Das Programm der Richard-Strauss-Tage Garmisch-Partenkirchen 2026

© Richard Strauss Tage

Ganz im Süden Bayerns, unter den Gipfeln von Zug- und Alpspitze, fand Richard Strauss einst Inspiration und Heimat. In Garmisch-Partenkirchen wird sein Werk bis heute bewahrt. Werkstattluft am Ort seines Schaffens weht auch durch die Richard-Strauss-Tage, die das Werk des Komponisten stets mit aufregenden thematischen Verknüpfungen neu beleuchten.

2026 gibt es vom 6. bis 14. Juni nicht nur große Sinfoniekonzerte, sondern auch Entdeckungen: Strauss als Kontrapunktiker, späte Vokalwerke – nicht nur für Sopran, sondern auch für Männerchor – und eine neue „Salome“-Fassung für Kammerorchester. Zudem Werke von Vater Franz Strauss und Mentor Hans von Bülow. Und einen Meisterkurs mit Cheryl Studer. Dazu Kulinarik, Lesungen, öffentliche Diskussionen und Wanderungen mit Musik.

Das Programm der Richard-Strauss-Tage 2026:

Als Zentrum einer authentischen Strausspflege bietet Garmisch-Partenkirchen eine Atmosphäre, die sich von anderen Strauss-Orten abhebt und die Werkstattluft von Strauss auf besondere Weise spüren lässt. Am Ort seines Schaffens wird das Werk des Komponisten bewahrt und bei den Richard-Strauss-Tagen seit 1989 in aufregenden thematischen Verknüpfungen stets neu beleuchtet. Die Verbundenheit mit alpiner Natur und regionaler Kultur schafft zudem eine einzigartige Atmosphäre: Klassische Musik auf höchstem Niveau unter den Gipfeln derjenigen Berge, die für Strauss Inspiration und Heimat waren – vom 6. bis 14. Juni 2026.

Zwei programmatische Sinfoniekonzerte und eine „Salome“ im neuen Gewand

Mit den Stuttgarter Philharmonikern kehrt der „Conductor-in-Residence“ Rémy Ballot ans Pult zurück. Das Sinfoniekonzert am 13. Juni bringt die künstlerischen und weltanschaulichen Einflüsse auf den jungen Strauss zum Erklingen: Strauss’ Tod und Verklärung und die selten aufgeführte Tondichtung Nirwana von Strauss’ Mentor Hans von Bülow ergründen die Rolle des Künstlers auf der Welt und seinen Kampf für ein übergeordnetes Ideal, das er im Leben nie verwirklicht. Ergänzt wird das Programm von der 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Ein Matinéekonzert am 14. Juni vertieft die Themen »Lebenskampf« und »Abschied vom Endlichen« mit den Metamorphosen für 23 Solostreicher von Strauss und Mozarts Sinfonie Nr. 40, kontrastiert durch das heiter-verklärte Duett-Concertino, einem der letzten Werke von Strauss.

Richard Strauss Villa
(© Wolfgang Ehn)

Zum Festivalfinale am 14. Juni erklingt Strauss’ Erfolgsoper Salome erstmals in einer Fassung für Kammerorchester von Klemens Vereno. Nach der aufsehenerregenden Ariadne auf Naxos im Jahr 2024 setzen die Richard-Strauss-Tage ihre Kooperation mit der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker und dem Department für Oper und Musiktheater der Universität Mozarteum Salzburg fort. Die Besonderheit ist, dass der professionelle Nachwuchs in Garmisch-Partenkirchen direkt in die Auseinandersetzung mit dem Opernschaffen von Strauss gerät und dabei an Schlüsselpositionen im Orchester von Stimmführern der Wiener Philharmoniker unterstützt wird. Auch die jungen Sängerinnen und Sänger stehen gemeinsam mit weltbekannten Stars auf der Bühne – etwa mit Johanni van Oostrum in der Titelrolle.

