Nach dem Neustart ist vor dem Umzug: Das Schauspiel Köln startet seine zweite Spielzeit in der Intendanz von Kay Voges – und zieht zurück an den Offenbachplatz
15 Jahre lang hat die Kölner Stadtgesellschaft darauf gewartet und nun ist es endlich so weit. Das neue Team am Schauspiel Köln um Kay Voges hat ein facettenreiches Programm für die neuen alten Spielstätten am Offenbachplatz aufgestellt. Insgesamt sind 26 Premieren geplant, davon 15 Uraufführungen und 2 deutschsprachige Erstaufführungen. Veröffentlicht werden jetzt schon alle acht Premieren im Schauspielhaus, die durch die zahlreichen Abonnements laufen werden.
Komödien mit Tiefgang
Die Saison im Schauspielhaus wird von zwei Uraufführungen gerahmt: Kay Voges eröffnet im September 2026 in eigener Regie mit Kristof Magnussons und Gunnar Klacks neuester Komödie „In bester Lage“: Im Mikrokosmos einer zerstrittenen Eigentümergemeinschaft spiegelt sich der globale Wahnsinn zwischen Investitionsstau und maroder Infrastruktur.
Zum Abschluss der Spielzeit schicken die Kölner Liedermacherlegende PeterLicht und SE Struck eine wilde Horde in den existentiellen Kampf gegen eine rätselhafte Krankheit: In „Der Zauderberg“ werden Menschen plötzlich unsichtbar und bekommen ihre Sichtbarkeit nur durch Reibung mit ihrer Umwelt zurück (Regie: Bastian Reiber).
Theater und Journalismus
Der Schwerpunkt „Theater und Journalismus“ wird in der kommenden Spielzeit weiter institutionalisiert und in zahlreichen Projekten vertieft. Eines davon wird von Hausregisseur und Autor Calle Fuhr geschrieben und performt. Dieses Mal nimmt er sich dem Komplex um „Die deutsche Bahn AG“ an. Nach seinen gefeierten One-Man-Shows „Krieg und Frieden“ und „Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ taucht er in das Firmennetzwerk Deutsche Bahn AG ein, analysiert politische Klüngeleien und sucht nach Hebeln, um die Deutsche Bahn wieder auf die Spur zu bringen.
(Moderne) Klassiker
Ein echter Klassiker der Moderne, ein monumentales Sprachkunstwerk aus dem Jahr 1967, voller Witz und Abgrund, kommt vom legendären Literaturnobelpreisträger Peter Handke: „Kaspar“, lose angelehnt an die Geschichte des berühmtesten Findelkindes in der deutschen Geschichte, erzählt vom Geborenwerden in eine Welt, die aus Sprache besteht – und wie man sich in ihr zurechtfinden kann. Regie führt die vielfach preisgekrönte Regisseurin Claudia Bauer.
Mit „Antigone“ setzt das Schauspiel Köln seine Auseinandersetzung mit der griechischen Antike fort, untersucht Generationenkonflikte und befragt Akte des (weiblichen) Widerstands und der Widersetzung. Zum ersten Mal in Köln inszeniert die international gefeierte, belgische Regisseurin Lies Pauwels.
Zwei neue Dramen: Roland Schimmelpfennig und Suzie Miller
Roland Schimmelpfennig hat mit „Tag und Nacht“ ein raffiniertes Stück geschrieben, herrlich absurd und schmerzhaft gegenwärtig, in dem sich zwei Paare in wechselnden Konstellationen immer wieder anders begegnen. Die Uraufführung des neuen Werks des Kultautors inszeniert Lily Sykes für das große Eröffnungswochenende am Offenbachplatz.
Um ein moralisches Dilemma geht es in Suzie Millers neuem Stück „Inter Alia“. Nach ihrem Erfolgsstück „Prima Facie“, das weltweit hunderte Aufführungen erfuhr, kreist sie erneut mit großer Dringlichkeit um Fragen der sexuellen Selbstbestimmung und sexuellen Gewalt, dieses Mal aus der Perspektive einer Richterin, deren Sohn selbst unter Verdacht gerät. Regie führt Jorinde Dröse.
Stückentwicklung zu deutschen Mythen und Abgründen
Intendant Kay Voges wird schließlich in die Untiefen der Gründungsmythen Deutschlands abtauchen und von dort aus in die dunkelsten Ecken der bundesrepublikanischen Gegenwart leuchten, die von neuen Männlichkeitserzählungen und aufblühendem Nationalstolz strotzt. „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ ist eine Stückentwicklung, die er gemeinsam mit der Dramaturgin Viola Köster entwickelt und die uns von Heinrich dem Cherusker über die Brüder Grimm und Heinrich Heine bis in die politische Gegenwart führt.
Trailer: splkln.de
Weitere Informationen: splkln.de
