Zu Tränen rührende »Madama Butterfly« wieder an der Oper Frankfurt

Madama Butterfly ~ Oper Frankfurt ~ Cio-Cio-San, genannt Butterfly (Anna Princeva) ~ © Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Es scheint wie ein kleines Festival zu Ehren des Regisseurs R.B. Schlather: An der Oper Frankfurt sind im ersten Halbjahr 2026 gleich drei Inszenierungen von ihm zu sehen. Erst hatte die Frankfurter Erstaufführung von Steffanis „Amor vien dal destino“ Premiere, jetzt gab es bei ausverkauftem Haus die zweite Wiederaufnahme von Puccinis „Madama Butterfly“, im April folgt die erste Wiederaufnahme von Verdis „Macbeth“.

Im Mai 22 überraschte R.B. Schlathers Neuinszenierung der japanischen Tragödie „Madama Butterfly“ mit seinem fokussierten und subtilen Blick auf das populäre Werk (Besprechung). Vom Handlungsort Nagasaki hatte sich das Regieteam gelöst. Ernüchternd wirkte zunächst der schmucklose äußere Rahmen. Die Bühne von Johannes Leiacker besteht lediglich aus einem schwarzen Grundraum, in dem zwei große Wände mit je einem Fensterausschnitt, hin und her bewegt werden. Sie sind eine dezente Anlehnung an die traditionellen japanischen Shōji (Raumteiler).

Madama Butterfly
Oper Frankfurt
v.l.n.r. Goro, Heiratsvermittler (Peter Marsh), Cio-Cio-San, genannt Butterfly (Anna Princeva), Konsul Sharpless (Domen Križaj) und Fürst Yamadori (Taehan Kim)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Trotz reduzierten Optik große Eindrücke

Wobei das Team es trotzdem geschafft hat, gerade mit der reduzierten Optik große Eindrücke zu vermitteln. Der genaue Blick auf die Figuren wird durch nichts gestört. Nur bei zwei Szenen wird davon abgewichen: Der Auftritt des traditionsverbundenen und unnachgiebigen Onkel Bonzo wird von großen weißen Rauchwolken begleitet und zum Liebesglück von Butterfly und B. F. Pinkerton senkt sich gefühlsbetont ein Sternenhimmel herab.

Die Oper Frankfurt beglückt ihr Publikum mit herausragenden Stimmen

Auch bei dieser zweiten Wiederaufnahme beglückt die Oper Frankfurt ihr Publikum mit herausragenden Stimmen. Bei der Wiederaufnahmepremiere gab es gleich zwei Hausdebüts zu erleben. Die russische Sopranistin Anna Princeva schlug in der Titelpartie das Publikum in ihren Bann. Im ersten Akt verkörperte sie die ausgelassene, fröhliche und hoffnungsvolle Seite, im zweiten und dritten Akt die gebrochene und zunehmend verzweifelte Seite der Butterfly, stets mit hoher darstellerischer Intensität. Alles gepaart mit einer flexiblen Stimme, die ob ihrer Wärme und Ausdrucksstärke überzeugte.

Madama Butterfly
Oper Frankfurt
Suzuki (Kelsey Lauritano, liegend), Cio-Cio-San, genannt Butterfly (Anna Princeva)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Für den erkrankten Gerard Schneider hatte kurzfristig der australisch-chinesische Tenor Kang Wang die Partie des Marineleutnants Benjamin Franklin Pinkerten („Yankee vagabondo“) übernommen. Er nahm mit seiner strahlkräftigen und wohltönenden Stimme sofort für sich ein.

Schon von der Premierenserie mit ihren Partien vertraut und stimmlich souverän: Bariton Domen Križaj als freundschaftlich auftretender amerikanischer Konsul Sharpless, Mezzosopranistin Kelsey Lauritano als Butterflys treu ergebene und fürsorgliche Dienerin Suzuki, Tenor Peter Marsh als zwielichtiger Heiratsvermittler Golo und Bass Kihwan Sim als fluchender Onkel Bonzo.

Dazu beteiligt: Julia Bell ( Die Mutter), Alexey Egorov (Yakusidé), Alketa Hoxha (Die Kusine), Nicolai Klawa (Der Standesbeamte), Jonas Müller (Der kaiserliche Kommissar), Michaela Schaudel ( Die Tante) und nicht zuletzt Mezzosopranistin Ruby Dibble als Pinkertons amerikanische Frau Kate.

Auch für diese Wiederaufnahmeserie konnte die Oper Frankfurt den italienischen Dirigenten Lorenzo Passerini gewinnen. Er hatte bereits die Premierenserie geleitet. Er vermeidet ein zu dickes Auftragen, liebt langsame Tempi und unterstreicht mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester so die tiefen Gefühle dieses Klassikers. Der oftmals aus dem Off singende Chor der Oper Frankfurt wurde von Álvaro Corral Matute einstudiert.

Ob des berührenden Schicksals von Butterfly, deren Freitod nicht direkt gezeigt wird, ist am Ende im Saal kaum noch ein Auge trocken. Bei der ausverkauften Wiederaufnahmepremiere gab es enthusiastische Beifallsbekundungen.

Markus Gründig, Februar 26


Madama Butterfly

Japanische Tragödie in zwei Akten
Von: Giacomo Puccini
Uraufführung erste Fassung (zweiaktig): 17. Februar 1904 (Mailand, Teatro alla Scala)
Uraufführung zweite Fassung (dreiaktig): 28. Mai 1904 (Brescia, Teatro Grande)

Premiere: 22. Mai 22
2. Wiederaufnahme: Freitag, 6. Februar 26 (Opernhaus)

Musikalische Leitung: Lorenzo Passerini
Inszenierung: R.B. Schlather
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Doey Lüthi
Choreografie: Sonoko Kamimura
Licht: Olaf Winter
Chor: Álvaro Corral Matute
Dramaturgie: Konrad Kuhn

Besetzung:

Cio-Cio-San, genannt Madama Butterfly: Anna Princeva
Leutnant B. F. Pinkerton: Kang Wang (6.2.) Gerard Schneider / Kudaibergen Abildin (8., 14., 20. März)
Konsul Sharpless: Domen Križaj
Suzuki: Kelsey Lauritano / Karolina Makuła (8., 14., 20. März)
Goro: Peter Marsh
Kate Pinkerton: Ruby Dibble°
Fürst Yamadori: Taehan Kim
Onkel Bonzo: Kihwan Sim
Der kaiserliche Kommissar: Jonas Müller°
Yakusidé: Alexey Egorov
Der Standesbeamte: Nicolai Klawa
Die Mutter: Julia Bell
Die Tante: Michaela Schaudel
Die Kusine: Alketa Hoxha
Das Kind: Bendikt Alt / Moritz Newzella

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