Späte Vokalmusik & ein Meisterkurs mit Cheryl Studer

Am 7. Juni geben Christina Bock und Jobst Schneiderat einen Liederabend mit selten aufgeführten späten Goethe-Liedern und den Gesängen des Orients von Strauss. Ein Gesangsabend am 8. Juni widmet sich mit Werken für Männerchor einem heute fast ausgestorbenen Repertoire. Strauss komponierte für diese Besetzung mehrere Werke. Exklusiv für das Publikum der Richard-Strauss-Tage hebt das preisgekrönte Leipziger Vokalquintett amarcord zudem Schätze aus dem Archiv des Richard-Strauss-Instituts: Neben Chorwerken für Männerchor von Gustav Mahler, Richard Strauss, Max Reger und Peter Cornelius sind erstmals zwei bislang unbekannte Männerchorwerke des Vaters von Richard Strauss zu erleben.

Konzert bei den Richard Strauss Tagen
(© Wolfgang Ehn)

Nachdem die Originalmanuskripte dieser beiden Stücke von Franz Strauss dem Richard-Strauss-Institut 2024 überreicht worden waren, erklingen sie nun erstmals vor Publikum.
Zum Thema Gesang: Für den diesjährigen Meisterkurs (8.–12. Juni) ist die Verpflichtung von Cheryl Studer als Dozentin gelungen. Die renommierten Gesangs-Meisterkurse der Richard-Strauss-Tage unterstreichen den Anspruch des Festivals, künstlerische Erfahrung auf höchstem Niveau an die nächste Generation weiterzureichen.

Strauss als Kontrapunktiker

Während Johann Sebastian Bach bis heute als Großmeister des Kontrapunktes gilt, musste jeder ernsthafte Komponist die Schule dieser Kunst durchlaufen – mit wechselndem Erfolg. Die „Kontrapunktischen Studien“ des Richard-Strauss-Archivs umfassen drei Hefte mit einer großen Anzahl an Kanons und Fugen aus der Feder des jungen Strauss. Sie demonstrieren eindrucksvoll den Werdegang eines jungen, ernsthaften Komponisten, der sich den teils hochkomplexen Formen der Kanon- und Fugenkomposition widmet. Viele dieser Werke erklingen erstmals öffentlich, präsentiert vom Ensemble SineQuaNon Berlin (12. Juni). Ergänzt wird der Konzertabend mit Kammermusik von Johann Sebastian Bach und Joseph Gabriel Rheinberger.

Eröffnung und Open-Air

Zur Eröffnung (6. Juni) präsentieren die Nymphenburger Streichersolisten mit dem Pianisten Julian Riem Werke von Strauss, Ludwig Thuille und Hermann Goetz. Ein Open-Air-Matinéekonzert (7. Juni) mit Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden bringt authentischen Strauss-Klang in Form von Serenadenmusik in den Kurpark.

Kulinarik, Theater und Natur

Die Richard-Strauss-Tage sind kein elitärer Rückzugsort, vielmehr suchen sie aktiv den Diskurs sowie die Verbindung zur Region und ihren Menschen. Daher wird das Programm von einer Reihe weiterer Formate bereichert. Der Open-Air Konzertabend „Strauss im Park“ mit der Musikkapelle Partenkirchen, der Sopranistin Ilme Stahnke und dem Partenkirchner Pianisten und Dirigenten Friedrich Szepansky (10. Juni) übersetzt Strauss-Repertoire in die Klangsprache der alpenländischen Blasmusiktradition. Eine „Klassikjause“ (9. Juni) verbindet Kulinarik mit einer heiteren Lesung und Musik, während am 11. Juni angehende Köch:innen und Servicefachkräfte des Beruflichen Schulzentrums unter dem Motto „Essen wie Strauss“ Genussmomente mit einem Vier-Gang-Menü nach Originalrezepten von Pauline Strauss schaffen.

Ein „Kulturfrühstück“ (13. Juni) thematisiert in einer öffentlichen Diskussion anlässlich des Gedenkens an den 90. Jahrestag der IV. Olympischen Winterspiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen Strauss’ Rolle bei der Eröffnung der Spiele und die Olympische Hymne. Mit Patrick Süskinds Einakter Der Kontrabass steht am 13. Juni eine Theaterproduktion auf dem Spielplan. Natürlich fehlen auch die beliebten Musikwanderungen (8. und 13. Juni) nicht. Mit Bergführer Alois Lösl und zwei Musikern begeben sich die Gäste auf eine Wanderung in freier Natur und erleben musikalische Einlagen inmitten der Berglandschaft.

richard-strauss-tage.de