Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests« am Staatstheater Wiesbaden

Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests« ~ Staatstheater Wiesbaden ~ © Lukas Anton

Die Internationalen Maifestspiele Wiesbaden bieten dieses Jahr ein ganz besonders buntes Programm. Zu Gastspielen aus Oper, Schauspiel und Tanz zählen auch Veranstaltungen, die für die LGBTQ-Community interessant sind. Dazu zählen „InterEuroVision“ mit Boys* in Sync, das Drag-Cabaret „Alles Pretty“ mit Pretty Lamé und das Performance-Ritual „Suspension“ von Xelk. Den Auftakt machte die schillernde Gala-Dragshow „Monét X Change & Guests“ im Großen Haus.

Nach der queeren Landoperette „Alles Liebe!“, die auch in der kommenden Saison auf dem Spielplan steht, hat das Haus damit erneut ein diverses Publikum erreicht und viele neue Besucher:innen begrüßen können. Das Konzept der beiden Intendantinnen Dorothea Hartmann und Beate Heine, das Haus für einen größeren Publikumskreis zu öffnen, ist damit ein weiteres Mal aufgegangen.

Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests«
Staatstheater Wiesbaden
Monét X Chang und Tänzer
© Lukas Anton

Operndiva Monét X Change

Im Mittelpunkt der kurzweiligen Konzert-Show im Großen Haus stand die US-amerikanische Dragqueen Monét X Change. In ihrer Heimat hat sie den Drag-Olymp schon zweifach erreicht: Sie ist die erste Doppelsiegerin vom legendären „RuPaul’s Drag Race“-Wettbewerb. Sie gewann den Titel ‚Miss Congeniality‘ (in der zehnten Staffel) und wurde als Siegerin der vierten Staffel „All-Stars“ als erste Queen of Color in die Hall of Fame aufgenommen. An ihrer Seite waren drei Gäste: die deutsch-brasilianische Dragqueen Kelly Heelton, die US-amerikanische „The world’s premier genre-queer chanteuse“ Pretty Lamé und die aus Australien stammende Sopranistin Sharon Kempton.

Galant in Szene gesetzter Konzertabend

Monét X Change eröffnete den Abend nicht mit einem Drag-Klassiker wie „I Will Survive“, „It’s Raining Men“ oder „Born This Way“. Die ausgebildete Opernsängerin mit Bassstimme begann mit der Auftrittsarie des Grafen Rodolfo aus Vincenzo Bellinis Oper „La sonnambula“ („Vi raddiso, o luoghi ameni“). Und überraschte später mit Sarastros Arie „O Isis und Osiris“ aus Mozarts „Die Zauberflöte“. Damit zeichnete sich sogleich die Grundstimmung des Abends ab.

Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests«
Staatstheater Wiesbaden
Pretty Lamé und Sharon Kempton
© Lukas Anton

Es war keine moderierte Drag-Show mit Comedy und anzüglichen Sprüchen. Vielmehr ein galant in Szene gesetzter Konzertabend mit sensationellen Kostümen (die so manche Frau neidisch machten), einem sich sinnlich gebenden männlichen Tanzensemble (Choreografie: Thomas Helmut Heep) und dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden unter der Leitung von Paul Taubitz (1. Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor).

Populäre Songs aus vielen Genres

Präsentiert wurde ein gut einstündiges Programm, nicht nur Opernarien, sondern auch populäre Songs aus Musical, Operette und Chanson. Die Übergänge zwischen den einzelnen Vorträgen, solistisch oder im Duett, erfolgten stets sehr ineinanderfließend (Szenische Einrichtung: Philippe Roth). Das in kleiner Besetzung spielende Orchester war mit auf der Bühne platziert, wie auch zwei nackte Schaufensterpuppen und ein kleiner Schminktisch. Zahlreiche (Halb-)Discokugeln sorgten für eine funkelnde Stimmung.

Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests«
Staatstheater Wiesbaden
Kelly Heelton
© Lukas Anton

Die jeweiligen Songpräsentationen, gesungen wurde live, waren allesamt originell und sehr unterschiedlich. Sharon Kempton, erst in einem Anzug, dann in einem farbenfrohen Glitzerabendkleid, stand an diesem Abend für die Queeren, die sich nicht so schillernd bunt der Welt zeigen, wie es die Dragqueens tun. Sie sang innig „I Dreamed a Dream“ aus „Les Misérables“ und „Over the Rainbow“ aus „The Wizard of Oz“. Édith Piafs „Non, je ne regrette rien“ hatte mehr arienhafte Züge und fehlte etwas an Tragik.

Empathisch und verträumt gab Lokalmatadorin Pretty Lamé Edvard Griegs „Ein Traum“ und „Pure Imagination“ aus „Willy Wonka and the Chocolate Factory“.

Kelly Heelton verführte zunächst mit dem Glühwürmchen-Idyll aus Paul Linckes Operette „Lysistrata“ um dann mit ihrer vielen Energie das Publikum im Saal anzuheizen (mit Dua Lipas „Don`t Start Now“ und Nina Simones „Feeling Good“.

Doch alle wurden von der strahlenden Aura der fantastischen Monét X Change übertrumpft. Die neben den Opernarien auch Kurt Weills „Lost in the Stars“ und ihren eigenen Song „Body“ kunstvoll präsentierte. Im Duett mit Pretty Lamé gab sie den Operettenklassiker „Lippen schweigen“ (aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“), im Duett mit Sharon Kempton ein Judy Garland/Barbra Streisand Medley.

Tänzer verführten

Ein Highlight des Abends waren aber auch die energetischen Tänzer des Hessischen Staatsballetts (Enzo Boffa, Gorka Duran Villar, Alessio Pirrone, Marcos Novais, Benjamin Wilson). Anfangs in kurzen und engen Shorts, später in langen Hosen, verführten sie mit ausgefallenen Darbietungen zu den Songs das Publikum. Dabei zeigten sie, angepasst an den jeweiligen Song, sehr unterschiedliche Stile (von Freestyle bis zu klassischen Bewegungsmustern).

Die Stimmung im ausverkauften Haus war hervorragend. Am Ende präsentierten alle gemeinsam den Bekenntnissong schlechthin: „I Am What I Am“ (aus „La Cage aux Folles“).
Stehende Ovationen gab es nicht nur im Parkett, sondern auch in allen drei Rängen. Die drei Zugaben entließen das Publikum dann beglückt in die Nacht und/oder in die sich im Foyer anschließende Party.

Markus Gründig, Mai 26


Gala-Dragshow »Monét X Change & Guests«

Am 7. Mai 26 im Staatstheater Wiesbaden (Großes Haus)

Musikalische Leitung: Paul Taubitz
Szenische Einrichtung: Philippe Roth
Choreografie: Thomas Helmut Heep
Dramaturgie: Leon Koenig
Assistenz: Maximilian Beck

Mit:

Monét X Change
Kelly Heelton
Pretty Lamé
Sharon Kempton

Tanz: Enzo Boffa, Gorka Duran Villar, Alessio Pirrone, Marcos Novais, Benjamin Wilson

staatstheater-wiesbaden.de