Ping-Pong und Zwölftonmethode, Haustierfragen und Weltanschauliches, Telefonanschluss und Bekenntnisoper: In Hausbesuchen bei Arnold Schönberg erschließen sich biographische, künstlerische und zeitgeschichtliche Konstellationen im Brennpunkt einer Jahrhundertgestalt der Kulturgeschichte. Lebenswelten in Heimat und Exil führen von Europa in die USA, markieren Schaffensmittelpunkte in Wien, Berlin, Mödling, Boston und Los Angeles.
Schönbergs Lebensweise wurzelte im praktisch gelebten Alltag und fand in einem konsequent auf Funktionalität ausgerichteten Wohnen ihre Entsprechung. Im Künstlerischen bediente er sich der Bedingungen seiner Materialien gleich einem Tischler, stellte reine Handwerkslehre über Theorieglauben, Wahrheit über Schönheitssinn, Kunstwirkung über die Ewigkeitsgesetze konservativer Ästhetik.
Er propagierte die Befreiung von Systemzwängen als notwendiges Ziel jeder Denkbemühung und widmete im Streben nach Handhabbarkeit und Fasslichkeit dem Entwurf eines Reisenotenständers vergleichbare Hingabe wie der Ausarbeitung musikalischer Gedanken.
In der Ausstellung steht Schönberg auch als Zeitzeuge einer transatlantischen Biografie, beispielhaft für ein Exil ohne Wiederkehr nach Österreich. Nationalität, Heimat, Fremdheit und Brüche bilden wiederkehrende Motive autobiographischen Schreibens – ablesbar und hörbar in den Solokonzerten für Violine bzw. Klavier, den nach barocken Formen konzipierten Suiten sowie den durch Zeitbezüge kontextualisierten Kammermusikwerken.

Palais Fanto mit Arnold Schönberg Center im 1. Stock; Zaunergasse 1–3, 1030 Wien
© Arnold Schönberg Center, Wien
In der Ausstellung »Zu Gast bei Arnold Schönberg« (11. März 2026 – 19. Februar 2027) sind insgesamt 170 Exponate zu sehen. Musik- und Textmanuskripte, Briefe, Postkarten, Fotografien, Dokumente, Designs und Bricolagen repräsentieren den Komponisten, Musiker, Lehrer, Schriftsteller, Familienmenschen und Gastgeber.
10 Grafiken zeigen Schönberg als Karikaturisten, 26 Gemälde beleuchten Jahre der Malerei in Wien. Arbeitsutensilien, Schreibmaschine, Metronom und Stimmgabel sowie das von Schönberg entworfene Quartettnotenpult ermöglichen Einblicke in Komponierwerkstatt und Bastelstube, die für ihn stets in engem Zusammenhang standen.

Arnold Schönbergs Arbeitszimmer
Los Angeles, 116 North Rockingham Avenue, Brentwood Park
Die Replik mit originalem Interieur ist dauerhaft am Arnold Schönberg Center ausgestellt.
© Hannes Böck
Besucher:innen begegnen historischen Gästen Schönbergs: Tonkünstler und Schachweltmeister, Drehbuchautorin und Nobelpreisträger, Exilhabsburger und Comedian: darunter Francis Poulenc, Emanuel Lasker, Salka Viertel, Thomas Mann, Otto von Habsburg und Harpo Marx.
Tablets mit digital animierten Partituren erlauben einen synchronen Bild-Ton-Nachvollzug der ausgestellten musikalischen Quellen. Historische Film- und Fotoaufnahmen vermitteln Eindrücke der damaligen Wohnstädte (u. a. Wien und Berlin). Werke aus allen Schaffensperioden erklingen, darunter »Pelleas und Melisande« op. 5, »Pierrot lunaire« op. 21, das Bläserquintett op. 26, »Moses und Aron« sowie das Klavierkonzert op. 42 (Komposition als Autobiographie).

