»Oh, what a beautiful day« ~ Simon Bailey an der Oper Frankfurt

Liederabend Simon Bailey und Anne Larlee ~ Oper Frankfurt, 5. Mai 26 ~ Simon Bailey ~ © Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Ein Wiedersehen mit dem Bassbariton Simon Bailey gab es jetzt an der Oper Frankfurt. Dort gestaltete er im Opernhaus zusammen mit Anne Larlee am Klavier einen Liederabend. Bailey zählte viele Jahre zum Ensemble der Oper Frankfurt. Nicht zuletzt wegen seiner frohen und heiteren Art zählte er zu den Frankfurter Publikumslieblingen. Er selbst kann das, wie er beim Liederabend anmerkte, nicht beurteilen. Allerdings sei das Frankfurter Publikum sein Lieblingspublikum.

Partien wie der Wanderer Wotan und der Fliegender Holländer von Richard Wagner verkörperte Simon Bailey in den letzten Jahren. Deren Themen des Reisens, des Wandels zwischen Fluch und Erlösung und nicht zuletzt das Streben nach einem höheren Ziel, waren Baileys inhaltlicher Schwerpunkt seines Frankfurter Liederabends.

Für den hatte er sich gründlich vorbereitet. Sämtliche 25 Lieder sang er frei, also ohne ausliegende Noten (in jüngster Zeit keine Selbstverständlichkeit). Sie stammten vom britischen Komponisten und Dirigenten Ralph Vaughan Williams (1872-1958), dem österreichischen Komponisten Franz Schubert (1797-1828) und den französischen Komponisten Jacques Ibert (1890-1962) und Henri Duparc (1848-1933).

„Dort, wo du nicht bist“

Übertitelt war der Abend mit „Dort, wo du nicht bist“, dem Schlussvers aus Schuberts „Der Wanderer“. Wobei dies nur der halbe Satz ist, die zweite Hälfte gibt dem zunächst hoffnungsvoll wirkenden Anfang eine bittere Note: „… dort ist das Glück!“. Der von Bailey gewählte Untertitel „Songs of Travel and Transformation“ ist dann schon allgemeiner gehalten.

Mit Vaughans Liedzyklus „Songs of Travel“ eröffnete Simon Bailey dann auch seinen Liederabend. Auch wenn der Zyklus gerne als britische „Winterreise“ bezeichnet wird: Dem Schwermut romantischer Kunstlieder konträr, haben Vaughans Lieder, trotz mancher Melancholie, eine positive Grundstimmung. Sie sind vom Volkslied geprägt und haben oftmals Bezüge zur Natur und zum ländlichen Leben. Alles ist eher fließend und zärtlich als dramatisch.

Liederabend Simon Bailey und Anne Larlee
Oper Frankfurt, 5. Mai 26
Anne Larlee, Simon Bailey
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Vom freien, ungebundenen Leben handelt „The Vagabond“, den Bailey wie selbstverständlich verkörperte. Einen Wendepunkt markiert „Youth and Love“, mit einer nunmehr etwas wehmütigen Atmosphäre. Der Schlusssong „I have trod the upward and the downward slope“ blickt mit Würde auf die Höhen und Tiefen des Lebens zurück. Die emotionale Tiefe des Zyklus wurde von Simon Bailey mit viel Innigkeit und ohne Pathos kunstvoll und sehr natürlich wirkend dargeboten.

Von der menschlichen Endlichkeit

Aus dem großen Fundus von Schubert-Liedern präsentierte Simon Bailey eine zu den Themen „Wanderschaft“ und „menschliche Endlichkeit“ passende kluge Auswahl (für die Beratung dazu bedankt er sich im Programmheft bei Brigitte Fassbaender). Emotional und mit vornehmer Zurückhaltung sang er „Totengräbers Heimweh“. Sehr schön gestaltete er das dramatische „Der Atlas“ und das eindringliche und existenzielle „Der Wanderer“. Absolut beeindruckend war bei allen, wie akzentfrei und mit welch starkem Ausdruck der gebürtige Brite die deutschen Lieder vortrug.

Einladung zur Reise

Jacques Iberts kleiner Zyklus „Quatre chansons de Don Quichotte“ eröffnete den Programmteil nach der Pause. Die Suche nach einem Ideal zeichnet die Figur des umherziehenden Don Quichotte aus. Die unterschiedlichen Färbungen der einzelnen Lieder (wie heroisch, charmant, humorvoll und würdevoll) arbeitete Bailey prägnant heraus.

Den Abend beendeten Lieder von Henri Duparc. Von ihm gibt es nur sehr wenige Lieder. Die sind dafür aber allesamt kleine Perlen. Dazu zählt das zarte und träumerische „L’invitation au voyage“ (Einladung zur Reise) und das ob seines vorwärtsdrängenden Tempos etwas aus der Reihe fallende „Le Galop“. Das atmosphärisch dichte und suggestive „La vague et la Cloche“ (Die Welle und die Glocke) schloss den offiziellen Programmteil ab.

Liederabend Simon Bailey und Anne Larlee
Oper Frankfurt, 5. Mai 26
Simon Bailey, Anne Larlee
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Am Klavier wurde Simon Bailey von Anne Larlee begleitet. Die Pianistin mit sympathischem Lächeln begleitete hier bereits u. a. Anthony Robin Schneider, Tamara Wilson und zuletzt Bianca Andrews. Sie passte ihr Spiel elegant und differenziert den Liedstimmungen an.

Alle singen „Alles läuft nach Plan“

Am Ende gab es intensive und lautstarke Beifallsbekundungen. Auch von Kolleg:innen aus dem Haus, die an diesem Abend zahlreich anwesend waren. Für eine kleine Irritation sorgte kurz ein Einzelauftritt von Anne Larlee. Simon Bailey begann dann seine erste Zugabe aus dem Off: „Oh, What a Beautiful Mornin‘“. Damit folgte er dem Original, denn auch in Rodgers/Hammerstein II Musical „Oklahoma!“ beginnt der lebensfrohe und naturverbundene Cowboy Curly McLain die Eröffnungsnummer hinter der Bühne.
Baileys gewinnende Art sorgte dann auch dafür, dass das Publikum unmittelbar den Refrain (Oh, what a beautiful mornin‘, Oh, what a beautiful day. I got a beautiful feelin‘ Ev’erything’s goin‘ my way.) enthusiastisch und lautstark mitsang, ein Novum!

Markus Gründig, Mai 26


Die Zugaben:

Richard Rodgers (Musik; 1902-1979) / Oscar Hammerstein II (Text; 1895-1960): Lied des Curly McLain „Oh, What a Beautiful Mornin‘“ aus dem Musical Oklahoma!

Liza Lehmann (1862-1918): „Myself when young“ (1896) aus dem Zyklus In a Persian Garden

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