Missy Mazzolis »Breaking the Waves« ab 26. April am Staatstheater Mainz

Breaking the Waves ~ Staatstheater Mainz ~ Vorabbild mit Julietta Aleksanyan ~ © Andreas Etter

1996 erschien der vielfach preisgekrönte Film Breaking the Waves des dänischen Autors und Regisseurs Lars von Trier als Teil seiner Golden Heart-Trilogie. Mit reportagehafter Kameraführung erzählt er vom Leben und der Leidensgeschichte der jungen Bess in einer streng religiösen schottischen Gemeinde: Als ihr Mann Jan bei einem Unfall auf einer Bohrinsel schwer verletzt wird, zwingt er Bess zum Sex mit anderen Männern. Gegen die Moralvorstellungen ihrer Gemeinde handelnd, wird sie zur Ausgestoßenen und opfert sich auf für Jan, dem es zunehmend besser geht, je weiter sie ihre eigenen Grenzen überschreitet.

Als neue, komplexe Heldin voller Verletzlichkeit und Stärke erschien Bess der Komponistin Missy Mazzoli, die den Stoff 2016 mit einer großen, emotionalen Musik erfolgreich auf die Opernbühne brachte. Ihre Bess wird zur heiligen Märtyrerin, deren vorherbestimmte Passionsgeschichte die Gemeinde nachhaltig erschüttert.

Krystian Lada, der für seine unkonventionellen Opernprojekte in Verbindung mit sozialem Engagement bekannt ist und nun erstmals auch in Mainz inszeniert, greift diese ikonografische Kraft der Heiligenerzählung auf und zeigt Bess’ Kreuzweg in einer religiösen Bildsprache. Dabei zitiert seine abgeschlossene Bühneninsel (Annette Murschetz) die schottische Isle of Skye und den mittelalterlichen Hortus conclusus ebenso wie Epstein Island. Die Kostüme (Adrian Stapf-Bärwinkel) lassen Bess als weißen Seevogel unter klebrig-schwarzem Öl erscheinen und finden ihren Höhepunkt im großen Brautkleid von Lady Diana mit einer Schleppe von mehr als sieben Metern.

Ein neues Ende für Mainz

Männerstimmen und toxische Ideologien dominieren Missy Mazzolis Inselgesellschaft, Herrenchor und Live-Kamera begleiten Bess umbarmherzig und gewalttätig. In der Mainzer Inszenierung steht dem ein Ensemble von Frauen als hoffnungsvolle Farbe entgegen, für die die Komponistin ein neues Ende, einen Acappella-Chor, schrieb. Der dazugehörige Text, basierend auf dem Librettozitat „My body is a map“, entstand in einem Workshop mit den Frauen verschiedener Generationen in Mainz. Krystian Lada gründet mit ihnen eine neue Kirchengemeinde, der dem systematischen Missbrauch der herrschenden Männer ein Ende setzt.

Unter der musikalischen Leitung von Dirk Kaftan sind das Philharmonische Staatsorchester Mainz, den Herrenchor sowie das Opernensemble am Staatstheater Mainz zu hören. Der Generalmusikdirektor des Beethoven Orchesters Bonn und der Oper Bonn wird überregional geschätzt für seinen innovativen Programme und nahbare Vermittlungsarbeit. Breaking the Waves ist seine erste Mainzer Produktion, mit der er eine engere Zusammenarbeit mit dem Staatstheater als Erster Gastdirigent beginnt.


Breaking the Waves

Oper von: Missy Mazzoli
Libretto: Royce Vavrek 8nach dem gleichnamigen Film von Lars von Trier)
Uraufführung: 22. September 2016 (Philadelphia, Opera Philadelphia)

Premiere am Staatstheater Mainz: 26. April 26 (Großes Haus)

Musikalische Leitung: Dirk Kaftan
Inszenierung: Krystian Lada
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Adrian Stapf-Bärwinkel
Licht: Frederik Wollek / Aleksandr Prowalinski
Chorleitung: Sebastian Hernandez-Laverny
Dramaturgie: Elena Garcia Fernandez

Besetzung:

Bess McNeal: Julietta Aleksanyan
Jan Nymann: Brett Carter
Dodo McNeal: Karina Repova
Dr. Richardson: Yoonki Baek
Terry: Tim-Lukas Reuter
Mother: Nancy Weißbach
Councilman: Daniel Semsichko
Sadistic Sailor: Doğuş Güney
Young Sailor: Frederik Bak

Herrenchor des Staatstheater Mainz
Ensemble Mainzer Frauen
Philharmonisches Staatsorchester Mainz


Weitere Vorstellungen: 30.04., 16.05., 31.05., 06.06., 16.06., 21.06.

staatstheater-mainz.com