Wem gehört die Stadt? Unter diesem Motto steht die Spielzeit 2026/27 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Das Haus unter der Intendanz von Dorothea Hartmann und Beate Heine lädt in der kommenden Saison zum Austausch über diese alltäglich präsente Frage ein und macht Wiesbaden zum Thema und zur Bühne. Gemeinsam mit Künstler*innen und dem Publikum sollen Perspektiven miteinander in Dialog gebracht werden – im Theater und draußen in der Stadt.
In der heutigen Pressekonferenz sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende: „Kunst und Kultur – und insbesondere das Hessische Staatstheater Wiesbaden – leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie Denkanstöße geben, Diskussionen anregen und Räume für Austausch schaffen. Ich bin überzeugt, dass das Staatstheater auch in der neuen Spielzeit mit starken Impulsen in die Stadt hineinwirken wird.“
Auch Kulturstaatssekretar Christoph Degen lobte die Öffnung des Theaters zur Stadt: „Stadt entsteht dort, wo Raume begehbar, Stimmen gehört und Perspektiven sichtbar gemacht werden. Unsere Kulturszene soll kein abgeschlossener Zirkel sein, sondern ein offener Ort des Austauschs – denn Demokratie lebt vom Mitmachen. Das Theater in allen seinen Facetten bietet hierfür den perfekten Raum.“
Eröffnet wird die Spielzeit am 22.08.2026 mit dem Theaterfest und einer spektakulären Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“. Mit diesem großen Chorwerk werden neben dem Hessischen Staatsorchesters und Solist*innen über 120 Sänger*innen aus dem Chor des Staatstheaters und der Stadt Wiesbaden die neue Spielzeit stimmgewaltig eröffnen.
Die Uraufführung „Metropolis Wiesbaden“ (ab 12.09.2026) von Sebastian Nübling ist ein bildstarkes Live-Theater-Film-Event, bei dem Schauspielende und das Hessische Staatsorchester Wiesbaden zur Filmmusik des monumentalen Stummfilmklassikers vom Großen Haus aus die Straßen und Plätze Wiesbadens erobern.
Im Infotainmentabend „Wem gehort die Stadt?“ (ab 02.10. 2026) bringen Helge Schmidt und Team (bekannt durch „Unser Erbe: Tax me, if you can“) gewohnt unterhaltsam verschiedenste Akteure der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu Fragen wie „Wie konnte Wiesbaden als gerechte und zukunftsorientierte Stadt aussehen?“.
Für die „Symphony for One Hundred Citizens and a Traffic Light“ von Heleen van Haeghenborg und Thomas Verstraeten, Experte für Theaterprojekte im Stadtraum, versammeln sich hundert Menschen aus Wiesbaden auf der Bühne des Großen Hauses für ein spektakuläres Konzert als gemeinschaftliches Ereignis.
In „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ üben Kurt Weill und Bertolt Brecht Kritik am Kapitalismus anhand einer Fantasiestadt, in der alle um den eigenen Vorteil kämpfen. Für Regisseur Wolfgang Nägele ist dieser Ort eine künstliche Konsumhölle, wo die Menschen ihr Glück in schnellen Kicks und noch schnellerem Geld suchen (ab 03.04.2027).
Die Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer ist einem breiten Publikum vor allem als Gastgeberin diverser Show- und Talkformate im Fernsehen bekannt. In der kommenden Spielzeit lädt sie zu der neuen Talk-Reihe „Nah dran!“ ins Kleine Haus. An vier Terminen spricht sie mit Gästen aus Kultur, Politik, Wissenschaft und mit Alltagsheld*innen, immer nah dran an den Themen der Stadt und am Publikum. Der erste Talk findet am 22.10.2026 statt.
Die erste Musiktheaterpremiere im Großen Haus ist am 10.10.2026 Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Dennis Kraus gewann 2025 neben dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST auch den Europäischen Opernregie-Wettbewerb, dessen Preis die Realisierung dieser Inszenierung ist. In spektakulären Bildern entführt er das Publikum in die Traumwelt eines Jahrmarkts, die musikalische Leitung hat Paul Taubitz.
Auch in „La Bohème“ beschwört Regisseurin und Götz-Friedrich-Preisträgerin Aileen Schneider eine Fantasiewelt herauf. Am Pult steht GMD Leo McFall, Premiere ist am 28.11.2026.
