Entstanden 1943–44 im Konzentrationslager Theresienstadt, ist Viktor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis oder Die Todverweigerung ein eindringliches Beispiel für Mut und Widerstand in Zeiten größter Finsternis und bis heute eines der wichtigsten Werke gegen Populismus und Tyrannei.
Als Parabel auf ein despotisches System erzählt die Oper von Kaiser Overall von Atlantis: Isoliert sitzt er in seinem Palast sitzt und ruft zum „Krieg aller gegen alle“ auf. Als einzige Verbindung zur Außenwelt dient ihm ein Lautsprecher, der seine Befehle verkündet. Doch einer widersetzt sich und quittiert den Dienst: Es ist der Tod. Plötzlich kann niemand mehr sterben und der Kaiser droht an Macht zu verlieren …
In ihrer Inszenierung, die nun am Staatstheater Mainz auf die Bühne kommt, will die Regisseurin Ana Cuéllar Velasco die Entstehungsgeschichte des Werks nicht ignorieren und dennoch auch über die heutige Realität sprechen. Inspiriert durch die Analysen des koreanischen Philosophen Byung-Chul Han, zeichnet sie das Bild einer infokratischen Gesellschaft, in der schnelle Informationen wichtiger sind als die Wahrheit, sowie deren Sprachlosigkeit und Isolation angesichts einer mächtigen Propagandamaschinerie.
Das Bühnenbild von Hella Prokoph skizziert ein digitales Gefängnis und gibt Raum für Videoprojektionen von Judith Selenko. Doch auch die Hoffnung steht für Ana Cuéllar Velasco im Mittelpunkt des Stoffes, sie ist dem Werk eingeschrieben, das seinen Weg aus dem Gefängnis gefunden und, anders als Viktor Ullmann, die NS-Zeit überlebt hat. Sie hat die Kraft der Transformation und sorgt auch auf der Bühne für den befreienden Bruch mit dem System.
Unter der Leitung von Kapellmeister Paul-Johannes Kirschner sind starke Stimmen des Opernensembles, darunter Brett Carter als König Overall und Derrick Ballard als Tod, gemeinsam mit dem Philharmonischen Staatsorchester zu hören.
Der Kaiser von Atlantis
Kammeroper
Von: Viktor Ullmann
Uraufführung: 16. Dezember 1975 (Amsterdam, Het Muziektheater)
Premiere am Staatstheater Mainz: Sonntag, 22. Februar 26 (Kleines Haus)
Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner
Inszenierung: Ana Cuéllar Velasco
Bühne: Hella Prokoph
Kostüme: Elionor Sintes
Video: Judith Selenko
Licht: Karin Gebert
Dramaturgie: Elena Garcia Fernandez
Besetzung:
Kaiser Overall: Brett Carter
Der Lautsprecher: Daniel Semsichko
Der Tod: Derrick Ballard
Harlekin: Collin André Schöning
Ein Soldat: Yoonki Baek
Bubikopf, ein Soldat: Jeeho Anja Park
Der Trommler: Karina Repova
Philharmonisches Staatsorchester Mainz
Weitere Vorstellungen: 27.02., 02.03., 08.03., 03.04., 24.04., 11.05., 05.06., 20.06.
staatstheater-mainz.com