Arnold Schönberg beim Unterrichten seiner Schüler; anwesend sind u. a. Alfred Carlson, Natalie Limonick, Richard Hoffmann und Hanson Endicott, Los Angeles, 1948
Foto: Richard Fish ~ Arnold Schönberg Center, Wien
Schönbergs Vita wird auf einer ausführlichen Timeline separat dargestellt; deren Kurzfassung liegt als Portrait Arnold Schönberg im Leporelloformat gedruckt vor.
Im Hörraum sind ausgewählte Kompositionen in einem repräsentativen stilistischen Querschnitt zu hören. Am Ende der Ausstellung steht das von Schönberg entworfene Koalitions-Schach. Figuren, Gangarten, Aufteilung sowie Grundregeln und Spielvarianten sind auf www.schoenberg.at dokumentiert; auch Daten für den 3D-Druck sind dort abrufbar.
Wohnsitze Arnold Schönbergs (Auswahl)
WIEN Leopoldsgasse 9, Wien II. (1895–1898)
Porzellangasse 53, Wien IX. (1900–1901)
Liechtensteinstraße 68/70, Wien IX. (1903–1910)
Hietzinger Hauptstraße 113, Wien XIII. (1910–1911)
Gloriettegasse 43, Wien XIII. (1915–1917)
MÖDLING Bernhardgasse 6 (1918–1925)
BERLIN Lettestraße 9 (1902)
Augsburger Straße 48 (1902–1903)
Villa Lepcke, Machnower Chaussee, Berlin-Zehlendorf (1911–1913)
Berliner Straße 17a, Berlin-Südende (Mariendorf) (1913–1915)
Pension Bavaria, Steinplatz 2, Charlottenburg (1926–1927)
Nussbaum-Allee 17, Berlin Neu-Westend (1928–1930)
Meran Corso Hotel, Nürnberger Platz 3 (1930–1933)
BROOKLINE Pelham Hall, 1284 Beacon Street (1933–1934)
NEW YORK Hotel Ansonia, Suite 1477, Broadway & 73rd Street (1934)
LOS ANGELES 5860 Canyon Cove, Hollywood (1934–1936)
116 North Rockingham Avenue, Brentwood Park (1936–1951)
Seit der Gründung des Arnold Schönberg Center vor 28 Jahren lädt es bereits zur 28. Ausstellung ein. Dieses Mal öffnet sich eine ganz besondere Tür: Besucher:innen sind gebeten, »Zu Gast bei Arnold Schönberg« zu sein. Der Universalkünstler lebte an insgesamt 17 Orten auf zwei Kontinenten, an denen sich Alltag mit außergewöhnlicher Kreativität verband. Dabei begegnet man auch so manchen illustren Gästen Schönbergs: Persönlichkeiten, deren Bekanntschaft den Besuch zu einer überraschenden und bereichernden Erfahrung werden lässt. Ulrike Anton, Direktorin
Anhand von 170 vielgestaltigen Objekten entspinnt sich eine Lebenswerkgeschichte im Parallelgang zum Epochenwandel der Musik und zum bewegten Zeitgeschehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auf historischen Fotografien dokumentierte Wohnräume lassen sich als innenarchitektonische Selbstportraits ihres einstigen Bewohners betrachten. Den Künstler umgebende Gemälde werden kuratorisch ebenso aufgegriffen wie Kompositionen, die an Wohnsitzen in Europa und den USA entstanden sind. Heimat, inneres und äußeres Exil bilden Schwerpunkte einer transatlantischen Spurensuche. Therese Muxeneder, Kuratorin
Ausstellung »Zu Gast bei Arnold Schönberg«
Arnold Schönberg Center, Wien
11. März 2026 bis 19. Februar 2027
Kuratorin: Therese Muxeneder
Architektur: Jochen Koppensteiner
Digitale Realisierung: Christoph Edtmayr
Restaurierung: Verena Graf
Technische Realisation: Tischlerei Karl Walter GmbH, Absdorf; Rudolf Tmej GmbH Fabrik für technische Federn, Wien; vienna art handling GmbH
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–17 Uhr, feiertags sowie 3. April, 24. und 31. Dezember 2026 geschlossen
Eintrittspreise:
Erwachsene 6,00 €
Senior:innen, Menschen mit Behindertenausweis/Assistenzpersonen 3,00 €
Besucher:innen mit Vienna City Card, Stadt Wien Vorteilsclub 4,80 €
Mitglieder von Club Ö1 5,40 €
Kinder und junge Menschen bis 26 Jahre frei
Kulturpass-Inhaber:innen frei
ICOM frei
Catalogue raisonné, Wien, 2005: € 34
Die Publikation bietet einen Gesamtüberblick zu Arnold Schönbergs Bildschaffen, seine darauf bezogenen Schriften und Äußerungen bedeutender Zeitgenoss:innen.
Portrait Arnold Schönberg, Wien, 2025: € 14,50
Eine Kurzfassung der in der Ausstellung gezeigten Timeline liegt als Portrait Arnold Schönberg im Leporelloformat vor.
