
Jüngsten Medienberichten zufolge soll die US-Amerikanerin Nicola Peltz (* 1995) von ihrem Milliardärsvater Nicolas Peltz ein monatliches Taschengeld in Höhe von einer Million US-Dollar erhalten. Zusammen mit ihrem Mann Brooklyn, dem Sohn von David und Victoria Beckham, braucht sich das Paar damit keine finanziellen Sorgen machen.
Reiche Kinder gibt es keinesfalls nicht nur in der Gegenwart, sondern schon immer. Georg Büchner (1813 – 1837) schrieb über zwei reiche Königskinder sein Lustspiel „Leonce und Lena“. Für das Staatstheater Wiesbaden hat Stefan Pucher eine eigene Fassung der „Super Rich Kids“ entwickelt. Sie wird im Kleinen Haus gespielt. Damit knüpft er an seinen als Pop-Event gestalteten „Woyzeck“ im Großen Haus an.
Für ein jüngeres Publikum
Mit Textkürzungen und der Einfügung zeitgemäßerer Texte, vielen musikalischen Einlagen (Musik: Christopher Uhe), einer starken Bühnenoptik, akzentuierten Kostümen und einem virtuos aufspielenden Ensemble entstand eine ansprechende und zeitgemäße Fassung (100 Minuten ohne Pause). Bei alledem kommt Büchners an Wortwitz und Sprachspiel reiche Redekunst nicht zu kurz. Die Inszenierung ist besonders auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet, das damit einen leichten Zugang zum Werk finden kann. Das hat sich inzwischen scheinbar rumgesprochen: Die Vorstellungen im März sind bereits sehr gut verkauft, einzelne bereits ausverkauft.

Staatstheater Wiesbaden
König Peter von Popo (Christian Klischat)
Foto: Lukas Anton
Die Songs werden auf Englisch gesungen, das ist natürlich auch cool. Von ihrer inhaltlichen Aussage geht dabei aber leider viel verloren. Immerhin ist Frank Oceans Songtext von „Super Rich Kids“ im digitalen Programmheft nachzulesen. Dort finden sich auch weiterführende Texte und Inhalte.
Coole Bühne & Kostüme
Für die im imaginären Königreich Popo zu unbestimmter Zeit spielende Handlung schuf Nina Peller ein faszinierendes Bühnenbild. Bühnenprospekte unterschiedlicher Größe mit Abbildungen feudaler Innenwände vermitteln die Zeit von Georg Büchner (des Klassizismus) anschaulich. Dabei ist die Szenerie zunächst in ein mystisch anmutendes Blau getaucht (Licht: Steffen Hilbricht). Auf hohe Videowände an den Portalen werden neben Livevideoaufnahmen Bilder von Kerzen, Liebesherzen, Songtexten und Science-Fiction-Animationen von Industrieanlagen und lässigen Vorstandsräumen im Meer projiziert (dezente Anspielungen auf aktuelle Themen wie Klimawandel und Plutokratie; Video:Ute Schall).

Staatstheater Wiesbaden
Rosetta (Hannah Lindner), Leonce (Lennart Preining)
Foto: Lukas Anton
Dabei bleibt nichts so, wie es zunächst scheint. Die Bilder wechseln und Fresken wandeln sich zu Totenköpfen. Für die Kennlernszene fahren die Bühnenprospekte hoch und die Bühne ist nun weit offen. Sie ragt zudem mit einem Laufsteg über die ersten drei Sitzreihen in den Zuschauerraum hinein.
Noch cooler als die Bühne sind jedoch die Kostüme von Annabelle Witt. Auch diese spielen mit einem Mix aus unterschiedlichen zeitlichen Epochen (und Materialien): vom Barock bis zur Gegenwart. Jede Figur ist dabei ganz individuell gestaltet, fast so, als würden sie sich in Berlin auf einer Fashion-Show präsentieren. Ihnen gemeinsam ist, dass sie fast alle hohe Haartrachten tragen. Der Prinz in pinken Farben, fällt vor allem mit einer kurzen Short auf, die vorne eher einem Latz gleicht. Die Prinzessin trägt einen Jeansrock, der auf einen Reifrock anspielt, und der Präsident eine überdimensionierte Krawatte über seinem Frack.
Gespielt wird schräg und überzogen
Die mega gelangweilten „Super Rich Kids“ geben Lennart Preining (Prinz Leonce) und Tabea Buser (Prinzessin Lena) schillernd und vielseitig. Besonders schön ist ihr gemeinsames chilliges Duett, wenn er am Klavier spielt und sie währenddessen auf dem weißen Flügel liegt.

Staatstheater Wiesbaden
Leonce (Lennart Preining; vorn), Präsident (Felix Strüven)
Foto: Lukas Anton
Jonas Grundner-Culemann ist ein lebensfroher Valentin mit Gitarre, Trang Dông eine energetische und fancy Valeria. Extravagant präsentiert sich der König Peter von Popo des Christian Klischat, während Felix Strüven einen die Contenance haltenden Präsidenten verkörpert. Hannah Lindner zeigt eine beherzte Rosetta (später ist sie losgelöst im Duett mit Woyzeck). Benjamin Kolloch begleitet das Spiel partiell an der E-Gitarre.
Als Geschenk an das Liebesglück von Leonce und Lena gibt es einen effektvollen Gesangsauftritt von Woyzeck mit einem Eheständchen (lässig im Kunstpelz: Abdul Aziz Al Khayat).
Am Ende der besuchten dritten Vorstellung intensiver Beifall für diese musikalische, optische und schauspielerische Verführung.
Markus Gründig, Februar 26
Leonce und Lena
Lustspiel
Von: Georg Büchner (1813 – 1837)
Uraufführung: 31. Mai 1895 (München; Freilichtaufführung des Münchner Theatervereins Intimes Theater)
Premiere am Staatstheater Wiesbaden: 30. Januar 26 (Kleines Haus)
Besuchte Vorstellung: 18. Februar 26
Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Video: Ute Schall
Dramaturgie: Hannah Stollmayer
Vermittlung: Valentina Eimer
Abendspielleitung / Regieassistenz: Paul Ansmann
Kostümassistenz: Ivet Duran Murillo
Besetzung:
Prinz Leonce von Popo: Lennart Preining
Prinzessin Lena von Pipi: Tabea Buser
Valerio: Jonas Grundner-Culemann
Valeria: Trang Dông
König Peter von Popo: Christian Klischat
Präsident, Polizist 1: Felix Strüven
Rosetta, Polizist 2, Schulmeister: Hannah Lindner
Woyzeck: Abdul Aziz Al Khayat
Live-Musik: Benjamin Kolloch
