiel, Performance, Literatur und Klangkunst. Seine Arbeiten wurden unter anderem bei den Berliner Festspielen, der documenta, Ars Electronica, Wien Modern sowie in Museen und Festivals von New York bis Porto gezeigt.
2020 gab es eine thematische Annäherung an die Stadt, als seine LP „Lou Reed in Offenbach“ mit der inzwischen verstorbenen Françoise Cactus und Brezel Göring von Stereo Total veröffentlicht wurde.
Umso bemerkenswerter ist seine jetzige Rückkehr. Im Rahmen des MADE-Festival präsentiert er gemeinsam mit Ruth Fühner das Soundessay Ichthyosaurus Brecht. Ausgangspunkt ist Bertolt Brechts Erzählung „Vor der Sintflut“. In der Figur des urzeitlichen Ichthyosaurus erscheint ein widersprüchlicher, unzuverlässiger Brecht, dessen Zweifel und Brüche sich in Augsts eigens komponierter Musik spiegeln. Gemeinsam mit dem französischen Trio L’Impolie entsteht eine Text- und Klangperformance, deren Sound sich durch den Einsatz sich abnutzender Dubplates bei jeder Aufführung verändert.
ICHTHYOSAURUS BRECHT
SoundEssay von Ruth Fühner und Oliver Augst
Aufführungen im Rahmen von MADE-Festival
12.6.2026 Klingspor Museum Offenbach – offenbach.de / made-festival.det
MADE.Festival für Theater, Tanz und Performance: Programm bis zum Finale am 20. Juni
Am Samstag, 13. Juni, 15 Uhr, geht es dann im SCAPE°, Frankfurter Straße 39, in Offenbach mit dem Vier-Augen-Format HOOKED ON A BOOK weiter. Zwei Menschen treffen sich und schlagen ein Buch auf: Sie beginnen darin zu blättern – das Buch stellt Fragen und regt zu Austausch und Gespräch an. Die Teilnahme ist frei. Kartenreservierung über karten@made-festival.de.
Am Samstag,13., und Sonntag, 14. Juni, 20 Uhr, ist im Offenbacher Wetterpark (Goerdeler Straße 145, Haltestelle Buchhügel Wetterpark) erstmals im Rhein-Main-Gebiet die Schauspielperformance RISKTAKERS von der Gruppe art allies aus Marburg zu sehen. Die MADE.Jury über das Stück: „Eine unvergessliche, immersive Theaterexpedition im Spannungsfeld aus Glauben, Kapitalismus und Utopie, die Mechanismen des Paradies-Mythos nachhaltig neu justiert.“ Karten kosten 17, ermäßigt 12 Euro. Kartenreservierung über karten@made-festival.de.
Programm in Wiesbaden
Am Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr, gibt der SoundEssay ICHTYHYOSAURUS BRECHT im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, den Auftakt in Wiesbaden. Karten kosten im Vorverkauf 12 ermäßigt 9 Euro, jeweils zuzüglich Vorverkaufsgebühr, erhältlich sind sie in der Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, (0611) 1729930 oder hier. An der Abenkasse kosten die Karten 15, ermäßigt 11 Euro. Die MADE.Jury über das Stück: „Eine sehr persönliche Begegnung mit Bertolt Brecht aus einem unkonventionellen Blickwinkel“.
Am Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr, ist im Hessischen Staatstheater, Wartburg, Schwalbacher Straße 51, Tamira Kalmbachs biographische Performance MIA SAN MIA zu sehen, diese Vorstellung ist bereits ausverkauft, Restkarten sind eventuell an der Abendkasse erhältlich. Interessierte könnten sich auch online informieren, ob kurzfristig freigegebenen Karten wieder zur Verfügung stehen.
„Ein ebenso humorvoller wie präziser Theaterabend im hochrelevanten Resonanzraum zwischen Folklore, Identitätspolitik, kollektiven Selbstverständlichkeiten und kultureller Exklusion.“ – so die MADE.Jury über MIA SAN MIA.
Das internationale Kollektiv Boys* in Sync zeigt am Freitag, 19. Juni, 20 Uhr, im Hessischen Staatstheater Wiesbaden, Wartburg, Schwalbacher Straße 51, die biografische Performance ZAPFENSTREICH. „Ein Theaterabend, der in seiner mehrfachen Perspektivenverschiebung auf das Zapfenstreich-Ritual einem lustvoll anders sehen, hören, fühlen – und Position beziehen lehrt.“ (MADE.Jury). Karten kosten 19/12 Euro und sind hier erhältlich.
Zum Finale kehrt das MADE.Festival nach Frankfurt zurück:
Am Samstag, 20. Juni, 20 Uhr, ist im Theaterhaus nochmals ICHTHYOSAURUS BRECHT zu erleben. Nach der Vorstellung wird der Szenejury- und der Publikumspreis verliehen. Karten kosten 17, erm. 12 Euro und können per E-Mail unter karten@made-festival.de reserviert werden.
Weitere Informationen und das ganze Programm mit allen Terminen: made-festival.de.
