Das Frankfurter Künstler*innenhaus Mousonturm verhandelt Gewalt, Solidarität und Handlungsspielräume
Wenn von Widerstand die Rede ist, geht es selten um einfache Antworten. Es geht um Radikalität im eigentlichen Sinn, um die Frage nach den Wurzeln von Gewalt und darum, welche Formen des Widerstands unter welchen Bedingungen möglich, legitim oder unausweichlich erscheinen. Theater wird dabei zum Ort, an dem gesellschaftliche Konflikte nicht nur dargestellt, sondern in Körpern, Stimmen und Situationen erfahrbar gemacht und zur Diskussion gestellt werden.
Im Februar bündelt der Mousonturm künstlerische Arbeiten, die Widerstand als körperliche Praxis, als politische Erzählung und als historisch wie gegenwärtig umkämpftes Feld untersuchen. Die Produktionen von Julian Warner, Magda Szpecht und Laura Stellacci thematisieren Krieg und Militarisierung, antikoloniale Geschichte, biografische Radikalität und Fragen von Verantwortung in einer von globalen Konflikten geprägten Gegenwart. Theater wird hier als Raum verhandelt, in dem unterschiedliche Perspektiven auf Gewalt, Solidarität und Handlungsspielräume sichtbar werden.
Ergänzt werden diese Arbeiten durch Veranstaltungsformate, die unter anderem in Kooperation mit dem Dezernat II, Stabsstelle Antidiskriminierung entstehen. Die Reihe „Demokratie stärken, solidarisch handeln!“ verbindet künstlerische Formate mit politischer Bildung und greift Themen wie Antisemitismus, Erinnerungspolitik und Schwarzes Empowerment auf. Im Rahmen des Black History Month findet zudem der Storytelling Salon mit Hadija Haruna Oelker statt.
Julian Warner – Der Soldat. Ein Übergangsritual
4./5.2., 20 Uhr, Mousonturm
Julian Warner setzt sich in seinem Solo mit Frantz Omar Fanon und der Rolle von Gewalt in politischen Befreiungsbewegungen auseinander. Begleitet von Live-Schlagzeug wird die Verwandlung zum Soldaten körperlich erfahrbar und stellt die Frage, wie sehr militärisches Denken heute gesellschaftliches Handeln prägt.
Magda Szpecht – She stands in the middle of the battlefield
20./21.2., 20 Uhr, Mousonturm
Ausgehend von Text- und Sprachnachrichten einer Freundin an der ukrainischen Front entwickelt Magda Szpecht eine eindringliche Auseinandersetzung mit Krieg und Geschlechterverhältnissen. Zwischen Idealismus, Erschöpfung und struktureller Gewalt fragt das Stück danach, wem der Körper der Soldatin gehört.
Laura Stellacci – Boccalero
Uraufführung, 26./27.2., 20 Uhr, Mousonturm
In einer tänzerischen Annäherung erinnert Laura Stellacci an die widersprüchliche Figur der Aktivistin und Nonne Sister Karen Boccalero. Drei Tänzerinnen verdichten Biografie, Projektion und Widerstand zu einer körperlichen Hommage an eine Frau, die sich konsequent gesellschaftlichen Zuschreibungen entzog.
Weitere Veranstaltungen:
Ehrensache – Kämpfen gegen Judenhass
3.2., 18 Uhr, Mousonturm Studio 1
In der Lesung und anschließenden Diskussion stellt der Pädagoge und Autor Burak Yilmaz sein Buch vor und spricht über Erscheinungsformen von Antisemitismus, Bildungsarbeit und zivilgesellschaftliche Verantwortung.
Kulturkampf von links – Widerständige Strategien
3.2., 20 Uhr, Mousonturm Stern
Ausgehend von der Frage, wann Kulturkampf als politische Auseinandersetzung in militärische Logiken übergeht, diskutieren Simone Dede Ayivi, Daniel Loick und Julian Warner über widerständige Praxis im Theater und in der Kulturproduktion.
Storytelling Salon mit Hadija Haruna-Oelker – 40 Jahre ISD Deutschland
12.2., 19 Uhr, Mousonturm Studio 1
Der Abend widmet sich der Geschichte und Gegenwart Schwarzer Communities in Deutschland, Fragen von Erinnerung, Sichtbarkeit und politischer Selbstorganisation. Beiträge aus Wissenschaft, Kultur und Aktivismus verbinden persönliche Erzählungen mit gesellschaftlicher Analyse. Der Abend wird von Hadija Haruna-Oelker kuratiert und moderiert.
Ein Grußwort spricht die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Nargess Eskandari-Grünberg.
Konfliktdynamiken im Krieg gegen die Ukraine
20./21.2., 19 Uhr, Mousonturm Studio 1
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Hach vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung analysiert aktuelle Phasen und Dynamiken des Ukrainekriegs sowie Fragen von Eskalationsmanagement und Diplomatie.
Das Widerstands-Programm im Februar findet sich unter: mousonturm.de
Das Künstler*innenhaus Mousonturm
Seit über 30 Jahren zählt das Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt zu Deutschlands führenden Theatern für die zeitgenössischen freien darstellenden Künste. Das internationale Produktionshaus entwickelt und präsentiert Tanz, Theater, Performance und Musik und produziert neue Werke von wegweisenden Künstler*innen aus der Rhein-Main-Region, dem deutschsprachigen Raum und vielen Orten weltweit. Als Bühne, Werkstatt und Resonanzraum für neue Formen künstlerischer Praxis ermöglicht der Mousonturm Begegnung, Perspektivwechsel und gesellschaftlichen Dialog.
