Stilvoller Crossover-Liederabend mit Alice Coote an der Oper Frankfurt

Liederabend Alice Coote (Mezzosopran) und Julius Drake (Klavier) ~Oper Frankfurt (10. März 26) ~ Julius Drake, Alice Coote ~ © Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

„Alle guten Dinge sind drei“ kann man zum jüngsten Liederabend an der Oper Frankfurt sagen. Die britische Mezzosopranistin Alice Coote gab jetzt dort ihren dritten Liederabend. Nachdem sie im März 2008 Schuberts „Winterreise“ (Besprechung) und im Oktober 2012 pure französische Romantik präsentierte (Besprechung), wählte sie jetzt ein außergewöhnliches Lieder-Potpourri unter dem Titel „The Rebellious Recital“. Es reichte von Bach (1685 – 1750) bis zu Olivia Chaney (* 1982). Bei diesem stilvollen Crossover-Liederabend verschmolz die gern gezogene Grenze zwischen E- und U-Musik. Sie wurde von Coote mit viel Leidenschaft außer Kraft gesetzt. Gesungen wurde auf Englisch, Deutsch, Italienisch, Französisch und Russisch.

Achterbahn der Emotionen

Alice Coote braucht niemandem mehr etwas zu beweisen. Entsprechend souverän präsentierte sie sich dem Frankfurter Publikum (in bequemen Sandalen und weiten Umhängen). Das Publikum schien sie von Anfang an zu lieben, schon der Begrüßungsapplaus war besonders. Dazu trug auch ihre herzliche und starke Ausstrahlung bei. An der Oper Frankfurt hat sie in der Vergangenheit neben ihren Liederabenden auch große Partien gesungen, ist also bei vielen noch in bester Erinnerung.

Die Bandbreite der 26 (!) gesungenen Lieder war enorm. Jedes Lied interpretierte Alice Coote auf sehr individueller Weise. Selbst bekannte Lieder erhielten eine ganz eigene Färbung.

Liederabend Alice Coote (Mezzosopran) und Julius Drake (Klavier)
Oper Frankfurt (10. März 26)
Alice Coote
© Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Dabei überraschten gerade im ersten Teil des Abends die krassen Wechsel der Stimmungen. Kaum hatte man sich auf eine sanfte Stimmung eingelassen, riss das nachfolgende Lied einen fast aus dem Sitz. Insoweit fühlte man sich fast ein wenig wie auf einer Achterbahnfahrt.
Alice Coote gelangen die Stimmungswechsel mühelos und innerhalb von Sekunden. Als roten Faden durch die enorme zeitliche Spanne der Lieder zogen sich die Themen Liebe und Beziehung.

Edward Elgars „Speak, Music!“ eröffnete den Abend, gefolgt von Wolfgang Amadeus Mozarts „An die Freude“ und Georg Friedrich Händels innig dargebotener Arie der Zenobia „Quando mai spietata sorte“ aus der Oper Radamisto. An diese schloss sich das mit Vehemenz gegebene „Schmerzen“ von Richard Wagner an.

Eines der schönsten Lieder des Abends: Elvis Costellos & Burt Bacharachs wehmutsvolles „My Thief“ aus dem Jahr 1998. Ein Lied über die sentimentale Erinnerung an eine vergangene Liebe („If you can’t be my lover, be my thief“). Außergewöhnlich auch David Bowies „Life on Mars“: die Geschichte einer von der Realität enttäuschten Frau. Der Song war für Bowie eine Parodie auf Frank Sinatras/Paul Ankas „My Way“.

Dem schloss sich Gustav Mahlers populäres Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ an, dass Coote im Pianissimo zu himmlischen Sphären transformierte.

Ruhigerer zweiter Teil

Der zweite Programmteil wirkte ruhiger. Dazu zählten insbesondere Francis Poulencs Hit „Les chemins de l’amour“ und Olivia Chaneys besinnliches „House on a Hill“ aus dem Jahr 2018.

Für Schmunzler im Publikum sorgte Irving Berlins „You Can Have Him“. Auch beim Thema Tod war die Liebe allgegenwärtig. Wie bei Jacques Brels „My Death“ („ Angel or devil, I don’t care, for in front of that door, there is you“).

Liederabend Alice Coote (Mezzosopran) und Julius Drake (Klavier)
Oper Frankfurt (10. März 26)
Alice Coote
© Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Am Klavier begleitete Coote erneut ihr Landsmann Julius Drake (hier zuletzt im vergangenen Jahr an der Seite des amerikanischen Tenors Matthew Polenzani [Besprechung]). Mit beeindruckender Ruhe bildete er vom Habitus einen Gegenpol zuCoote. Seine Zurückhaltung zeigte sich auch schon im nur leicht geöffneten Flügel. Sein Spiel war freilich mehr als unterstützend. Fingerfertigkeit zeigte er u. a. beim Überkreuzspielen bei John Lennons legendärem „Imagine“.

Ein zuversichtlicher Blick in die Zukunft beendete das Programm: Strauss‘ Morgen“ („Und morgen wird die Sonne wieder scheinen…“; der kleine Zyklus der dieses Lied beinhaltet war Strauss‘ Hochzeitsgeschenk an seine Pauline).
Für den intensiven Beifall mit zahlreichen „Bravo“-Rufen bedankten sich die beiden mit Schuberts beliebtem Lied „An die Musik“ und John Lennons/Paul McCartneys verträumtem „Golden Slumbers“.

Markus Gründig, März 26


Die Zugaben:

Franz Schubert (1797-1828): „An die Musik“ (1817)
The Beatles (John Lennon; 1940-1980) / Paul McCartney *1942): „Golden Slumbers“ (1969)