Bühnenbild für »La traviata« bei den Bregenzer Festspiele entsteht

Bregenzer Festspiele: Aufbau „La traviata” ~ © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker

In der Festspiel-Montagehalle entsteht das Bühnenbild für La traviata

Auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele nimmt Giuseppe Verdis La traviata, das Spiel auf dem See 2026/27, zunehmend Gestalt an. In der Montagehalle arbeitet das Kaschur- und Technikteam derzeit an der 700 Quadratmeter großen Spiegelwand, dem zentralen Element des Bühnenbilds.

Nach der Fertigstellung der statischen Strukturen beginnt Ende Februar auf der Seebühne die nächste, entscheidende Phase des Aufbaus: die Montage der 700 Quadratmeter großen Spiegelwand, Herzstück und visuelles Zentrum des Bühnenbildes. An ihrer höchsten Stelle wird sie über 25 Meter in die Höhe ragen.

Der zerbrochene Spiegel als zentrales Bühnenelement dient als Bild für die innere Zerrissenheit der Pariser Kurtisane Violetta Valéry, deren tragische Geschichte Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin in die rauschhaften 1920er-Jahre verlegen: eine Welt aus mondänen Jazzclubs, glitzerndem Überfluss und innerer Leere.

Bregenz, am 5.2.2025: Pressekonferenz zum Aufbau „La traviata“ in der Montagehalle
v.l.n.r.: Susanna Boehm (Ausstattungsleiterin), Lilli Paasikivi (Intendantin), Wolfgang Urstadt (Technikdirektor)

© Bregenzer Festspiele / Lisa Mathis

Aber die Spiegelwand ist kein echter Spiegel – ein solcher würde bei Lichteinfall das Publikum blenden –, sondern eine Illusion: das täuschend echte Abbild einer zerbrochenen Spiegeloberfläche. Ähnlich einem riesigen Puzzle werden die Techniker:innen der Bregenzer Festspiele die Wand in den kommenden Wochen aus 86 einzelnen Splittern zusammensetzen, deren Dimensionen von über zwölf Metern Länge bis hin zu nur knapp 40 Zentimetern reichen.

Mehr als die Hälfte der Wandfläche ist beweglich und kann während der Vorstellung aktiviert werden. Zusätzlich dient die Spiegelwand als überdimensionale Projektionsfläche für Filmausschnitte aus Violettas Lebensgeschichte, die im Oktober unter der Leitung von Regisseur Damiano Michieletto in Wien gedreht wurden.

Abbild einer Spiegeloberfläche

In der Montagehalle des Festspielhauses fertigt das Festspiel-Kaschur- und Technikteam schon seit dem Herbst 2025 die großen und kleinen Spiegelsplitter an: aus CNC-gefrästen Holzplatten, bedrucktem Gewebe sowie grün lackierten Stegplatten an den sichtbaren Kanten.

Bregenz, am 5.2.2025
Pressekonferenz zum Aufbau „La traviata“ in der Montagehalle

© Bregenzer Festspiele / Lisa Mathis

Um das Gewebe auf den Holzplatten zu befestigen, kommt ein in der textilen Möbelverarbeitung gebräuchlicher Klebstoff zum Einsatz. Dafür hat man gemeinsam mit externen Partnern eine eigene Maschine entwickelt, mit der der Klebstoff gleichmäßig auf die jeweils mehrere Quadratmeter großen Flächen aufgetragen werden kann. Erst wenn das Gewebe exakt positioniert ist, wird der Klebstoff mithilfe in die Maschine integrierter Heizstrahler aktiviert und so dauerhaft fixiert.

Bregenzer Festspiele: Aufbau „La traviata”: Klebearbeiten in der Montagehalle
© Bregenzer Festspiele / Eva Cerv

Das Wasserbecken zwischen Seebühne und Zuschauerraum, das im Bühnenbild von Der Freischütz eine wichtige Rolle spielte, wird auch bei La traviata Teil der Inszenierung sein, jedoch in einer veränderten szenischen Funktion.

Glanz, Exzess und innere Leere

Mit Giuseppe Verdis La traviata zeigen die Festspiele eines der beliebtesten Werke der Operngeschichte erstmals auf der Seebühne. Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin verlegen die Geschichte der Pariser Kurtisane Violetta Valéry in die rauschhaften 1920er-Jahre – eine Welt zwischen Glanz, Exzess und innerer Leere. 

Es ist eine zynische, kapitalistische, faszinierende Welt, die konsumieren will und keine Zeit zu verlieren hat. Damiano Michieletto

Violettas Schicksal entfaltet sich als modernes Drama: eine Frau im Licht der Aufmerksamkeit – und zugleich im Schatten gesellschaftlicher Verachtung. Premiere ist am 22. Juli. Es dirigieren Kirill Karabits und Pietro Rizzo.

La traviata wird im Sommer 2026 an 28 Abenden zu sehen sein. Rund 188.000 Karten sind für das Spiel auf dem See aufgelegt, davon sind rund 80 Prozent bereits gebucht. Insgesamt stehen für die nahezu 80 Veranstaltungen der diesjährigen Festspielsaison 228.000 Tickets (inkl. Generalprobe La traviata) zur Verfügung.


Die Bregenzer Festspiele 2026 finden von 22. Juli bis 23. August statt.
Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.