Mit Henry Purcells „Dido and Aeneas“ spielt ab dem 23.01.2027 nach langer Zeit wieder eine Barockoper im Großen Haus. Andrea Moses, eine der renommiertesten Opernregisseurinnen im europäischen Raum, arbeitet zum ersten Mal in Wiesbaden.
Ensemblemitglied Sam Park, Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs, gibt bei der Premiere von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Eugen Onegin“ am 27.02.2027 sein Debüt in der Titelpartie. Die intime Geschichte voller Sehnsüchte und verpasster Chancen ist heute noch aktuell: Regisseur Matthias Piro zeigt eine junge Generation, die zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und gefühlter Ausweglosigkeit strauchelt.
Am 01.05.2027 eröffnet Claude Debussys Drame lyrique „Pelleas et Melisande“ die Internationalen Maifestspiele 2027. Leo McFall dirigiert die subtile Musik, die über 50 Jahre nicht am Hessischen Staatstheater zu hören war. Jetske Mijnssens, die bekannt ist für feine psychologische Arbeiten, legt in dieser Inszenierung, die bereits an der Bayerischen Staatsoper und der Dallas Opera zu sehen war, die Menschlichkeit der Protagonist*innen frei.
Wieder im Spielplan sind „Tosca“, die queere Landoperette „Alles Liebe!“, „Der Barbier von Sevilla“, und „Die Perlenfischer“.
Mit der Eröffnung im Kleinen Haus kehrt Mikheil Charkviani, der mit seiner Wiesbadener Inszenierung „Antigone“ das Radikal jung Festival in München eröffnet, zurück. Ab dem 05.09.2026 setzt er Kafkas unvollendeten Jahrhundertroman „Der Prozess“ in Szene.
Ein weiteres Schauspielhighlight ist die deutschsprachige Erstaufführung „Das Lied des Propheten“ nach dem mit dem Booker Pize 2023 ausgezeichneten Roman von Paul Lynch (11.12.2026). In der Regie von Tina Lanik blickt das atmosphärisch dichte Werk auf die Lebensrealität von Menschen in einer sich zum Autoritarismus wandelnden Gesellschaft.
Von Wolfram Lotz, einem der wichtigsten Dramatiker der Gegenwart, kommt die Bühnenfassung seines neuesten Buchs „Träume in Europa“ (2026) ab dem 16.04.2027 ins Kleine Haus.
Mit Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ (26.02.2027) in der der Regie von Christina Tscharyiski und Oscar Wildes „Bunbury. Jetzt mal im Ernst“ (30.10.2026), inszeniert von Juli Mahid Carly, stehen zwei Theaterklassiker auf dem Spielplan.
Und schließlich gibt es ein Wiedersehen mit Erfolgsregisseur Stefan Pucher, der nach „Woyzeck“ und „Leonce und Lena“ mit „Dantons Tod“ seine Wiesbadener Georg-Buchner-Trilogie abschließt. Mit starken (pop-)ästhetischen Akzenten und Wolfram Koch als Gast kommt das Revolutionsdrama ab 13.03.2027 ins Große Haus.
Die Sinfoniekonzerte der Spielzeit 2026/27 spiegeln lebendige Wiesbadener Musikgeschichte: der Dirigent und Komponist Otto Klemperer prägte die Stadt und das Theater von 1924 bis 1927 als Generalmusikdirektor. 100 Jahre später lässt die von GMD Leo McFall kuratierte Reihe „Hommage an Klemperer“ Werke wiedererklingen, die er damals dirigierte, und stellt sie heutigen Interpretationen gegenüber. Zu hören sind unter anderem Claude Debussys „Iberia“, Leoš Janačeks Sinfonietta und Franz Schuberts Große Sinfonie Nr. 9. Mit Violinist Guy Braunstein, ehemaliger Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, und Cellist Maximilian Hornung begrüßt Leo McFall wieder hochkarätige Solist*innen.
Nach seinem umjubelten Dirigat von 2025 kehrt Gerard Korsten nach Wiesbaden zurück und ist gemeinsam mit Aris Alexander Blettenberg, Preisträger des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs, im 6. Sinfoniekonzert „Beethoven 200“ (10.03.2027) zu hören. Mit Fleuranne Brockway und Manuel Garcia Simon sind wieder zwei Musiker*innen des Hauses als Solist*innen in den Sinfoniekonzerten zu hören.
