Die große historische Gangstershow
Das Theater Münster stellte heute, Mi. 15. April 2026 um 13.00 Uhr seinen Spiel- und Konzertplan für die Spielzeit 2026/27 vor, dem letzten unter der künstlerischen Leitung des Teams um Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein.
Insgesamt wird es vierundzwanzig Premieren, darunter neun Uraufführungen, sowie zehn Wiederaufnahmen und zwei Festivals in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Junges Theater geben. Das Konzertwesen unter Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg bietet mit dem Sinfonieorchester Münster zehn Sinfoniekonzerte, sechs Kammerkonzerte, drei Kinderkonzerte und vier Sonderkonzerte.
Mit dem Motto „Die große historische Gangstershow„, dem Untertitel von Bertolt Brechts derb-komischer Hitler-Parabel Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, stellt das Theater Münster sein Programm 2026/27 in eine Tradition, in der sich brillante Unterhaltung und scharfe Wirklichkeitsanalyse nicht ausschließen, sondern gegenseitig bestärken. Vom großen Opernabend bis zum partizipativen Jugendprojekt bietet das Theater vielfältige Räume zu eindrucksvollen Live-Erlebnissen und Begegnungen.

(Copyright: Sandra Then)
Im Musiktheater unter Leitung von Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein reicht der Bogen von der Freude am Gruselig-Düsteren bis zur Hoffnung auf das Licht der Aufklärung. Der Humor verbindet: Die Spielzeit beginnt mit dem Musical The Addams Family – einer Familienkomödie, die alle Generationen einlädt und die Leichen im Keller der Familie tanzen lässt. Am Ende der Spielzeit steht mit Le nozze di Figaro ein Emanzipationsklassiker, in dem Susanna und Figaro sich vom Joch überholter Autoritätsausübung befreien – und fast alle lachen können.
Weitere Premieren sind Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen, Giuseppe Verdis Luisa Miller sowie ein Doppelabend mit Henry Purcells Dido and Aeneas und Bohuslav Martinůs Ariadne. Mit Drag Spirits: The Poet and the Sun entsteht im Kleinen Haus eine Uraufführung im Rahmen der NRW-Förderinitiative NOperas!. Verdis La Traviata ist als Wiederaufnahme zu erleben.
Das Schauspiel unter Leitung von Schauspieldirektor Remsi Al Khalisi verabschiedet sich mit einem „Großen Hallo!“ von seinem Münsteraner Publikum, mit spektakulären Uraufführungen und einem frischen Blick auf die große Theaterliteratur – sinnlich, gedankenscharf und spielerisch. Thomas Köck, einer der prägendsten Theaterkünstler der Gegenwart, schreibt und inszeniert eine neue Version von Hamlet, die Ausbeutungsmechanismen mit den Folgen für das Klima zusammendenkt.
Die Uraufführung von Ozan Zakariya Keskinkılıçs vielfach ausgezeichnetem Roman Hundesohn feiert queeres Begehren, nicht nur in der muslimischen Community. Nora Abdel-Maksoud macht in ihrer Komödie Wokey Wokey auf bitterböse Weise Schluss mit den vermeintlichen Anstrengungen um politische Korrektheit. Das übrige Programm reicht von den Klassikern Arsen und Spitzenhäubchen, Heinrich von Kleists Das Käthchen von Heilbronn und Tennessee Williams‘ Plötzlich letzten Sommer bis zu Gegenwartsdramatik wie Wolfram Lotz‘ Träume in Europa und Tuğsal Moğuls Auch Deutsche unter den Opfern 2.0.
Als Wiederaufnahmen laufen u.a. Das Vermächtnis und And now Hanau – beide inzwischen in ihrer fünften Spielzeit am Theater Münster. Das Lange Wochenende der Neuen Dramatik steht 2027 im Zeichen der Zusammenarbeit mit den Skulptur Projekten Münster 2027.
Die Tanzsparte unter Leitung von Tanzdirektorin Lillian Stillwell stellt den Körper als Ort der Transformation in den Mittelpunkt. Zwei neue Tanzabende übersetzen literarische Stoffe in Bewegung und erschließen dabei bekannte Geschichten auf unerwartete Weise. Frankenstein ist ein kollektiver Tanzabend nach Mary Shelleys Roman, erarbeitet von Bridget Breiner, Chefchoreografin des Ballett der Deutschen Oper am Rhein, Faizah Grootens, Artist-in-Residence am Korzo Den Haag, und Lillian Stillwell zu einer Neukomposition von Justus Wilcken.
Lillian Stillwells Tanzabend mit Orchester nach William Shakespeares Raunächte oder Was ihr wollt vereint das kreative Team der gefeierten Erfolgsproduktion Die Schwäne, die in dieser Spielzeit ebenfalls wieder auf der Bühne zu erleben ist. Die Produktion Furien von 2022 kehrt zurück und wird erstmals mit dem partizipatorischen Format After Dance verbunden. Den Abschluss bildet Quartett – ein Abend, der die Nachwuchstalente von Tanz Münster in den Mittelpunkt stellt.
Das Junge Theater unter Leitung von Angela Merl versteht sich als Freiraum, in dem andere Stimmen gehört und Geschichten neu erzählt werden dürfen – entwickelt gemeinsam mit jungen Menschen und für sie. Junges Theater ist kein Nice-to-have: Es mischt sich ein, es ist laut und lebendig. Neue Produktionen sind die Uraufführung Der Wassermann von Leah Luna Winzely, das Familienstück Der Zauberer von Oz, Fayer Kochs Zehner – das danach fragt, welche Stimmen in unserer Gesellschaft gehört werden – und das Rechercheprojekt Freiraum. Den Spielzeitabschluss bildet das partizipative Festival, in dem Jugendliche selbst das Sagen haben. Ergänzt wird das Programm durch Wiederaufnahmen, u. a. Der erste Schritt und Ein deutsches Mädchen.
Das Sinfonieorchester Münster bestreitet seine 107. Saison mit zehn Sinfoniekonzerten und einem reichhaltigen Programm aus Kammer- und Sonderkonzerten unter Generalmusikdirektor Golo Berg und mit namhaften Gästen – darunter Frank Peter Zimmermann, Camille Thomas, Arabella Steinbacher und Kit Armstrong. Das Programm reicht von Beethoven und Brahms bis zu Filmmusiken von Morricone und Rota.
Die Spielzeit wird ein Fest!
