
Dem breiten Publikum ist der aus Samoa stammende Tenor Pene Pati noch nicht bekannt. Operninsider ist der Senkrechtstarter jedoch schon seit längerem ein Begriff, singt er doch mittlerweile an den bedeutendsten Opernhäusern und Festivals der Welt. Aktuell gibt er am Opernhaus Zürich in Mozarts „La clemenza di Tito“ die Titelpartie (Musikalische Leitung: Marc Minkowski; Inszenierung: Damiano Michieletto). Zwischen den einzelnen Aufführungsterminen nutzte er die Gelegenheit, um bei den Internationalen Maifestspielen Wiesbaden ein Konzert zu geben. Im Christian-Zais-Saal des Kurhauses präsentierte er gemeinsam mit dem Ensemble Il Pomo d’Oro (Leitung: Gitarrist Antonello Paliotti) unter dem Titel „Serenata a Napoli“ eine Auswahl neapolitanischer Lieder (die im vergangenen Jahr auch als Aufnahme bei Warner Music erschienen ist, seinem dritten Album).
„Tenor – Die Geschichte von Pene Pati“
Peni Patis Geburtsland Samoa liegt im Pazifik, zwischen Fidschi und Französisch-Polynesien. Es ist nur etwas größer als das Saarland und seit 1962 unabhängig von Neuseeland. Von dort aus eine internationale Opernkarriere hinzubekommen, ist alles andere als selbstverständlich. Am 6. Juni sendet arte die 80-minütige Doku „Tenor – Die Geschichte von Pene Pati“ (Tenor – My Name is Pati; Minerva Prod./ZDF/arte; Regie: Rebecca Tansley). Sie wird bis zum 30. Januar 2030 online auf arte.tv verfügbar sein (auf arte.tv ist bis zum 22. Juli 2027 auch eine Aufnahme von Jules Massenets „Werther“ an der Pariser Opéra Comique mit Pene Pati in der Titelpartie zu sehen).
Die Dokumentation zeichnet die unglaubliche Entwicklung des 1987 geborenen Pati nach. Dabei gibt er Einblicke zu seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen, in seine Familie, seine Schule und wie er durch einen Besuch von „La Bohème“ vom Opernfieber gepackt wurde. Der Film verschweigt nicht die Probleme, die die nach Neuseeland übergesiedelte Familie dort hatte.
Allerdings stehen die familiäre Gemeinschaft, das Pflichtbewusstsein und die Liebe füreinander dazusein und einzustehen, stark im Vordergrund. Dabei geht es nicht nur um ihn, sondern auch um seinen Bruder Amitai und seinen Cousin Moses Mackay (das Trio SOLΞ MIO). Dirigent Marc Minkowski bezeichnet in der Doku Peni Pati gar als eine Wiedergeburt von Luciano Pavarotti. Den kannte Pati lange gar nicht, freut sich aber natürlich umso mehr über dieses Urteil zu seiner Gesangskunst.
Serenata a Napoli
Das unter dem Titel „Serenata a Napoli“ stehende Konzert im Kurhaus Wiesbaden eröffnete Peni Pati behutsam mit „Silenzio cantatore“, einem träumerischen Gedankenaustausch während einer Sommernacht über die Beständigkeit der Liebe. Temporeicher folgte das sehnsuchtsvolle „Maria Mari“. In dem zweistündigen Programm (inklusive einer Pause) gab Pati immer wieder kurze Erläuterungen zu den vorgetragenen Liedern (einen Programmzettel mit Angaben der Titel gab es leider nicht).
Das klein besetzte Ensemble Il Pomo d’Oro spielte zusätzlich zahlreiche instrumentale Stücke und war dadurch weit mehr als ein gestaltender Begleiter. Es zeichnet auch für die Arrangements des Programms verantwortlich.

Internationale Maifestspiele Wiesbaden (im Kurhaus Wiesbaden)
© Lukas Anton
Seiner kraftvollen und golden schimmernden Stimme kann der charismatische Pani Pati eine beeindruckende Leichtigkeit und Schwerelosigkeit geben. Mitunter führte er sie zu sanften sphärischen Höhen. Dabei war er stets sehr präsent und wirkte überaus glücklich (insbesondere wenn er mit Kastagnetten die Musiker unterstützen konnte).
Natürlich fehlte auch der Klassiker „’O sole mio“ nicht. Doch diesen präsentierte er, wie auch alle anderen Canzoni, mit großer Innerlichkeit und sehr subtil, abseits jeglicher Effekthascherei.
Als erste Zugabe sang Pene Pati die einzige Arie des Abends (eine aus Donizettis Oper“ Don Pasquale“), als zweite Zugabe ein traditionelles Lied aus seiner samoanischen Heimat.
Von seiner freundlichen Art und der bittersüßen Stimmung der neapolitanischen Lieder angesteckt, bedankte sich das Publikum mit viel Beifall und stehenden Ovationen.
Markus Gründig, Mai 26
Die diesjährigen Internationalen Maifestspiele Wiesbaden enden am 31. Mai 2026. Bis dahin gibt es jeden Tag ein vielseitiges Programm aller Sparten. Weitere Informationen unter staatstheater-wiesbaden.de.
