Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2026 geht an Paulina Alpen

Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2026 geht an Paulina Alpen (© Berliner Festspiele, Foto: Fabian Schellhorn)

Am Abschlusstag des Theatertreffens wurde am heutigen Sonntag, 17. Mai, in einer Matinee im Haus der Berliner Festspiele die Auszeichnung an die Schauspielerin Paulina Alpen verliehen. Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises 2026 ist der renommierte Schauspieler und Autor Matthias Brandt. Er traf seine Entscheidung nach Sichtung der zum Theatertreffen eingeladenen zehn bemerkenswertesten Inszenierungen in den vergangenen 17 Festivaltagen.

Paulina Alpen erhält den mit 5.000 Euro dotierten Alfred-Kerr-Darstellerpreis für ihre schauspielerische Leistung in der Inszenierung Die Welt im Rücken in der Regie von Lucia Bihler, eine Produktion des Schauspiels Stuttgart, die am 13. und 14. Mai im Rahmen des Theatertreffens im Haus der Berliner Festspiele gezeigt wurde. Die Laudatio hielt Alleinjuror Matthias Brandt.

„Paulina Alpen spielt diese Figur, die denselben Namen trägt wie ihr Autor, mit einer erstaunlichen Genauigkeit im Wechsel von Anspannung und Kontrollverlust und gleichzeitig mit einer Offenheit, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Sie hat Kraft, aber sie stellt sie nicht aus. Sie ist nie ungenau, aber auch nie geschniegelt. Und was sie zeigt, wirkt nicht hergestellt, sondern sie riskiert was. Sie spielt diese Figur nicht als Fall, nicht als Diagnose, sondern als Menschen: mit Scham, Komik, Erschöpfung, Selbstbeobachtung, Gegenwehr, Stolz, Verletzbarkeit.“
– Matthias Brandt in seiner Laudatio

Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2026
© Berliner Festspiele, Foto: Fabian Schellhorn

Bei der Preisverleihung waren neben Matthias Pees (Intendant der Berliner Festspiele), Nora Hertlein-Hull (Leiterin des Theatertreffens) und Mitgliedern der Theatertreffen-Jury 2026 auch Peter von Becker (Stiftungsrat der Alfred Kerr Stiftung) und der britische Autor Matthew Kneale, Enkel von Alfred Kerr und Sohn von Judith Kerr-Kneale, anwesend. In Gedenken an den Preisstifter las die Schauspielerin und letztjährige Preisträgerin Carmen Steinert aus dem Text Julia und Alfred Kerr Der Chronoplan. Ihre letzte gemeinsame Arbeit von Deborah Vietor-Engländer (Präsidentin der Alfred Kerr Stiftung).

Paulina Alpen

Preisträgerin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises 2026 Paulina Alpen, geboren 1992 in Mering, ist Schauspielerin und Choreografin. Sie absolvierte ihre Tanzausbildung am Konservatorium Wien und ihr Schauspielstudium an der Folkwang Universität der Künste.

Bereits während des Studiums sammelte sie Bühnenerfahrung an wichtigen Theatern und wurde 2017 mit der Produktion Die Borderline Prozession (Regie: Kay Voges, Schauspiel Dortmund) zum Theatertreffen eingeladen. Zuvor Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, arbeitet Paulina Alpen seit 2017 als freischaffende Schauspielerin.

Ein Höhepunkt ihrer Theaterkarriere ist die Produktion Die Welt im Rücken in der Regie von Lucia Bihler am Schauspiel Stuttgart, die 2026 zum Theatertreffen eingeladen wurde. Ihre Zusammenarbeit mit Lucia Bihler erstreckt sich zudem auf Inszenierungen wie The Lobster (Münchner Volkstheater, 2024), Die Troerinnen (Schauspiel Köln, 2023) und Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (Staatstheater Mainz, 2019).

Darüber hinaus hat sie mit weiteren namhaften Regisseur*innen wie Karin Beier, Wolfgang Menardi und Philipp Stölzl zusammengearbeitet. Ihre schauspielerische Arbeit führte sie an Häuser wie das Münchner Volkstheater, das Schauspielhaus Hamburg, die Volksbühne Berlin und das Wiener Burgtheater, wo sie unter anderem Gregor Samsa in Die Verwandlung (Regie: Lucia Bihler, 2024) darstellte.

Neben ihrer umfangreichen Theaterarbeit war Paulina Alpen auch in Film- und Fernsehproduktionen wie Zwei Herren im Anzug (Regie: Josef Bierbichler, 2018), Freibad (Regie: Doris Dörrie, 2021/2022) und verschiedenen TV-Formaten zu sehen. Zudem arbeitet sie als Choreografin. Ihre darstellerische Leistung ist geprägt von Authentizität und der Fähigkeit, komplexe Charaktere glaubwürdig zu verkörpern.

Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis

Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis wurde 1991 zur Erinnerung an den Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr von seinen Kindern Judith und Michael Kerr gemeinsam mit der Pressestiftung Tagesspiegel und den Berliner Festspielen/Theatertreffen ins Leben gerufen und würdigt seither die herausragende Leistung eines jungen schauspielerischen Talents in einer der zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Alfred Kerr Stiftung mit Unterstützung des Theatertreffens ausgelobt. Weitere Förderer sind der Verlag Der Tagesspiegel, die Familie Hartung und die Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH. Als Juror*in fungiert jährlich wechselnd eine renommierte Theaterpersönlichkeit.

In diesem Jahr wurde der Alfred-Kerr-Darstellerpreis zum 30. Mal vergeben und mit einer Videobotschaft ehemaliger Preisträger*innen gewürdigt. Frühere Preisträger*innen sind u. a. Lina Beckmann, August Diehl, Fritzi Haberlandt, Fabian Hinrichs, Devid Striesow, Valery Tscheplanowa, Wiebke Puls und Johanna Wokalek.

berlinerfestspiele.de