Imposanter Liederabend von Joseph Calleja an der Oper Frankfurt

Liederabend Joseph Calleja (Tenor) und Sarah Tysman (Klavier) ~ Oper Frankfurt, 7. April 2026 ~ Sarah Tysman, Joseph Calleja ~ © Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Die Liederabend-Reihe der Oper Frankfurt bietet seit vielen Jahren die Möglichkeit, nationale und internationale Opernsänger:innen kennenzulernen. Auch wenn dabei gelegentlich große Namen vertreten sind (wie Piotr Beczała, Asmik Grigorian, Edita Gruberová oder Matthew Polenzani), zeichnet die Reihe vor allem eine abwechslungsreiche Auswahl unterschiedlicher Stimmen aus. Mit dem maltesischen Tenor Joseph Calleja war nun erneut ein internationaler Star zu Gast.

Besondere Beziehung zur Oper Frankfurt

Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera oder an der Seite von Anna Netrebko sind für ihn nichts Ungewöhnliches. Dabei hat er seit langem auch eine besondere Beziehung zur Oper Frankfurt, wo er bereits u. a. als Gounods Roméo, in der Titelpartie von L’amico Fritz, Rodolfo, Edgardo (Lucia di Lammermoor), Don José (Carmen), in konzertanten Aufführungen von Les pêcheurs des perles und La Rondine sowie bei einem Liederabend an der Seite von Tatiana Lisnic zu erleben war.

Neuland selbst für eingefleischte Opern- und Liederabendfans

Entsprechend groß war der Andrang seiner Fangemeinde. Der Liederabend war im Parkett nahezu ausverkauft. Dabei schien das Frankfurter Opernhaus fast zu klein für seine große Stimme zu sein. Vermutlich kann er auch problemlos große Arenen stimmlich gut ausfüllen.

Joseph Callejas Programm war zweigeteilt und für sein Publikum klug ausgewählt. Im ersten Teil präsentierte er ein Potpourri beliebter Opernhits, im zweiten wagte er sich an Wagner und bot mit Liedern des armenischen Komponisten Aleksandr Spendiarjan und der japanischen Sängerin Hibari Misora selbst für eingefleischte Opern- und Liederabendfans Neuland.

Teils ganz große Nummern

Die gefühlvollen Arienhits des ersten Teils waren teils ganz große Nummern: So die Arie des Herzogs aus Giuseppe Verdis „Rigoletto“: „Questa o quella” und die Arie des Cavaradossi aus Giacomo Puccinis „Tosca“: “E lucevan le stelle”.

Liederabend Joseph Calleja (Tenor) und Sarah Tysman (Klavier)
Oper Frankfurt, 7. April 2026
Sarah Tysman, Joseph Calleja
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Sie wechselten mit etwas besinnlicheren Arien, wie der Arie des Macduff „Ah! La paterna mano“ aus Giuseppe Verdis „Macbeth“ (einer Oper, mit der Calleja seit seinem Debüt vertraut ist) und Federicos Lamento „È la solita storia del pastore” aus Francesco Cileas “L’Arlesiana“.

Mit Schmelz und Strahlkraft weiß Joseph Calleja, bemerkenswerte Akzente zu setzen (zu denen auch die im Falsett gesungenen Passagen zählen).

2023 sollte er eigentlich in der Titelpartie von Richard Wagners „Parsifal“ sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen geben. Krankheitsbedingt musste er jedoch absagen. Jetzt hatte man in Frankfurt die besondere Gelegenheit, ihn als Wagner-Sänger zu erleben. Für das Frankfurter Publikum erarbeitete er „Allmächt’ger Vater, blick herab (Gebet des Rienzi aus „Rienzi“) und „Der Engel“ (aus: Wesendonck-Lieder WWV 91,1.). Mit seinem immensen Stimmvolumen ist Wagner für ihn kein Problem, in Bezug auf Textverständlichkeit ist bei ihm jedoch noch etwas Luft nach oben.

Entdeckungen des Abends

Die Entdeckungen des Abends waren seine mit viel Freude vorgetragenen Lieder abseits des gängigen Repertoires: Alexander Spendiarians „Ay, Vard“ (O Rose!) auf Armenisch und Hibari Misoras „Kawa no nagare no yō ni“ (Gemächlich fließend wie der Fluss) in japanischer Sprache.

Virtuose Klavierkunst von Sarah Tysman

Schon durch seine Statur ist Joseph Calleja eine Erscheinung. Er präsentierte sich mit großer Souveränität, wohl wissend um seine Popularität und seine Gesangskunst. Dabei blieb er stets geerdet. Etwas irritierend waren lediglich seine Abtritte nach jedem einzelnen Vortrag. Die ihn am Klavier begleitende französische Pianistin Sarah Tysman hatte es an seiner Seite nicht immer leicht. Sie zeigte sich aber sehr flexibel, wenn sie etwa statt ihre Noten sortieren zu können, zum gemeinsamen Verbeugen aufgefordert wurde. Sie war bereits im Januar 2020 zu Gast an der Opre Frankfurt, damals begleitete sie die schwedische Sopranistin Maria Bengteson.

Aber Calleja wäre nicht Calleja, wenn er dies nicht erspürt hätte. Für Tysman gab es von ihm einen expliziten Dank für ihr Verständnis und ihre Unterstützung. Zudem hatte sie mit vier solistischen Vorträgen Gelegenheit, ihre virtuose Klavierkunst zu beweisen (u. a. mit Ottorino Respighis “Notturno” aus Sei pezzi per pianoforte P. 044 oder Peter I. Tschaikowskis „Barcarole (Juni)« aus Die Jahreszeiten op. 37A).

Nach dem offiziellen Programmende (mit Ruggero Leoncavallos „Mattinata“ (Morgen) war natürlich klar, dass es noch einen Nachschlag geben würde. Calleja und Tysman bedankten sich beim Publikum mit vier Zugaben, darunter populäre Hits wie „Grenada“ und das durch Édit Piaf bekannt gewordene „La vie en rose“.

Markus Gründig, April 26


Die Zugaben:

Francesco Paolo Tosti (1846-1916): „‘A vuccella“ (1907)
Agustín Lara (1897-1970): „Granada“ (1932)
Louis Guglielmi (Louiguy; 1916-1991) / Text: Édith Piaf: „La vie en rose“ (1947)
Ernesto de Curtis (1875-1937): „Non ti scordar di me“ (1935)

oper-frankfurt.de / josephcalleja.com