- Das neue Friedrichsforum in Bayreuth
- „Iphigenie in Aulis“ im BAyreuther Friedrichsforum
- Audiowalk durch den Bayreuther Hofgarten
- „Paride ed Elena“ im Markgräflichen Opernhaus

Seit über 20 Jahren gibt es die Gluck Festspiele in der Metropolregion Nürnberg, die seit Oktober 2019 vom Dirigenten Prof. Michael Hofstetter als Intendant geführt werden. Die alle zwei Jahre stattfindenden Festspiele würdigen den 1714 in der Oberpfalz geborenen Komponisten Christoph Willibald Gluck. Seine musikdramatischen Werke sollen nach Hofstetter nicht nur mit der Kraft, Schönheit und Tiefe glückliche Stunden ermöglichen, sondern auch Antworten auf Existenzfragen ermöglichen.
Nicht ohne Grund war der Opernreformer Gluck Vorbild und Wegbereiter für Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Hector Berlioz. Das Genre Oper bekam durch ihn Bedeutungstiefe, jenseits eines Spektakels für Augen und Ohren.
Dieses Jahr stehen die Gluck Festspiele unter dem Motto „Amor und Psyche“, Untertitel: „Von der Entdeckung der Romantik auf der Opernbühne“. Mit den Mitteln des 18. Jahrhunderts drückte er viele grundlegende Prinzipien aus, die später von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung große Popularität erfuhren. „Gluck hat das moderne Musiktheater begründet“ (Michael Hofstetter).
Das neue Friedrichsforum in Bayreuth
Zentren der diesjährigen Gluck Festspiele sind Bayreuth mit dem Markgräflichen Opernhaus und dem neuen Friedrichsforum, dazu Nürnberg und Fürth, aber auch in Neumarkt, Castell und Lehrberg finden bis zum 23. Mai 26 ergänzende Produktionen statt.
Hinter dem Friedrichsforum versteckt sich die ehemalige Stadthalle, die seit über zehn Jahren grundlegend modernisiert wird. Das bereits 1747/48 vom Markgrafen Friedrich III. als Reithalle errichtete Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte (wikipedia.org).
Künftig wird es als Haus der Gegenwartskultur und vielseitiges Mehrspartenhaus u. a. für Vorstellungen des Musiktheaters (Oper, Operette, Musical), Konzerte, Crossover-Produktionen, Ballette, Schauspielproduktionen und auch Kongresse und Firmenveranstaltungen, ganzjährig zur Verfügung stehen (im Markgräflichen Opernhaus dürfen nur 30 Veranstaltungen im Jahr stattfinden, im Festspielhaus nur im Sommer die Bayreuther Festspiele).
Im Friedrichsforum gibt es vier barrierefrei erreichbare Säle. Der große Saal bietet bis zu 800 Sitzplätze und hat nunmehr eine Seitenbühne, eine Drehbühne und einen in der Höhe verstellbaren Orchestergraben. Für die Akustik zeichnet das renommierte Büro Müller-BBM verantwortlich. Für Hendrik Schröder, stellvertretender Leiter des Friedrichsforums und zuständig für Musiktheater und Konzerte, ist jeder Platz hinsichtlich Seh- und Höreindruck so fantastisch, dass es dem Haus schwerfiel, für die Preisgestaltung unterschiedliche Klassen zu finden.
Zu den bestehenden Räumen kamen neue hinzu (wie ein großzügiges Glasfoyer). Beeindruckend sind die harmonischen Übergänge zwischen historischem Bestand und Neuerungen.
Seit April wird das Friedrichsforum für erste Veranstaltungen genutzt. Derzeit läuft ein Probebetrieb. Die offizielle Eröffnung ist für den Oktober 2026 geplant.
„Iphigenie in Aulis“ im Bayreuther Friedrichsforum
Neben Konzerten und Gesprächen (u. a. am 23. Mai mit Anja Silja im Steingräbersaal) stehen bei den Gluck Festspielen dieses Jahr erstmals drei Eigenproduktionen von Gluck-Opern im Zentrum: „Iphigenie in Aulis“, „Paride ed Elena“ und „Orpheus“.
Die konzertante Aufführung von „Iphigenie in Aulis“ fand im Friedrichsforum statt. Nach einem Konzert des Bundesjugendorchesters und des Bundesjazzorchesters im April, war die Aufführung erst die zweite Vorstellung im kernsanierten Großen Saal.

