Internationales Theaterfestival WINTERWERFT endet mit starker Resonanz

© nala.fotografie ~ Nadine Lang

Am Sonntag ging die 10. Ausgabe der Winterwerft zu Ende. Unter dem Motto TURN THE TIDE verwandelte sich das protagon-Gelände im Frankfurter Osten vom 30. Januar bis 15. Februar erneut in einen lebendigen und offenen Begegnungsort für Theater, Performance, Musik, Tanz und Bildende Kunst. Drei Wochen lang wurde gemeinsam geforscht, ausprobiert, präsentiert und gefeiert – mit Blick zurück und nach vorne.

2016 als „Offene Kulturwochen“ gegründet, bringt die Winterwerft seit einem Jahrzehnt internationale Künstler*innen, lokale Initiativen und ein neugieriges Publikum zusammen – in einem Format, das in Deutschland in dieser Form einzigartig ist: ein Festival, das Produktion, Austausch und gesellschaftliche Reflexion miteinander verbindet. Die Winterwerft steht für wildes, organisches, unzivilisiertes Theater – ein Theater, das Blickwinkel und Gangarten wechselt, und das nach Verantwortung und Zusammenleben fragt. Immer wieder standen ökologische, soziale und politische Themen im Mittelpunkt.

Auch 2026 ging es um grundlegende Fragen: Was kann und soll Kunst und Kultur leisten in einer Zeit in der sich Klimakrise, Ressourcenknappheit und globale Konflikte gegenseitig verstärken? Welche Rolle spielt das Theater bei der Suche nach neuen Narrativen? Das Thema der Jubiläums-Winterwerft TURN THE TIDE war Einladung und Herausforderung zugleich – den Kurs zu hinterfragen und neue Perspektiven zu wagen.

Vor 17 Tagen startete das Festival in sein Theaterlabor. Einzelkünstler*innen und Gruppen aus verschiedenen Nationen arbeiteten intensiv zusammen. Gemeinsam mit über 100 Menschen aus ganz Europa wurde mit vielfältigen Mitteln und Methoden – und nicht zuletzt im täglichen Zusammenleben – ein eigener Zugang zu diesen zukunftsweisenden Fragen gesucht. Was sich dabei immer wieder als grundlegende Kulturtechniken der Resilienz zeigte, waren Kreativität und Gemeinschaft. Beides ist unerlässlich, wenn es darum geht, den anstehenden Herausforderungen Potenzial zu positiver Veränderung abzugewinnen.

Und beides wurde hier in den vergangenen Wochen beispielhaft, leidenschaftlich, mutig und entschlossen gelebt. Die Vorstellungen und Veranstaltungen waren durchweg gut besucht, an den meisten Abenden füllte sich die Tribüne bis auf den letzten Platz. Tagsüber luden Workshops zur aktiven Teilnahme ein, abends wurde das Gelände mit Jurte, Babushka Café, Galerie und Bühnenprogramm zu einem pulsierenden Treffpunkt.

Besondere Highlights waren unter anderem die Abschlusspräsentation des Theaterlabors „Turn the Tide“, bei der über 35 Teilnehmende das in dem einwöchigen Prozess Entstandene in einer Show präsentierten. An anderen Abenden sorgten etwa „La Conquete“ der französischen Compagnie à, oder das britische Tmesis Theatre mit „Sealskin“ für lange Standing Ovations. Für hohes Interesse sorgte auch das an mehreren Abenden geöffnete Labyrinth, ein begehbares und interaktives Performanceformat, sowie das umfangreiche Musikprogramm, das begleitend zu den Theaterstücken an jedem Abend zum Tanzen oder Träumen einlud.

Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung zunimmt und viele Diskurse verhärten, hat die Winterwerft erneut gezeigt, wie dringend Räume des Dialogs und der künstlerischen Auseinandersetzung gebraucht werden. Zehn Jahre Winterwerft stehen für zehn Jahre internationale Zusammenarbeit, kollektive Forschung und gelebte Solidarität. Dass sich ein solches Format über einen so langen Zeitraum behaupten und zugleich weiterentwickeln konnte, ist alles andere als selbstverständlich.

Der künstlerische Leiter Bernhard Bub dankte zur Eröffnung insbesondere der Stadt Frankfurt für die verlässliche Unterstützung in all den Jahren – sprach aber auch die in diesem Jahr wieder schwierige finanzielle Situation des Projekts an. Die große Resonanz des Publikums macht deutlich: Solche Orte werden nicht nur gebraucht – sie sind überlebenswichtig, wenn wir Zukunft nachhaltig, resilient und im Bewusstsein natürlicher Grenzen gestalten wollen.

Mit der Jubiläumsausgabe richtet sich der Blick nach vorn. TURN THE TIDE – das Blatt wenden – wird die Winterwerft auch über dieses Festival hinaus begleiten. Denn spürbar geworden ist in diesen 17 Tagen vor allem eines: Ein Kurswechsel ist nur gemeinsam möglich. Und dieser Gedanke trägt weiter: Vom 24. Juli bis 9. August 2026 lädt protagon e.V. zur 25. Sommerwerft – Internationales Theaterfestival am Fluss – unter dem Motto VOM FLUSS – ZUM OZEAN ans Mainufer ein.

winterwerft.de / sommerwerft.de