Nach einem fulminanten Auftakt der Internationalen Maifestspiele blickt das Staatstheater Wiesbaden auf eine erfolgreiche erste Festival-Hälfte voller künstlerischer Höhepunkte zurück. Auch in den nächsten beiden Wochen darf sich das Publikum auf ein hochkarätiges Programm mit internationalen Gastspielen und gefeierten Künstler*innen freuen.
Am Samstag, 23. Mai 2026 heißt es, Techno meets Klassik auf der Bühne im Großen Haus. Brandt Brauer Frick kehrt nach dem umjubelten Auftritt im letzten Jahr zurück. Mit elektronischer Tanzmusik, gepaart mit der Klangwelt von Neuer und klassischer Musik verwandelt das in Wiesbaden gegründete Trio die Bühne im Großen Haus in eine Tanzfläche. Das Publikum erwartet ein mitreißendes Trio-Programm aus live gespielter Clubmusik und spektakulärer Lichtshow.
Keith Jarretts legendäres „Köln Concert” schrieb Musikgeschichte. Der zufällig entstandene Mitschnitt der 66 Minuten improvisierter Klaviermusik gilt heute als meistverkaufte Jazz- und Klavier-Soloplatte. Pianistin Maki Namekawa, bekannt als Expertin für zeitgenössische Musik und Philip Glass-Interpretin, macht mit einer von Keith Jarrett persönlich autorisierten, originalgetreuen Rekonstruktion die Geschichte lebendig und lässt im Großen Haus ein echtes Meisterwerk wiederauferstehen (Fr, 29.05.).
Zum Abschluss des Festivals nehmen Wallis Bird und das Spark-Ensemble das Publikum mit auf eine feministische Reise durch die Musikgeschichte (So, 31.05.). „Visions of Venus” ist ein Konzert, das musikalische Türen in alle Richtungen öffnet und einen frischen Blick auf das Schaffen von Künstlerinnen vergangener Jahrhunderte erlaubt. Musik von Hildegard Bingen, Renaissance-Klänge von Francesca Caccini und Radiohits von Kate Bush treffen auf eigene Songs der irischen Singer-Songwriterin. Das Kammerensemble Spark findet eine eigene musikalische Sprache, mit der es die Musik vieler Jahrhunderte in einem Konzert verbindet.
Einige Schauspielhighlights erwarten das Publikum in der zweiten Hälfte der Maifestspiele: Nach dem großen Erfolg in der letzten Ausgabe, kehrt das Burgtheater Wien zurück. Im Großen Haus kommt die Dramatisierung von Thomas Manns „Der Zauberberg“ (Do, 28.05.) auf die Bühne. Mit dem großartigen Ensemble spürt das Werk im metaphorischen Mikrokosmos eines Schweizer Sanatoriums dem Zeitgeist am Vorabend des heraufziehenden Ersten Weltkriegs nach. Restkarten für die ausverkaufte Vorstellung können an der Abendkasse erfragt werden. Begleitend zeigt das Kino Caligari die 1982er-Romanverfilmung (Mi, 27.05.).
In den Räumen der Wiesbadener Casino-Gesellschaft (Friedrichstr. 22) ist eine bemerkenswerte Produktion des Digitalen Theaters zu erleben: Das vielfach prämierte Stück „[EOL] End of Life“ (Fr., 22. bis Mo, 25.05.) des Regie-Duos DARUM, das 2025 zum Theatertreffen eingeladen war. Mit einer VR-Brille ausgestattet, betritt jede*r Besucher*in einzeln das virtuelle Setting und entert eine faszinierende Landschaft mit Rudimenten im Netz gespeicherter Erinnerungen und Interaktionen. Und entscheidet aktiv mit: Was wird gelöscht, was geht ins digitale Gedächtnis ein? Die letzten freien Tickets sind online erhältlich.
Außerdem beehren zwei große Namen aus Film, Fernsehen und von den Theaterbühnen die Maifestspiele: Der ehemalige Frankfurter „Tatort“- Kommissar Wolfram Koch zeigt seinen Soloabend „Zack. Eine Sinfonie“ (Sa, 30.05.) mit Texten von Daniil Charms im Kleinen Haus. Koch spielt, tanzt, gibt alles bei seiner Reise durch die Geschichten des genialen Humoristen, dessen absurde Geschichten oft in ihrer Doppelbödigkeit die Not ihrer Figuren durchscheinen lassen.
Bjarne Mädel ist spätestens seit seiner Rolle als „Tatortreiniger“ Schotty einer der bekanntesten Film- und Fernsehschauspieler Deutschlands. Im Großen Haus tritt er mit einer Lesung aus „Bin nebenan. Monologe für zuhause“ (Mo, 25.05.) der Theaterautorin Ingrid Lausund auf. Gemeinsam mit den Schauspieler*innen André Jung und Katrin Wichmann navigiert sich Mädel an diesem höchst unterhaltsamen Abend durch den Alltag von Lausunds skurrilen wie liebenswerten Charakteren. Es gibt noch wenige Restkarten.
Und der Tanz präsentiert zwei exzellente internationale Compagnien: Die vielfach ausgezeichnete südafrikanische Choreografin Dada Masilo mit The Dance Factory zeigt die Neuinterpretation von William Shakespeares „Hamlet“ (Do, 21.05., Großes Haus). Mit Elementen aus dem afrikanischen Tanz, historischen Tanzformen und klassischem Ballett sowie einem Live-Ensemble mit Gesang, Violine und Perkussion, erzählt es das bekannte Drama neu: Aus der Sicht Ophelias untersucht es Misogynie und Manipulation und versucht Ophelias Wahnsinn greifbar zu machen. Eine andere Farbe bringt die kanadische Gruppe People Watching ins Festivalprogramm. An der Schnittstelle von zeitgenössischem Zirkus, Tanz und physischem Theater beobachtet „Play Dead“ (Mi, 27./Do, 28.05.) die Eigenheiten, Skurrilitäten aber auch die Schönheit menschlichen Verhaltens. Ein bildstarker, atemberaubender, so humorvoller wie bewegender Abend, der nachwirkt.
Seit 25 Jahren leitet Iris Limbarth das Junge Staatsmusical, das in Struktur und künstlerischem Niveau in dieser Form deutschlandweit einzigartig ist. 50 Produktionen sind in diesem Vierteljahrhundert vor seit Jahren zuverlässig ausverkauftem Haus auf die Bühne gekommen.
Anlässlich dieses Jubiläums geben sich bei der Gala „What a Feeling!“ (So, 24.05., 16.00 und 19:30 Uhr, Kleines Haus) ehemalige JUSM-Darsteller*innen, die heute auf den großen Musicalbühnen Europas stehen, gemeinsam mit aktuellen Ensemblemitgliedern die Ehre. Mit dem Publikum machen sie sich auf eine Reise durch ein Vierteljahrhundert unsterblicher Hits, Emotionen und unvergesslicher Bühnenmomente. Durch den Abend führt Klaus Krückemeyer. Die musikalische Leitung hat Frank Bangert. Beide Vorstellungen sind momentan ausverkauft.
Ein magisches Klangabenteuer für neugierige Ohren jeden Alters (3+) ist das Konzert „Ears of the Soul” am 25. Mai 2026. Neue Klänge aus Glas, Wasser, Seiten und Elektronik verschmelzen mit Licht und Bildern zu einem überraschenden und poetischen Miniaturtheater, das Fantasie und Spielfreude weckt. Die polnische Kindertheaterkompagnie Teatr Atofri macht aus Alltagsgegenständen Instrumente und lädt dazu ein, gemeinsam zu träumen und in Klangwelten einzutauchen.