Gluck Festspiele im Friedrichsforum Bayreuth, 8. Mai 26
Christian Miedl, Bo Skovhus, Vero Miller
© João Octávio Peixoto
Gespielt wurde weder Glucks Pariser Originalfassung aus 1774 noch seine überarbeitete Fassung von 1775, sondern die von Richard Wagner für Dresden erstellte aus dem Jahr 1847 (als Beitrag zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele).
Wagner war ein großer Verehrer von Gluck. Seine Bearbeitung von Glucks „Iphigenie in Aulis“ ist eine tiefgreifende romantische Neugestaltung im Geist des 19. Jahrhunderts. Er übersetzte das französische Original, straffte, sorgte für eine stärkere rhetorische Zuspitzung, eine neue und erweiterte Instrumentierung, Kürzung der Ballette und einen dramatischeren Schluss. Gewissermaßen hat Wagner die Oper für ein neues Publikum „aufgepimpert“.
Die konzertante Aufführung wurde von Michael Hofstetter akzentuiert und mit viel Energie geleitet. Er spornte die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach zu breit gefächerten Klangbildern an. Wagners Änderungen waren dabei von Akt zu Akt deutlicher zu hören. Das dramatische Ende ist von Gluck dann schon weit entfernt und klingt fast wie Wagner pur.

Gluck Festspiele im Friedrichsforum Bayreuth, 8. Mai 26
Bo Skovhus, Soula Parassidis, Christian Miedl, Vero Miller, Aco Bišćević, Francesca Lombardi Mazzulli, Michael Hofstetter
© João Octávio Peixoto
Starke Stimmen waren bei dieser konzertanten Aufführung zu hören: Als jung wirkende Mutter Klytaimnestra glänzte mit einer klaren und kraftvollen Stimme Mezzosopranistin Vero Miller. Sopranistin Francesca Lombardi Mazzulli spannte als Tochter Iphigenie intensive lyrische Bögen. Mit einem kurzen Auftritt machte Soula Parassidis als Göttin Pallas Athene auf sich aufmerksam.
Markant präsentierten sich die männlichen Stimmen: Bo Skovhus als Agamemnon mit fundiertem baritonalen Klang, Tenor Aco Bišćević mit einer fast schon belcantischen Ausdrucksstärke (und hohem „C“), sowie Bariton Christian Miedl als Kalchas.
Der Chor ist bei „Iphigenie in Aulis“ mehr als nur Beiwerk, er nimmt eine wichtige dramaturgische Funktion ein und zeigt die Gefahr auf, die von einer Masse ausgehen kann. Bei dieser konzertanten Aufführung bestach der von Christoph Dittmar einstudierte Chor Cantus Thuringia mit einer großen Bandbreite von Emotionen.
Am Ende der romantischen Gluck-Oper wollte der Applaus nicht enden und es gab dazu stehende Ovationen.
Iphigenie in Aulis
Oper in drei Akten
Von: Christoph Willibald Gluck
Libretto: François-Louis Gand Le Bland Du Roullet nach Jean Racines „Iphigénie“
Uraufführung: 19. April 1774 (Paris, Pariser Oper)
Konzertante Aufführung im Rahmen der Gluck Festspiele 2026 im Friedrichsforum Bayreuth: 8. Mai 2026 (Großer Saal)
Fassung von: Richard Wagner
Musikalische Leitung: Michael Hofstetter
Einstudierung Chor: Christoph Dittmar
Besetzung:
Agamemnon: Bo Skovhus
Klytaimnestra: Vero Miller
Iphigenie: Francesca Lombardi Mazzulli
Achilleus: Aco Bišćević
Kalchasv: Christian Miedl
Pallas Athene: Soula Parassidis
Cantus Thuringia
Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach
Audiowalk durch den Bayreuther Hofgarten
Iphigenie in Tauris oder in Aulis? Goethe oder Schiller? Gluck oder Wagner? Euripides oder Racine? Rund um „Iphigenie in Aulis“ stellen sich so einige Fragen. Hier hilft der Audiowalk „Iphigenie-Komplex“. Der 70-minütige Walk entstand in Kooperation mit der Universität Bayreuth (Literaturwissenschaft berufsbezogen) und der Studiobühne Bayreuth (Texte und Einrichtung: Catherine Baracat, Tina Hartmann, Jonathan Resch und Ida Stierhof).
Er entstand speziell für die diesjährige „Iphigenie“-Produktion der Gluck Festspiele und enthält Musikauszüge und szenisch nachgesprochene Textauszüge. Eingeflossen sind aber auch Betrachtungen zum Patriarchat und damit auf die historischen Blicke auf Frauen, die Ruhm meist nur durch ihre Opfer, nicht aber für ihre Taten erhielten (wie es heute auch noch oftmals der Fall ist). Der informative und abwechslungsreich gestaltete Walk führt vom Amphitheater auf dem Uni-Campus über die Parkanlage Hofgarten bis ins Stadtzentrum und zurück in den Hofgarten.
Audiowalk „Iphigenie-Komplex“
Texte und Einrichtung: Catherine Baracat, Tina Hartmann, Jonathan Resch & Ida Stierhof
Konzeption: Tina Hartmann
Regie: Uwe Hoppe
Sprecher:innen der Studiobühne Bayreuth
Weitere Termine: 22. Mai 2026, 15 Uhr, 23. Mai 2026, 11 Uhr
Zur Anmeldung formlose Mail an info@gluck-festspiele.de, ein eigenes internetfähiges Smartphone und Kopfhörer sind erforderlich.
„Paride ed Elena“ im Markgräflichen Opernhaus
Am Tag nach der Aufführung von „Iphigenie in Aulis“ im Friedrichsforum, war im Markgräflichen Opernhaus Glucks „Paride ed Elena“ zu erleben. Die 1770 uraufgeführte Oper nimmt zwar auch wie „Iphigenie in Aulis“ Bezug zum Trojanischen Krieg (Ankunft des schönen Paris in Sparta und Abreise mit der schönen Helena nach Troja). Bei „Paride ed Elena“ geht es weniger um ein großes dramatisches Geschehen, als um einen jungen, unsterblich Liebenden, der alles daran setzt, das Herz der von ihm vergötterten Schönheit zu erreichen und ihren Stolz und Widerstand zu besiegen.
Die Musik ist nicht so stark und energetisch wie andere Opern von Gluck. Sie weist dafür aber eine vielfältige Farbigkeit auf. Diese wurde von Michael Hofstetter und der Akademie für Alte Musik Berlin subtil herausgearbeitet. Der Chor Cantus Thuringia präsentierte sich als raue Spartaner und empfindsame Phrygier.

