Barockoper am Staatstheater: Am 28. März feiert die letzte, zukunftsweisende Oper von Claudio Monteverdi in der Spielstätte im Augsburger martini-Park Premiere. Mit den Intrigen des Kaisers Nero und seiner Geliebten Poppea bringt das Werk Szenen einer dekadenten Gesellschaft auf die Bühne, in der sich jeder selbst der Nächste ist und skrupellos seine Ziele verfolgt. Die Regie der Augsburger Inszenierung hat Staatsintendant André Bücker, die musikalische Leitung hat der 2. Kapellmeister Sebastiaan van Yperen.
Mit diesem Opernlibretto aus dem 17. Jahrhundert scheint sich zugleich ein Blick auf unsere Gesellschaft zu verbinden – die Charaktere haben etwas seltsam vertrautes: Die ehrgeizige Poppea will auf den Thron, Kaiser Nero verstößt seine Gattin Ottavia. Neros weiser Lehrer Seneca wird zum Selbstmord gezwungen und das »Happy End« erfolgt gleich einem politischen Pakt zugunsten des machtbesessenen Paares Poppea und Nero. Liebe und Politik, Öffentlichkeit und Privatleben sind dabei Sphären, die sich gegenseitig durchdringen.
Für Regisseur André Bücker trägt diese Geschichte, in der fast alle Figuren kompromisslos ihren eigenen Interessen folgen, Züge amerikanischer Daily Soaps der 1980er- und 1990er-Jahre. Seine Inszenierung untersucht, wie sich Intrigen auch über ästhetische Codes behaupten und wie sich hinter der Lächerlichkeit demonstrativen Reichtums immer auch die bedrohliche Seite der Macht durch die Manipulation der Öffentlichkeit zeigt.
»L’incoronazione di Poppea«, das letzte Bühnenwerk Monteverdis war musikalisch wegweisend und gilt aufgrund des neuen, »sprechenden« Gesangsstils als Beginn der modernen Oper. Zum ersten Mal werden damit in diesem Genre historische, psychologisch ausdrucksstarke Charaktere verwendet. Monteverdi schrieb sie im Jahr 1642 als Karnevalsoper für das erste öffentliche Theater in Venedig und nutzte dies, um der Gesellschaft gemeinsam mit seinem Librettisten den Spiegel vorzuhalten.
Die Partie des Nero übernimmt in der Augsburger Inszenierung als Gast der niederländische Countertenor Gerben van der Werf, die weiteren Hauptrollen sind mit Gesangssolistinnen und -solisten aus dem Opernensemble des Hauses besetzt: Mit Jihyun Cecilia Lee als Poppea, Natalya Boeva als Ottavia, Kate Allen als Ottone, Avtandil Kaspeli als Seneca und Olena Sloia als Drusilla. Als Stipendiatin der italienischen Fondazione Mascarade Opera wird Priya Pariyachart die Rolle der Fortuna (sowie Valletto und Pallade) übernehmen.
Für die Bühne und das Video Artwork bzw. die Kostüme zeichnen Robi Voigt und Aleksandra Kica verantwortlich, die bereits langjährig mit dem Staatstheater Augsburg zusammenarbeiten.
L’incoronazione di Poppea
(»Die Krönung der Poppea«)
Oper von: Claudio Monteverdi
Libretto: Giovanni Francesco Busenello
Premiere: Samstag, 28. März 26 (Spielstätte im martini-Park)
Musikalische Leitung: Sebastiaan van Yperen
Inszenierung: André Bücker
Bühne & Video: Robi Voigt
Kostüme: Aleksandra Kica
Licht: Marco Vitale
Dramaturgie: Tamara Yasmin Quick
Einstudierung des Chores: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek
Besetzung:
Poppea: Jihyun Cecilia Lee
Nerone: Gerben van der Werf
Ottavia: Natalya Boeva
Ottone: Kate Allen
Seneca / Littore: Avtandil Kaspeli
Drusilla: Olena Sloia
Amore: Claudio Zazzaro
Virtù / Arnalta: Luise von Garnier
Fortuna / Valletto / Pallade: Priya Pariyachart
Nutrice: Carola Bach
Erster Soldat: Jinjian Zhong
Zweiter Soldat: Gábor Molnár
Liberto: Gerhard Werlitz
Opernchor des Staatstheater Augsburg
Augsburger Philharmoniker
staatstheater-augsburg.de
