Eine triviale Tragödie für ernsthafte Leute
Viktorianisches Zeitalter: Alles an seinem rechten Platz. Ein anständiger Mann ist ein anständiger Mann, eine anständige Frau ist eine anständige Frau.
QUEEN Viktoria ist eine gewichtige Herrscherin und die Moral ihrer schweren Unterröcke schafft eine miefige Atmosphäre, die zum Ersticken ist.
Und doch ist Oscar Wilde der gehätschelte Liebling dieser Zeit. KING Oscar, Regent der spitzen Provokationen gegen alles Etablierte, sich selbst zum Maßstab an die Spitze des Etablierten setzend, verheirateter Familienvater, der Artist der gehobenen Salons, der Formvollendete! Er ist aber auch der promiske Schwule auf gierigen Streifzügen im Strichermilieu, der Streuner im schmuddeligen Abseits, der mit Flecken auf den Samthosen nach Hause kehrt.
DOPPELEXISTENZEN BIETEN SPRENGSTOFF.
Komödie schreiben, Komödie spielen. Nichts dem Ernst überlassen. Den Gesellschaftsclown geben, der immer den letzten Schrei kreiert und alle kreischen mit.
Mit BUNBURY hat Wilde die Präzision seines Witzes auf die Spitze getrieben. Und enthüllender hat Wilde sich nie verhüllt als in diesem letzten Theaterstück.
Am 14. Februar 1895 war Premiere. Es wurde viel gelacht!
Am 25. Mai wurde er wegen Homosexualität und Sodomie verurteilt. Es wurde viel gelacht!! über seine Antworten, die er im Verhör wie eine seiner Bühnenfiguren parat hatte.
Die Urteilsverkündung: zwei Jahre Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit. Redeverbot. Verbot aller Schriften. Absetzung aller Stücke.
Die Protokolle der Prozessakten sind mit Wildes BUNBURY verschnitten. Glänzende Oberfläche und grotesker Abgrund kreuzen sich zu einer trivialen Tragödie für ernsthafte Leute.
DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST ANTASTBAR.
Bunbury
(The Importance of Being Earnest)
Von: Oscar Wilde (1854 – 1900)
Uraufführung: 14. Februar 1895 (London, St. James Theatre)
Premiere am Theater Willy Praml: Freitag, 17. April 26 (Produktionshaus Naxos)
Regie, Textfassung, Bühne: Michael Weber
Kostüme: Paula Kern
Lichtdesign: Simon Möllendorf
Regieassistenz: Elli Wolf
Mit: Reinhold Behling, Moritz Bock, Jakob Gail, Muawia Harb, Birgit Heuser, Anna Staab
Theaternachlese: Montag, 1. Juni 26 (Haus am Dom)
Einführung in die Inszenierung von Michael Weber 35 Minuten vor Beginn.
Die Vorstellungen am 28./ 29.05. finden mit Tastführung und Audiodeskription statt.
Reservierungen über die Website des Produktionshauses NAXOS: produktionshausnaxos.de/event/oscar-wilde-bunbury/
Gefördert von Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Kulturamt Frankfurt am Main und Dr. Marschner Stiftung
