Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Gabriel Venzago, der Chefdramaturgin für das Musiktheater, Sonja Westerbeck, dem Chefdramaturgen des Schauspiels, Jörg Vorhaben, und Tanzdirektor Honne Dohrmann stellte Intendant Markus Müller am heutigen Freitag den Spielplan der Saison 2026/27 am Staatstheater Mainz vor.
In der kommenden Saison stehen 24 Premieren, darunter sieben Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung, die große Zahl von 38 Wiederaufnahmen, zahlreiche Lesungen, Liederabende, Diskursformate und Projekte in der Kakadu Bar, das inklusive Theaterfestival Grenzenlos Kultur, das Plug&Play Festival für junge Regie, das tanzmainz festival #6 sowie natürlich die Konzerte, die in einem eigenen Termin vorgestellt werden, auf dem Programm.
Zudem konnte erneut eine beeindruckende Zahl veröffentlicht werden: 6.469 Besucher*innen sind mit einem Abonnement eine feste Beziehung zum Theater eingegangen (Stand: 21.03.2026). Das sind im Vergleich zum Vorjahr noch einmal 424 Abonnent*innen mehr und bedeutet nach der enormen Steigerung in der vergangenen Spielzeit erneut einen historischen Höchststand in der Geschichte des Staatstheater Mainz.

Intendant Markus Müller
© Andreas Etter
„Nie sollst du mich befragen“ – die berühmte Sentenz aus Lohengrin, der Eröffnungsproduktion im Musiktheater, wird zum Leitmotiv der Spielzeit 2026/27 am Staatstheater Mainz. Das Frageverbot Lohengrins übersetzt in aller Radikalität eine tiefe Sehnsucht nach Angenommensein in Musikliteratur: „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art!“
„Nie sollst du mich befragen?“ Das wurden wir im Theater immer mit „doch“ beantworten! Denn Fragen sind die Keimzelle von Entwicklung, sie fordern heraus, offnen Diskursräume. Wer Fragen stellt, weis es nicht besser – wie sympathisch, gerade heute. Projektives Denken ohne Anspruch auf Verwirklichung ist frei und fantasievoll, es darf Frage bleiben und die Antwort gelegentlich schuldig. Die richtigen Fragen zu stellen, ist allerdings eine Kunst. Und manchmal muss es eben doch auch darum gehen, konkrete Antworten einzufordern. Ein Spannungsfeld, in dem sich das Theater mit all seinen Moglichkeiten bewegt.
MUSIKTHEATER
Mit Wagners Lohengrin unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Venzago wird die Spielzeit im Musiktheater eröffnet, Inszenierung und Kostüme liegen in den Handen von Erik Raskopf. Lohengrins Forderung nach bedingungslosem Vertrauen „Nie sollst du mich befragen“ druckt beides aus: Sehnsucht und Machtanspruch.

Sonja Westerbeck (Chefdramaturgin für das Musiktheater)
© Andreas Etter
Die entscheidende Frage wagt auch der Betrachter in Philip Glass` Oper In der Strafkolonie (nach Kafka) nicht zu stellen, ein Stoff, der den Blick auf existenziell moralische und humanistische Themen schärft. Es dirigiert Andri Joel Harison, Regie fuhrt Sophie Kochanowska.
„We can’t stop now. You want to know if it works“, heist es in Doctor Atomic, einem Musiktheater, in dem es um einen Konflikt geht, den wir als kompliziertes Erbe der Aufklärung begreifen können. Denn deren Fortschrittseuphorie hat den Drang geboren, Natur und Menschen zu beherrschen, was zu brutalen und furchtbaren Verwerfungen führte. Mit Bernd Mottl konnte einer der großen Regisseure seines Fachs erstmals für eine Arbeit am Staatstheater gewonnen werden, das Dirigat liegt bei Samuel Hogarth.
Auch die Deutsche Erstaufführung von Antarctica unter der musikalischen Leitung von Lea Ray und inszeniert von Franziska Angerer, einer jungen Regisseurin mit unkonventionellem Zugriff auf Stoffe, die sich insbesondere mit Mensch und Natur beschäftigen, und das Musical Titanic (Dirigat: Samuel Hogarth, Inszenierung: Nick Westbrock) spielen mit dem Motiv der Spielzeit. Beide Produktionen stehen für den fragenden Taumel zwischen Forscherdrang, Größenwahn und Zerstörung.
Bei Richard Strauss` Oper Ariadne auf Naxos gibt es eine Wiederbegegnung mit der Regisseurin Rahel Thiel, die in Mainz zuletzt 4.48 Psychose eindrucksvoll in Szene gesetzt hat, am Pult steht Gabriel Venzago.
Ebenfalls unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors wird Don Giovanni im Großen Haus zur Premiere kommen, die Inszenierung übernimmt Jan Esinger, der beispielhaft steht für junge Regieteams, die erstmals am Staatstheater Mainz arbeiten werden. Für die Musiktheaterdarsteller*innen des Ensembles bietet Mozarts Oper die Möglichkeit in vielen verschiedenen Rollen ihre große musikalische und szenische Exzellenz unter Beweis zu stellen.
Fragen als ganz direktes künstlerisch-inhaltliches Gestaltungsprinzip prägen die Uraufführung Meanwhile unter der musikalischen Leitung von Paul-Johannes Kirschner, denn hier entscheiden die Zuschauer*innen wie in einem Escape Room über den Fortgang der Handlung.
Mit Wiederaufnahmen beliebter Produktionen wie unter anderem der amüsanten Operette Die Piraten von Penzance und Verdis Nabucco mit seinen berühmten Chören – Karten hierfür sind ab morgen/28.3. ab 12 Uhr im Vorverkauf erhältlich – bietet das Musiktheater wieder größte Vielfalt.
SCHAUSPIEL
Zwischen der Bereitschaft zu Grundvertrauen und berechtigter Skepsis, zwischen Gefühl, Leidenschaft und der Freude am kritischen Denken oszillieren viele Produktionen im Programm der kommenden Theatersaison.