Zwei Highlights bringt das Hessische Staatsballett ins Große Haus: Am 06.11.2026 feiert „Nachtträume“ des spanischen Starchoreografen Marcos Morau Premiere. Das tänzerische Panoptikum und abgründige Gesamtkunstwerk zeigt eine verstörend schöne Traumwelt, in der Macht, Ohnmacht und blinde Gefolgschaft aufeinandertreffen.
Ab dem 12.02.2027 kehrt das Choreograf*innen-Duo David Raymond & Tiffany Tregarthen (bekannt durch „Force Majeure“) nach Wiesbaden zurück: Die Uraufführung „Never odd or eveN“ zur Neukomposition von Angele David-Guillou wird begleitet vom Hessischen Staatsorchester Wiesbaden.
Als erste Premiere eröffnen JUST und Schauspiel mit der Uraufführung „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ nach dem mit dem Deutschen Buchpreis nominierten Roman von Fiona Sironic die Spielzeit (04.09.2026). Amalia Starikow (bekannt durch „Alte Meister“ im Museum Wiesbaden) setzt das Debütwerk, das nach der Zukunft der heutigen Generation Jugendlicher – zwischen Klimawandel und medialer Omnipräsenz – fragt, in Szene.
Als Familienstück im Großen Haus kann man sich dieses Jahr auf die humorvolle Geschichte „Herr Bello und das blaue Wunder“ nach der Kinderbuchreihe von Paul Maar („Das Sams“) freuen. Regisseur Christian Weise begibt sich mit Hund Bello, der durch einen geheimnisvollen blauen Saft zum Mensch wird und den Familienalltag von Max ganz schon durcheinanderwirbelt, auf turbulente Abenteuer. Begleitet wird das Familienstück mit Puppenspiel, das am 25.10.2026 Premiere feiert, von einem Malwettbewerb (Infos online). Mit „Footlose“ von Tom Snow präsentiert das Junge Staatsmusical am 19.09.2026 wieder eine energiegeladene Premiere im Kleinen Haus.
Neben den überregional Beachtung findenden Eigenproduktionen steht das Staatstheater Wiesbaden für einen lebendigen Festivalbetrieb. So bringen auch 2027 die Internationalen Maifestspiele (01. – 31.05.2027) wieder Glanz und Glamour, internationale Stars und aufsehenerregende Produktionen nach Wiesbaden.
Deutschlandweit einzigartig ist das Tanzfestival Rhein-Main in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm. Vom 30.10. bis 15.11.2026 steht die Metropolregion um die Stadte Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach mit internationalen Gastspielen, Workshops u. v. m. ganz im Zeichen des Tanzes.
Vom 22. bis 25.10.2026 lockt das PAD-Festival wieder alle Fans des Digitalen Theaters in die Stadt. Das wichtigste deutschsprachige Festival fur digitale Kunst beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung und präsentiert spannende Projekte an der Schnittstelle von Theater, Oper, Tanz, Film und Digitalität. Das Staatstheater Wiesbaden ist Kooperationspartner.
Und vom 15. bis 19.03.2027 gehören die Bühnen des Staatstheaters Wiesbaden wieder den über 500 Schülerinnen und Schüler der Region, die ihre neuesten Arbeiten im Rahmen der Schultheatertage (Koop. mit dem Kulturamt Wiesbaden) präsentieren.
Der Vorverkauf für die Vorstellungen im Großen Haus (einschließlich der Familienvorstellungen für das Familienstück) sowie für die Sinfoniekonzerte im Kurhaus startet am Dienstag, den 28.04.2026 um 11:00 Uhr. Für ausgewählte Vorstellungen wird es wieder einen Early-Bird-Rabatt von 50 % geben, wenn man die Tickets vor dem 31.05.2026 bucht. Die Liste der Vorstellung findet man auf der Homepage des Staatstheaters Wiesbaden bzw. erhält man an der Theaterkasse.
Ganz neu ist in der kommenden Spielzeit die Theatercard, die als Theatercard 25 und Theatercard 50 erhältlich und für eine Spielzeit gültig ist. Ausgenommen der Preiskategorie 1a im Großen Haus bietet sie einen Rabatt von 25 % bzw. 50 % auf den Ticketpreis in allen Spielstätten und Platzkategorien des Staatstheaters (Ausnahmen siehe AGB).