Gluck Festspiele im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, 9. Mai 26
Samuel Marino
© João Octávio Peixoto
Eine Besonderheit von „Paride ed Elena“ ist, dass alle vier Partien von Sopranen gesungen werden. Zwar war für die Partie des Paride zunächst ein Tenor vorgesehen, doch änderte Gluck dies. Bei den Gluck Festspielen wurde die Partie des Paride von dem aus Venezuela stammenden Samuel Marino gegeben. Der Ausnahmesänger hatte keinen Stimmbruch und so ist es ihm möglich, nicht mit Kopfstimme, sondern mit seiner natürlichen Sopranstimme zu singen. Sehr natürlich präsentierte er sich als schmachtender Verliebter. Trotz der konzertanten Aufführung und ausliegender Noten sang er viel Text frei heraus und gewann schnell die Herzen des Publikums.

Gluck Festspiele im Friedrichsforum Bayreuth, 8. Mai 26
Aco Bišćević, Michael Hofstetter, Francesca Lombardi Mazzulli
© João Octávio Peixoto
Die spröde Elena ist hier nur Verlobte, nicht Gemahlin des Melenaos (Gluck wollte zur damaligen Zeit in Wien keinen Skandal provozieren). Roberta Mameli präsentierte sie mit viel Würde und Anmut und ausdrucksstarken Gesang. Die sich zunächst als Freund, dann aber als die Geschicke leitender Amor zeigende Vanessa Waldhart gefiel mit ihrer gütigen Ausstrahlung. Bei ihrem kurzen Auftritt glänzte Soula Parassidis mit starker Stimme als wütende Athena.
Auch hier gab es am Ende lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen.
Paride ed Elena
Dramma per musica in fünf Akten
Von: Christoph Gluck
Libretto: Ranieri de’ Calzabigi
Uraufführung: 3. November 1770 (Wien, Burgtheater)
Besuchte konzertante Vorstellung bei den Gluck Festspielen 2026: 9. Mai 26 (Markgräfliches Opernhaus Bayreuth)
Musikalische Leitung: Michael Hofstetter
Paride: Samuel Marino
Elena: Roberta Mameli
Amor: Vanessa Waldhart
Athena: Soula Parassidis
Cantus Thuringia
Akademie für Alte Musik Berlin
Markus Gründig, Mai 26
Ausführliche Informationen: gluck-festspiele.de