Jörg Vorhaben (Chefdramaturg des Schauspiels)
© Andreas Etter
Insbesondere Der Liebhaber meiner Frau von der Zuckmayer-Stipendiatin Carla Guimaraes, Ziemlich letzte Freunde und Engel in Amerika stellen existenzielle Fragen nach dem, was wirklich zählt. Und Dorothy im Familienstück Der Zauberer von Oz ist eine große kleine Fragende und will Wesentliches wissen: „Haben wir etwas Falsches gesagt oder gemacht?“
Mit Friedrich Durrenmatts Der Besuch der alten Dame (Inszenierung: Leonardo Raab), Henrik Ibsens Peer Gynt (Inszenierung: Friederike Heller) und Anton Tschechows Die Möwe (Inszenierung: Milena Monch) stehen drei moderne Klassiker auf dem Schauspielplan, die länger nicht auf der Bühne des Staatstheaters zu sehen waren und in denen es um die existenziellen Themen von Liebe und Verrat geht, um die großen Fragen, die wir an das Leben haben – und um die Herausforderung, seinen Platz in der Welt zu finden.
Die Studiobühne U17 wird einmal mehr zum Ort für Neues und neu Erdachtes – gleich drei Uraufführungen von Werken, die eigens hierfür entstanden sind, werden 2026/27 zu sehen sein, darunter – neben Der Liebhaber meiner Frau – Chris Thorpes I Think You Should Sit Down (Inszenierung: Sam Pritchard) und Mark Reisigs Ziemlich letzte Freunde, das zunächst in der Mainz Residenz entwickelt wurde und mit feinem Humor von den großen Themen unseres Seins erzählt. Außerdem kommt auf U17 eine Produktion zur Premiere, die den mythologischen Ur-Ort aller Fragenden im Titel trägt: Liv Stromquists Das Orakel spricht wird von Katharina Stoll inszeniert.
Im Kleinen Haus inszeniert Hannah Frauenrath Flauschige Ekstase, eine Komödie von Rebekka Kricheldorf, und Kathrin Madler widmet sich Tony Kushners Engel in Amerika. Auch Milan Gather kehrt mit einer Produktion für justmainz zurück ans Staatstheater: Wolf nach dem Roman von Saša Stanišić.
Unter anderem mit der aus Brasilien stammenden Spanierin Carla Guimaraes, dem Engländer Chris Thorpe und der Schwedin Liv Stromkvist sind im Schauspiel sehr unterschiedliche internationale Autor*innenstimmen auf den Bühnen des Staatstheaters zu erleben. Und die 19 Wiederaufnahmen allein in dieser Sparte, darunter Die Dreigroschenoper, Der zerbrochne Krug, Die unendliche Geschichte und Tod eines Handlungsreisenden garantieren auch in der kommenden Theatersaison ein reichhaltiges und vielfältiges Programm.
TANZMAINZ
„Nie sollst du mich befragen?“ Die Sehnsucht nach neuen Entwürfen und die Lust am Ungewissen spiegeln sich auch im tanzmainz-Programm der kommenden Spielzeit wider.

Honne Dohrmann (Tanzdirektor)
© Andreas Etter
Drei Premieren, neun Wiederaufnahmen, das große tanzmainz festival #6 und zahlreiche Gastspiele bilden das Programm im Tanz. Auch 2026/27 wird die international gefragte Compagnie wieder auf Welttournee sein, unter anderem mit den Produktionen Soul Chain, Trailer Park und Fall Seven Times. Neben Auftritten in europäischen Metropolen wie Mailand, gastiert tanzmainz erstmals in Südamerika, unter anderem in Bogota, und wird auch wieder nach Tokio reisen. Die Anfragen kommen mittlerweile in so großer Zahl, dass bei Weitem nicht alle Einladungen angenommen werden können.
Die Neuproduktionen sind in Tanzdirektor Honne Dohrmanns letzter Spielzeit von der Zusammenarbeit mit Choreograf*innen geprägt, die eine lange und fruchtbare kreative Arbeitsbeziehung mit der Compagnie und dem Haus verbindet: Neben Frederick Gravel (A Call for Innocence) und Antje Pfundtner mit ihrer Uraufführung von Kurve kratzen für ein junges Publikum ab sieben Jahren sind das besonders Roni Haver & Guy Weizman.
Die beiden Choreograf*innen haben unter anderem mit My private Odyssee, Freiheit und Nostalgia das inhaltliche und ästhetische Profil von tanzmainz mitgeprägt. Erst kürzlich wurden sie mit dem „Golden Swan“, einem der höchsten Tanzpreise in den Niederlanden, für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Morning Song heist ihre Produktion, die in der kommenden Spielzeit mit tanzmainz entwickelt und im Großen Haus uraufgeführt wird.
„Vorhang zu und alle Fragen offen“ heißt es. Der Theaterspielplan für die Saison 2026/27 ist wieder eine Einladung zum Austausch, zum Weiterdenken und zum Diskurs. Und natürlich eine Einladung zur kritischen Berichterstattung und Auseinandersetzung.
Mit Veröffentlichung des Spielplans gibt es ab sofort die Chance, sich mit einem Abonnement fur die kommende Saison die eigenen festen Theatermomente zu sichern. Am morgigen Samstag wird um 11 Uhr im Großen Haus das Programm den Abonnent*innen und all jenen, die es werden wollen, vorgestellt.
